Messerangriffe, Brandanschläge, Galgen auf Demos und Hassmails …..

Messerangriffe, Brandanschläge, Galgen auf Demos und Hassmails …

Wieso überrascht es so viele Menschen das nach der Verrohung der Sprache auch die Hemmschwellen für körperliche Übergriffe sinkt?
Die Worte folgen den Gedanken, die Handlungen den Worten und die Handlungen zeigen die Werte und einen Charakter. Diese Zusammenhänge sind nicht wirklich neu.

Wirklich erschreckend ist die völlige Angstfreiheit zunehmend vieler Mitbürger hinsichtlich Grenzüberschreitungen.
Ist der Tabubruch in jedweder Hinsicht mittlerweile so gesellschaftsfähig, dass man mit solchen Handlungen sogar offen prahlt?
Hassmails gegen andersdenkende mit offener Namensnennung, verunglimpfende Plakate so schlimm wie lange nicht mehr, Gewalt gegen Polizisten – alles mittlerweile normal? Wie kam es zu dieser Enthemmung?

Und wenn uns diese aktuellen Entwicklungen die wir jeden Tag in den Medien beobachten belasten und bedrücken, wenn wir dies nicht akzeptieren wollen, wie sehen unsere Antworten und Rezepte aus?

Viele der ganz schnellen Antworten laufen auf Bildung hinaus.
Dabei geht man davon aus, dass Bildung ein Allheilmittel ist. Doch ist das so richtig?
Bei den so hasserfüllten Pegida Demonstrationen sind doch nicht nur ungebildete Leute dabei?! Es sind erschreckend viele vermeintlich ganz „normale“ Bürger aus der Mitte der Gesellschaft, die dort eine Maske fallenlassen, die brüllen und pöbeln, und Sprüche skandieren wie aus der schlimmsten Zeit unseres Landes?!

Was diesen Menschen in der rechten Szene, bei Pegida oder auch der AfD fehlt, ist nicht zwingend Bildung, sondern Anstand, Moral und eine natürliche Empfindung für Ethik und Mitmenschlichkeit. Es fehlt einfach die humanitäre Grundgesinnung.

Würde die Vermutung, dass Bildung quasi automatisch zu einem vernünftigen Verhalten führt und solche schlimmen blanken Hasstiraden und Gewaltausbrüche verhindern könnte, gleichzeitig bedeuten, dass gebildete Menschen grundsätzlich mehr Anstand und Vernunft besitzen?
Ich persönlich kenne sehr sehr viele Menschen die unglaublich integer, die verantwortungsbewusst, die in vielerlei Hinsicht vorbildhaft sind und die gleichzeitig keine umfassende Bildung genießen konnten.
Umgekehrt waren die schlimmsten Monster in unserer Geschichte durchaus auch gebildete Menschen. Und wenn man sich daran erinnert mit welcher Schamlosigkeit verantwortungslose Finanzjongleure tausende von Betrieben und zigtausende von Menschen in den Ruin getrieben haben und keine Scham hatten hierfür auch noch Bonuszahlungen zu erwarten, dann ist auch dies ein Beweis dafür, dass eine gute Bildung nicht zwangsläufig zu einem richtigen Verhalten oder einem guten Charakter führt.
Eine bessere, eine umfassende Bildung brauchen wir zwingend bei der Weiterentwicklung unserer Gesellschaft, aber ohne ethische Leitplanken hilft sie kaum und ist ziellos.

