Gleiches Recht für alle?!

DAS DRAMA

Ärgerlich und zeitintensiv ist die Auseinandersetzung, mit der ich mich aktuell herumschlagen muss. Durch einen Zufall haben im Sommer diesen Jahres duale Studenten ihre persönlichen Erfahrungen zur Mitgliederwerbung der IGM auf unserer Werft ausgetauscht. Dabei stellte sich heraus, das offenbar Jahr für Jahr junge Menschen mit Hinweis auf Nichtübernahme nach Studium und Ausbildung, mit der Ankündigung erheblicher Schwierigkeiten in der Arbeit und Androhungen ähnlichen Übel´s bei der persönlichen Karriere zum Eintritt in die IGM „motiviert“ wurden. In einem bedrückend krassen Fall soll eine junge Frau in das Büro des betreffenden ganz besonders aggressiv werbenden Betriebsratsmitgliedes eingesperrt worden sein, um eine entsprechende Unterschrift zu erhalten. Zwar entschuldigte sich der damalige Betriebsratsvorsitzende für einige der verwerflichen Praktiken, stellte diese aber nicht ab.
Mit jahrelanger Verspätung erhielt die Geschäftsleitung Kenntnis von diesen Vorgängen. Bei den nachfolgenden um Aufklärung bemühten Gesprächen wollten weder Betriebsrat noch Gewerkschaft ein Problem erkennen. Trotz der vorliegenden plastischen, konkreten und schriftlichen Erlebnisschilderungen der jungen Menschen wurden alle Vorwürfe als Bagatellen kategorisch abgestritten. Dementsprechend wurde auch die geforderte Entschuldigung gegenüber den Geschädigten nicht in Betracht gezogen. Aufgrund dieser Uneinsichtigkeit und der Konkretheit der vorliegenden Verdachtsmomente, beantragte die Unternehmensleitung die Zustimmung zur Kündigung des betreffenden Mitarbeiters.
Danach brach ein unglaublicher politischer Shitstorm über das Unternehmen los. Lehrbuchmäßig wurde ein Skandal entwickelt. Es ging plötzlich nicht mehr um die Verfehlung eines einzelnen Menschen. Plötzlich standen vermeintlich die gesamte Mitbestimmung und die Existenz der Tarifverträge zur Disposition. Und dies, obwohl eine Beschäftigungsgarantie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis zum Jahr 2030 vereinbart wurde. Der Belegschaft wurden nur Bruchstücke des gesamten Vorganges dargelegt, um die notwendige Solidarisierung nicht zu gefährden.
Von einen Teil der Politik und der Gewerkschaft wurde das vorher vorbildhafte Unternehmen monströs verzerrt. Diese Verhaltensmuster ähnelten sehr der jahrelangen Erkenntnisverweigerung der Kirche hinsichtlich des Missbrauchsvorwurfes gegenüber Priestern.
Es durfte nicht sein, was ganz offensichtlich war. Ein Betriebsrat hatte Schutzbefohlenen Leid zugefügt.
Durch die Verweigerung der Zustimmung des Betriebsrates musste die Zustimmung zum Ausspruch einer Kündigung vor dem zuständigen Arbeitsgericht beantragt werden. Diese Zustimmung wurde aus komplizierten formellen Gründen (Fristversäumnisse) in der 1. Instanz nicht gegeben. Dies wiederum führte zur sofortigen Forderung aus Politik, Medien und Gewerkschaft alle Vorwürfe und die Kündigungsabsicht fallenzulassen.
Generalstabsmäßig wurde dies über alle Kanäle kolportiert und über die sozialen Medien aufgeblasen. Als Randnotiz zu einer Passage des nachfolgenden Textes sei noch erwähnt das das betreffende Betriebsratsmitglied vor einigen Jahren seinen Namen, sein Geburtsdatum und seinen Geburtsort bzw. ursprüngliche Nationalität änderte. Er hielt es jahrelang für nicht erforderlich den Arbeitgeber darüber in Kenntnis zu setzen. Diese Erläuterungen der Ausgangssituation für nicht so eingeweihte Leser erklärt mein nachfolgendes Statement gegenüber Politik, Gewerkschaft und Medien in der aktuellen Diskussion.

TÄTERSCHUTZ ?

Ob ein Verteidigungsminister Gutenberg, eine Ministerin Schawan oder ein Bundespräsident. All diese und viele andere mussten von ihren Ämtern zurücktreten, weil sie Fehler machten oder verdächtigt wurden solche begangen zu haben. So schrieben einige beispielsweise für ihre Doktorarbeit Textpassagen von Werken anderer Personen ab. Manager, Richter oder Verwaltungsbeamte, sie alle verlieren ihre Arbeit oder werden mindestens umgehend beurlaubt wenn schwerwiegende Vorwürfe erhoben werden oder sie nachweislich Fehler machen. Das wird als selbstverständliche Konsequenz solcher Vorgänge akzeptiert.
Bei uns erheben mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr glaubhaft den Vorwurf das sie von einem Betriebsratsmitglied schwer bedroht und genötigt wurden.
Doch weder der Betriebsrat, die IG Metall oder einige der örtlichen Politiker wollen eine ehrliche Bestandsaufnahme oder gar Konsequenz.
Sie fühlen sich nicht den jungen Menschen gegenüber verpflichtet. Diese haben ihre Solidarität und Hilfe nicht.
Stattdessen bezichtigen Betriebsrat, Gewerkschaft und deren Anwälte die Auszubildenden der Lüge und ziehen ihre Glaubwürdigkeit in den Schmutz.
Sie alle glauben stattdessen einem Mitarbeiter, der jahrelang mit einem falschen Namen, einem falschen Geburtsdatum und mit einem falschem Geburtsort den Arbeitgeber an der Nase herumführt. Der über eine lange Zeit Briefe, Verträge und Vereinbarungen mit einem falschen Namen unterschrieb.
Dieser muss grundsätzlich unschuldig und glaubwürdig sein, weil er doch Betriebsrat ist? Da fällt mir ein, – gab es da nicht auch Vorgänge in anderen Firmen mit Arbeitnehmervertretern die z.B brasilianische Geliebte auf Firmenkosten hatten? Spannend wäre z.B zu wissen wie viele Prämien der IG Metall für die aggressive und erfolgreiche Werbung von Jungmitgliedern gezahlt wurden.

Hat ein Betriebsratsmitglied das Recht sich grundsätzlich außerhalb aller Regeln zu stellen?
Massenhafte Solidaritätsbekundungen werden seit Wochen ohne intensive Kenntnis oder Prüfung der tatsächlichen Umstände abgegeben.
Vor dem Arbeitsgericht wurden leider nicht die Vorwürfe diskutiert und bewertet sondern lediglich Termine zur gegenseitigen Information abgearbeitet. Da diese Termine nach Auffassung des Richters nicht eingehalten wurden und er dem Kündigungswunsch deshalb nicht nachgab, gibt es jetzt ein Siegesgeheul und die Forderung das wir ohne Rücksicht auf die Verdachtsmomente zur Tagesordnung übergehen sollten? Das kann doch nicht ernstgemeint sein!
Sogar die Anwälte des Betriebsrates und der Arbeitsrichter selber haben eingeräumt „Würden die Vorwürfe der jungen Studenten zutreffen, wäre ein solches Verhalten des Betriebsratsmitglieds inakzeptabel“. Wenn wir jetzt den vielfachen Aufforderungen nachgeben und so tun als sei nichts geschehen, und die im Raum stehenden Vorwürfen nicht klären, dann missbrauchen wir, wie dies schon der Betriebsrat machte, das Vertrauen derer die sich uns anvertraut haben. Dann akzeptieren wir etwas inakzeptables.
Was erwarten eigentlich all die Menschen, die uns seit Wochen kritisieren? Das wir die Augen fest zudrücken und wegschauen? Bei welchem Vorgang sollen wir denn das nächste Mal nicht einschreiten?

