Gleiches Recht für alle?!

DAS DRAMA

Ärgerlich und zeitintensiv ist die Auseinandersetzung, mit der ich mich aktuell herumschlagen muss. Durch einen Zufall haben im Sommer diesen Jahres duale Studenten ihre persönlichen Erfahrungen zur Mitgliederwerbung der IGM auf unserer Werft ausgetauscht. Dabei stellte sich heraus, das offenbar Jahr für Jahr junge Menschen mit Hinweis auf Nichtübernahme nach Studium und Ausbildung, mit der Ankündigung erheblicher Schwierigkeiten in der Arbeit und Androhungen ähnlichen Übel´s bei der persönlichen Karriere zum Eintritt in die IGM „motiviert“ wurden. In einem bedrückend krassen Fall soll eine junge Frau in das Büro des betreffenden ganz besonders aggressiv werbenden Betriebsratsmitgliedes eingesperrt worden sein, um eine entsprechende Unterschrift zu erhalten. Zwar entschuldigte sich der damalige Betriebsratsvorsitzende für einige der verwerflichen Praktiken, stellte diese aber nicht ab.
Mit jahrelanger Verspätung erhielt die Geschäftsleitung Kenntnis von diesen Vorgängen. Bei den nachfolgenden um Aufklärung bemühten Gesprächen wollten weder Betriebsrat noch Gewerkschaft ein Problem erkennen. Trotz der vorliegenden plastischen, konkreten und schriftlichen Erlebnisschilderungen der jungen Menschen wurden alle Vorwürfe als Bagatellen kategorisch abgestritten. Dementsprechend wurde auch die geforderte Entschuldigung gegenüber den Geschädigten nicht in Betracht gezogen. Aufgrund dieser Uneinsichtigkeit und der Konkretheit der vorliegenden Verdachtsmomente, beantragte die Unternehmensleitung die Zustimmung zur Kündigung des betreffenden Mitarbeiters.
Danach brach ein unglaublicher politischer Shitstorm über das Unternehmen los. Lehrbuchmäßig wurde ein Skandal entwickelt. Es ging plötzlich nicht mehr um die Verfehlung eines einzelnen Menschen. Plötzlich standen vermeintlich die gesamte Mitbestimmung und die Existenz der Tarifverträge zur Disposition. Und dies, obwohl eine Beschäftigungsgarantie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis zum Jahr 2030 vereinbart wurde. Der Belegschaft wurden nur Bruchstücke des gesamten Vorganges dargelegt, um die notwendige Solidarisierung nicht zu gefährden.
Von einen Teil der Politik und der Gewerkschaft wurde das vorher vorbildhafte Unternehmen monströs verzerrt. Diese Verhaltensmuster ähnelten sehr der jahrelangen Erkenntnisverweigerung der Kirche hinsichtlich des Missbrauchsvorwurfes gegenüber Priestern.
Es durfte nicht sein, was ganz offensichtlich war. Ein Betriebsrat hatte Schutzbefohlenen Leid zugefügt.
Durch die Verweigerung der Zustimmung des Betriebsrates musste die Zustimmung zum Ausspruch einer Kündigung vor dem zuständigen Arbeitsgericht beantragt werden. Diese Zustimmung wurde aus komplizierten formellen Gründen (Fristversäumnisse) in der 1. Instanz nicht gegeben. Dies wiederum führte zur sofortigen Forderung aus Politik, Medien und Gewerkschaft alle Vorwürfe und die Kündigungsabsicht fallenzulassen.
Generalstabsmäßig wurde dies über alle Kanäle kolportiert und über die sozialen Medien aufgeblasen. Als Randnotiz zu einer Passage des nachfolgenden Textes sei noch erwähnt das das betreffende Betriebsratsmitglied vor einigen Jahren seinen Namen, sein Geburtsdatum und seinen Geburtsort bzw. ursprüngliche Nationalität änderte. Er hielt es jahrelang für nicht erforderlich den Arbeitgeber darüber in Kenntnis zu setzen. Diese Erläuterungen der Ausgangssituation für nicht so eingeweihte Leser erklärt mein nachfolgendes Statement gegenüber Politik, Gewerkschaft und Medien in der aktuellen Diskussion.

TÄTERSCHUTZ ?

