Schäm Dich ….

Die Knüppel rechter Schlägertrupps, die Brandsätze auf Flüchtlingsheime, die Tastaturen von Hasskommentatoren, jene Kugeln die einen Regierungspräsidenten töten, sie alle sind mit der Farbe von Wahlkreuzen bemalt!
Nach einem freundlichen Small Talk gab es am heutigen Tag eine erschreckende Wendung in einer Diskussion mit einem früheren Kollegen und jetzigem AfD Wähler.
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Er:
Das ist wieder einmal typisch für Deutschland. Wer nicht so tickt wie die großen Parteien wird verfolgt. Man muss noch viel mehr AfD wählen damit die endlich aufwachen.
Ich:
Ihr seid verfolgt? Echt? Verfolgt sind meiner Meinung nach doch eher bedrohte Kommunalpolitiker, Flüchtlingshelfer, Fremde die hier arbeiten, Leute denen der blanke Hass entgegenschlägt und Flüchtlinge die hier bei uns Schutz gesucht haben! Wo werden denn Gauland, Weidel, Höcke und Konsorten verfolgt?
Er:
Ja das siehst Du doch. Nirgendwo werden sie an der Regierung beteiligt. Überall ausgegrenzt.
Ich:
Hmmmm und warum ist das so? Welche Antworten geben denn Deine AfD Freunde auf Wohnraumprobleme, Umwelt und Klimawandel, Digitalisierung, Bildung, Pflege, Renten, Globalisierung? Welche Antworten geben die denn in der heutigen Welt. Absolute Fehlanzeige. Ihr wollt dieses Land durch Isolation in die Katastrophe führen! Warum soll man mit Leuten reden oder gar regieren die auf alles nur eine einzige Antwort haben – Flüchtlingsprobleme? Und warum mit Leuten regieren die unsere Demokratie unsere heutige Gesellschaft hassen und verachten?
Er:
Das ist doch typisch. Ihr macht doch alles nur schlecht an der AfD und den Wählern. Und ich bin kein Nazi, kein Faschist.
Ich:
Mag sein. Mit der Bezeichnung bin ich auch vorsichtig. Aber Du unterstützt Faschisten mit Deiner Stimme. Da macht es mir Mühe den Unterschied zu erkennen.
Er:
Wir werden hier von allen angegriffen, jeder haut auf uns herum. Ihr werdet schon sehen was ihr davon habt.
Ich:
Ihr seid Opfer?
Er:
Ja!
Ich: Opfer sind doch wohl diejenigen die angegriffen, die mit Hass überzogen, die bedroht und verfolgt werden? Ihr seid keine Opfer. Ihr fühlt euch nur so. Ihr fühlt euch als Opfer weil andere eine andere Meinung haben. Euch geht es so gut. Ihr könnt frei eure Meinung sagen (Guck Dir mal an wie oft ihr in den Medien und Talkshows auftaucht). Du wirst wegen Deiner Meinung nicht weggesperrt (So eine Gesellschaft würdet ihr aber gerne haben?). Du fährst, wie ich sehe einen großen Wagen. Dein Haus ist abbezahlt, du warst, wie Du gerade erzählt hast, in Urlaub, bekommst Rente …..
Er:
Aber meine Kinder ….
Ich:
Ach – Du wählst wegen Deiner Kinder eine Politik die schon einmal ganz Europa in Tod und Verderben gestürzt hat? Hast Du Deine Kinder mal gefragt ob die tatsächlich wollen dass Du ihre Zukunft für Deine rechten Halluzinationen und Alpträume missbrauchst? Es gibt tatsächlich einige Dinge die wir als ältere reparieren müssen – wir sollten den nachfolgenden Generationen aber kein Erbe voller Hass und blindem Nationalismus hinterlassen.
Er:
Das ist wieder einmal typisch. Man darf fast nichts sagen und schon ist man Nazi…
Ich:
Sorry – aber die Baseballschläger rechter Schlägertrupps, die schmierigen Tasten von Hasskommentatoren, die Kugeln die z.B einen Regierungspräsidenten töten, sind mit der Farbe Eurer Wahlkreuze bemalt. 

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Das Gespräch endete nach dieser zugegebenerweise drastischen Zuspitzung sehr abrupt.
Manchmal denke ich darüber nach was besser ist. Soll und muss man Verständnis für AfD Wähler aufbringen?
Doch was ist die Folge?
Ich respektiere und schätze konservative oder auch entschieden rechte Politik. Sie ist ein wichtiger, unverzichtbarer und elementarer Bestandteil unserer Gesellschaft. Für die Wegsuche in die Zukunft ist der politische Diskurs zwischen Demokraten unerlässlich.
Doch es gibt eine deutliche Grenze zur Rechtsradikalität. Und diese überschreiten weite Teile der AfD immer häufiger.
Wenn Wähler von Rechtsradikalen die sich als „besorgte Bürger“ empfinden, das Gefühl haben, dass sie so verstanden werden, das Ihre Wahlentscheidung akzeptabel ist, – ändern sie dann tatsächlich ihr Wahlverhalten?
Müssen wir nicht tatsächlich viel deutlicher sagen, dass die Wahl oder Unterstützung von Rechtsradikalen kein Kavaliersdelikt ist, dass Sie sich dafür schämen müssten?!
Schäm Dich ….

Nur Schneider handeln vernünftig.

 

2020-02-09_08-56-43.pngGuten Morgen.