Keinen einzigen Beleg gibt es für eine Infragestellung der Mitbestimmung oder von Tarifverträgen. Man sollte doch endlich mit diesen Nebelbomben aufhören! Wir wollen und brauchen eine gute Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat.
Eine letzte Bemerkung.
Wären die uns vorliegenden Verstöße z.B in einer Behörde oder gegen einen Arbeitgeber erhoben worden, hätten all die Kritiker, die kommentierenden Chefredakteure der Zeitungen oder beifallsspendenden Politiker lauthals gefordert den unter Verdacht stehenden Menschen sofort zu entlassen oder mindestens bis zur Klärung der Vorwürfe zu beurlauben!

Hier wird von uns die Abkehr von einem moralischen Handeln gefordert. Der Maßstab soll nicht für alle Menschen gleich sein. Einige sollen, weil sie ein Amt bekleiden, gleicher sein als andere. Das kann nicht sein!

Gleiches Recht für alle?!

Zu langsam für China?

Warum sind wir bei uns oftmals so geduldig und fast abwartend?
Warum beunruhigt es uns nicht wie schnell anderswo auf der Welt Entwicklungen und Veränderungen stattfinden? Ich habe Bekannte in Übersee, die u.a derzeit im Umfeld von Silicon Valley arbeiten. Angesichts der Geschwindigkeit, mit der in Teilen der USA und anderswo Innovationen umgesetzt und neue Entwicklungen vorangetrieben werden, bin ich sehr unruhig.
Wir haben in unserem Land ganz ohne Zweifel eine Menge von Menschen, die überaus kompetent und innovativ sind.
Ein bedrückendes Merkmal bei uns ist aber die unglaubliche Langsamkeit, mit der sich Entwicklungen und Veränderungen fast in Zeitlupe durchsetzen.
Die immer noch unbändige Regelungswut von Bürokratie, Datenschützern oder Verbandvertretern unterschiedlichster Couleur führt vielerorts zwar nicht mehr zu einer völligen Blockade aber zu einer Schneckengleichen Entwicklungs, – bzw. Umsetzungsgeschwindigkeit.
Mit dieser Geschwindigkeit respektive Langsamkeit werden wir auf der Welt bald nicht mehr mithalten können. Viele Menschen haben leider mehr emotionale und irrationale Angst vor der rasanten Entwicklung von Technik als vor dem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit durch Innovations,- und Veränderungslangsamkeit.
Innovationsfähigkeit einer Gesellschaft fängt im Kopf an. Die Einstellung zu Innovation und Technik, die mentale Bereitschaft zur Akzeptanz und Entwicklung derselben ist mindestens so wichtig für uns alle, wie die Kosten der Arbeit.
Statt des begeisterten Aufbruchs und einer Gestaltung der technologischen Zukunft leisten wir uns bei vielen Innovationen den Luxus der Skepsis und distanzierten Gemächlichkeit. Ideen zu Innovationen werden zwischen den organisierten Interessen und unübersichtlich vielen Zuständigkeiten oft verschüttet aber vor allem verlangsamt.
Wer heute mit einer unkonventionellen Idee aus der Menge heraustritt, kann, wenn er nicht aufpasst, schnell ein Opfer von den verschiedensten Gruppen werden, wenn diese um ihre Pfründe oder Einfluss fürchten.
Mit Hilfe der neuen Medien werden dann schnell Empörung und Skandale, werden Sorgen und Ängste gezielt mobilisiert. Unübersichtlichkeit, Verunsicherung und Angst bei allen „vermeintlich“ Betroffenen sind die Folge. Jeder meldet sich zu Wort und fühlt sich auch dazu berufen.

Fortschritt in der Technik oder auch in der Wissenschaft sind längst in Gefahr, mit laienhafter Beliebigkeit beurteilt und ausgebremst zu werden.
Aufgrund der massiven skandalisierten Orgie verlieren die „Ideengeber, die technologischen Eliten“, zu oft den unbedingten Willen das als richtig oder notwendig identifizierte, mit aller Entschlossenheit durchzukämpfen. Wer will sich denn schon im organisierten Skandalismus verprügeln lassen?

„Leadership“ und Widerstand gegen die Langsamkeit und Bequemlichkeit wäre so notwendig. Bodo Hombach hat unsere Begeisterung, anderen bei Veränderungen Barrikaden in den Weg zu legen einmal als „Malefiz Gesellschaft“ skizziert. Es wird so viel Energie darauf verwendet nur ja selber zum Zuge zu kommen statt zu helfen Erfolgversprechendes zum Erfolg zu verhelfen.
Jeder will Arbeitsplätze, aber so viele kleben immer noch an der naiven Vorstellung das wir den Wohlstand sichern und verteilen könnten ohne eine permanente technologische und organisatorische Entwicklung, entsprechende Veränderungen, Anpassung und Wandel.

Wir können uns eine rückständige und bremsende Einstellung einfach nicht mehr leisten. Die Innovationsfähigkeit einer Gesellschaft ist mehr als Technik. Innovationsfähigkeit beinhaltet ein umfassendes Klima der Akzeptanz und Unterstützung für Veränderung – und zwar schneller Veränderung.
Die Konturen der Bedingungen, mit denen wir zu tun bekommen, werden derzeit in Asien sichtbar. Speziell in China werden aktuell die Weichen für eine globale Neuverteilung der wirtschaftlichen und technologischen Zukunft gestellt.
Wir entscheiden heute über unsere Zukunft. Wir müssen die Zukunft von den Chancen her betrachten und gebündelte (Europäische) Innovationskräfte als Lösung, und nicht als Problem betrachten.
Nicht die Entwicklungen auf der Welt ist unser Problem in Deutschland, sondern unsere quälend schwerfällige Diskussion darüber. Wir dürfen die Langsamkeit und unsere überall zu beobachtende Schwerfälligkeit nicht mit den Begriffen Vorsicht, Gründlichkeit oder Sicherheit verwechseln und schönreden.
Wir liegen bei der Entwicklung von Hochtechnologie auf der Welt leider nicht mehr vorn.
Innovationen werden bei uns nicht schnell genug in marktfähige Produkte umgesetzt.
Notwendige Unterstützungen von Produktinnovationen werden nicht vom möglichen gesellschaftlichen Erfolg her betrachtet und bewertet sondern über finanzielle Budgets, die strategische und dynamische Prozesse im globalen Wettbewerb kaum berücksichtigen. Die beste Innovation muss im Sinne einer gesellschaftlichen Nutzenbetrachtung und globaler Konkurrenzfähigkeit beurteilt und gefördert werden. Diese Betrachtung sollte über Innovationen entscheiden, nicht Forschungsbürokratie, Interessengruppen oder Budgets. Meine eingangs beschriebene Unruhe bezieht sich auch auf den Bequemlichkeitsstatus hinsichtlich des zu langsamen Transfers von Ideen und Wissen aus Wirtschaft und Hochschulen. Entsprechende innovative Infrastrukturen zu schaffen ist der erste Weg zu einem Erfolg.

Es ist fast Weihnachten und ich möchte einen Wunsch äußern.
Angesichts der asiatischen Entwicklungsdynamik und unserer eigenen gesellschaftlichen Entwicklung kann ich mir zwar nicht vorstellen das diese Länder uns in Kürze um die Anzahl, Menge und Schnelligkeit von Forschung und Produktentwicklung beneiden. Aber ich würde mir wünschen, dass man uns nicht bemitleidet!

Zu langsam für China?

Darf ich das sagen? Ich war Betriebsrat ….

Gerade erlebe ich eine Art von Betriebsratsarbeit die mich doch nachdenklich macht. Enorm viel Zeit, Energie, Kreativität und Zuversicht wird vernichtet durch eine Betriebspolitische Ausrichtung die eher dem Stil der frühen 50er Jahre entspricht. Industrie 4.0 und die damit verbundenen Veränderungen in Technik, Organisation und Menschen müssen bewältigt werden. Dies gelänge am besten gemeinsam. Das gelingt uns sicherlich nicht mit Klassenkampf.
Dies veranlasst mich gerade im Hinblick auf die aktuelle Situation bei uns dazu, einige provokante Gedanken zu skizzieren.

