Wertschätzung hilft (uns allen)

Von einer recht schmerzhaften Erkrankung geprüft wurde ein Krankenhausaufenthalt unumgänglich. Viele neue Menschen lernt man so kennen.
Stets bemühe ich mich allen Menschen freundlich und wertschätzend gegenüberzutreten. Ist man von einer Krankheit bzw. einer Abhängigkeit von Hilfe und Pflege geprägt, schärft dies die Wahrnehmung der Reaktionen im Umfeld.
Man empfindet die Aktionen und Haltungen der anderen Menschen intensiver.
Zeichen der Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit aber auch Handlungen des Mitgefühls und der menschlichen Wärme potenzieren sich.

Das man die Arbeit der leider oftmals überlasteten Pflegerinnen und Pfleger mit einem Dank bedenkt und Wünsche in eine Bitte kleidet, scheint nicht mehr selbstverständlich zu sein.
Man erlebt aber auch Hilfs,- bzw. Reinigungskräfte im Krankenhaus, die für eine respektvolle Anerkennung  Ihrer Arbeit überrascht sind und plötzlich auftauen. Die sich darüber freuen, dass man sich bedankt, einen Stuhl oder den Rollschrank mit zur Seite schiebt und ihre Arbeit nicht mürrisch, Gruß oder wortlos als selbstverständliche Dienstleistung lediglich zur Kenntnis nimmt.

Wertschätzung kostet kein Geld und kaum Anstrengung.

Beachtet man die Wirkung eines wertschätzenden Verhaltens in der Arbeit, beim Einkauf, im Freundes,- oder Familienkreis oder wo auch immer, merkt man das sich etwas verändert.  Menschen, denen ehrliche Wertschätzung entgegengebracht wird, antworten fast immer in gleicher Weise. Manchmal nicht sofort, dann aber nach einer gewissen Zeit. Wir können als Menschen nicht anders.
Biologisch bzw. Anthropologisch interessierte wissen um die Bedeutung der Spiegelneuronen bei uns Menschen. Wir sind durch diese neuronalen Anlagen so ausgestattet das wir in aller Regel (!!) Freundlichkeit mit Freundlichkeit, dass wir Wertschätzung, Akzeptanz und Solidarität ebenso mit Wertschätzung, Akzeptanz und Solidarität beantworten.

Dabei müssen wir bedenken, dass auch der Gegensatz zu den geschilderten wertschätzenden Verhaltensweisen so funktioniert. Misstrauen, Hass und Ablehnung, Missachtung oder gar Gewalt finden ebenfalls eine entsprechende Antwort. Wer achtlos nur seine eigenen Interessen durchsetzt, wer skrupellos handelt, weil man glaubt es sich in diesen (Geiz ist geil) Zeiten erlauben kann, der beeinflusst durch dieses Verhalten seine gesamte Umgebung bzw. bei großer Bekanntheit manchmal eine ganze Gesellschaft.

Ich finde es aufgrund dieser bekannten „Gesetzmäßigkeiten“ schon fast belustigend, wenn Menschen die bar jeder Tugend sind und sich verantwortungslos und egoistisch verhalten, klagend über einen Werteverfall in unserer Gesellschaft philosophieren.

In den Schulen, in den Betrieben, im politischen Bereich und der neuen Kommunikationswelt entsteht eine schlechte oder aggressive Atmosphäre nicht als Naturgesetz. Wir haben es zum Teil selbst in der Hand, welche Reaktionen wir hervorrufen. Angefangen in unserem unmittelbaren Umfeld können wir durch  Worte, Gesten und Haltung dazu beitragen, das wertschätzendes Verhalten keine Ausnahme, sondern der Regelfall wird.

Wertschätzung hilft (uns allen)

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