Klugheit statt Schlagzeilen

Die aktuelle hypererregte Debatte um einige Aussagen eines führenden Jungsozialisten kann man nur mit Kopfschütteln verfolgen. Grundsätzlich tut es einer Demokratie gut, wenn keine Denkverbote für jeweilige politische Sichtweisen erteilt werden.
Eine weitere kurze Feststellung für die heftigen Debatten und Meinungsäußerungen wäre die Anerkenntnis, dass es den Sozialismus oder den Kapitalismus in einer derartig festen Form nicht gibt. Alle Systeme verändern sind fortlaufend und sind letztendlich jeweils das, was man daraus macht. Insofern ist es auch falsch (insbesondere bei uns) den (!!) Kapitalismus für alles böse und schlechte verantwortlich zu machen. Es gibt dort wie auch bei den Sozialistischen Sytemen schlimme Auswüchse.

Grenzen in politischen Meinungsäußerungen bestehen m.E nur darin, wenn gegen unser Grundgesetz agiert, wenn Inhumanität, Hass und Hetze, Intoleranz und Rassismus als Agitationsbasis für eine Meinung dienen.

Einige Gedankensplitter zu den Ausführungen von Kevin Kühnert.

Ich kenne tatsächlich einige Unternehmer die dem klassischen Feindbild aus dem linken Betrachtungswinkel entsprechen.
Sie sind gar nicht schwer sie zu benennen. Es gibt diese Manager, die sich trotz mieser Leistungen fürstlich belohnen lassen. Die unser Gemeinwesen und unser Wirtschaftssystem als Selbstbedienungsladen verstehen. Die ohne Rücksicht auf das Gemeinwohl, bar jeder Werte, Tugenden und ohne Ehre, verantwortungslos agieren.

Doch ich kenne viel viel mehr, insbesondere kleine und mittelständische Unternehmer und Gründer, die mit ihrem beeindruckenden Engagement die Basis für unseren Wohlstand bilden. Diese Macherinnen und Macher bilden den Großteil der Unternehmer. Sie sind aber selten Gäste in den Talkshows.

Abstrakte Debatten über die Überwindung des Kapitalismus bzw. das grundsätzliche und ausgeprägte Misstrauen gegenüber Unternehmern ist wenig hilfreich. Wir brauchen mehr statt weniger Menschen die etwas unternehmen (Unternehmer)?!
Werden wir doch einmal konkret.
Hätte sich die Meyer Werft in Papenburg zu einem solchen Global Player, zu einem derart dynamischen Betrieb entwickelt, wenn nicht eine Schiffbauverrückte Unternehmerfamilie über Generationen das Steuer in der Hand gehabt hätte?

Hätte sich Enercon ohne die sture Besessenheit eines Aloys Wobben so entwickelt?

Ich habe die Gründer von Bohlen und Doyen gekannt und bewundert. Aus einem Zwei Mann Betrieb haben diese kantigen Typen etwas Beeindruckendes geformt. Und unvergessen die abenteuerliche Geschichte von Rolf Trauernicht mit seiner Trauco. Mit einem einfachen Transportfahrrad begann seine unvergessliche Erfolgsgeschichte.
Sie alle haben in überaus hartem persönlichen Einsatz über viele Grenzen hinaus am Zustandekommen eines erfolgreichen Unternehmens gearbeitet.
Als Camper kenne ich den faszinierenden Eigentümer der Hobby Werke in Rendsburg persönlich.
Es gibt nicht nur die Gründergeschichten aus den USA mit Bill Gates und Microsoft aus der Garage.
Auch Harald Striewsky hat in einer halbrunden Wellblechgarage mit dem Wohnwagenbau angefangen. Er hätte es viel bequemer haben können. Er baute in der Garage an den Wohnwagen. Seine Frau nähte die Gardinen und die Polster. Darüber hinaus machte sie die Buchhaltung. Ohne Rast und Rücksicht auf sich selber brannte Harald Striewsky für seine Idee und baute eine Unternehmensgruppe auf, die heute zigtausende Menschen beschäftigt. Will man mit solchen Menschen ernsthaft eine kritische Diskussion zum Unternehmertum führen und eine solche Lebensleistung in Frage zu stellen?
Hätte ein, wie auch immer geartetes Kollektiv, diesen Durchhaltewillen aufgebracht?  Zweifel sind angebracht – oder?