Die Arbeitswelt wird sich gravierend, wenn nicht gar revolutionär verändern. Digitalisierung, Virtualisierung und Flexibilisierung, eine immer stärker globalisierte Wettbewerbssituation und die demographischen Herausforderungen werden die Arbeitswelt und unser gesamtes Leben extrem verändern. Eine Arbeitnehmervertretung, die diese Zukunft aktiv mitgestalten möchte, kann keine überkommene alte Konfliktpolitik mehr vertreten.
Nur immer wieder Nein zu sagen oder den Gegenüber reflexartig als Gegner zu sehen, führt in eine Sackgasse. Die strukturellen notwendigen Veränderungen und Anpassungen in Unternehmen verlangen eine andere, eine revolutionierte Art der Interessenvertretung.
Zukunftsgerichtete Betriebsratsarbeit kann nicht darin bestehen, vor der Zukunft und dem tiefgreifenden Wandel die Augen zu verschließen und sich den Erkenntnissen und Notwendigkeiten aus diesen Entwicklungen zu verschließen.
Nicht mehr vorrangig der Konflikt erzeugt zukünftig Gestaltungsmacht und Einfluss der Betriebsräte. Macht und Einflussstrukturen, die nach alten Konfliktmustern agieren, werden zunehmend in Frage gestellt durch hochqualifizierte sich ihrer Selbstständigkeit bewussten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Kompetenz und Transparenz im Handeln, Kreativität, Außergewöhnlichkeit sowie Schnelligkeit bei Problemlösungen, die Schaffung individueller Freiräume für immer mehr autonom und eigenverantwortlich handelnde Menschen, – das werden die Herausforderungen an die Betriebsparteien sein.
Das Modell der kooperativen Partnerschaft im Betrieb auf der Basis eines in die Jahre gekommenen Betriebsverfassungsgesetzes hat bewiesen, wie leistungsfähig es sein kann. Gute und konstruktive Betriebsratsarbeit, die sich an den erwähnten Grundsätzen und nicht an alten ideologischen Mustern orientiert, kann ein sehr wichtiger Wettbewerbsvorteil sein.
Dies jedoch nur dann, wenn der Betriebsrat seine Arbeit als wichtigen und konstruktiven Teil der Führung eines Betriebes versteht.
Die Betriebsratsarbeit der Zukunft hat natürlich das Kollektiv, muss aber auch zunehmend die Wünsche, Stärken und Bedürfnisse des Individuums im Blick haben.
Die Arbeit des Betriebsrates muss ebenso systematisch, prozessorientiert und strukturiert sein, wie dies auf der Arbeitgeberseite „State of the Art“ ist.
Betriebsräte brauchen neben der rollentypischen Sozialkompetenz ein modernes unternehmerisches Bewusstsein und eine ausgeprägte Sensibilität zu betriebswirtschaftlichen als auch wirtschaftlichen Fragestellungen.
Sie müssen die Arbeitsorganisation in Projekten verstehen und Prozessoptimierung auch ihrer eigenen Arbeit aktiv betreiben.

Schon heute bilden wir unsere Auszubildenden durch eine projektorientierte Lernprozessbegleitung besser aus und haben dort schon enorm viel Kompetenz gebündelt, oftmals mehr als dies bei den Betriebsräten der Fall ist.

Nur dann, wenn man aufhört, mit dem Finger auf die andere Betriebspartei zu zeigen, diese aus politischen Gründen zu dämonisieren und stattdessen die Partnerschaft zu betonen, entwickelt sich Kooperation weiter. Und die Arbeitnehmervertretung muss die Mitverantwortung für eine Unternehmenskultur akzeptieren. Nur so kann eine zukunftsfähige Kooperation zu einer gemeinsamen Weiterentwicklung des Betriebes führen.

Bei einer solchen Zusammenarbeit wird eine größtmögliche proaktive Transparenz, eine umfassende frühzeitige und selbstverständliche Einbeziehung und Information des Betriebsrates seitens der Unternehmensleitung selbstverständlich sein.
Wenn man so eine Partnerschaft hinbekäme, das wäre schon toll und würde viele positive Effekte freisetzen.

Darf ich das sagen? Ich war Betriebsrat ….

Mit leichtem Gepäck ….

Aktuell gibt es einen Song der Gruppe Silbermond, der davon handelt, wie vorteilhaft es für das Leben sein kann mit „leichtem Gepäck“ unterwegs zu sein.
Viele Dinge, die wir heute besitzen und auf die wir meinen nicht verzichten zu können erweisen sich bei näherer Betrachtung tatsächlich als entbehrlich.
Besitz, eine komfortable Umgebung, Bequemlichkeiten und anderes führen dazu, das ein möglicher Verlust derselben uns daran hindert Entscheidungen zu fällen, die wir einerseits vielleicht gerne treffen würden, vor deren Konsequenzen wir uns aber fürchten. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir alle eine extrem weitgehende Freiheit für alle unsere Entscheidungen haben.
Das verbreitete Jammern oder der Frust über Umstände, Bedingungen o.ä sind letzten Endes Klagen darüber, dass wir eine Entscheidung gefällt haben. Wir akzeptieren letztendlich diese Dinge, wie sie sind, weil uns der Preis dafür, z.B eine Arbeitsstelle an der man sich nicht wohl fühlt aufzugeben, zu hoch ist.
Wir akzeptieren den Umgang mit Menschen die uns ärgern, weil wir den Konflikt und möglicherweise den finalen Bruch scheuen. Wir zahlen mit Lebenszeit für materielle Dinge wie Haus, Urlaub, Auto etc. die wir uns zulegen aber die ihren Preis fordern. Dieser Preis kann auch der vermeintliche Verlust der völligen Entscheidungsfreiheit sein. Das ist auch völlig in Ordnung, man muss sich nur darüber im klaren sein das keiner außer uns selbst diese Entscheidungen fällt. Diese fortwährende Erkenntnis muss nicht zwingend, kann aber sehr wohl zu einer größeren Zufriedenheit führen.

Heute Morgen war ein Mitarbeiter bei mir, der den praktischen Inhalt meiner theoretischen Ausführungen aufgezeigt hat. Er gibt eine sichere Arbeitsstelle, ein stabiles und funktionierendes Umfeld auf und geht für 2 Jahre auf den „verlorenen Kontinent“ Afrika. Dort will er weitgehend ehrenamtlich an einem ehrgeizigen Aufbauprojekt einer Kommune mitarbeiten. Eine Schule, ein Krankenhaus und eine entsprechende Infrastruktur sollen dort entstehen und er möchte dabei helfen. Bewunderung macht sich breit und auch zugegebenerweise ein klein wenig Neid. Er wird als reicher Mensch zurückkommen. Seine materiellen Güter werden fehlen, aber eine solche Entscheidung zu treffen, macht die beeindruckende Autonomie eines Menschen sicht,- und spürbar. Er wird Erfahrungen gewinnen, die sein weiteres Leben beeinflussen werden. Er wird den Satz, ich bin Herrscher über mein Leben, mit einem ganz speziellen Inhalt gefüllt haben. Ob ihm das heute in jungen Jahren schon richtig bewusst ist, weiß ich nicht.

Ich möchte jetzt nicht falsch verstanden werden.
Nicht jeder muss, kann oder sollte eine ähnliche Entscheidung fällen. Aber es stand eine tiefe spürbare Zufriedenheit und Ausgeglichenheit, in dem Gesicht des jungen Mannes. Dies wird immer das beherrschende Gefühl sein, wenn man sich bewusstmacht, dass die richtungsgebenden Entscheidungen, die man fällt, stets die eigenen sind. Kein anderer ist dafür verantwortlich zu machen.