Ob ein Verteidigungsminister Gutenberg, eine Ministerin Schawan oder ein Bundespräsident. All diese und viele andere mussten von ihren Ämtern zurücktreten, weil sie Fehler machten oder verdächtigt wurden solche begangen zu haben. So schrieben einige beispielsweise für ihre Doktorarbeit Textpassagen von Werken anderer Personen ab. Manager, Richter oder Verwaltungsbeamte, sie alle verlieren ihre Arbeit oder werden mindestens umgehend beurlaubt wenn schwerwiegende Vorwürfe erhoben werden oder sie nachweislich Fehler machen. Das wird als selbstverständliche Konsequenz solcher Vorgänge akzeptiert.
Bei uns erheben mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr glaubhaft den Vorwurf das sie von einem Betriebsratsmitglied schwer bedroht und genötigt wurden.
Doch weder der Betriebsrat, die IG Metall oder einige der örtlichen Politiker wollen eine ehrliche Bestandsaufnahme oder gar Konsequenz.
Sie fühlen sich nicht den jungen Menschen gegenüber verpflichtet. Diese haben ihre Solidarität und Hilfe nicht.
Stattdessen bezichtigen Betriebsrat, Gewerkschaft und deren Anwälte die Auszubildenden der Lüge und ziehen ihre Glaubwürdigkeit in den Schmutz.
Sie alle glauben stattdessen einem Mitarbeiter, der jahrelang mit einem falschen Namen, einem falschen Geburtsdatum und mit einem falschem Geburtsort den Arbeitgeber an der Nase herumführt. Der über eine lange Zeit Briefe, Verträge und Vereinbarungen mit einem falschen Namen unterschrieb.
Dieser muss grundsätzlich unschuldig und glaubwürdig sein, weil er doch Betriebsrat ist? Da fällt mir ein, – gab es da nicht auch Vorgänge in anderen Firmen mit Arbeitnehmervertretern die z.B brasilianische Geliebte auf Firmenkosten hatten? Spannend wäre z.B zu wissen wie viele Prämien der IG Metall für die aggressive und erfolgreiche Werbung von Jungmitgliedern gezahlt wurden.

Hat ein Betriebsratsmitglied das Recht sich grundsätzlich außerhalb aller Regeln zu stellen?
Massenhafte Solidaritätsbekundungen werden seit Wochen ohne intensive Kenntnis oder Prüfung der tatsächlichen Umstände abgegeben.
Vor dem Arbeitsgericht wurden leider nicht die Vorwürfe diskutiert und bewertet sondern lediglich Termine zur gegenseitigen Information abgearbeitet. Da diese Termine nach Auffassung des Richters nicht eingehalten wurden und er dem Kündigungswunsch deshalb nicht nachgab, gibt es jetzt ein Siegesgeheul und die Forderung das wir ohne Rücksicht auf die Verdachtsmomente zur Tagesordnung übergehen sollten? Das kann doch nicht ernstgemeint sein!
Sogar die Anwälte des Betriebsrates und der Arbeitsrichter selber haben eingeräumt „Würden die Vorwürfe der jungen Studenten zutreffen, wäre ein solches Verhalten des Betriebsratsmitglieds inakzeptabel“. Wenn wir jetzt den vielfachen Aufforderungen nachgeben und so tun als sei nichts geschehen, und die im Raum stehenden Vorwürfen nicht klären, dann missbrauchen wir, wie dies schon der Betriebsrat machte, das Vertrauen derer die sich uns anvertraut haben. Dann akzeptieren wir etwas inakzeptables.
Was erwarten eigentlich all die Menschen, die uns seit Wochen kritisieren? Das wir die Augen fest zudrücken und wegschauen? Bei welchem Vorgang sollen wir denn das nächste Mal nicht einschreiten?

Keinen einzigen Beleg gibt es für eine Infragestellung der Mitbestimmung oder von Tarifverträgen. Man sollte doch endlich mit diesen Nebelbomben aufhören! Wir wollen und brauchen eine gute Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat.
Eine letzte Bemerkung.
Wären die uns vorliegenden Verstöße z.B in einer Behörde oder gegen einen Arbeitgeber erhoben worden, hätten all die Kritiker, die kommentierenden Chefredakteure der Zeitungen oder beifallsspendenden Politiker lauthals gefordert den unter Verdacht stehenden Menschen sofort zu entlassen oder mindestens bis zur Klärung der Vorwürfe zu beurlauben!

Hier wird von uns die Abkehr von einem moralischen Handeln gefordert. Der Maßstab soll nicht für alle Menschen gleich sein. Einige sollen, weil sie ein Amt bekleiden, gleicher sein als andere. Das kann nicht sein!

Gleiches Recht für alle?!

Zu langsam für China?