In einer, mit inszenierten Tabubrüchen überschwemmten Gegenwart, in der Begrifflichkeiten wie Verhalten, Charakter, Moral und vielleicht auch Anstand leicht als überkommen, altmodisch oder uncool belächelt werden, entwickeln ungezügelte Sprache und Taten sich zu Säureähnlichen zersetzenden Prozessen.
Zu dieser Erosion unseres gesellschaftlichen Fundamentes tragen wir alle bei.
Und nur gemeinsam sind wir in der Lage diese Entwicklungen zu stoppen.
Sicherlich wird man die Entwicklungen in vielen Bereichen unseres Lebens nicht mehr zurückdrehen. Wir haben alle unglaublich viel mehr Freiheiten in fast allem, was wir tun. Diese größere Freiheit führt aber unzweifelhaft auch zu wesentlich größerer Verantwortung.
Individuelle und gesellschaftliche Freiheit kann nur bestehen auf der Basis einer politischen, gesellschaftlichen Ethik, die mit dieser Entwicklung Schritt hält und diese durch Begrenzungen auch gestaltet.
Müssen wir nicht dringend anfangen uns mit diesen Werten, mit einer tragfähigen Ethik in der heutigen Zeit zu beschäftigen? Sie zu leben? Beispielhaft danach zu handeln?

Meinungsauseinandersetzungen, die Suche nach dem besten Weg bei unseren Aufgaben und Zielen sollen durchaus mit scharfer Klinge ausgefochten werden. Solche Diskussionen bei der Suche nach den besten Lösungen unserer Herausforderungen sind die Triebfedern unserer Demokratie.
Doch dort, wo Hass und Niedertracht in Gedanken und Worte einzieht, wo Menschen seelisch und körperlich Leid angedroht und zu oft auch angewendet wird, da hört jedes Verständnis, jede Toleranz auf.
Es gibt keine einzige Entschuldigung, die für solches Verhalten auch nur annähernd akzeptabel wäre.
Besorgte Bürger können und sollten sich artikulieren! Für eine solche sachgerechte Debatte ist unsere Demokratie ideal.
Jeder hat angesichts des milionenfachen Leides von Flüchtlingen auf der Welt das Recht und sogar die Pflicht teilzunehmen an der Debatte um die beste, die humanitärste und für uns alle tragbarste Lösung. Hier sind Herz aber auch Verstand gefordert.
Hassgedanken, Hassworte und Hassgewalttaten bei dieser notwendigen Debatte sind nicht nur beschämend für uns alle, sie sind inakzeptabel.
Hier braucht es die gesamte Ächtung solcher Hassprediger. Verständnis brauchen solche geistigen Brandstifter, gleichgültig aus welchem Lager sie stammen, nun wirklich nicht. Diese wollen sie auch nicht!

Es braucht aber auch über diese Tage hinaus eine neue Kultur der Konsequenz.
Wer in einer Gesellschaft von vielen und immer mehr sehr unterschiedlichen Menschen leben will und wird, der muss die Demokratie schützen. Dazu gehört die Verteidigung der Meinungsfreiheit aber auch ein konsequentes und verständliches System von Recht und Ordnung. Unsere Vorliebe für alles Verständnis und viele Entschuldigungen zuzulassen, wird auf gerade zu perfide Art und Weise von den Gegnern unseres Gemeinwesens ausgenutzt.

Die Brandstifter mit dem Wort und der Tat müssen von uns allen merken, dass sie außerhalb stehen und wir ihr Treiben weder Gutheißen noch akzeptieren.
Dazu gehören auch eindeutige juristische Konsequenzen.
Eine wehrhafte Demokratie braucht sich vor nichts zu fürchten, wenn sie bereit ist, konsequent zu handeln.

Ich bin davon überzeugt das wir neben den anstehenden ökonomischen Herausforderungen auch eine umfassende Gesellschaftliche, ethische und juristische Diskussion benötigen. Damit unsere Demokratie gesund bleibt, müssen wir die zum Teil schrecklichen Krebsgeschwüren gleichenden hasserfüllten Gedanken, Worte und Handlungen rechzeitig, konsequent und ohne Zugeständnisse bekämpfen. Dabei ist es völlig unerheblich ob diese Angriffe von rechten linken von islamistischen oder anderen radikalen Gruppen ausgehen.

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