Ob wir diese Entscheidungen mit leichtem oder schwerem Gepäck machen (siehe Liedtext) und glücklich damit sind, mag jeder für sich entscheiden. Nur jammern sollte man darüber nicht.

Mit leichtem Gepäck ….

It´s the economy, stupid?!

Seit Jahrzehnten erlebe ich das Spannungsfeld zwischen Politik und Wirtschaft aus nächster Nähe. Einiges hat sich in dieser Zeit verändert. Ich habe das Gefühl und mache die Erfahrung das Politik und Wirtschaft sich offenbar voneinander entfernen.
Fremdheit greift um sich. Dieses wachsende Misstrauen bzw. gegenseitige Unverständnis ist fast mit Händen zu greifen.
Bill Clinton´s legendärer Wahlkampfmanager James Carville prägte 1992 den Satz „It’s the economy, stupid!“ Dieser Zettel hing an der Tür der Wahlkampfzentrale der Demokraten. Seinem Team sollte bewusst werden, dass eine Verteilung sozialer Wohltaten erst durch eine stabile erfolgreiche Wirtschaft möglich würde.
Ist dieses Bewusstsein heute überall Maßstab der Politik?
Ich sehe wenige Verantwortliche aus der Wirtschaft die sich in der aktiven Politik tummeln und verstehen, wie dort Abläufe funktionieren. Umgekehrt gibt es auch zu wenige Politiker, die einen wirklichen Bezug zu den Bedingungen in der realen Wirtschaft haben. Soziale Marktwirtschaft und unsere Wirtschaft brauchen einander mehr als dies vielen Beteiligten klar ist. Ohne eine wettbewerbsfähige und funktionierende Wirtschaft, ohne Betriebe die Gewinne erwirtschaften, wäre der Sozialstaat nicht existenzfähig.
Diese Wahrheit wird in ideologischen Denkmustern gerne einmal vergessen.

Unser Staat bricht zusammen, wenn die wirtschaftliche Basis für Wohlstand und Investitionen in unserem Gemeinwesen in sich zusammenfällt.
Daher ist jede Hilfe zu Innovationen und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit kein Geschenk an die Wirtschaft, sondern eine strategische politische Investition in die Zukunft des Staates.
In Abänderung des Greenpeace Satzes könnte man sagen: „Erst dann wenn wir nicht mehr genügend wettbewerbsfähige Betriebe haben, erst dann, wenn die meisten Produkte aus Asien kommen, erst dann werden wir merken, wie unabdingbar eine vitale, starke und konkurrenzfähige Wirtschaft für das Gemeinwohl ist.

Die Betriebe brauchen andererseits auch die Verlässlichkeit einer Politik, um für die Zukunft planen zu können. Ein politisch stabiles und verlässliches System ist für die strategischen Planungen der Unternehmen unendlich wertvoll.
Durch Veränderungen in der Gesellschaft und die beeindruckenden Exporterfolge glaubt man zunehmend häufiger, keine besondere Rücksicht auf die Wirtschaft mehr nehmen zu müssen.
Betriebe sind aber keine experimentellen Werkstätten für eine bessere Welt. In einem früheren Blogg hatte ich schon darauf hingewiesen, welche Auswüchse dies schon teilweise annimmt.
Betriebe sind (und das ist nicht verwerflich) Zweckgemeinschaften zur erfolgreichen d.h auch möglichst gewinnträchtigen Produktion von Waren, Gütern und Dienstleistungen. Sie dürfen nicht Spielball eines Politikbetriebes werden, der grundlegend anders funktioniert wie die Wirtschaft.

In der Politik geht es in den weitaus meisten Fällen um Regelungen für den jeweiligen recht kurzen Zeitraum, in dem man gewählt ist. Beschlüsse mit positivem Verteilcharakter sollen möglichst kurzfristig greifen, jene die zu Belastungen führen liegen möglichst außerhalb des aktuellen Regierungszeitraums.
Bei Betrieben gelten völlig andere Zeitdimensionen. Dort wird in Zeiträumen von mehreren Jahren oder wie bei uns in Generationen gedacht.
Eine zukunftsgerichtete Wirtschaftspolitik muss deshalb auch einen völlig anderen zeitlichen und inhaltlichen Fokus haben der zu dieser Sichtweise von Betrieben passt.

Es werden in einer solchen Geschwindigkeit Gesetze, Verordnungen und Reglementierungen eingeführt, dass man sich schon die Frage stellen muss, ob wir tatsächlich glauben, dass wir damit den Wettbewerb um Arbeit und Auskommen auf der Welt gewinnen werden?
Durch unkalkulierbare Sprünge wie z.B im Energiesektor, oder z.B bei der Veränderung der Leih,- und Zeitarbeit oder bei der Nutzung von Werkverträgen ist in den letzten Jahren viel Vertrauen in Verlässlichkeit verlorengegangen.
Natürlich ist es das Recht und die Pflicht der Politik in einer Demokratie Parameter des Handelns zu verändern.
Leider wird oftmals kaum ausreichend bedacht, welche wirtschaftlichen oftmals nicht mehr auszugleichenden Kollateralschäden, diese Entscheidungen für viele Betriebe nach sich ziehen können, wenn plötzlich andere Planungsprämissen angenommen werden müssen.
Wir sind nicht unverwundbar. Wir Deutschen sind doch leider nicht mehr diejenigen, die mit den meisten Ideen, mit der innovativsten Technik oder mit den außergewöhnlichsten Ideen glänzen. Nein das sind wir schon lange nicht mehr. Wir leben schon sehr viel stärker und viel zu sehr aus den Erfolgen der Vergangenheit. Dies gilt es zu erkennen, Rückschlüsse und Lehren daraus zu ziehen.
Die rasende Entwicklung auf der Welt und die Entfremdung von Politik und Wirtschaft, verstärkt durch eine Kultur der Saturierung in der Gesellschaft, das ist eine durchaus reale Gefahr und Herausforderung für uns alle.

It´s the economy, stupid?!

Führung wird verliehen

Heute hatten wir eine Gesprächsrunde mit Nachwuchskräften aus unseren Förderkandidatenprogramm. Es ist faszinierend zu sehen, mit welcher Begeisterung junge Menschen an ihrer eigenen Entwicklung arbeiten.

Eine Frage, die immer wieder in den Debatten auftaucht, ist folgende. Gibt es etwas eindeutig Identifizierbares, was Vorgesetzte von Führungskräften unterscheidet?
Werden Führungskräfte dies schon durch die Übernahme dieser Aufgabe oder müssen sie nur einen gerade aktuellen Führungsstil beherrschen? Gibt es etwas generell Geeignetes, das man potentiellen Nachfolgern mitgeben und empfehlen kann?