Warum sind wir bei uns oftmals so geduldig und fast abwartend?
Warum beunruhigt es uns nicht wie schnell anderswo auf der Welt Entwicklungen und Veränderungen stattfinden? Ich habe Bekannte in Übersee, die u.a derzeit im Umfeld von Silicon Valley arbeiten. Angesichts der Geschwindigkeit, mit der in Teilen der USA und anderswo Innovationen umgesetzt und neue Entwicklungen vorangetrieben werden, bin ich sehr unruhig.
Wir haben in unserem Land ganz ohne Zweifel eine Menge von Menschen, die überaus kompetent und innovativ sind.
Ein bedrückendes Merkmal bei uns ist aber die unglaubliche Langsamkeit, mit der sich Entwicklungen und Veränderungen fast in Zeitlupe durchsetzen.
Die immer noch unbändige Regelungswut von Bürokratie, Datenschützern oder Verbandvertretern unterschiedlichster Couleur führt vielerorts zwar nicht mehr zu einer völligen Blockade aber zu einer Schneckengleichen Entwicklungs, – bzw. Umsetzungsgeschwindigkeit.
Mit dieser Geschwindigkeit respektive Langsamkeit werden wir auf der Welt bald nicht mehr mithalten können. Viele Menschen haben leider mehr emotionale und irrationale Angst vor der rasanten Entwicklung von Technik als vor dem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit durch Innovations,- und Veränderungslangsamkeit.
Innovationsfähigkeit einer Gesellschaft fängt im Kopf an. Die Einstellung zu Innovation und Technik, die mentale Bereitschaft zur Akzeptanz und Entwicklung derselben ist mindestens so wichtig für uns alle, wie die Kosten der Arbeit.
Statt des begeisterten Aufbruchs und einer Gestaltung der technologischen Zukunft leisten wir uns bei vielen Innovationen den Luxus der Skepsis und distanzierten Gemächlichkeit. Ideen zu Innovationen werden zwischen den organisierten Interessen und unübersichtlich vielen Zuständigkeiten oft verschüttet aber vor allem verlangsamt.
Wer heute mit einer unkonventionellen Idee aus der Menge heraustritt, kann, wenn er nicht aufpasst, schnell ein Opfer von den verschiedensten Gruppen werden, wenn diese um ihre Pfründe oder Einfluss fürchten.
Mit Hilfe der neuen Medien werden dann schnell Empörung und Skandale, werden Sorgen und Ängste gezielt mobilisiert. Unübersichtlichkeit, Verunsicherung und Angst bei allen „vermeintlich“ Betroffenen sind die Folge. Jeder meldet sich zu Wort und fühlt sich auch dazu berufen.

Fortschritt in der Technik oder auch in der Wissenschaft sind längst in Gefahr, mit laienhafter Beliebigkeit beurteilt und ausgebremst zu werden.
Aufgrund der massiven skandalisierten Orgie verlieren die „Ideengeber, die technologischen Eliten“, zu oft den unbedingten Willen das als richtig oder notwendig identifizierte, mit aller Entschlossenheit durchzukämpfen. Wer will sich denn schon im organisierten Skandalismus verprügeln lassen?

„Leadership“ und Widerstand gegen die Langsamkeit und Bequemlichkeit wäre so notwendig. Bodo Hombach hat unsere Begeisterung, anderen bei Veränderungen Barrikaden in den Weg zu legen einmal als „Malefiz Gesellschaft“ skizziert. Es wird so viel Energie darauf verwendet nur ja selber zum Zuge zu kommen statt zu helfen Erfolgversprechendes zum Erfolg zu verhelfen.
Jeder will Arbeitsplätze, aber so viele kleben immer noch an der naiven Vorstellung das wir den Wohlstand sichern und verteilen könnten ohne eine permanente technologische und organisatorische Entwicklung, entsprechende Veränderungen, Anpassung und Wandel.

Wir können uns eine rückständige und bremsende Einstellung einfach nicht mehr leisten. Die Innovationsfähigkeit einer Gesellschaft ist mehr als Technik. Innovationsfähigkeit beinhaltet ein umfassendes Klima der Akzeptanz und Unterstützung für Veränderung – und zwar schneller Veränderung.
Die Konturen der Bedingungen, mit denen wir zu tun bekommen, werden derzeit in Asien sichtbar. Speziell in China werden aktuell die Weichen für eine globale Neuverteilung der wirtschaftlichen und technologischen Zukunft gestellt.
Wir entscheiden heute über unsere Zukunft. Wir müssen die Zukunft von den Chancen her betrachten und gebündelte (Europäische) Innovationskräfte als Lösung, und nicht als Problem betrachten.
Nicht die Entwicklungen auf der Welt ist unser Problem in Deutschland, sondern unsere quälend schwerfällige Diskussion darüber. Wir dürfen die Langsamkeit und unsere überall zu beobachtende Schwerfälligkeit nicht mit den Begriffen Vorsicht, Gründlichkeit oder Sicherheit verwechseln und schönreden.
Wir liegen bei der Entwicklung von Hochtechnologie auf der Welt leider nicht mehr vorn.
Innovationen werden bei uns nicht schnell genug in marktfähige Produkte umgesetzt.
Notwendige Unterstützungen von Produktinnovationen werden nicht vom möglichen gesellschaftlichen Erfolg her betrachtet und bewertet sondern über finanzielle Budgets, die strategische und dynamische Prozesse im globalen Wettbewerb kaum berücksichtigen. Die beste Innovation muss im Sinne einer gesellschaftlichen Nutzenbetrachtung und globaler Konkurrenzfähigkeit beurteilt und gefördert werden. Diese Betrachtung sollte über Innovationen entscheiden, nicht Forschungsbürokratie, Interessengruppen oder Budgets. Meine eingangs beschriebene Unruhe bezieht sich auch auf den Bequemlichkeitsstatus hinsichtlich des zu langsamen Transfers von Ideen und Wissen aus Wirtschaft und Hochschulen. Entsprechende innovative Infrastrukturen zu schaffen ist der erste Weg zu einem Erfolg.

Es ist fast Weihnachten und ich möchte einen Wunsch äußern.
Angesichts der asiatischen Entwicklungsdynamik und unserer eigenen gesellschaftlichen Entwicklung kann ich mir zwar nicht vorstellen das diese Länder uns in Kürze um die Anzahl, Menge und Schnelligkeit von Forschung und Produktentwicklung beneiden. Aber ich würde mir wünschen, dass man uns nicht bemitleidet!