Wir als Meyer Werft kooperieren mit der Universität in Groningen. Um diese beeindruckende Universität herum boomt die Startup City. Wer in diese Universität hineingeht, spürt wie viele der jungen Leute geradezu infiziert werden mit einem außerordentlichen Gründerwillen. Erstaunlich viele äußern den Wunsch erfolgreiche Unternehmer werden!

Ein solches kreatives Gründerklima zu entfachen und zu unterstützen – das wäre in unserem Land notwendiger denn je. Wir brauchen eine Vielzahl leidenschaftlicher kreativer Gründertypen, also der Unternehmer von morgen. Wie helfen wir dabei? Darüber sollten wir tatsächlich nachdenken!

Unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft müssen sich einer völlig neuen Zeit und ihren vielfältigen Herausforderungen stellen.
Dazu gehören auch Erkenntnisse die unsere heutigen Denkmuster über den Haufen werfen. Eine dauerhaft erfolgreiche und innovative Wirtschaft braucht in unserem Kulturkreis eine offene, freie, demokratische Gesellschaft. Wirtschaften ohne Rücksicht auf die ökologischen Lebensgrundlagen oder ohne einen anständigen fairen und nicht spaltenden Umgang miteinander, wird allerdings kein zukunftsfähiges Modell mehr sein.
Wir alle müssen mehr Mut und die Bereitschaft haben um liebgewordene ideologische Bastionen und einfaches schwarz-weiß Denken hinter uns zu lassen.

Mit der Auseinandersetzung zu den Kühnert Äußerungen gehen die Diskussionen vom linken Spektrum bis zu den liberal konservativen Wortmeldungen allerdings leider meilenweit an den tatsächlichen Herausforderungen vorbei.

Die soziale Marktwirtschaft, der Kapitalismus, müssen sich, wenn dieses System in einer globalen Welt weiter bestehen will, schnell verändern und erneuern. Es macht keinen Sinn im Gestern zu verharren. Er muss neue Antworten geben auf die großen Herausforderungen unserer Zeit.

Und die linke Debatte sollte akzeptieren und verstehen, dass es keine Beispiele dafür gibt, dass ein theoretisch ausgebufftes sozialistisches Grundmodell zwingend eine erfolgversprechende Alternative zum Unternehmertum ist. Ohne ehrgeizige Menschen mit dem Streben nach Erfolg und ja – auch Gewinn wird es nicht gehen!

Wir reiben uns auf an ideologischen Grundsatzdebatten. Dabei sollten wir besser erkennen wie winzig klein wir im weltweiten Kampfgetöse sind.
Alle Ziele die wir für wichtig erachten (ein fairer und anständiger Sozialstaat; Bildung; Klimaschutz und ökologisch nachhaltiger Umsteuerung) werden nur auf der Basis eines erfolgreichen und damit auch konkurrenzfähigen Wirtschaftens machbar sein. Wie wir dies bewerkstelligen, darüber sollten wir uns in einer globalen Weltwirtschaft Gedanken machen. Die Realitäten auszublenden und Wunschträumen zu unterliegen, wäre ein für unsere Zukunft historischer Fehler und eine gefährliche Illusion.

Wir haben so viele Aufgaben zu erledigen die nur darauf warten angepackt zu werden.
Darüber sollten wir streiten! Und im Übrigen gibt es in der politischen Umbruchdebatte nicht nur die Alternative des demokratischen Sozialismus oder seinem Pedant, der neoliberalen Marktradikalität.
Es gibt m.E auch die sehr reale Chance für eine Veränderung und Entwicklung zu einem sozialen und ökologischen Kapitalismus.

 

Klugheit statt Schlagzeilen

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