Ich möchte hier nur einen, aber den für mich wesentlichen Aspekt des Führens etwas beleuchten. Wahre Führung kristallisiert sich m.E durch folgendes Merkmal.
Die geführten Menschen folgen ihrer Führungskraft, und zwar weitgehend freiwillig!
Tun sie dies nicht, erkennt man dies recht schnell und das gesamte Team bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Konsequente Führung ist die eine Seite der Medaille, freiwillige Gefolgschaft (altes Wort) die andere. Kein blindes, unkritisches hinnehmen von Führung, sondern eine Gefolgschaft von selbständigen verantwortlichen Individuen. Diese entscheiden in einer Abwägung ihrer eigenen Interessen, ob, wie und von wem sie sich führen lassen. Nur diejenigen, denen die Menschen ohne Zwang folgen und diese akzeptieren, sind mehr als nur Vorgesetzte.
Natürlich ist es das vorrangige Selbstverständnis und die Aufgabe einer Führungskraft, die Ziele des Unternehmens zu erreichen. Das ist der Kern des Jobs, daraus erwächst der Nimbus und die Stärke. Doch eine Führungskraft verliert ihre Kompetenz, die Gefolgschaft und bleibt letztendlich erfolglos, wenn sie nicht dazu beiträgt, den Zielen der Menschen die geführt werden ebenso zu dienen. Diese muss man wissen und darüber informiert sein. Kennt eine Führungskraft die Wünsche, Ängste und Erwartungen seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht, sondern nur die seiner Vorgesetzten oder des Managements wird sie zu einer leeren Hülle, zu einem Lautsprecher. Dann wird diese Mannschaft nie die Effektivität und die Erfolge erreichen zu der Teams tatsächlich in der Lage sind. Es gibt in vielen Bereichen, in der Politik, im Militär, im Sport, Politiker, Führungskräfte, Offiziere oder Trainer die in der Lage sind eine hocheffiziente freiwillige Gefolgschaft zu erzeugen. Die Menschen gehen für solche Führungskräfte durchs Feuer, denn diese geben der Motivation die aus den Menschen heraus entsteht die Chance und Möglichkeit sich zu entwickeln.
Diese Menschen folgen diesen Führungskräften nicht weil sie manipuliert werden, sondern weil es diesen gelingt, ihre Ziele und Wünsche mit denen der Geführten zu verbinden, sie zu verschweißen.
Führung ist die einmalige Gelegenheit die Talente und Fähigkeiten anderer Menschen zu wecken, sie zur Entwicklung zu bringen und Kräfte zu wecken, von denen die Geführten manchmal gar nicht wissen, dass sie diese besitzen. Wann immer Führung erfolgreich war, dann dort, wo eine solche weitgehend freiwillige Symbiose einer Erfolgs – Gefolgschaft entstanden ist.
Organisationen und Führungskräfte sind in demselben Augenblick überflüssig und sogar schädlich, wenn diese freiwillige Entscheidung der Mitarbeiter nicht mehr funktioniert und durch Zwänge oder Vorschriften ersetzt werden muss.
Eine solche Entwicklung kann verschiedene Ursachen haben. Auch ein herausragender Trainer verliert manchmal die Fähigkeit andere zu dieser freiwilligen Gefolgschaft zu begeistern. Dies konnte man bei dem Dortmunder Trainer Jürgen Klopp beobachten. Er war jahrelang eine Inspiration für seine Spieler. In dem Jahr, in dem er feststellte, das er diese feurige Gefolgschaft verloren hatte, war er immer noch derselbe emotionale Trainer, gab er immer noch dieselben Anweisungen, war authentisch und doch folgten seine Spieler ihm nicht mehr.
Dann wird es Zeit beiseitezutreten, um selber wieder Kraft zu schöpfen und einer neuen Konstellation von Führungskraft und Team eine Chance zu geben.
Inspirierende Führung von selbstverantwortlichen Individuen kostet Energie und Kraft. Daher sind Unternehmen, Organisationen und Führungskräfte gut beraten, wenn sie sich dieser Tatsache bewusst sind und Führung nicht auf ewig auslegen.
Wenn eine Führung die Mannschaft nicht mehr freiwillig hinter sich hat, ist es ein quälendes Arbeiten für alle Beteiligten.
Für solche Gedanken und Auffanglösungen gibt es in den Betrieben aktuell keine wirklich belastbaren Erfahrungswerte. Gleichwohl erscheint es mir als zwingend notwendig das wir uns mit solchen Möglichkeiten auseinandersetzen.

Führung wird verliehen

Menschlichkeit richtet uns nicht zugrunde

Wenn man sich die aktuellen zum Teil irrationalen Debatten vermeintlich moderner Menschen über die Flüchtlingstragödien anhört, kann einem Angst und bange werden.
Die einen bedienen sich einer Sprache und verwenden Begriffe, die zuletzt vor ca. 80 Jahren unseren Kontingent in ein gigantisches Unglück gestürzt und in eine Hölle für Millionen von Menschen verwandelt haben.
Die anderen idealisieren die aktuelle Situation als kulturellen Zuwachs. Sie vergessen dabei offenbar das diese geflüchteten Menschen nicht zu unserer Belustigung oder Bereicherung zu uns kamen, sondern aus Verzweiflung und aus Not. Sie übersehen auch geflissentlich die vielen Fragen der Menschen in unserem Land nach einer Strategie in dieser Frage.
Es ist doch zwingend notwendig darüber zu sprechen und nachzudenken, wie man die Flüchtlingsströme beendet. Und dies nicht weil es um unseren Wohlstand geht! Warum flüchten denn die Menschen zu Hunderttausenden? Sie fliehen vor Terror, Gewalt, vor Tod und einer völligen Perspektivlosigkeit. Und der beste Weg die Millionen von Menschen vor einem erzwungenen Verlassen ihrer Heimat zu bewahren, ist die systematische und langfristig angelegte Bekämpfung der Fluchtursachen. Das wird Kraft, Zeit, Mut und viel Geld verlangen.
Wir brauchen keine Abschreckungsplakate, wir brauchen Hoffnungszeichen vor Ort, das es sich lohnt, an eine Chance in der Heimat zu glauben.
Die politischen Lagerdebatten in den großen Parteien lassen leider der Klugheit und Vernunft, mit der man an diese Fragen herangehen müsste, kaum Luft und Raum.

Die tatsächliche Gefahr für unsere Demokratie und damit auch unsere Gesellschaft besteht nicht vorrangig aus den Menschen, die als Kriegsflüchtlinge zu uns kommen.
Das diese in der Zeit, in der sie bei uns leben, unsere Form des Zusammenlebens akzeptieren und sich entsprechend integrieren müssen, daran besteht doch kein Zweifel. (Schön wäre es natürlich auch, wenn sie die Chance hierzu auch tatsächlich bekämen).
Die Gefahr entsteht aber sehr wohl durch die offensichtliche Unfähigkeit der Staatengemeinschaften, Ursachen und Wirkung anerkennen zu wollen und in einen vernünftigen Kontext zu bringen.
Durch diese bewusste Blindheit wollen wir leider auch nicht erkennen, was für eines Kraftaktes es bedarf, um die Bedingungen auf der Welt so zu ändern, dass nicht mehr Millionen von Menschen auf der Suche nach einem erträglichen Leben sind.
Es ist doch völlig unsinnig über Obergrenzen oder Kontingente zu philosophieren, wenn die Flüchtlinge keine andere Chance als die Flucht haben. Wer glaubt denn allen Ernstes daran das eine Mutter oder ein Vater zuschauen das ihre Kinder von einer Kriegsmaschinerie, Hunger oder lebenslangem Elend vernichtet werden? Wenn ich an der Stelle dieser Menschen wäre, würde ich mich für solche Begrifflichkeiten wie Obergrenzen oder Kontingente nicht interessieren.

Wie wollen wir diese Menschen denn aufhalten? Elendig krepieren lassen an unseren EU Außengrenzen, abgehalten durch Stacheldraht und schwerbewachten Grenzen? Wollen wir so eine Zukunft?

Die Gefahr für unsere Demokratie besteht aber auch aus den Menschen, die mit Angst Politik machen (Zitat: AfD Alexander Gauland: Die Flüchtlinge sind ein Glücksfall für uns). Neben den kaum auszuhaltenden rechtsradikalen Rülpsern und Hasspredigten eines thüringischen AFD Vorsitzenden Höcke sind solche entlarvenden Sätze nicht nur unmenschlich, sondern auch zutiefst demokratiefeindlich.
Es gibt einen wunderschönen Satz in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, der das Wesen einer humanen Demokratie beschreibt:
„Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, dass alle Menschen gleich erschaffen worden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit.“
Die Anerkenntnis der Gleichheit, Freiheit und der Würde des Menschen (Ebenfalls deutlich definiert in unserem Grundgesetz) ist die Basis auf der unsere Gesellschaft existiert. Stellt man dieses Recht eines Menschen in Frage, stellt man nicht nur die Werte und die Moral, sondern auch die wesentlichsten tragenden Elemente der Demokratie in Frage. Das sollte sich jeder Fahnenschwingende vermeintlicher Patriot vor Augen führen.