Zu langsam für China?

Darf ich das sagen? Ich war Betriebsrat ….

Gerade erlebe ich eine Art von Betriebsratsarbeit die mich doch nachdenklich macht. Enorm viel Zeit, Energie, Kreativität und Zuversicht wird vernichtet durch eine Betriebspolitische Ausrichtung die eher dem Stil der frühen 50er Jahre entspricht. Industrie 4.0 und die damit verbundenen Veränderungen in Technik, Organisation und Menschen müssen bewältigt werden. Dies gelänge am besten gemeinsam. Das gelingt uns sicherlich nicht mit Klassenkampf.
Dies veranlasst mich gerade im Hinblick auf die aktuelle Situation bei uns dazu, einige provokante Gedanken zu skizzieren.

Die Arbeitswelt wird sich gravierend, wenn nicht gar revolutionär verändern. Digitalisierung, Virtualisierung und Flexibilisierung, eine immer stärker globalisierte Wettbewerbssituation und die demographischen Herausforderungen werden die Arbeitswelt und unser gesamtes Leben extrem verändern. Eine Arbeitnehmervertretung, die diese Zukunft aktiv mitgestalten möchte, kann keine überkommene alte Konfliktpolitik mehr vertreten.
Nur immer wieder Nein zu sagen oder den Gegenüber reflexartig als Gegner zu sehen, führt in eine Sackgasse. Die strukturellen notwendigen Veränderungen und Anpassungen in Unternehmen verlangen eine andere, eine revolutionierte Art der Interessenvertretung.
Zukunftsgerichtete Betriebsratsarbeit kann nicht darin bestehen, vor der Zukunft und dem tiefgreifenden Wandel die Augen zu verschließen und sich den Erkenntnissen und Notwendigkeiten aus diesen Entwicklungen zu verschließen.
Nicht mehr vorrangig der Konflikt erzeugt zukünftig Gestaltungsmacht und Einfluss der Betriebsräte. Macht und Einflussstrukturen, die nach alten Konfliktmustern agieren, werden zunehmend in Frage gestellt durch hochqualifizierte sich ihrer Selbstständigkeit bewussten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Kompetenz und Transparenz im Handeln, Kreativität, Außergewöhnlichkeit sowie Schnelligkeit bei Problemlösungen, die Schaffung individueller Freiräume für immer mehr autonom und eigenverantwortlich handelnde Menschen, – das werden die Herausforderungen an die Betriebsparteien sein.
Das Modell der kooperativen Partnerschaft im Betrieb auf der Basis eines in die Jahre gekommenen Betriebsverfassungsgesetzes hat bewiesen, wie leistungsfähig es sein kann. Gute und konstruktive Betriebsratsarbeit, die sich an den erwähnten Grundsätzen und nicht an alten ideologischen Mustern orientiert, kann ein sehr wichtiger Wettbewerbsvorteil sein.
Dies jedoch nur dann, wenn der Betriebsrat seine Arbeit als wichtigen und konstruktiven Teil der Führung eines Betriebes versteht.
Die Betriebsratsarbeit der Zukunft hat natürlich das Kollektiv, muss aber auch zunehmend die Wünsche, Stärken und Bedürfnisse des Individuums im Blick haben.
Die Arbeit des Betriebsrates muss ebenso systematisch, prozessorientiert und strukturiert sein, wie dies auf der Arbeitgeberseite „State of the Art“ ist.
Betriebsräte brauchen neben der rollentypischen Sozialkompetenz ein modernes unternehmerisches Bewusstsein und eine ausgeprägte Sensibilität zu betriebswirtschaftlichen als auch wirtschaftlichen Fragestellungen.
Sie müssen die Arbeitsorganisation in Projekten verstehen und Prozessoptimierung auch ihrer eigenen Arbeit aktiv betreiben.

Schon heute bilden wir unsere Auszubildenden durch eine projektorientierte Lernprozessbegleitung besser aus und haben dort schon enorm viel Kompetenz gebündelt, oftmals mehr als dies bei den Betriebsräten der Fall ist.

Nur dann, wenn man aufhört, mit dem Finger auf die andere Betriebspartei zu zeigen, diese aus politischen Gründen zu dämonisieren und stattdessen die Partnerschaft zu betonen, entwickelt sich Kooperation weiter. Und die Arbeitnehmervertretung muss die Mitverantwortung für eine Unternehmenskultur akzeptieren. Nur so kann eine zukunftsfähige Kooperation zu einer gemeinsamen Weiterentwicklung des Betriebes führen.

Bei einer solchen Zusammenarbeit wird eine größtmögliche proaktive Transparenz, eine umfassende frühzeitige und selbstverständliche Einbeziehung und Information des Betriebsrates seitens der Unternehmensleitung selbstverständlich sein.
Wenn man so eine Partnerschaft hinbekäme, das wäre schon toll und würde viele positive Effekte freisetzen.

Darf ich das sagen? Ich war Betriebsrat ….

Mit leichtem Gepäck ….

