Wen soll man denn wählen? ….

Egal wo man heute Menschen trifft und es im Laufe der Gespräche um Politik geht, überall erlebt man dasselbe.
Viel zu viele Menschen sind ratlos und schlimmer noch, immer stärker orientierungslos. Man spürt Skepsis, Misstrauen, ein dumpfes Gefühl drohenden Unheils und fehlender Glaube oder ein Vertrauen, das die aktuelle Politik funktionierende Lösungen parat hat.
Politik begleitet mich seit Jahrzehnten aber noch nie habe ich in so krasser Form ein Gefühl der zunehmenden Distanz und Erwartungslosigkeit erlebt. Immer waren z.B die Sozis bei aller überbordenden und manchmal selbstzerstörerischen Kritikfreude von ihren Sozialdemokraten und die CDU Leute von ihren Christdemokraten überzeugt. Man erlebt heute Sozialdemokraten, die achselzuckend dem Niedergang der SPD zuschauen. Man erlebt Christdemokraten die spürbar zerrissen sind in ihrer Solidarität mit der Kanzlerin und dem Gefühl nicht mehr authentisch zu sein.

Und plötzlich erzählen wählende Menschen das sie darüber nachdenken AfD zu wählen. Das Umfeld reagiert gleichgültig oder fassungslos aber vor allem wehrlos.
Zur Gegenwehr gehört aber eine Alternative an die geglaubt wird. Wenn diese fehlt, bricht die Abwehr in sich zusammen oder entsteht erst gar nicht.
Die AfD ist keine Alternative für die Menschen, weil sie nicht ansatzweise etwas Gutes bewirken kann oder will. Sie entstand und existiert aus vielen bösen und negativen Gedanken. Sie ist aber auch das Produkt aus der Ratlosigkeit und dem Vertrauensverlust so vieler Menschen.
Vielfach hört man die Hoffnung „das die da oben mal aufwachen“ – nur kommt diese Botschaft überhaupt an? Seit Jahrzehnten wissen wir trotz aller aktuellen Hypernervösen politischen Hektik, dass nur eine Minderheit in Deutschland extremistisch denkt.

Aber ich höre so viele Menschen wie noch nie zuvor mit dem Satz „Wen soll ich denn noch wählen?“.
Diese politische Ratlosigkeit und fehlende Zuversicht kann gefährlich wuchern und besorgniserregende Eigendynamiken entwickeln.
Es ist sicherlich richtig das die Bindungskraft von vielen Institutionen, Parteien, Verbänden, Vereinen, Kirchen durch die zunehmende Individualisierung stark abnimmt.
Die Welt ist komplexer undurchschaubarer, globaler geworden.

Doch genügt dies als Erklärung oder gar als Entschuldigung, um nicht mit allen Mitteln gegen diese Entwicklungen zu kämpfen? Wenn die Menschen politisch oder auch in Bezug auf die Konfession heimatlos geworden sind und wenn diese Entwicklungen dem Gemeinwesen schaden – warum kämpft man nicht mit allen Mitteln dagegen an?
Wenn vor allem der Verlust von Vertrauen und positiver Zuversicht der tatsächliche Nährboden der AfD ist, wie gewinnt man dort die Schlachten?
Die fatale Basis für die radikalen ist die Unterstützung mit einem Wahlkreuz von eigentlich nicht radikalen Menschen, welche durch Resignation und so etwas wie politischer Depression ausgelöst wird.

Dies zur Kenntnis zu nehmen und politisch offensive Gegenmaßnahmen zu entwickeln, das wäre die vordringlichste Aufgabe. Spannend könnte es sein aus der aktuellen Entwicklung Lehren zu ziehen, einer neue Lebendigkeit vielleicht Raum zu geben.
Neue Experimente zu wagen!
Warum als eine erste Idee z.B nach Wahlen eine Minderheitsregierung zu wagen für jeweilige Positionen zu werben und um Mehrheiten zu kämpfen und sich nicht in möglicherweise unpassenden Koalitionen bis zur Unkenntlichkeit zu verbiegen und abzuschleifen?
Demokratie lebt von Lebendigkeit, Kreativität, Authentizität, Transparenz von Agilität, Vielfältigkeit und Dynamik.
Das ist es, was die Menschen begeistert.
Und schon wäre es um die AfD geschehen!

Ist aber nur ein Gedanke ……..

Wen soll man denn wählen? ….