Wir brauchen zur Lösung der millionenfachen Flüchtlingsströme auf der Welt eine große und langfristige Lösung der Staatengemeinschaften.
Dies beinhaltet in unserem Land den Kraftakt der Integration derer die für immer bei uns bleiben, aber auch den Aufbau und die Förderung  von Demokratie und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit in den Herkunftsländern, – damit Zukunft dort eine Chance hat.

All jene, die es gut mit uns und unserem Land meinen, die dankbar dafür sind in was für einem Frieden, in was für einem Wohlstand wir leben dürfen, die wissen das wir ganz sicher nicht an zu viel Menschlichkeit zugrunde gehen werden.
Wir können aber sehr wohl uns selber und allen nachfolgenden Generationen durch unkluges, unvernünftiges, unmenschliches und egoistisches Handeln schlimmen Schaden zufügen.

Menschlichkeit richtet uns nicht zugrunde

Schnelligkeit durch Vertrauen

Schon in jungen Jahren war ich ein glühender Fan von Borussia Mönchengladbach. Die „Fohlen“ faszinierten mich durch ihre unbändige Spielfreude, der Dynamik und den unkonventionellen Ideen im Spiel. Ich bin begeistert, dass diese Mannschaft ohne große Weltstars in ihren Reihen wieder zu dieser bestechenden faszinierenden und erfolgreichen Spielweise zurückkehrt.
Die Fußballspiele in meiner Jugendzeit waren im Vergleich zu den heutigen Systemen fast Standfußball.
Heute rast der Ball bei den wirklich guten Mannschaften mit einer unglaublichen Geschwindigkeit von einem Spieler zum nächsten.
Was bei den erfolgreichen Teams besonders auffällt, ist das sie nicht nur zusammen, sondern wirklich füreinander spielen. Es ist für mich als ehemaligen Hobby Fußballspieler das Größte zu sehen, wie der Ball quasi blind auf eine vormals leere Stelle des Platzes gespielt wird und dort wie von Zauberhand der nächste Mitspieler auftaucht.
Interessante Statistiken bei großen Turnieren zeigten beispielsweise das bei dem modernen Spiel der Ball und nicht der Spieler die Kilometer absolviert. Immer wieder wechselnde flexible ununterbrochene Bewegungen auf alle Stationen ist entscheidend. Das System besticht durch die vielfachen Pässe des Balles sowie die ständig wechselnden Positionen der Spieler und deren körperliche und mentale Elastizität.Die Dynamik des Erfolges entscheidet sich nicht daran, ob man härter oder länger spielt. Der Erfolg stellt sich auch nicht ein, wenn man z.B versuchte, erfolgreiche Länder zu kopieren.
Er stellt sich dann ein, wenn ein Maximum an Flexibilität, Autonomie, Vertrauen und Füreinandereintreten bei den Akteuren vorhanden ist. Der Feldspieler, der einen Ball spielt, muss darauf vertrauen, dass der andere seine Idee mitdenkt. Der, der in den leeren Raum startet, muss das Vertrauen haben, das sein Kamerad seinen Weg erahnt.

Es gibt viele Ähnlichkeiten zwischen der Wirtschaft und einer modernen Fußballstrategie.
Auch unser wirtschaftliches Leben wird immer stärker bestimmt durch zunehmende Geschwindigkeit. Alles wird und ist sehr schnell. In der Wirtschaft entscheidet neben Qualität und Preis mindestens ebenso extreme Geschwindigkeiten bei der Erstellung über den Erfolg einer Dienstleistung oder eines Produktes. Auch in der Wirtschaft geht es heute um genau jene Dinge die im Fußball erfolgreich machen. Das zielgerichtete Zusammenspiel der Beteiligten entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Wir sollten diesem Handeln keine unnötigen Hindernisse auferlegen. Kein starres Systemdenken, keine überbordende Bürokratie, keine Strukturen, die schnelle Zusammenspiele behindern.
Vielmehr stellt sich die Frage, wie schnell wir zukünftig Herausforderungen und Probleme identifizieren und wie erfolgreich  und schnell wir außergewöhnliche Lösungen finden.
Wir werden wie bei einem Fußballspiel nicht schnell und gut indem wir möglichst viele Dinge gleichzeitig tun. Es gilt vielmehr sich auf unsere gemeinsamen Ziele zu konzentrieren, sowie zu unseren „Mitspielern“ das Vertrauen haben, das sie auch den Erfolg wollen und das wir zusammen und füreinander (!!) agieren.
Nur das macht uns schnell  und bringt uns auf die Siegerstraße…..

Schnelligkeit durch Vertrauen

Motivation – it´s me ?!

Wie erhält man die möglichst maximale Arbeits- und Leistungskraft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Das ist eine der meistgestellten Fragen von Unternehmen und Führungskräften. Mit welchen Mitteln ist es möglich, Quantität und Qualität der Arbeitsleistung zu fördern und zu verbessern? Liegt die Ursache unterschiedlicher Produktivität in Ländern oder Standorten bei den einzelnen Menschen, in der fehlenden oder zu geringen Motivation derselben? Und wer kann auf solche Fragen überhaupt eine verlässliche und ehrliche Antwort geben?
Vorsichtig sollte man sein, wenn Erwiderungen von Menschen kommen, die möglicherweise Ursache und Wirkung bewusst oder unbewusst verkehren.

Der Großteil der Führungskräfte und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bei vielem was sie leisten, sehr motiviert und leistungsbereit. Für die Annahme von großer Produktivitätsverweigerung oder fehlender Motivation gibt es keine Belege.
Viele unserer außergewöhnlichen Erfolge wären auch nicht erklärbar, wenn wir es mit einer Heerschar von individuellen Versagern zu tun hätten.
Die nachfolgenden Gedanken beziehen sich auf alle Ebenen von Betrieben. Sie fangen in der Geschäftsleitung an und ziehen sich über die gesamte Hierarchie bis zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

In vielen Führungskräfteschulungen wird darüber philosophiert, was aktiv möglich ist, welche Methoden es gibt, um Mitarbeiter dauerhaft und erfolgreich zu motivieren?
Erste, ehrliche und harte Antwort – sehr wenig bis gar nichts.
Zweiter Teil der Antwort. Vielleicht sollte man einfach aufhören, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu demotivieren? Es gibt wesentlich mehr Demotivationsfaktoren, die man einfach vermeiden könnte, als Instrumente zur vermeintlichen Beförderung von Motivation. Die Gründe für möglicherweise unbefriedigende Motivation und in deren Folge sinkender Produktivität, sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Fülle von bekannten und demotivierenden Rahmenbedingungen. Diese Umgebungsbedingungen zur Erbringung einer guten Leistung zu optimieren, das wäre die vordringlichste Aufgabe.

Der einzelne Mensch ist völlig alleine für seine individuelle Leistung verantwortlich und die Führung, das Management allerdings  für die Sicherstellung der Möglichkeiten zur Erbringung einer Leistung.
Doch statt diese Baustelle zu bearbeiten versuchen viele Betriebe mit viel Aufwand und ohne große Erfolgsaussichten die einzelnen Menschen zu verändern.

Auch wenn angesichts der modischen Welle von unglaublich viel Literatur zu diesem Thema jetzt Irritation droht, möchte ich die Gedanken zur Schwierigkeit von aktiv geförderter Motivation verstärken.
Motivation entsteht nur dort und wird nur dort gefördert, wo es Bedingungen gibt, die es Menschen erlaubt und ermöglicht ihre Motivation, die volle Produktivität und Kreativität zur Wirkung zu bringen.