Aktuell gibt es einen Song der Gruppe Silbermond, der davon handelt, wie vorteilhaft es für das Leben sein kann mit „leichtem Gepäck“ unterwegs zu sein.
Viele Dinge, die wir heute besitzen und auf die wir meinen nicht verzichten zu können erweisen sich bei näherer Betrachtung tatsächlich als entbehrlich.
Besitz, eine komfortable Umgebung, Bequemlichkeiten und anderes führen dazu, das ein möglicher Verlust derselben uns daran hindert Entscheidungen zu fällen, die wir einerseits vielleicht gerne treffen würden, vor deren Konsequenzen wir uns aber fürchten. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir alle eine extrem weitgehende Freiheit für alle unsere Entscheidungen haben.
Das verbreitete Jammern oder der Frust über Umstände, Bedingungen o.ä sind letzten Endes Klagen darüber, dass wir eine Entscheidung gefällt haben. Wir akzeptieren letztendlich diese Dinge, wie sie sind, weil uns der Preis dafür, z.B eine Arbeitsstelle an der man sich nicht wohl fühlt aufzugeben, zu hoch ist.
Wir akzeptieren den Umgang mit Menschen die uns ärgern, weil wir den Konflikt und möglicherweise den finalen Bruch scheuen. Wir zahlen mit Lebenszeit für materielle Dinge wie Haus, Urlaub, Auto etc. die wir uns zulegen aber die ihren Preis fordern. Dieser Preis kann auch der vermeintliche Verlust der völligen Entscheidungsfreiheit sein. Das ist auch völlig in Ordnung, man muss sich nur darüber im klaren sein das keiner außer uns selbst diese Entscheidungen fällt. Diese fortwährende Erkenntnis muss nicht zwingend, kann aber sehr wohl zu einer größeren Zufriedenheit führen.

Heute Morgen war ein Mitarbeiter bei mir, der den praktischen Inhalt meiner theoretischen Ausführungen aufgezeigt hat. Er gibt eine sichere Arbeitsstelle, ein stabiles und funktionierendes Umfeld auf und geht für 2 Jahre auf den „verlorenen Kontinent“ Afrika. Dort will er weitgehend ehrenamtlich an einem ehrgeizigen Aufbauprojekt einer Kommune mitarbeiten. Eine Schule, ein Krankenhaus und eine entsprechende Infrastruktur sollen dort entstehen und er möchte dabei helfen. Bewunderung macht sich breit und auch zugegebenerweise ein klein wenig Neid. Er wird als reicher Mensch zurückkommen. Seine materiellen Güter werden fehlen, aber eine solche Entscheidung zu treffen, macht die beeindruckende Autonomie eines Menschen sicht,- und spürbar. Er wird Erfahrungen gewinnen, die sein weiteres Leben beeinflussen werden. Er wird den Satz, ich bin Herrscher über mein Leben, mit einem ganz speziellen Inhalt gefüllt haben. Ob ihm das heute in jungen Jahren schon richtig bewusst ist, weiß ich nicht.

Ich möchte jetzt nicht falsch verstanden werden.
Nicht jeder muss, kann oder sollte eine ähnliche Entscheidung fällen. Aber es stand eine tiefe spürbare Zufriedenheit und Ausgeglichenheit, in dem Gesicht des jungen Mannes. Dies wird immer das beherrschende Gefühl sein, wenn man sich bewusstmacht, dass die richtungsgebenden Entscheidungen, die man fällt, stets die eigenen sind. Kein anderer ist dafür verantwortlich zu machen.

Ob wir diese Entscheidungen mit leichtem oder schwerem Gepäck machen (siehe Liedtext) und glücklich damit sind, mag jeder für sich entscheiden. Nur jammern sollte man darüber nicht.

Mit leichtem Gepäck ….

It´s the economy, stupid?!

Seit Jahrzehnten erlebe ich das Spannungsfeld zwischen Politik und Wirtschaft aus nächster Nähe. Einiges hat sich in dieser Zeit verändert. Ich habe das Gefühl und mache die Erfahrung das Politik und Wirtschaft sich offenbar voneinander entfernen.
Fremdheit greift um sich. Dieses wachsende Misstrauen bzw. gegenseitige Unverständnis ist fast mit Händen zu greifen.
Bill Clinton´s legendärer Wahlkampfmanager James Carville prägte 1992 den Satz „It’s the economy, stupid!“ Dieser Zettel hing an der Tür der Wahlkampfzentrale der Demokraten. Seinem Team sollte bewusst werden, dass eine Verteilung sozialer Wohltaten erst durch eine stabile erfolgreiche Wirtschaft möglich würde.
Ist dieses Bewusstsein heute überall Maßstab der Politik?
Ich sehe wenige Verantwortliche aus der Wirtschaft die sich in der aktiven Politik tummeln und verstehen, wie dort Abläufe funktionieren. Umgekehrt gibt es auch zu wenige Politiker, die einen wirklichen Bezug zu den Bedingungen in der realen Wirtschaft haben. Soziale Marktwirtschaft und unsere Wirtschaft brauchen einander mehr als dies vielen Beteiligten klar ist. Ohne eine wettbewerbsfähige und funktionierende Wirtschaft, ohne Betriebe die Gewinne erwirtschaften, wäre der Sozialstaat nicht existenzfähig.
Diese Wahrheit wird in ideologischen Denkmustern gerne einmal vergessen.