Ich habe mir gerade einige Kommentare zu meinen letzten Beiträgen durchgelesen und denke darüber nach. Nachdenklich macht mich dabei, wie oft Bezug genommen wird auf frühere Aufgaben, Rollen und Positionen. Dies scheint mir auch im politischen Tagesgeschäft immer häufiger der Fall zu sein (Google lässt grüßen). Statt inhaltlicher Auseinandersetzung werden immer häufiger Aussagen und Zitate aus vielen Jahren herangezogen.

Der Mensch als statische, quasi in Granit gegossene unveränderliche Größe?

Dabei fällt mir ein Zitat von Bernard Shaw ein.

Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedes Mal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passten auch heute noch“

Der Mensch ändert sich (hoffentlich) immer weiter.
Der Maßstab von gestern passt dann eben nicht mehr.
Es macht den Menschen aus unentwegt zu lernen, sich dabei zu verändern.
Viel zu wenige nutzen gewonnene Erkenntnisse zu neuen Positionsbestimmungen.
Erfahrungen, nachdenken und intensives Prüfen von Argumenten verändern Gedanken, Verhalten und Maßstäbe, verändern uns Menschen.

Das wird einen Algorithmus für Suchmaschinen zwar stören, macht uns als bewusste Wesen aber aus.

Nur Schneider handeln vernünftig.

Sind wir mutig?

In meinen Beiträgen weise ich oft auf die Gefahr hin, dass sich eine radikale, eine totalitäre, faschistische oder nationalistische Geschichte wiederholen könnte.
Bei einer intensiven Diskussion in dieser Woche waren meine Gegenüber davon nicht überzeugt. Die Menschen würden sich heute wehren und keine Autokratie akzeptieren oder unterstützen.
Mir fehlt da etwas der Glaube.
Populistische Geister in vielen Ländern treiben schon heute viel zu unbehelligt ihr Unwesen. Sie drohen, lügen und betrügen und es gibt einfach zu wenige, die sich ihnen entschieden und mutig entgegenstellen.

Die weitaus meisten von uns Menschen haben wirklich wenig Mut.
Und dieser Mut verringert sich im gleichen Maße in dem wir glauben nicht mehr in einer starken, oder der stärkeren Gruppe zu sein.
Deshalb greift radikale demokratiefeindliche Politik auch genau dieses Gemeinschaftsgefühl an.
Sie verleumden und zerstören das Vertrauen in unser Staatswesen, in Gruppen, Parteien, Verbände und Medien. Ihr Ziel ist die Vereinzelung der Menschen um so ihr Demokratie und Freiheit zersetzendes Gift wirkungsvoll anwenden zu können.

Es ist leider nicht verwunderlich das die meisten Menschen in Diktaturen sich ducken. Es braucht dazu noch nicht einmal unmittelbare Todesdrohungen.
Oft genügt schon die Angst vor möglichen wirtschaftlichen Nachteilen. 

Es finden sich immer zigfache Gründe für ein „Aushalten und Schweigen“.

Das macht doch keinen Sinn, da bin ich doch alleine, was kann ich schon ausrichten usw usw. Viel zu viele schweigen zu den vielen Grenzverschiebungen in Politik und Medien. Menschenhass, auch pure unmittelbare Gewalt,  massive Bedrohung und öffentliche Diffamierungen der Mutigen erodieren den Mut der „normalen Menschen“.

In Betrieben, Verwaltungen und in unserer Gesellschaft fordern wir kritisches Querdenken, Ehrlichkeit und Transparenz! Doch warum formulieren wir dies so deutlich? Sollten diese Dinge nicht selbstverständlich sein? Oder beschwören wir diese Verhaltensweisen so oft weil sie eben nicht alltäglich sind? 

Ich kenne so viele Menschen die an ihren Arbeitsplätzen vor Frust fast umkommen und es einfach aushalten. Wie viele geben tatsächlich ein ehrliches Feedback, oder wehren sich gegen die tagtäglichen kleinen Diktaturen?
Oft herrscht ein ohrenbetäubendes  „Schweigen der Lämmer“.
Aus diesem Grunde mache ich mir Sorgen. Denn wenn wir im täglichen Leben, in den Betrieben und Verwaltungen Dinge einfach hinnehmen und nicht den Mut aufbringen für unsere Haltungen einzustehen, wieso sollte dies in der politischen Welt anders sein?

Sind wir mutig?

Meine Seele hat es eilig….

Gedicht von Mario de Andrade (Brasilien San Paolo 1893-1945) Dichter, Schriftsteller, __________________________

Heute wurde mir folgendes Gedicht zugestellt.
Es spricht mir aus der Seele

Meine Seele hat es eilig.

Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe.

Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat: die ersten isst sie mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig sind, begann es,  sie wirklich zu genießen.

Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen,  bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren und internen Vorschriften besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.

Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen, die ungeachtet ihres Alters nicht gewachsen sind.

Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeiten zu kämpfen.

Ich will nicht in Besprechungen sein, in denen aufgeblasene  Egos aufmarschieren.

Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten.

Mich stören die Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen, um sich ihrer Positionen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.

Meine Zeit ist zu kurz um Überschriften zu diskutieren. Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile. Ohne viele Süßigkeiten in der Packung.

Ich möchte mit Menschen leben, die sehr menschlich sind.

Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden.

Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen.

Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten.

Es ist das, was das Leben lebenswert macht.

Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren.

Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.

Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.

Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden.

Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die, die ich bereits  gegessen habe.

Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.

Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.

Meine Seele hat es eilig….