Extrem sein ist heute hip ….?

Der wahre Mensch wählt das Maß und entfernt sich von den Extremen, dem Zuviel und dem Zuwenig. (Aristoteles)

Es scheint ein Merkmal unserer Zeit zu sein das offenbar nur noch extreme Meinungen und Äußerungen als erfolgreich „politisch und medial optimal verkaufbar“ angesehen werden. Schaut man sich Form und Inhalt der politischen Diskussionen aufmerksam an, stellt man eine bedrückende Fundamentalisierung fest. Ansichten von Personen oder Gruppen die von der eigenen Position abweichen, werden mit einer Talibanähnlichen Engstirnigkeit angegriffen. Manchmal bekommt man den Eindruck das die Vielfalt von Meinungen, eine der elementaren Stärken unserer offenen und demokratischen Gesellschaft, als Belastung empfunden wird.
Eine durchaus unmissverständliche, zugespitzte aber ernsthaft interessierte Auseinandersetzung mit den Argumenten von Andersdenkenden ist der Treibstoff von Demokratie. Eine primitive schnelle Einordnung in modische Typenschablonen und Schubläden ist das genaue Gegenteil.

Viel wird darüber gesprochen, was der Einzug der AfD in die Politik verändert hat. Eigentlich könnte man mit den Populisten von rechts und links, angesichts ihrer ethischen und moralischen Defizite und aufgrund einer fehlenden positiven menschlichen Zukunftsvision Mitleid haben.

Doch durch die Panikreaktionen der Volksparteien werden Radikale erst groß gemacht. Radikale ernähren sich von Verzagtheit, von Unsicherheit, Misstrauen, Anarchie, von politischer ethischer und moralischer Kurzsichtigkeit.

Warum nur laufen intelligente Politiker großer stolzer Parteien sehenden Auges in die Fallen von Populisten?  Nur zwei Beispiele:

Erstes Beispiel: Flüchtlinge und Asyl

Wer wider besseres Wissen eine globale Vereinbarung zu flüchtenden Menschen (UN Migrationspakt) oder ohne Not das Verfassungsrecht auf Asyl in Frage stellt, wirft Benzin auf jene Brände, die von radikalen politischen Brandstiftern gelegt wurden. Unzählige freiwillige Helfer der von Flucht betroffenen Menschen geben unserem Staat durch ihr Ehrenamt und durch ihre Uneigennützigkeit ein menschliches Antlitz. Warum opfert man ihre Hingabe und ihr Engagement auf dem Altar einer populistischen medialen Hetzjagd nach Aufmerksamkeit? Nur die Rechtsradikalen applaudieren. Sind solche Themen die Schlagzeilen wert?

Zweites Beispiel Hartz 4.

Wer wider besseres Wissen den Menschen erzählen will das staatliche Hilfen bei Arbeitslosigkeit zukünftig ohne jedwede Gegenleistung gewährt werden sollen, bekommt ebenfalls Schlagzeilen.
Klug wird dies dadurch aber auch noch lange nicht. Unter dem johlenden Beifall der Radikalen führen politisch verantwortliche öffentlich eine masochistische Selbstgeißelung durch.

Wer glaubt, damit Wahlen gewinnen zu können, rennt schnurstracks in die nächsten Niederlagen. Millionen von Menschen leben und arbeiten jeden Tag in einem System, bei dem Forderungen und Erwartungen dazugehören. Für Millionen von Arbeitnehmern ist dies eine tagtägliche Realität. Zu spät oder ohne Grund der Arbeit (oder der Schule) fernzubleiben führt zu Konsequenzen.
Es wäre kaum vermittelbar und eine Gefahr für die Akzeptanz des Sozialstaates, wenn im Falle des Hilfebezuges nicht wahrgenommene Termine, Vorstellungsgespräche oder z.B Weiterbildungsmaßnahmen ohne jede Konsequenz blieben.

Natürlich ist eine deutliche Reformierung der Hartz Regelungen überfällig.
Warum konzentriert man sich nicht darauf?
Dies wäre verantwortlich und schnell machbar. Sicherlich aber keine so schöne Schlagzeile wie die völlige Abkehr von der bisherigen Gesetzgebung…….

Lassen wir uns doch bitte die notwendige Nachdenklichkeit, die Abwägung, die weisen und möglichst klugen Entscheidungen nicht durch die Radikalen oder die Schlagzeilensucht diktieren!

Extrem sein ist heute hip ….?

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