Unser Staat bricht zusammen, wenn die wirtschaftliche Basis für Wohlstand und Investitionen in unserem Gemeinwesen in sich zusammenfällt.
Daher ist jede Hilfe zu Innovationen und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit kein Geschenk an die Wirtschaft, sondern eine strategische politische Investition in die Zukunft des Staates.
In Abänderung des Greenpeace Satzes könnte man sagen: „Erst dann wenn wir nicht mehr genügend wettbewerbsfähige Betriebe haben, erst dann, wenn die meisten Produkte aus Asien kommen, erst dann werden wir merken, wie unabdingbar eine vitale, starke und konkurrenzfähige Wirtschaft für das Gemeinwohl ist.

Die Betriebe brauchen andererseits auch die Verlässlichkeit einer Politik, um für die Zukunft planen zu können. Ein politisch stabiles und verlässliches System ist für die strategischen Planungen der Unternehmen unendlich wertvoll.
Durch Veränderungen in der Gesellschaft und die beeindruckenden Exporterfolge glaubt man zunehmend häufiger, keine besondere Rücksicht auf die Wirtschaft mehr nehmen zu müssen.
Betriebe sind aber keine experimentellen Werkstätten für eine bessere Welt. In einem früheren Blogg hatte ich schon darauf hingewiesen, welche Auswüchse dies schon teilweise annimmt.
Betriebe sind (und das ist nicht verwerflich) Zweckgemeinschaften zur erfolgreichen d.h auch möglichst gewinnträchtigen Produktion von Waren, Gütern und Dienstleistungen. Sie dürfen nicht Spielball eines Politikbetriebes werden, der grundlegend anders funktioniert wie die Wirtschaft.

In der Politik geht es in den weitaus meisten Fällen um Regelungen für den jeweiligen recht kurzen Zeitraum, in dem man gewählt ist. Beschlüsse mit positivem Verteilcharakter sollen möglichst kurzfristig greifen, jene die zu Belastungen führen liegen möglichst außerhalb des aktuellen Regierungszeitraums.
Bei Betrieben gelten völlig andere Zeitdimensionen. Dort wird in Zeiträumen von mehreren Jahren oder wie bei uns in Generationen gedacht.
Eine zukunftsgerichtete Wirtschaftspolitik muss deshalb auch einen völlig anderen zeitlichen und inhaltlichen Fokus haben der zu dieser Sichtweise von Betrieben passt.

Es werden in einer solchen Geschwindigkeit Gesetze, Verordnungen und Reglementierungen eingeführt, dass man sich schon die Frage stellen muss, ob wir tatsächlich glauben, dass wir damit den Wettbewerb um Arbeit und Auskommen auf der Welt gewinnen werden?
Durch unkalkulierbare Sprünge wie z.B im Energiesektor, oder z.B bei der Veränderung der Leih,- und Zeitarbeit oder bei der Nutzung von Werkverträgen ist in den letzten Jahren viel Vertrauen in Verlässlichkeit verlorengegangen.
Natürlich ist es das Recht und die Pflicht der Politik in einer Demokratie Parameter des Handelns zu verändern.
Leider wird oftmals kaum ausreichend bedacht, welche wirtschaftlichen oftmals nicht mehr auszugleichenden Kollateralschäden, diese Entscheidungen für viele Betriebe nach sich ziehen können, wenn plötzlich andere Planungsprämissen angenommen werden müssen.
Wir sind nicht unverwundbar. Wir Deutschen sind doch leider nicht mehr diejenigen, die mit den meisten Ideen, mit der innovativsten Technik oder mit den außergewöhnlichsten Ideen glänzen. Nein das sind wir schon lange nicht mehr. Wir leben schon sehr viel stärker und viel zu sehr aus den Erfolgen der Vergangenheit. Dies gilt es zu erkennen, Rückschlüsse und Lehren daraus zu ziehen.
Die rasende Entwicklung auf der Welt und die Entfremdung von Politik und Wirtschaft, verstärkt durch eine Kultur der Saturierung in der Gesellschaft, das ist eine durchaus reale Gefahr und Herausforderung für uns alle.

It´s the economy, stupid?!

Führung wird verliehen

Heute hatten wir eine Gesprächsrunde mit Nachwuchskräften aus unseren Förderkandidatenprogramm. Es ist faszinierend zu sehen, mit welcher Begeisterung junge Menschen an ihrer eigenen Entwicklung arbeiten.

Eine Frage, die immer wieder in den Debatten auftaucht, ist folgende. Gibt es etwas eindeutig Identifizierbares, was Vorgesetzte von Führungskräften unterscheidet?
Werden Führungskräfte dies schon durch die Übernahme dieser Aufgabe oder müssen sie nur einen gerade aktuellen Führungsstil beherrschen? Gibt es etwas generell Geeignetes, das man potentiellen Nachfolgern mitgeben und empfehlen kann?

