Problemblindheit….

In der Psychiatrie wird mit dem Begriff Illusion eine Sinnestäuschung verstanden. In den Fällen, in denen zwar etwas reales wahrgenommen, dies dann aber anders erlebt oder für etwas anderes gehalten wird, spricht man von „illusionärer Verkennung“.

Diese Symptome stellt man zunehmend bei verschiedenen Politikern fest, die sich fast überschlagen in ihrem Bemühen die Wirtschaft zu bändigen und zu fesseln.
Die Betriebe werden durch Dokumentationspflichten (das neue Wort für Bürokratie), einer Flut von Gesetzen, Verordnungen und Abgaben belastet. Dies alles mit dem Ziel, weitere „Wohltaten“ verteilen zu können. Das vor dem Verteilen und ausgeben zuerst einmal das Erwirtschaften steht, wird schnell übersehen.
Eine im internationalen Vergleich sinkende Produktivität, mangelnde Investitionen und überbordende Sozialleistungen werden kaum als sehr besorgniserregende Probleme wahrgenommen. Die Investitionsquote in den Unternehmen sinkt trotz einmalig günstiger Zinsen beständig und macht nur noch einen Bruchteil von ehemals beeindruckenden Zahlen aus. Der Produktivitätsfortschritt ist seit Jahren zu gering, um alle sonstigen negativen Entwicklungen auszugleichen.
Doch es wird politisch kaum versucht, diesen alarmierenden Entwicklungen lösungsorientiert nachzugehen. Die Antworten könnten ja unangenehm sein und zum unpopulären Umdenken Anlass geben?
Der Bundeshaushalt für das Jahr 2015 war mit 299 Milliarden Euro veranschlagt.
Dabei verbucht alleine das Arbeitsministerium von Frau Nahles 125 Milliarden Euro. Das ist der Löwenanteil an Steuergeldern. Das entspräche, wenn ich richtig informiert bin, dem Gesamthaushalt (!!!) der Bundesrepublik aus den Jahren 1985/86.
Schaut man sich hingegen die Investitionen in Infrastruktur oder in Zukunftsprojekte an, der im internationalen Vergleich unterentwickelten Unterstützung von Forschung und Entwicklung ist dies schon bedrückend. Man könnte den Eindruck bekommen, das wir die Quelle ewig sprudelnden Wohlstandes gefunden haben und alles so bleiben kann wie es ist.
Die Dynamik von Entwicklungen bei den großen mit uns konkurrierenden Wirtschaften, die rasante technologische Vorwärtsbewegung in den USA (Silicon Valley) oder die gigantischen Ingenieurzahlen in den asiatischen Staaten sollten eigentlich Sorgen bereiten. Gerade unser Land ist wirtschaftlich elementar auf von uns forcierte, angeführte Innovationen und wissenschaftliche Revolutionen angewiesen. Doch leider beeindrucken wir hierbei oftmals nur noch durch Skepsis bis Ablehnung. Schon lange sind wir nicht mehr auf den meisten Feldern die Vordenker und Vorreiter. Eine Katastrophe für ein Land wie das unsrige.
Auch die aktuelle Abschwächung der wirtschaftlichen Entwicklung in China verheißt uns nichts Gutes. In der Folge wird unsere auf Export ausgerichtete Wirtschaft durch wegbrechende Absatzmärkte erhebliche Probleme bekommen und der Druck dieser Länder auf unsere Märkte bzw. Produkte wird extrem zunehmen.
Bei uns wird hingegen in wechselnder Folge die Republik mit Streiks auf der Schiene oder im Luftverkehr stillgelegt, die Kunden treibt man zu konkurrierenden ausländischen Gesellschaften und quittiert dies mit einem Achselzucken. Wir stellen fest das wir eine demographische Herausforderung und einen zunehmend dramatischeren Facharbeitermangel haben und antworten mit früherem Renteneintritt.
Diese paradoxen Verhaltensweisen ließen sich beliebig weiterführen und führen zu der Frage, ob dies noch verantwortlich ist?
Tatsächlich leben wir in einer Scheinwelt und profitieren von vorübergehenden günstigen Rahmenbedingungen. Wir verdanken unsere derzeit komfortable Situation leider fast ausschließlich einigen „Glücksfällen“. Die Zinsen sind absurd gering, dies treibt die Inlandsnachfrage in die Höhe und diese kompensiert die ersten Anzeichen von Problemen in der Exportwirtschaft. Darüber hinaus profitieren wir von extrem günstigen Energiepreisen. Jede Veränderung an dieser Ausgangslage (und diese zeichnen sich dramatisch ab) wird uns sehr unsanft aus diesem gemütlichen Kuschelbett zerren.
Ich hatte es in vorhergehenden Beiträgen schon ausgeführt. Wir bereiten uns auf die bevorstehenden Änderungen kaum vor.

