Freiheit unter Druck

Nimmt man heute öffentlich Stellung zu vielleicht nicht ganz populären Themen erhält man nicht selten wohlmeinende Kommentare die mich nachdenklicher machen als die Vorgänge zu denen man sich eigentlich geäußert hat.
Die anonymen je nach getätigten Äußerungen von links oder rechts übermittelten allgegenwärtigen Hasskommentare die im Netz unterwegs sind, die meine ich nicht. Sie sind widerlich, aber gehören offenbar immer stärker zur neuen „Normalität“?!

Doch was passiert in unserer Gesellschaft, wenn kritische Meinungsäußerungen im Bekannten, Freundes und Kollegenkreis zu Fragen führen wie: Hast Du keine Bedenken Dich so zu äußern? Was denken andere? Ist das nicht gefährlich? Solltest Du nicht vorsichtiger sein? Schadet Dir das nicht? Oder am schlimmsten von allen…..Es hilft doch sowieso nichts, was hast Du denn davon?

Unsere Gesellschaft lebt und entwickelt sich existenziell in und von der Freiheit. Diese Freiheit ist insbesondere auch die Meinung der oder des andersdenkenden. Völlig egal ob diese uns passt oder auch nicht, wir müssen und können diese in Freiheit aushalten.
Die zuspitzende, ehrliche, transparente und offene Diskussion gegensätzlicher Standpunkte ist das Salz in der Suppe einer funktionierenden Demokratie.
Natürlich gilt es dabei Grenzen zu beachten. Diese definieren sich einerseits in der Freiheit und Unversehrtheit des jeweils anderen und dem Fundament unseres Landes das sich im Grundgesetz manifestiert.
Was wären wir ohne offene Reden und Gegenreden, was würde aus uns, wenn Pro und Contra nicht mehr in überzeugender und interessanter Form geäußert würde? Was würde aus uns, wenn wir nur noch in unseren jeweiligen argumentativen Schützengräben verharren und nur noch nach Gut und Böse, Freund oder Feind sortieren?

Ich halte überhaupt nichts von geflüsterter oder getuschelter Meinung.
Ich halte auch nichts davon einen Konsens zum höchsten Ziel zu erklären. Die Freiheit auch einmal keinen (!!) Konsens erreichen zu müssen, diese Widersprüche auszuhalten, dass macht den Wert unserer freiheitlichen Grundordnung doch aus. Das macht sie stärker als alle anderen vergleichbaren Systeme.

Rechte und linke Fanatiker sind sich in vielen Dingen sehr ähnlich. Sie verherrlichen Zustände die oftmals nur in ihrer manchmal kruden Vorstellung existieren. Der eine schwadroniert von einer einheitlichen nationalen Kultur ohne einmal zu definieren oder zu wissen was das eigentlich sein soll. Die anderen idealisieren fremde Einflüsse als grundsätzlich begrüßenswert, himmeln Multikultur an ohne dies kritisch zu hinterfragen. Beide sind nicht bereit die Freiheit der anderen anzuerkennen und gemeinsam einen Weg der Entwicklung zu finden. Ein giftiges Klima entsteht in der eine offenen Rede für die jeweils eine oder gegen die andere Sichtweise als Tabubruch erkannt und moralisierend geächtet wird.

Ich habe den Eindruck das tatsächlich die Freiheit als Inbegriff und Kern unserer Gesellschaft immer mehr von allen Seiten unter Druck kommt. Die einen minimieren unsere Freiheiten mit dem Anspruch diese schützen zu wollen, die anderen (AfD und Freunde) wollen sowieso einen totalitären undemokratischen Staat und die radikalen Islamisten können mit diesem Begriff sowieso nichts anfangen. Und wir alle? Wir lassen uns dieses unglaubliche Geschenk der Freiheit in Frage stellen.

Und es fängt an mit: Hast Du Dir das gut überlegt was Du da schreibst, ist das nicht ……

Volksverräter?!

Ob in Dresden oder an anderen Orten. Die Beschimpfungen der Rechtsextremisten, der Pegida Aktivisten und AfD Politiker gegenüber den gewählten Vertretern unserer Demokratie sind kein Zufall. Es sind bewusste Grenzverletzungen. Die gebrüllten Beschimpfungen, als Volksverräter, als Lügenpresse oder ähnliches sind nicht aus mangelndem Intellekt gewählt, sind keine zufälligen Entgleisungen. Frauke Petry möchte den Begriff „Völkisch“ nicht aus langer Langeweile wieder hoffähig machen. Diese Sprache ist bewusst gewählt und auch keineswegs ein Ausdruck von Geschichtslosigkeit.
Diese Worte aus dem Vokabular der Nationalsozialisten werden ganz bewusst genutzt um sie wieder gesellschaftsfähig zu machen. Diese Leute wollen damit ausdrücken was sie sind und wer sie sein wollen.
Sie wollen definieren wer zum „Volk“ gehört und wer eben nicht. Diese Sortierung der Menschen gab es schon einmal.
Es sind keine besorgten Bürger die dergestalt in der Pegida oder der AfD aktiv sind. Es sind vielmehr Rechtsextreme die sich dieser Ideologie verschrieben haben.
Aufmerksam sollte man diesen sogenannten Wutbürgern zuzuhören. Wie ihre Vorgänger im 3.Reich beschimpfen sie andersdenkende als Verräter und belegen diese mit Insektenbegriffen. Ist der nächste Schritt die nicht mehr versteckte, sondern ganz offene Diskussion über lebenswertes oder unwertes Leben? Die Worte folgen den Gedanken, die Handlungen den Worten?
Solche Auswüchse, geboren aus Hass und Uneinsichtigkeit, so ein Unvermögen verantwortungsvoll in einer sich so tiefgreifend wandelnden Welt zu agieren, ist zwar für uns alle beschämend, doch eine starke Demokratie muss auch so etwas aushalten. Wir sollten nur bitte nicht den Fehler machen diese Menschen zu verharmlosen oder im politischen Wettstreit sogar deren Positionen oder Sprache kopieren. Das führt nur zu weiterer Verrohung.
Noch einmal mehr der Hinweis auf unsere Vergangenheit. In der düstersten Vergangenheit unseres Landes verloren jene die von den Nazis als Volksverräter bezichtig wurden die Existenz und später auch das Leben (siehe Anhang).

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