Weckruf?

FincantieriChina, die weltweit größte Werkbank für massenhafte Billigartikel. So nehmen viele bei uns dieses Land immer noch wahr. Doch das war gestern. Unter dem Titel „Made in China 2025“ hat die Regierung schon vor einigen Jahren einen ehrgeizigen Fahrplan für die umfassende Modernisierung der chinesischen Industrie verabschiedet. Erklärtes Ziel ist es möglichst schnell zur führenden „Industrie-Supermacht“ aufzusteigen. „Made in China“ soll nicht mehr für billige Massenware, sondern für führende Innovation, Qualität und Effizienz stehen. Alle Erfahrungen zeigen das es China gelingen wird, seine Pläne umzusetzen. Das Land wird, das ist heute schon zu beobachten, im Spitzentechnologiebereich extrem schnell zu einem ernsten Konkurrenten auf Augenhöhe. Die oftmals überraschende Dynamik und die strategische Wucht dieser Nation ist eine ernst zu nehmende Kampfansage an die etablierten Industrienationen und sollte keinesfalls unterschätzt werden.
China geht auf allen Feldern in die Offensive, die das technologische Rückgrat der deutschen Industrie bilden. 10 Hauptangriffspunkte werden dort benannt. Neben der Luft und Raumfahrtindustrie, der Energieerzeugung, der Mobilität und weiteren Sektoren wie z.B der Medizin, wird unter anderem auch der Hochtechnologieschiffbau aufgeführt. Anders als wir Europäer haben die Chinesen die ungeheuren Chancen der maritimen Sektoren erkannt. Auf vielfältige Weise werden die Chancen und Möglichkeiten der Meere und Ozeane elementare Kraftzentren der Zukunft bilden. Das hat dieses Land erkannt und konzentriert seine Energien dort.
Wahrscheinlich wird man sich in Peking wundern wie gleichgültig wir dabei zusehen. Die Chinesen haben den überragenden strategischen Wert der verschiedenen von ihnen fokussierten Kernindustrien erkannt. Ununterbrochene technische Innovation und eine fortschrittliche sich stetig weiterentwickelnde hochspezialisierte Produktion bilden immer noch eine Einheit. Sie bedingen einander vielfach. Wer glaubt auf eine konkurrenzfähige Industrie verzichten zu können legt die Axt an die Wurzel unseres Wohlstandes.
Hochtechnologiebetriebe wie Kuka werden von China gezielt aufgekauft. Darüber hinaus ist es jetzt zu den ersten konkreten Aufträgen und Kooperationen mit europäischen Werften bei dem Bau von Kreuzfahrtschiffen gekommen. Wie im Lehrbuch für industrielle offensive Expansion vollzieht sich der Angriff auf den Hochtechnologieschiffbau.
Ein Sturm ungeahnten Ausmaßes zieht auf, während wir uns noch an unseren Exportzahlen von gestern berauschen und in Sicherheit wägen. Schon weit vor den gesetzten Planzielen werden wir eine weitere Welle dynamischer Expansionen chinesischer Technologie erleben. Die dortige Regierung denkt bei der konsequenten Modernisierung und Expansion ihrer Industrie langfristig und strategisch. Sie haben alle dafür notwendigen Ressourcen zur Verfügung. Sie haben die Marktmacht, sowie die Anzahl an qualifizierten und erfolgshungrigen Menschen. In naher Zukunft werden chinesische Unternehmen hochwertige Autos, Flugzeuge, Maschinen und Anlagen im Ausland anbieten. Schon heute besitzen sie eine erfolgreiche Raumfahrt und lehren Google & Co durch eigene Suchmaschinen das Fürchten. Reichen diese beobachtbaren Entwicklungen denn nicht als Weckruf?

Was sind unsere Antworten, was sind unsere Ziele? Wie verteidigen wir das  was uns wichtig ist, und wie bauen wir die strategischen Sektoren, wie z.B die maritime Industrie weiter aus? Agieren wir mutig und offensiv oder im Rückwärtsgang?
Ein erster Schritt sollte die energische und im Vergleich zur heutigen Praxis viel weitergehende Unterstützung von Innovationsbemühungen bei den Produkten, den Produktionstechnologien, Anlagen und Systemen sein. Also unbürokratische, schnelle, dynamische und umfassende Förderung und Unterstützung auf allen Gebieten die uns streitig gemacht werden sollen.
Darüber hinaus brauchen wir möglichst schnell einen politischen und gesellschaftlichen Konsens zur konsequenten Nutzung der Digitalisierung (Industrie 4.0). Wir brauchen Innovationen aber auch technologische Revolutionen. Hierzu gilt es alle Kräfte zu bündeln. Jeder der sich bei diesem Bemühen abseits stellt, soll bitte die Rolle unseres Landes und unserer Gesellschaft in einer globalen Arbeitsteilung skizzieren, wenn andere Nationen die Innovatoren technischen Fortschritts sein würden?

Eine ironische Bemerkung am Ende dieser Gedankensplitter…..
In diesem Kontext von elementaren strategischen globalen Anforderungen an die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen bekommen Überlegungen zum Wiederaufbau einer teilzerstörten Brücke in ursprünglicher Form (also auf dem Stand des letzten Jahrhunderts) an der Ems einen schon fast tragischen Beigeschmack. Chinesische industrielle Strategen werden vor Lachen in die Tischkante beißen……

Weckruf?

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