Um in der maritimen Sprache zu bleiben, – wir machen angesichts des sich abzeichnenden Sturmes unser Schiff in derzeit wirtschaftlich noch ruhiger See nicht sturmfest, sondern verteilen und organisieren die Sonnenliegen am Pool.
Wir leiden an einer ausgeprägten Problemblindheit.

Der Sturm wird kommen und wir alle, aber vor allem die nachkommenden Generationen, werden die Konsequenzen dieses zu kurz gegriffenen Denkens und Handelns erleiden.

Begonnen habe ich diesen Beitrag mit einem Ausflug in die Psychologie und damit möchte auch enden. Das subjektive Problemempfinden nimmt mit objektiver Problemarmut nicht ab. Wer wenige oder kaum wirkliche Probleme hat, neigt dazu kleine Probleme aufzubauschen. Man verkrallt sich in, für die Zukunft unbedeutenden Kleinigkeiten und übersieht geflissentlich die für unsere Zukunftsfähigkeit wirklich bedeutsamen Aufgaben und Problemstellungen. Dies ist Problemblindheit.

Problemblindheit….

Was ist eigentlich Wertschätzung?

Mit einer erfreulichen Intensität diskutieren wir bei verschiedensten Gelegenheiten über unserer Führungsprinzipien und die Unternehmensgrundsätze.
Eine der Kernbestandteile dieser Prinzipien ist das Ziel, Demotivation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu verhindert.
Meine Skepsis mit allerlei Bemühungen „künstliche Motivation“ nachhaltig zu erzeugen, habe in vorhergehenden Beiträgen schon hinreichend deutlich gemacht.
In früheren Zeiten waren die Alchemisten auf der Suche nach der Formel um Gold zu erzeugen. Das hat bekanntermaßen nicht funktioniert. Heute verdienen Unternehmensberater und Buchautoren viel Geld mit vermeintlich allgemeingültigen Zauberformeln wie Demotivation verhindert und Menschen wertschätzend geführt werden können.
Doch was ist eigentlich Wertschätzung?

Mitarbeiter unserer Werft die sich weiterbilden, die sich entwickeln wollen, bewerben sich als Förderkandidaten um eine Unterstützung für diese Weiterbildungen. Bei diesen Präsentationen trifft man auf eine Vielzahl von Menschen, die eine Vorstellung ihrer Zukunft haben und eine durchweg positive Grundhaltung besitzen.
Doch was wünschen sich diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihre Arbeitsumgebung?
Eine erste persönliche Feststellung. Es scheint offenbar recht schwer zu sein (vielleicht lernen und lehren wir das auch nicht) ganz konkret immer Wünsche oder Visionen der Zukunft in der Arbeitswelt vorrätig zu haben. Die Erkenntnis, dass solche Wünsche oder Vorstellungen möglicherweise eine vorweggenommene Realität sein könnten und diese als individuellen Antrieb zu sehen, ist leider oft unterentwickelt. Es ist erstaunlich, wie wenig eine solche „Spinnerei“ als Befähigung und Merkmal zu einer gestaltenden, proaktiven Zukunftsarbeit und Führung erkannt wird.
Zweite Feststellung: Oft wird recht allgemein eine bessere Feedbackkultur und Wertschätzung gewünscht. Spannend wird es dann, wenn man hinterfragt, was der Einzelne denn unter Wertschätzung oder Anerkennung versteht.
Die nachfolgend aufgeführten Erfahrungen gewinnt man nur durch ehrliche, gezielte, vorsichtige und vertiefende Interviews.