Wo diese autonom und verantwortlich handeln können, dürfen und sollen, entsteht genau das, was wir zu erzeugen versuchen.
Eine solche Leistungs,- und Motivationsumgebung kann man aktiv gestalten. Genau dies gilt es einzufordern.
Sie entsteht durch einige relativ einfach zu realisierende Dinge.
Eine gute Beziehung von Führungskraft zu Mitarbeitern entwickelt sich durch ein offenes Klima von Respekt, gegenseitiger Achtung, durch ehrlich interessierte spürbare Zuhörbereitschaft. Sie basiert auf Konsequenz und Glaubwürdigkeit.
Eine Führungskraft sollte kein Hampelmann sein. Sie hat eine Stellung die Macht und Verantwortung beinhaltet und nicht durch Schauspielerei und Leichtfertigkeit verspielt werden sollte. Weitere unabdingbare Bedingung für einen Erfolg ist es, das man Menschen mögen muss, wenn man erfolgreich führen will.

Dauerhaft kann man nicht durch Tricks und Spielereien motivieren. All die kleinen Suchtmittel, die hierzu trainiert und empfohlen werden, führen letztendlich für die Führungskraft und die ge,- oder verführten Menschen in eine Sackgasse.
Menschen sind dauerhaft nur motiviert und produktiv, wenn ihnen ihre Aufgabe Spaß macht, wenn sie für sich selber entscheiden ihre Arbeit so gut zu machen, wie es ihnen möglich ist. Es gibt im Übrigen sehr viel mehr Menschen, die von Natur aus ihre Arbeit gerne machen als jene, die dies nicht tun.
Paradox ist, dass viele Führungskräfte sich an den „unmotivierten“ Kandidatinnen und Kandidaten abarbeiten. Sie vernachlässigen ihre motivierten Mitarbeiter, kümmern sich intensiv um die wenigen Sorgenkinder. Der Zeit, – und Energieaufwand vieler Führungskräfte um diese Klientel „umzuerziehen“ ist gleichermaßen erschreckend hoch wie erfolglos. Letztendlich ist so eine Fokussierung sogar geeignet, das Menschenbild dauerhaft negativ zu beeinflussen.

Zurück zum Eingangsthema. Lässt sich Motivation und Produktivität dauerhaft durch äußere Anreize, z.B durch Geld entfachen, sichern oder gar verstärken?
Es gibt keine wissenschaftlichen Belege für dieses alte Märchen. Von außen aufgesetzte Motivierung verlangt nach ständig neuer Motivation. Sie ist damit durchaus vergleichbar mit einem Suchtmittel.

In meiner Zeit als Facharbeiter habe ich immer sehr gerne herausfordernde Arbeiten durchgeführt. So eine Aufgaben war z.B die Montage der Schlingerleisten an unseren Schiffen, Ankerkästen, die Montage des Vor- oder Hinterschiffs oder der Einbau von Bug- oder Heckstrahlern. Für diese Montagearbeiten musste man auf viel erlerntes typisches Schiffbauerwissen zurückgreifen und gleichzeitig kreativ genug sein. Ich liebte es, wenn in den Zeichnungen die Bezeichnung „nach Örtlichkeit“ aufgeführt war. Das gab Platz und Raum für eigene Ideen und Lösungen.
Termindruck gehört auf einer Werft zur täglichen Herausforderung. Doch bei einem unserer Aufträge führte dieser Zeitdruck plötzlich zu einer Veränderung. Unser Schiffbaumeister sagte uns einen maximalen Akkord in dem Monat zu, wenn wir den engen Termin zur Steuerbord,- und Backbordmontage der Schlingerleisten einhalten würden. Natürlich hielten wir den Termin für die Abgabe an die Bauaufsicht. Der Stolz war gezuckert mit der hohen Zulage. Doch etwas hatte sich doch verändert. Bei der anschließenden Ankertaschenmontage machte sich nach einer unausgesprochenen Erwartungshaltung auf einen nochmalig hohen Akkord, Enttäuschung breit, als kein Wort dazu fiel. Die Belohnung rächte sich mit einem suboptimalen Ende.

Die neuen Befunde in der Arbeitswissenschaft weisen eindeutig eine negative Beziehung von äußeren Reizen zu einer dauerhaften eigenen Motivation auf. Anreize zu einer Leistung zerstören nicht nur langfristig die eigene gesunde Motivation. In einem Betrieb, in dem dies praktiziert wird, sinkt die Arbeitsmoral konstant.

Selbstverständlich hat das Entgelt, hat Geld einen sehr hohen Stellenwert und gehört zu einem fairen Miteinander. Eine faire, gerechte der Aufgabe entsprechende Bezahlung ist die notwendige Grundlage einer positiven betrieblichen Zweckgemeinschaft und Partnerschaft. Diese notwendige Fairness kann aber leicht pervertiert werden durch den Versuch, dies zusätzlich als ein individuelles Anreizmittel zu verwenden.

Jeder Anreiz von außen auf die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führt schnell zu einer Reaktion, wo der nächste Reiz (Geld o.ä) höher liegen muss. Man gewöhnt sich eben schnell an ein Suchtmittel.
Die Fragestellungen verändern sich dann sehr schnell:
War es vorher: „Was muss ich tun, um meine Arbeit so gut und so schnell zu machen, wie es geht?“, wird anschließend daraus: „Was muss ich tun, um die Belohnung zu bekommen“?!
Individuelles Leistungsentgelt motiviert zu Leistung? Selbstverständlich – es motiviert um eine Leistungszulage zu erhalten! Die Frage, ob man diese Leistung als „selbstverständliche Facharbeiterleistung“ auch vorher erbracht hätte, wird unter den administrativen Vorleistungen einer individuellen rückwirkenden Beurteilung und einer darauf folgenden Auszahlung als Scheck auf die Zukunft, verschüttet.

Die Forderung von Führungskräften zu einem Leistungsentgelt als Anreizsystem oder sogar als Führungsinstrument ist ein Beleg für das Versagen von Führung.

Gute Führungskräfte wissen, dass sie viele verantwortlich agierende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, die tatsächlich nicht darauf warten wie ein Kleinkind jederzeit gelobt oder getätschelt zu werden. Das höchste Maß an Anerkennung ist die offene ehrliche faire und menschliche Beziehung, der ständige interessierte Kontakt und die aktive Wahrnehmung einer Arbeit. Und genau dann und dort ist eine ehrliche spontane Kritik oder ein Lob auch richtig angebracht.
Mehr als in jedem standarisierten Mitarbeitergespräch entsteht Zufriedenheit, Motivation und Produktivität im ständigen unmittelbaren Kontakt zwischen Mitarbeiter und Führungskraft.
Deshalb ist auch die Rückkehr zu den Wurzeln „ursprünglicher“ Führung mit einer „Vor Ort Präsenz“ der Führungskräfte richtig. Modisch nennt sich das heute „Shop Floor Management“.
Es darf dabei nicht um mehr Kontrolle und Beaufsichtigung oder Bevormundung, sondern um den ununterbrochenen, interessierten, aufmerksamen respektvollen Kontakt gehen.
Die Hoffnung durch systematische möglicherweise 1x jährlich stattfindende Mitarbeitergespräche das Fehlen des regelmäßigen unmittelbaren Kontaktes und Austausches auffangen zu können, trügt.

Ich persönlich bin nicht auf das Lob anderer angewiesen. Sollte dies einmal der Fall sein, bin ich in demselben Augenblick nicht mehr der eigenständige Mensch, der ich sein möchte und sein sollte. Einem erwachsenes Individuum, einer Fachkraft begegnet man mit Respekt, sichtbarer Wertschätzung und nicht mit herablassender Wahrnehmung oder arroganter Distanz.
Führungskräfte haben nicht die Aufgabe ihre Mitarbeiter zu entwickeln. Sie sind nicht zuständig für das Glück der Mitarbeiter.
Sie sollten und können aber sehr wohl dabei helfen, wenn die Mitarbeiter sich entwickeln wollen. Weder Unternehmen noch Führungskraft oder die Personalentwicklung können die Individuen tiefgreifend ändern, wenn dies von dem Betreffenden nicht gewollt wird.

