Du bist nicht mehr derselbe?

Am Wochenende sagte mir ein alter politischer Bekannter (durchaus kritisch) . Du bist nicht mehr derselbe.
Was meinte er damit? Weiß er, was mein Ich eigentlich ist, wie es sich zusammensetzt?
Du bist nicht mehr derselbe, dieser Satz berührt und beschäftigt, kann manchmal sogar kränken. Mich beschäftigt dabei nicht so sehr die Bemerkung an sich, sondern die daraus folgenden Gedanken und Gefühle, die eine solche Aussage verursacht.
Beschreibt diese Feststellung, nicht mehr derselbe zu sein, nicht eine unumstößliche Tatsache? Wir durchlaufen als Menschen eine ganze Reihe von Veränderungen. Wir gewinnen Erfahrung und Erkenntnisse, die unsere Sicht auf die Dinge verändern und neu justieren. Wir ändern unsere Wünsche, Vorstellungen, unsere Wahrnehmung ändert sich. Unser Körper ändert sich ununterbrochen (nicht immer zu unserer Freude). Die Biologen gehen davon aus das wir alle 7 Jahre fast alle Zellen unseres Körpers erneuert haben. Sind wir danach noch dieselben?
Wir sind dann zwar offenbar noch die Gleichen aber nicht mehr dieselben – oder?
Gibt es überhaupt etwas an uns das gleich bleibt?

Theseus war ein seefahrender Held der griechischen Mythologie. Mit seiner Mannschaft und seinem Schiff überstand er viele Stürme. Doch mit der Zeit mussten immer wieder Planken seines Schiffes erneuert werden. Über Jahre hinweg werden alle „alten“ Bauteile durch neue ersetzt. Ist es jetzt noch dasselbe Schiff des Abenteurers? Und was würde passieren, wenn die Werft komplett aus den alten Bauteilen ein Schiff bauen würde. Was ist dann das Original?
Diese philosophische Frage des Philosophen Plutarch gilt für uns Menschen umso mehr. Wenn wir also nach 7 Jahren aus komplett anderem Zellmaterial bestehen, wenn unser Geist unser Charakter, die Wünsche und Wahrnehmungen andere sind, was bedeutet dies für unsere Identität? Früher waren wir draufgängerisch, unbeschwert, heute machen wir uns Sorgen und achten auf unsere Ängste. Sind wir also noch dieselben?

Wer bin ich? Welche meiner Wünsche, Meinungen Ansichten Gefühle sind bestimmend für mein Ich? Wann mache ich mir selber etwas vor? Gibt es ein unveränderliches Ich hinter den sich anpassenden Rollen, die ich im Beruf, vor Freunden, Familienangehörigen spiele?

„Gnothi seautun“ (Erkenne Dich selbst). Dieser Satz soll an den Säulen des berühmten Apollon Tempels in Delphi gestanden haben. Sokrates hat sich immer wieder darauf berufen. Doch was ist unser Ich, woraus besteht es?

Damit der Blogg nicht unendlich lang wird 🙂 ende ich hier um mich weiter mit diesen Gedankensplittern zu beschäftigen. Unser Ich ist ein faszinierendes Gebilde. Es hat keinen festen Platz. Besteht es im Wesentlichen aus Erinnerungen, mit denen wir Vergangenheit Gegenwart und Zukunft für uns handhabbar machen?
Darüber lohnt es sich nachzudenken. Insofern könnte man jetzt zu der Überzeugung gelangen, das man auf den Satz: „Du bist nicht mehr derselbe“ antwortet, na Gott sei Dank! Das wäre ja auch bedenklich?!

Du bist nicht mehr derselbe?

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