Bespricht man mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihre Übersetzung zu Begriffen wie Wertschätzung oder Anerkennung und hinterfragt was ihnen wichtig ist, bekommt man fast so viele Antworten, wie man Menschen befragt. Es werden jeweils sehr unterschiedliche „Begriffe“ genannt, die dann mit Wertschätzung oder Anerkennung in Verbindung gebracht werden.
Es werden z.B Worte wie Respekt und Achtung, Ehre, Vertrauen, Solidarität genannt.
Es werden beispielhaft Erlebnisse und Handlungen geschildert bei der die Betroffenen akzeptiert wurden, Erfolg, Anerkennung und Dank erlebten. Sie wurden gefragt, durften mitreden und hatten das Gefühl, das auf ihre Vorschläge eingegangen wurde.
Bemerkenswert ist auch wie man sich noch lange zurückerinnert an Aussagen in denen Dank und Anerkennung zum Ausdruck kommen. Das ist aber toll gelaufen, Super gemacht, Klasse oder cool. So einfache Aussagen die eine unglaublich lange in der Erinnerung haftenbleiben.
Manchmal beschreiben die Kandidaten auch sichtbare Zeichen von Anerkennung (Mimik und Gestik, Händedruck; Schulterklopfen u.ä).
Bemerkenswert auch die Benennung von Gefühlen die sie empfunden haben.… sie erinnern sich an Gefühle, die sie beim Empfang von Anerkennung empfunden haben. Zum Beispiel: Freude, Stolz, Scham, Begeisterung, Glücksgefühl, Selbstsicherheit, Erleichterung usw.
Ebenfalls tief verankert sind aber auch die genau entgegengesetzten Erlebnisse, Situationen oder Emotionen. Die Mitarbeiter wussten meistens noch ganz genau, wann ihnen Anerkennung verwehrt wurde, obwohl sie diese erwartet und möglicherweise auch verdient hatten.

Was sind jetzt die Erkenntnisse aus diesen Erfahrungen?

  • Die Alchemisten haben die Formel zur Golderzeugung nicht gefunden und es gibt auch keine universelle Formel zur richtigen wertschätzenden Führung.
  • Wenn Menschen darüber reden und nachdenken was ihnen wichtig ist, dann denken sie an ihre individuelle unmittelbare Realität, an ihr tägliches Leben und Erleben. Sie beschreiben Begriffe, Aussagen, Emotionen, Erlebnisse.
  • Diese „Wahrnehmungen“ umschreiben und beschreiben das, was den jeweiligen Menschen wichtig ist. Mit dem typischen „Personalbegriff“ Wertschätzung oder Anerkennung können die wenigsten Menschen im Tagesgeschäft etwas anfangen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschreiben Dinge die sie als positiv wahrnehmen.

Bei verschiedenen Veranstaltungen unserer Werft z.B bei unserer jährlichen Jubilarehrung, der Verleihung der sogenannten „Bildungsschraube“ für erfolgreiche Weiterbildung, oder der Übergabe von Ausbildungszertifikaten ist zwar unverkennbar, dass eine Wertschätzung stattfindet. Doch auch dabei würden die Beteiligten dies bei Nachfrage wahrscheinlich unterschiedlich interpretieren. Für die einen wird die Einladung mit Partner oder Partnerin, für den anderen die Ansprache und für noch andere die Überreichung der Urkunde möglicherweise das Entscheidende sein.

Deshalb ist es eine vergebliche Mühe zentral festlegen zu wollen wie genau Wertschätzung oder Anerkennung auszusehen hat. Die Menschen übersetzen die Begriffe Wertschätzung und Anerkennung genauso individuell, wie sie eben auch unterschiedlich sind. Dieser Begriff ist nicht statisch und daher auch nicht genau zu definieren. Die Vielzahl der Veröffentlichungen beweisen, dass man Wertschätzung und Anerkennung theoretisch beschreiben möchte. Dies muss aber aus den dargestellten Gründen unvollkommen bleiben.
Vor allem im unmittelbaren Kontakt kann man erkennen oder erfahren, was dem Gegenüber eigentlich wichtig ist. Erst danach ist man in der Lage Wertschätzung individuell anzuwenden. Würde man anfangen Vorlagen oder Checklisten anzufertigen, entspräche das einem Menschenbild, welches ich nicht teile. Man entmündigt den Menschen, indem man ihm seine Individualität und Einzigartigkeit aberkennt.
Dies bedeutet keineswegs das ich es als unmöglich ansehen würde Wertschätzende und anerkennende Führung in einer Organisation zu verankern.
Wichtig erscheint mir nur der Hinweis, dass wir uns der großen Anzahl von „Möglichkeiten“ und individuellen Szenarien bewusst sind.
In einem vorhergehenden Blog hatte ich schon darauf hingewiesen das der unmittelbare, häufige, natürliche und ehrliche Kontakt, die Beziehung, die Interaktion zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den Führungskräften entscheidend und elementar ist. Ausschließlich dort, an dieser entscheidenden Stelle erfährt man, was zu tun ist. Nur dort und nicht in Seminaren oder Büchern wird entschieden, was für die Akteure jeweils wichtig, was wertschätzend und anerkennend in der konkreten Erwartung jeweils bedeutet. Eine fürwahr anspruchsvolle Aufgabe an moderne Führung.

