Wertschätzung – oder?

„Wenn die Worte nicht stimmen, dann ist das Gesagte nicht das Gemeinte. Wenn das, was gesagt wird, nicht stimmt, dann stimmen die Werke nicht.“

Dieses etwas verkürzte Zitat von Konfuzius fiel mir in die Finger, als ich jetzt einen Vortrag vorbereitete. Dabei fällt mir auf, wie oft ich auch schon Worthülsen benutze.
Immer wieder kritisiere ich, wie viele Begriffe wir verwenden, die wir wie Sahnebonbons im Karneval (so eine geläufige kritische Formulierung in meinen Vorträgen) in die Menge werfen, ohne zu hinterfragen, was denn damit genau gemeint ist.

Bei der besagten Vorbereitung fiel mir auf, wie oft ich das Wort Wertschätzung und Achtsamkeit verwendete. Modisch ist es auf jeden Fall.
Was beinhaltet Wertschätzung eigentlich im Kern?
Ich schaue mir die Ergebnisse eines großen Work Shops bei uns auf der Werft an und stelle mir folgende Frage.
Ist es nicht so das wir uns alle sehr viel besser fühlen würden, wenn wir alle einfach respektvoller, freundlicher und höflicher miteinander umgehen würden? Dies zumindest wurde im Wesentlichen von den meisten Mitarbeitern eingefordert.
Für uns alle würde eine solche Berücksichtigung dieser Begriffe im Privatleben wie auch bei der Arbeit eine gewaltige Verbesserung der Lebensqualität bedeuten.

Bei der besagten Vorbereitung stelle ich fest, wie weichgespült viele Wortbeiträge schon sind. Sage ich noch das, was richtig ist oder das, was politisch korrekt ist und dem heutigen Zeitgeist entspricht?

Das was wir alle irgendwann einmal vermissen werden sind so altmodische Tugenden wie Höflichkeit, Freundlichkeit, Bescheidenheit, Geduld, Pünktlichkeit und Fleiß. Schließen wir einmal die Augen und stellen uns vor das diese Dinge von uns allen gelebt und berücksichtigt würden. Wir bräuchten keine neumodischen Begriffe – oder?

Bedeutet Wertschätzung die Akzeptanz und Toleranz gegenüber allen Macken, Fehler und Verstößen gegen die oben aufgeführten Begriffe? Modisch und dem „Zeitgeist“ entsprechend wäre dies. Ich bin aber auch überzeugt, dass dies die höchste Form der Geringschätzung gegenüber einem Menschen wäre – oder?

Ein Mitarbeiter sagte mir vor einiger Zeit in einem Gespräch ganz nüchtern, – behandle mich bitte nicht wie ein Kind. Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe und die Kritik daran kann ich auch aushalten.
Ich bin freundlich, möglichst höflich und konsequent geblieben. Das genügte völlig und ich habe keinen Augenblick das Wort Wertschätzung gebraucht.

Ich habe vor nicht allzu langer Zeit folgende Absage einer Bewerbung gesehen, die folgenden Text enthielt:

Ihre Bewerbung und die Art Ihrer Bewerbung sind wirklich beeindruckend. Wir finden das ganz toll. Behalten Sie sich diese Form bei, damit heben Sie sich sehr von der Masse ab.“ Danach folgte die Absage.

Wertschätzung pur?
Konfuzius hatte aber recht: Wenn die Worte nicht stimmen, dann ist das Gesagte nicht das Gemeinte. Wenn das, was gesagt wird, nicht stimmt, dann stimmen die Werke nicht.

Wertschätzung – oder?

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