Vorbilder

In den letzten Tagen höre und lese ich sehr viel von Vorbildern.
Auch in unserem Betrieb ist aktuell oft davon die Rede. Es ist sehr spannend sich damit auseinanderzusetzen. Von Kindesbeinen an begleitet uns dieses Wort.
Ich persönlich kenne allerdings kaum jemanden, dessen Leben von einem Vorbild maßgeblich geprägt wurde. Die Bedeutungsschwere der Erwartung ein Vorbild zu sein, stimmt meines Erachtens nicht mit der tatsächlichen Realität überein. Und umso länger ich darüber nachdenke, umso skeptischer werde ich mit dem Begriff. Was für ein Menschenbild schleppe ich in einem solchen Fall mit mir herum?
Was macht denn ein Vorbild aus? Ihm nachzueifern setzt doch voraus das dieses „Vorleben“ auch meinen Wünschen, Erwartungen, Zielen und Werten entspricht?

Oder wird ein Vorbild vorgesetzt, weil man der Meinung war, das der freie, selbstständige und eigenverantwortliche Mensch nicht in der Lage wäre seine eigenen Parameter zu setzen?

Es gibt sicherlich Vorbilder an Mut, an Menschlichkeit, Menschen mit einer Eigenschaft die vielleicht das Beste verkörpert, was uns als Menschen so prägen sollte. Sie verströmen Vertrauen! Sie befähigen die Menschen in ihrer Umgebung, Vertrauen zu sich selbst zu bekommen.

Doch müssen wir nicht ausnahmslos alle unseren eigenen Weg finden? Ist es nicht eine smarte Entmündigung, wenn ich Menschen Vorbilder geben möchte?
Hier eine gewagte These: Da wir immer mehr bereit sind die Verantwortung für vieles bei jeweils anderen Menschen oder Umständen zu suchen wird auch ein „Vorbild“ ein Freispruch der Verantwortung für die verantwortliche Gestaltung des eigenen Lebens?
Verbrecher sind Opfer ihrer Lebensumstände, Randalierer Verlierer der Gesellschaft, Burnout Opfer wurden im Arbeitsprozess missbraucht usw. usw. Wo bleibt die Mündigkeit, die eigene Verantwortung? Hilft und entwickelt es Persönlichkeiten, wenn sie überfürsorglich bevormundet und letztendlich entmündigt werden?
Es gibt Führungskräfte die Menschen sich nicht entwickeln lassen, physisch und psychisch ausbeuten. Aber es gibt auch das genauso schlimme Gegenteil, wenn Menschen wie kleine Kinder behandelt werden.
Bevormundung findet sich heute in vielen Dingen wieder. Politiker wissen stets was für die Menschen das Beste ist? Einige Gewerkschafter und Betriebsräte schützen ihre Macht und Gestaltungsansprüche, indem sie das Individuum in kollektiven Vereinbarungen vor sich selber bewahren?!
Behörden und Verwaltungen regeln die kleinsten Schritte. Und das alles bei Menschen die in ihrem sonstigen privaten Leben Verantwortung für demokratische Wahlen, für ihre Familie, für Verträge etc. übernehmen.

In dieser Kakophonie von versuchten und tatsächlichen Einengungen des freien verantwortlichen Menschen noch von notwendigen Vorbildern zu sprechen rundet das Ganze ab.

Unsere weitere Entwicklung hängt ganz maßgeblich davon ab, dass wir uns als freie Individuen weiterentwickeln. Wir brauchen die Unikate und nicht die Kopien.
Verantwortung zu übernehmen für sich selber, für die Umwelt, für unsere Gemeinschaft, für alles, was man tut oder auch unterläßt, das ist Freiheit.

Könnte die Forderung nach Vorbildern auch die Verabschiedung von der eigenen Verantwortlichkeit sein?
Nur mit dem Original und nicht mit einer Vielzahl von Kopien werden wir die Zukunft gewinnen.

Vielleicht brauchen wir keine Vorbilder, sondern „Anreger“ (?), die das eigene Handeln reflexionsfähig machen.
Umso länger ich darüber nachdenke, ist es falsch, irgendwelche Menschen zu Vorbildern zu machen. Wir sind alle Menschen mit vielen Ecken, Kanten und Fehlern. Das ist gut so und hierzu haben wir das Recht, so dürfen wir sein.
Nicht nur die denen ein Vorbild vorgesetzt wird werden unfrei. Auch die so ernannten Vorbilder sind nicht mehr frei in ihren Handlungen.

Ich glaube das keiner von uns in seiner ganzen individuellen Komplexität zum Vorbild taugt. Der Reichtum unserer Gesellschaft schöpft doch gerade aus dieser unglaublichen individuellen Vielfalt.
Wir brauchen Menschen die ihre eigenen Wege gehen, ihr eigenes Leben leben.

In den so modischen Casting Shows sucht man auch nicht die 1:1 Kopie, sondern die Interpretation eines Songs macht den Erfolg aus.

Vorbilder

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