Was ist eigentlich Wertschätzung?

Agilität bei der Menschenentwicklung?

Ende letzten Jahres habe ich einen Vortrag zum Thema das „Agile Manifest“ genießen dürfen. Seit der ersten Veröffentlichung im Jahr 2001 durch verschiedene Softwareentwickler wird das Thema Agilität in verschiedenen Coaching Veranstaltungen immer wieder intensiv diskutiert. Meine eigene Fachbereichsleiterin in der MEYER Akademie formulierte das Thema Agilität in einem Bericht zu ihrer eigenen Qualifizierung in der Coaching Akademie.
Agilität beschreibt die Fähigkeit einer Organisation, flexibel, aktiv, anpassungsfähig und mit Initiative in Zeiten des Wandels und Unsicherheit zu agieren.
Die Verfasser dieses Manifestes veränderten ihre Betrachtungsweisen und Schwerpunkte hinsichtlich ihrer Aufgaben und Arbeiten. Dies führte zu interessanten Überlegungen.
Im Kern ging es bei den Gegenüberstellungen um die Priorisierung bei verschiedenen, für wichtig erachteten Werten. Was ist im Manifest enthalten?

  • Individuen und ihr Zusammenspiel und ihre Zusammenarbeit sind mehr im Fokus als Prozesse und Handwerkszeuge.
  • Funktionierende Werkzeuge (in diesem Fall Software) sind wichtiger statt mit viel Aufwand verständliche Dokumentationen zu entwickeln.
  • Mehr und intensivere Kooperation mit den Kunden sind wichtiger als sich hauptsächlich auf Vertragsverhandlungen zu konzentrieren.
  • Die bereitwillige schnelle Anpassung an Veränderungen ist bedeutsamer als die strikte möglicherweise unflexible Planausführung.

Zwar betrachteten die Verfasser auch die als zweites genannten Werte als wichtig und richtig, doch die zuerst genannten waren nachhaltiger und wichtiger. Mich hat der Gedanke nicht losgelassen ob dieser gedankliche Prozess nicht auch ein Statement bzw. Modell für ein modernes Personalentwicklungsmanagement sein könnte?
Wir konzentrieren uns sehr darauf Menschen zu einem qualifizierten Schulabschluss, zu einem Studium oder zu einem erfolgreichen Abschluss einer Facharbeiterausbildung zu befähigen. Ich empfinde das auch als extrem gut und wichtig. Dies ist immer noch die Eintrittskarte in eine gute Zukunft. Doch noch wichtiger ist es das wir qualifizierte, selbstbewusste, verantwortlich handelnde Individuen entwickeln. Mit diesen Fähigkeiten helfen sie sich selber, uns allen und den Betrieben.
Deshalb möchte ich einfach folgende Überlegungen und Gegenüberstellungen im Sinne einer Agilität anstellen:

  • Wir erschließen immer bessere Methoden, um Menschen individuell zu entwickeln, statt lediglich exzellente Lehrpläne zu absolvieren.
  • Wir helfen Menschen zu erkennen, was sie individuell werden können und nicht nur wie sie unsere Anforderungen erfüllen.
  • Die individuelle Menschenentwicklung und die Erlangung von Selbstbewusstsein und dem Gefühl eigener Möglichkeiten und Wirksamkeit ist wichtiger als die Erlangung umfangreicher Zertifikate und Prüfungen.
  • Das Wecken von ununterbrochener Neugier und Interesse könnte bedeutsamer sein als die systematische Vervollkommnung fachlicher Spezialität.

Hier gibt es sicherlich noch weitere Anknüpfungspunkte und ganz sicherlich auch Widerspruch (auf den ich mich freue).
Ich fände es eine spannende Diskussion, sich darüber zu unterhalten ob unsere Zukunftsfähigkeit nicht ganz entscheidend von unseren agilen Fähigkeiten, also der flexiblen Anpassungsfähigkeit an sich ununterbrochen ändernde Anforderungen geprägt wird? Und auf welch anderen Gebieten könnten diese Überlegungen zu neuen Ideen und Schwerpunkten führen?