Ich möchte hier nur einen, aber den für mich wesentlichen Aspekt des Führens etwas beleuchten. Wahre Führung kristallisiert sich m.E durch folgendes Merkmal.
Die geführten Menschen folgen ihrer Führungskraft, und zwar weitgehend freiwillig!
Tun sie dies nicht, erkennt man dies recht schnell und das gesamte Team bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Konsequente Führung ist die eine Seite der Medaille, freiwillige Gefolgschaft (altes Wort) die andere. Kein blindes, unkritisches hinnehmen von Führung, sondern eine Gefolgschaft von selbständigen verantwortlichen Individuen. Diese entscheiden in einer Abwägung ihrer eigenen Interessen, ob, wie und von wem sie sich führen lassen. Nur diejenigen, denen die Menschen ohne Zwang folgen und diese akzeptieren, sind mehr als nur Vorgesetzte.
Natürlich ist es das vorrangige Selbstverständnis und die Aufgabe einer Führungskraft, die Ziele des Unternehmens zu erreichen. Das ist der Kern des Jobs, daraus erwächst der Nimbus und die Stärke. Doch eine Führungskraft verliert ihre Kompetenz, die Gefolgschaft und bleibt letztendlich erfolglos, wenn sie nicht dazu beiträgt, den Zielen der Menschen die geführt werden ebenso zu dienen. Diese muss man wissen und darüber informiert sein. Kennt eine Führungskraft die Wünsche, Ängste und Erwartungen seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht, sondern nur die seiner Vorgesetzten oder des Managements wird sie zu einer leeren Hülle, zu einem Lautsprecher. Dann wird diese Mannschaft nie die Effektivität und die Erfolge erreichen zu der Teams tatsächlich in der Lage sind. Es gibt in vielen Bereichen, in der Politik, im Militär, im Sport, Politiker, Führungskräfte, Offiziere oder Trainer die in der Lage sind eine hocheffiziente freiwillige Gefolgschaft zu erzeugen. Die Menschen gehen für solche Führungskräfte durchs Feuer, denn diese geben der Motivation die aus den Menschen heraus entsteht die Chance und Möglichkeit sich zu entwickeln.
Diese Menschen folgen diesen Führungskräften nicht weil sie manipuliert werden, sondern weil es diesen gelingt, ihre Ziele und Wünsche mit denen der Geführten zu verbinden, sie zu verschweißen.
Führung ist die einmalige Gelegenheit die Talente und Fähigkeiten anderer Menschen zu wecken, sie zur Entwicklung zu bringen und Kräfte zu wecken, von denen die Geführten manchmal gar nicht wissen, dass sie diese besitzen. Wann immer Führung erfolgreich war, dann dort, wo eine solche weitgehend freiwillige Symbiose einer Erfolgs – Gefolgschaft entstanden ist.
Organisationen und Führungskräfte sind in demselben Augenblick überflüssig und sogar schädlich, wenn diese freiwillige Entscheidung der Mitarbeiter nicht mehr funktioniert und durch Zwänge oder Vorschriften ersetzt werden muss.
Eine solche Entwicklung kann verschiedene Ursachen haben. Auch ein herausragender Trainer verliert manchmal die Fähigkeit andere zu dieser freiwilligen Gefolgschaft zu begeistern. Dies konnte man bei dem Dortmunder Trainer Jürgen Klopp beobachten. Er war jahrelang eine Inspiration für seine Spieler. In dem Jahr, in dem er feststellte, das er diese feurige Gefolgschaft verloren hatte, war er immer noch derselbe emotionale Trainer, gab er immer noch dieselben Anweisungen, war authentisch und doch folgten seine Spieler ihm nicht mehr.
Dann wird es Zeit beiseitezutreten, um selber wieder Kraft zu schöpfen und einer neuen Konstellation von Führungskraft und Team eine Chance zu geben.
Inspirierende Führung von selbstverantwortlichen Individuen kostet Energie und Kraft. Daher sind Unternehmen, Organisationen und Führungskräfte gut beraten, wenn sie sich dieser Tatsache bewusst sind und Führung nicht auf ewig auslegen.
Wenn eine Führung die Mannschaft nicht mehr freiwillig hinter sich hat, ist es ein quälendes Arbeiten für alle Beteiligten.
Für solche Gedanken und Auffanglösungen gibt es in den Betrieben aktuell keine wirklich belastbaren Erfahrungswerte. Gleichwohl erscheint es mir als zwingend notwendig das wir uns mit solchen Möglichkeiten auseinandersetzen.