Gute motivierende Führung entsteht durch die Fähigkeit, Abstand zu halten und gleichzeitig eine ehrliche respektvolle Beziehung aufzubauen. Gute Führung akzeptiert die individuelle Eigenständigkeit und Verantwortung des Gegenüber.
Soziale Inkompetenz in der Führung kostet uns in Deutschland viel. Wir verlieren dadurch Menschen, wir verlieren Motivation und Produktivität, wir verlieren Geld und am Ende unsere Wettbewerbs, – und Innovationsfähigkeit. Unser Hauptaugenmerk sollte also darauf gerichtet sein Manager und Führungskräfte zu finden die in der Lage sind Beziehungen in der Arbeit zu entwicklen und natürliche Kontaktfreude zu besitzen.

Natürlich könnte man jetzt auch noch darauf hinweisen wie wenig in einer zunehmend vernetzten Produktion der einzelne in seiner unmittelbaren Leistung definiert werden kann. Der messbare Erfolg wird von vielen Beteiligten und Betroffenen getragen, vorbereitet oder im schlechten Fall auch behindert.
D.h objektive Kriterien und Kennzahlen sind fast immer Belege einer entsprechenden Teamleistung.
Individuell und subjektiv bleibt dann das Verhalten übrig und dies hat dann nur noch ansatzweise mit einem Leistungsentgelt eines einzelnen zu tun. Umfangreicher noch als meine Bedenken gegen ein individualisiertes Leistungsentgelt sind die Sorgen, die hinsichtlich einer Verhaltensbeurteilung hätte.

Die Zukunft der Wirtschaft wird nicht nur in einer besseren Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure liegen. Vielmehr wird in einer immer komplexeren und vernetzten Umgebung das „füreinander“ arbeiten immer wichtiger.
Individuelle Prämien oder Belohnungen können diese Basis schnell und umfassend schädigen oder gar zerstören.
Der Mensch als Individuum ändert sich unglaublich schwer. Das belegen ausnahmslos alle Studien. So festgezurrt er also als Individuum zu sein scheint, so flexibel ist der Mensch allerdings bei der Anpassung an seine Umgebung und die ihm gegebenen Rahmenbedingungen. Dies gilt im Positiven wie auch im negativen.

Das heißt in der Konsequenz, das wirklich tiefgreifende Veränderungen  und Erneuerungen in unseren Betrieben bei den Strukturen und Bedingungen der Arbeitserbringung in denen menschliche Arbeit stattfindet, anfangen müssen. Verändern sich diese, verändert sich sehr viel sehr schnell. Die Menschen sind meisterlich darin sich sehr schnell anzupassen.

Vermeiden sollten wir es, mit ungeeigneten Mitteln und sogar schädlichen Antworten  (Primitive Anreiz,- Belohnungssysteme; Individuelle Leistungsbemessungen) an die Herausforderungen der Zukunft zu gehen. Zunehmende Komplexität und Individualität in der Arbeitswelt erfordern neue und nicht einfache alte Antworten.

 

Motivation – it´s me ?!

Vorbilder

In den letzten Tagen höre und lese ich sehr viel von Vorbildern.
Auch in unserem Betrieb ist aktuell oft davon die Rede. Es ist sehr spannend sich damit auseinanderzusetzen. Von Kindesbeinen an begleitet uns dieses Wort.
Ich persönlich kenne allerdings kaum jemanden, dessen Leben von einem Vorbild maßgeblich geprägt wurde. Die Bedeutungsschwere der Erwartung ein Vorbild zu sein, stimmt meines Erachtens nicht mit der tatsächlichen Realität überein. Und umso länger ich darüber nachdenke, umso skeptischer werde ich mit dem Begriff. Was für ein Menschenbild schleppe ich in einem solchen Fall mit mir herum?
Was macht denn ein Vorbild aus? Ihm nachzueifern setzt doch voraus das dieses „Vorleben“ auch meinen Wünschen, Erwartungen, Zielen und Werten entspricht?

Oder wird ein Vorbild vorgesetzt, weil man der Meinung war, das der freie, selbstständige und eigenverantwortliche Mensch nicht in der Lage wäre seine eigenen Parameter zu setzen?

Es gibt sicherlich Vorbilder an Mut, an Menschlichkeit, Menschen mit einer Eigenschaft die vielleicht das Beste verkörpert, was uns als Menschen so prägen sollte. Sie verströmen Vertrauen! Sie befähigen die Menschen in ihrer Umgebung, Vertrauen zu sich selbst zu bekommen.

Doch müssen wir nicht ausnahmslos alle unseren eigenen Weg finden? Ist es nicht eine smarte Entmündigung, wenn ich Menschen Vorbilder geben möchte?
Hier eine gewagte These: Da wir immer mehr bereit sind die Verantwortung für vieles bei jeweils anderen Menschen oder Umständen zu suchen wird auch ein „Vorbild“ ein Freispruch der Verantwortung für die verantwortliche Gestaltung des eigenen Lebens?
Verbrecher sind Opfer ihrer Lebensumstände, Randalierer Verlierer der Gesellschaft, Burnout Opfer wurden im Arbeitsprozess missbraucht usw. usw. Wo bleibt die Mündigkeit, die eigene Verantwortung? Hilft und entwickelt es Persönlichkeiten, wenn sie überfürsorglich bevormundet und letztendlich entmündigt werden?
Es gibt Führungskräfte die Menschen sich nicht entwickeln lassen, physisch und psychisch ausbeuten. Aber es gibt auch das genauso schlimme Gegenteil, wenn Menschen wie kleine Kinder behandelt werden.
Bevormundung findet sich heute in vielen Dingen wieder. Politiker wissen stets was für die Menschen das Beste ist? Einige Gewerkschafter und Betriebsräte schützen ihre Macht und Gestaltungsansprüche, indem sie das Individuum in kollektiven Vereinbarungen vor sich selber bewahren?!
Behörden und Verwaltungen regeln die kleinsten Schritte. Und das alles bei Menschen die in ihrem sonstigen privaten Leben Verantwortung für demokratische Wahlen, für ihre Familie, für Verträge etc. übernehmen.

In dieser Kakophonie von versuchten und tatsächlichen Einengungen des freien verantwortlichen Menschen noch von notwendigen Vorbildern zu sprechen rundet das Ganze ab.

Unsere weitere Entwicklung hängt ganz maßgeblich davon ab, dass wir uns als freie Individuen weiterentwickeln. Wir brauchen die Unikate und nicht die Kopien.
Verantwortung zu übernehmen für sich selber, für die Umwelt, für unsere Gemeinschaft, für alles, was man tut oder auch unterläßt, das ist Freiheit.

Könnte die Forderung nach Vorbildern auch die Verabschiedung von der eigenen Verantwortlichkeit sein?
Nur mit dem Original und nicht mit einer Vielzahl von Kopien werden wir die Zukunft gewinnen.

Vielleicht brauchen wir keine Vorbilder, sondern „Anreger“ (?), die das eigene Handeln reflexionsfähig machen.
Umso länger ich darüber nachdenke, ist es falsch, irgendwelche Menschen zu Vorbildern zu machen. Wir sind alle Menschen mit vielen Ecken, Kanten und Fehlern. Das ist gut so und hierzu haben wir das Recht, so dürfen wir sein.
Nicht nur die denen ein Vorbild vorgesetzt wird werden unfrei. Auch die so ernannten Vorbilder sind nicht mehr frei in ihren Handlungen.

Ich glaube das keiner von uns in seiner ganzen individuellen Komplexität zum Vorbild taugt. Der Reichtum unserer Gesellschaft schöpft doch gerade aus dieser unglaublichen individuellen Vielfalt.
Wir brauchen Menschen die ihre eigenen Wege gehen, ihr eigenes Leben leben.

In den so modischen Casting Shows sucht man auch nicht die 1:1 Kopie, sondern die Interpretation eines Songs macht den Erfolg aus.

Vorbilder