Agilität bei der Menschenentwicklung?

Konflikte machen Sinn

Betriebliches oder Politisches Management und Führung in Zeiten ohne größere Herausforderungen und Probleme ist recht einfach. Konsequentes, zielgerichtetes starkes Führen, Agilität und professionelle Konfliktfähigkeit ist vor allem in schwierigen Zeiten gefordert. Nicht um die Menschen oder Organisationen zu entmündigen oder zu bevormunden, sondern um dort Entscheidungen zu treffen, wo die unmittelbar Beteiligten in Konflikten keine Möglichkeiten oder keine Kraft mehr haben notwendige Entscheidungen zu erreichen.
Es ist festzustellen das sich die Konfliktbewältigung bzw. die Art wie wir streiten, verändert hat.
Kontroversen, also das Ringen um den besten Weg oder das engagierte Einstehen für Positionen sind grundsätzlich das „Salz in der Suppe“ der Demokratie. Die Gesellschaften und damit auch die Betriebe werden mit einer immer größeren Spreizung von Individualität und einer immer größer werdenden Unterschiedlichkeit der Menschen konfrontiert. Die Folge dieser Entwicklungen werden mit großer Wahrscheinlichkeit zunehmende Meinungsverschiedenheiten sein.
Es erstaunt und überrascht allerdings wie wenig „nervenstark“ oder abgeklärt heutzutage in Auseinandersetzungen agiert wird.
Belastend ist es sicherlich, wenn mit Hilfe vieler neuer Werkzeuge in der Kommunikation von Kontroversen auch schnell diffamiert, statt argumentiert wird. Das ist sicherlich für alle Beteiligten nicht schön, wird durch lautes Klagen und Jammern aber auch nicht besser. Wir werden lernen müssen auch mit diesen Folgen einer anderen medialen Umgebung und einer „Echtzeitgeschwindigkeit“ in der Kommunikation zu leben.
Schlimm würde es nur wenn das eintreten für richtige Positionen angesichts des stärker gewordenen Fegefeuers von Kontroversen zu schnell in ein wegducken, einen faulen Kompromiss oder einen schlechten Konsens münden würde.
Im engagierten Meinungsstreit beweisen Haltungen und Standpunkte ihren Wert. Dort bestehen oder scheitern sie.