Führung wird verliehen

Menschlichkeit richtet uns nicht zugrunde

Wenn man sich die aktuellen zum Teil irrationalen Debatten vermeintlich moderner Menschen über die Flüchtlingstragödien anhört, kann einem Angst und bange werden.
Die einen bedienen sich einer Sprache und verwenden Begriffe, die zuletzt vor ca. 80 Jahren unseren Kontingent in ein gigantisches Unglück gestürzt und in eine Hölle für Millionen von Menschen verwandelt haben.
Die anderen idealisieren die aktuelle Situation als kulturellen Zuwachs. Sie vergessen dabei offenbar das diese geflüchteten Menschen nicht zu unserer Belustigung oder Bereicherung zu uns kamen, sondern aus Verzweiflung und aus Not. Sie übersehen auch geflissentlich die vielen Fragen der Menschen in unserem Land nach einer Strategie in dieser Frage.
Es ist doch zwingend notwendig darüber zu sprechen und nachzudenken, wie man die Flüchtlingsströme beendet. Und dies nicht weil es um unseren Wohlstand geht! Warum flüchten denn die Menschen zu Hunderttausenden? Sie fliehen vor Terror, Gewalt, vor Tod und einer völligen Perspektivlosigkeit. Und der beste Weg die Millionen von Menschen vor einem erzwungenen Verlassen ihrer Heimat zu bewahren, ist die systematische und langfristig angelegte Bekämpfung der Fluchtursachen. Das wird Kraft, Zeit, Mut und viel Geld verlangen.
Wir brauchen keine Abschreckungsplakate, wir brauchen Hoffnungszeichen vor Ort, das es sich lohnt, an eine Chance in der Heimat zu glauben.
Die politischen Lagerdebatten in den großen Parteien lassen leider der Klugheit und Vernunft, mit der man an diese Fragen herangehen müsste, kaum Luft und Raum.

Die tatsächliche Gefahr für unsere Demokratie und damit auch unsere Gesellschaft besteht nicht vorrangig aus den Menschen, die als Kriegsflüchtlinge zu uns kommen.
Das diese in der Zeit, in der sie bei uns leben, unsere Form des Zusammenlebens akzeptieren und sich entsprechend integrieren müssen, daran besteht doch kein Zweifel. (Schön wäre es natürlich auch, wenn sie die Chance hierzu auch tatsächlich bekämen).
Die Gefahr entsteht aber sehr wohl durch die offensichtliche Unfähigkeit der Staatengemeinschaften, Ursachen und Wirkung anerkennen zu wollen und in einen vernünftigen Kontext zu bringen.
Durch diese bewusste Blindheit wollen wir leider auch nicht erkennen, was für eines Kraftaktes es bedarf, um die Bedingungen auf der Welt so zu ändern, dass nicht mehr Millionen von Menschen auf der Suche nach einem erträglichen Leben sind.
Es ist doch völlig unsinnig über Obergrenzen oder Kontingente zu philosophieren, wenn die Flüchtlinge keine andere Chance als die Flucht haben. Wer glaubt denn allen Ernstes daran das eine Mutter oder ein Vater zuschauen das ihre Kinder von einer Kriegsmaschinerie, Hunger oder lebenslangem Elend vernichtet werden? Wenn ich an der Stelle dieser Menschen wäre, würde ich mich für solche Begrifflichkeiten wie Obergrenzen oder Kontingente nicht interessieren.

Wie wollen wir diese Menschen denn aufhalten? Elendig krepieren lassen an unseren EU Außengrenzen, abgehalten durch Stacheldraht und schwerbewachten Grenzen? Wollen wir so eine Zukunft?

Die Gefahr für unsere Demokratie besteht aber auch aus den Menschen, die mit Angst Politik machen (Zitat: AfD Alexander Gauland: Die Flüchtlinge sind ein Glücksfall für uns). Neben den kaum auszuhaltenden rechtsradikalen Rülpsern und Hasspredigten eines thüringischen AFD Vorsitzenden Höcke sind solche entlarvenden Sätze nicht nur unmenschlich, sondern auch zutiefst demokratiefeindlich.
Es gibt einen wunderschönen Satz in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, der das Wesen einer humanen Demokratie beschreibt:
„Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, dass alle Menschen gleich erschaffen worden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit.“
Die Anerkenntnis der Gleichheit, Freiheit und der Würde des Menschen (Ebenfalls deutlich definiert in unserem Grundgesetz) ist die Basis auf der unsere Gesellschaft existiert. Stellt man dieses Recht eines Menschen in Frage, stellt man nicht nur die Werte und die Moral, sondern auch die wesentlichsten tragenden Elemente der Demokratie in Frage. Das sollte sich jeder Fahnenschwingende vermeintlicher Patriot vor Augen führen.

Wir brauchen zur Lösung der millionenfachen Flüchtlingsströme auf der Welt eine große und langfristige Lösung der Staatengemeinschaften.
Dies beinhaltet in unserem Land den Kraftakt der Integration derer die für immer bei uns bleiben, aber auch den Aufbau und die Förderung  von Demokratie und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit in den Herkunftsländern, – damit Zukunft dort eine Chance hat.

All jene, die es gut mit uns und unserem Land meinen, die dankbar dafür sind in was für einem Frieden, in was für einem Wohlstand wir leben dürfen, die wissen das wir ganz sicher nicht an zu viel Menschlichkeit zugrunde gehen werden.
Wir können aber sehr wohl uns selber und allen nachfolgenden Generationen durch unkluges, unvernünftiges, unmenschliches und egoistisches Handeln schlimmen Schaden zufügen.

Menschlichkeit richtet uns nicht zugrunde