Führung wird verliehen

Heute hatten wir eine Gesprächsrunde mit Nachwuchskräften aus unseren Förderkandidatenprogramm. Es ist faszinierend zu sehen, mit welcher Begeisterung junge Menschen an ihrer eigenen Entwicklung arbeiten.

Eine Frage, die immer wieder in den Debatten auftaucht, ist folgende. Gibt es etwas eindeutig Identifizierbares, was Vorgesetzte von Führungskräften unterscheidet?
Werden Führungskräfte dies schon durch die Übernahme dieser Aufgabe oder müssen sie nur einen gerade aktuellen Führungsstil beherrschen? Gibt es etwas generell Geeignetes, das man potentiellen Nachfolgern mitgeben und empfehlen kann?

Ich möchte hier nur einen, aber den für mich wesentlichen Aspekt des Führens etwas beleuchten. Wahre Führung kristallisiert sich m.E durch folgendes Merkmal.
Die geführten Menschen folgen ihrer Führungskraft, und zwar weitgehend freiwillig!
Tun sie dies nicht, erkennt man dies recht schnell und das gesamte Team bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Konsequente Führung ist die eine Seite der Medaille, freiwillige Gefolgschaft (altes Wort) die andere. Kein blindes, unkritisches hinnehmen von Führung, sondern eine Gefolgschaft von selbständigen verantwortlichen Individuen. Diese entscheiden in einer Abwägung ihrer eigenen Interessen, ob, wie und von wem sie sich führen lassen. Nur diejenigen, denen die Menschen ohne Zwang folgen und diese akzeptieren, sind mehr als nur Vorgesetzte.
Natürlich ist es das vorrangige Selbstverständnis und die Aufgabe einer Führungskraft, die Ziele des Unternehmens zu erreichen. Das ist der Kern des Jobs, daraus erwächst der Nimbus und die Stärke. Doch eine Führungskraft verliert ihre Kompetenz, die Gefolgschaft und bleibt letztendlich erfolglos, wenn sie nicht dazu beiträgt, den Zielen der Menschen die geführt werden ebenso zu dienen. Diese muss man wissen und darüber informiert sein. Kennt eine Führungskraft die Wünsche, Ängste und Erwartungen seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht, sondern nur die seiner Vorgesetzten oder des Managements wird sie zu einer leeren Hülle, zu einem Lautsprecher. Dann wird diese Mannschaft nie die Effektivität und die Erfolge erreichen zu der Teams tatsächlich in der Lage sind. Es gibt in vielen Bereichen, in der Politik, im Militär, im Sport, Politiker, Führungskräfte, Offiziere oder Trainer die in der Lage sind eine hocheffiziente freiwillige Gefolgschaft zu erzeugen. Die Menschen gehen für solche Führungskräfte durchs Feuer, denn diese geben der Motivation die aus den Menschen heraus entsteht die Chance und Möglichkeit sich zu entwickeln.
Diese Menschen folgen diesen Führungskräften nicht weil sie manipuliert werden, sondern weil es diesen gelingt, ihre Ziele und Wünsche mit denen der Geführten zu verbinden, sie zu verschweißen.
Führung ist die einmalige Gelegenheit die Talente und Fähigkeiten anderer Menschen zu wecken, sie zur Entwicklung zu bringen und Kräfte zu wecken, von denen die Geführten manchmal gar nicht wissen, dass sie diese besitzen. Wann immer Führung erfolgreich war, dann dort, wo eine solche weitgehend freiwillige Symbiose einer Erfolgs – Gefolgschaft entstanden ist.
Organisationen und Führungskräfte sind in demselben Augenblick überflüssig und sogar schädlich, wenn diese freiwillige Entscheidung der Mitarbeiter nicht mehr funktioniert und durch Zwänge oder Vorschriften ersetzt werden muss.
Eine solche Entwicklung kann verschiedene Ursachen haben. Auch ein herausragender Trainer verliert manchmal die Fähigkeit andere zu dieser freiwilligen Gefolgschaft zu begeistern. Dies konnte man bei dem Dortmunder Trainer Jürgen Klopp beobachten. Er war jahrelang eine Inspiration für seine Spieler. In dem Jahr, in dem er feststellte, das er diese feurige Gefolgschaft verloren hatte, war er immer noch derselbe emotionale Trainer, gab er immer noch dieselben Anweisungen, war authentisch und doch folgten seine Spieler ihm nicht mehr.
Dann wird es Zeit beiseitezutreten, um selber wieder Kraft zu schöpfen und einer neuen Konstellation von Führungskraft und Team eine Chance zu geben.
Inspirierende Führung von selbstverantwortlichen Individuen kostet Energie und Kraft. Daher sind Unternehmen, Organisationen und Führungskräfte gut beraten, wenn sie sich dieser Tatsache bewusst sind und Führung nicht auf ewig auslegen.
Wenn eine Führung die Mannschaft nicht mehr freiwillig hinter sich hat, ist es ein quälendes Arbeiten für alle Beteiligten.
Für solche Gedanken und Auffanglösungen gibt es in den Betrieben aktuell keine wirklich belastbaren Erfahrungswerte. Gleichwohl erscheint es mir als zwingend notwendig das wir uns mit solchen Möglichkeiten auseinandersetzen.

Führung wird verliehen

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