Sicherlich ist es wünschenswert weitestgehend harmonisch und im Konsens miteinander umzugehen. Doch es ist nicht richtig, wenn wir annehmen dass wichtige richtungsweisende Entscheidungen und Erfolge, immer zwingend aus einem Konsens entstehen. Dies ist lediglich ein reichlich naiver und idealisierender Glaube und lässt sich durch Beispiele nicht belegen.
Kompromisse um jeden Preis können in Gesellschaft und in der Wirtschaft auch erste Anzeichen eines gleitenden Übergangs in Dekadenz und Niedergang sein. Die Nachteile einer ausgeprägten Vermeidung von notwendigen, nachvollziehbaren, ehrlichen, hart und engagiert ausgetragenen Kontroversen können wesentlich größer werden als uns dies vielleicht bewusst ist. In der Politik führt dies zur Politikverdrossenheit und zur Stärkung extremer Ränder, in den Betrieben zu einer Erosion von Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Konsequenz.
Unsere Zukunft fordert von uns allen mit wesentlich mehr Engagement und Entschiedenheit für Positionen oder Meinungen einzutreten. Wir sollten keine Entscheidungen oder Handlungen mehr widerspruchslos akzeptieren, die unsere Prinzipien tangieren oder den Schutz sowie eine Weiterentwicklung von Gesellschaft, Organisationen oder Individuen behindern.
Die Abkehr von einer vorwiegend fast zwanghaft auf Konsens ausgerichteten, dadurch oftmals inkonsequenten, lähmenden Gesellschafts,- bzw. Betriebspolitik und andererseits die Aktivierung eines konsequent zukunftsgerichteten professionellen Konfliktmanagements ist logisch, nachvollziehbar und verantwortlich. Diese wird aus der Außenbetrachtung manchmal paradoxerweise nicht mit Erkenntnisgewinn, sondern mit einem möglicherweise abrupten willkürlichen Paradigmenwechsel übersetzt.
Führt man tatsächlich einen Konflikt konsequent durch, ist die Engstirnigkeit und Borniertheit, mit der dies dann betrachtet und beurteilt wird, auch schon wieder erschreckend. Es herrscht fast überall ein eklatanter Mangel an Stressresistenz um solche Unterschiede auszuhalten, es fehlt an Streitfähigkeit.
An viel zu vielen Stellen werden offensichtliche Fehler, Probleme oder Fehlentwicklungen um des „lieben Friedens willen“ nicht benannt. Manchmal weil sie ideologisch oder aufgrund von Hierarchie nicht erwünscht sind, kritische Einwände werden überhört oder gleich verunglimpft. Es dominiert oft eine Schweigespirale und die Lüge wird als Mittel zu einem Ergebnis salonfähig. Der Eindruck von Barrikaden hinter denen man seine liebgewordenen Meinungen in Sicherheit bringt, drängt sich auf. Diese Engstirnigkeit verhindert das ein unvoreingenommener Blick zu guten Lösungen führen könnte. Die Fähigkeit einer differenzierten Beurteilung und eines an der Sache orientierten Streites geht mit einem „Lagerdenken“ recht schnell verloren.
Differenzierung heißt Unterscheiden. Unterscheiden zu können, zwischen dem was man wahrzunehmen glaubt, was man sich wünscht und dem, was tatsächlich ist. Die Fähigkeit zur Differenzierung lässt uns erkennen, dass einfache Denkschablonen unpassend sind. Einige Beispiele gefällig? Politiker sind glücklicherweise viel öfter Idealisten und nur manchmal Egoisten, nur eine Minderheit und nicht die Mehrheit der Muslime sympathisieren mit Terroristen. Nicht jeder über die große Flüchtlingszahl besorgte Bürger ist ein Rechtsradikaler. Nicht jeder demokratisch gewählte Mensch ist um seine Wähler, seine Kolleginnen und Kollegen, sein Land oder seinen Betrieb besorgt. Und nicht jede in einem autoritären Staatswesen an herausgehobener Stellung agierende Person ist immer ein schlechter Mensch. Dieser aus einem differenzierten Denken resultierende Erkenntnis wird wahrscheinlich noch jeder zustimmen. Doch wenn es um die praktischen Folgen solcher Erkenntnisse geht verlässt uns zu oft die Fähigkeit zur Differenzierung wie ein flüchtiges Gas.
Die einfachen Modelle und Vorurteile sind eben verlockend einfach und simpel!

Die immer komplexer werdende Welt löst viele bestehende Strukturen und liebgewordenen Denkschablonen auf. Die entstehenden Widersprüchlichkeiten und Kontroversen aus den Unterschiedlichkeiten könnten wir auch als Chance begreifen.
Doch Lagerdenken ohne die Bereitschaft zu differenziertem Abwägen und der Bereitschaft zum fairen ausfechten von Unterschieden auf der Suche nach den besten Lösungen, kann Betriebe und Gesellschaften blockieren.
Sie machen diese handlungsunfähig und in letzter Konsequenz konkurrenzunfähig. Eine Weiterentwicklung von Individuen und Organisationen wird durch eine auf zwanghafte Harmonie ausgelegte „Konsensneurose“ oder aber andererseits ideologisch betonierter Schützengräben behindert.

Möglicherweise müssen wir neu lernen zu streiten und dies auch auszuhalten.
Wir müssen lernen, wie wir heute und zukünftig um Lösungen und die besten Wege streiten wollen. Auf diesem Weg machen wir alle Fehler aber ich persönlich betrachte die dabei gewonnenen Erfahrungen zwar als oftmals schmerzhaft aber auch als lehrreich.
Als ganz schlimm empfinde ich die Argumente, die manchmal als Grund zur Vermeidung oder Beendigung einer von Gegensätzen geprägten Debatte herangezogen werden.
Der Klügere gibt nach? Was für ein blöder Satz. Soll die Dummheit obsiegen? Millionenfach wiederholt wird diese vermeintliche Weisheit einfach nicht logischer.
Der Hang zu Konformismus, übersteigertem Sicherheitsdenken oder vermeintlicher political correctness lassen Konflikte unterschwellig weiterbrennen wie ein Feuer im Moor.
Die Wertschätzung, die ich einem Gegenüber entgegenbringe, zeigt sich auch daran, das ich offen Farbe bekenne, Konflikte aushalte, sie konsequent zuende führe und keine faulen Ausreden benutze um einem Konflikt unter allen Umständen aus dem Weg zu gehen.

Konflikte machen Sinn

Respekt und Sicherheit

Ist es nicht schrecklich zu wissen, dass ganze Viertel größerer deutscher Städte im festen Griff von organisierten kriminalisierten Banden sind? Ist es nicht furchtbar, wenn man von Polizisten hört das sie nur noch unter bestimmten Bedingungen in diese Areale gehen? Es macht Sorge, wenn Teile unseres Landes in der Hand von Menschen sind die sich nicht um Regeln, Gesetze oder Grundsätze kümmern. Quasi rechtsfreie Räume?!
Alles spricht und schreibt über die Silvesternacht von Köln. Doch schauen wir uns doch einmal aufmerksam auch die regionalen Zeitungsmeldungen der letzten Monate an. Da wird geprügelt, misshandelt, beleidigt und randaliert wie nie zuvor. Die Autorität und Ordnungsmacht des Staates wird missachtet und wenig respektiert. Völlig egal ob von rechten, linken von deutschen oder ausländischen Horden, Polizisten werden zur Zielscheibe einer um sich greifenden Respektlosigkeit. Solche Szenen einer weitgehend hilflosen Staatsmacht konnte ich mir bisher eigentlich nur in einem düsteren Zukunftsroman vorstellen.
Doch sie ist überall, die immer weiter schwindende Angst vor Konsequenzen verwerflicher Handlungen. Da bis weit in unsere Gesellschaft hinein das Verständnis für Täter stärker ausgeprägt ist, als unser Mitgefühl für Opfer, wächst die Bereitschaft zur Grenzverletzung. Die Früchte eines politischen Mainstreams der dazu führte den Staat und seine Kontrollorgane kaputtzusparen werden jetzt sichtbar.
Das was wir im Moment erleben entwickelt sich zu einer veritablen innenpolitischen Bankrotterklärung. Ich habe Freunde bei der Polizei die unglaublich wütend, die frustriert sind und die sich schämen weil sie einen anderen Anspruch an ihre Aufgabe haben. Vor den Mikrofonen der Republik hört man dieser Tage allerdings nicht diese Opfer einer falschen Politik. Alle wissen es jetzt wieder einmal besser und schlagen auf die Polizei ein. Offenbar ist es in Köln zu fatalen Fehleinschätzungen gekommen und es wurden Fehler gemacht. Aber sollten wir jetzt nicht besser gemeinsam den grinsenden Tätern überall in der Republik nicht nur drohen, sondern die ganze Härte des Gesetzes anwenden? Sind es Deutsche gehören sie konsequent und hart bestraft, sind es Ausländer haben sie hier ihr Gastrecht verwirkt und sollten dies auch unmittelbar spüren. Frustrierend wenn Täter schneller wieder in Freiheit sind, als die Ordnungsbehörden, die seit langem an ihrer Leistungsgrenze arbeiten, diese in Gewahrsam nehmen können. Öffentlicher Frieden und die Rechtssicherheit stehen zur Disposition. Unsere Ordnungsmächte sind nur so stark wie wir als Gemeinschaft sie machen. Durch eine wertschätzende Politik zum Thema innere Sicherheit, durch Budgets (Geld) und durch Möglichkeiten und Instrumente, die auch disziplinierend auf Täter wirken. Wir dürfen die die uns schützen sollen nicht in Bürokratie ertränken, sondern sie nach Kräften unterstützen. Wenn wir eine solche Wende nicht schaffen wird dies wahrgenommen.
Es wird genau beobachtet von denen die sich ermutigt fühlen straflos zu bleiben wenn sie weiterhin Gesetze, Normen, Regeln brechen. Und es wird wahrgenommen von den rechten Rattenfängern die unser Gemeinwesen selber hassen aber den wehrhaften Staat für sich zu reklamieren. Politische Stabilität baut darauf, dass der Bürger sicher ist, dass der Staat ihn schützen kann. Das staatliche Gewaltmonopol baut auf dem Versprechen auf, als Gegenleistung für privaten Gewaltverzicht Sicherheit zu gewähren. Was passiert, wenn dies nicht mehr stimmt? Noch haben wir Zeit konsequent umzusteuern und einer beunruhigenden Entwicklung Einhalt zu gebieten.

Respekt und Sicherheit