Werft mit Verantwortung!

Es ist schon eine merkwürdige Situation. Seit Tagen rechtfertige ich mich immer und immer wieder dafür das wir auf der Meyer Werft versuchen den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Dabei ist die Ausgangslage doch eigentlich recht einfach.

Nach den ersten Anzeichen der Corona Krise griff bei uns der Pandemieplan. Alle Gremien und verantwortlichen Akteure auf der Werft waren an den umfangreichen Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beteiligt.

Der Gesundheitsschutz der Menschen steht über allem.

Die laufend verschärften Einschränkungen und der reduzierte Betrieb führen schon heute zu starken wirtschaftlichen Einbußen.

Demgegenüber stehen unsere Erkenntnisse zu den Auswirkungen einer kompletten Betriebsschließung. Es würde nach einer solchen Schließung sehr lange dauern die Werft wieder vollständig zu reaktivieren. Wie die Werft so etwas überstehen würde ist mindestens unsicher.

Aber ist es nicht auch ein Akt der gesellschaftlichen Solidarität, wenn Betriebe die dazu in der Lage sind versuchen den Betrieb aufrecht zu erhalten?

Größere Betriebe haben sehr viele interne Instrumente und Möglichkeiten wie z.B vielfältige Arbeitszeitkonten, Schichtsysteme, Urlaubsnutzungen.
Kleine Betriebe haben diese Möglichkeiten oft nicht.

Sehr viel Geld bringt unsere Gesellschaft zum Ausgleich der Krise auf.
Die Politik stemmt sich mit Macht gegen die Krise.
Doch machen wir uns doch bitte nichts vor! Dieses Geld wird nicht für alle ausreichen. Deshalb sollten alle Betriebe, die den gesundheitlichen Schutz der Menschen bei laufendem Betrieb gewährleisten können, auch so lange es geht weiterarbeiten.

Wir sind zu Recht immer stolz auf die immense Beschäftigungswirkung unserer Werft in Niedersachsen/ Deutschland und Europa. Doch jetzt fordern unsere Kritiker eine MEYER FIRST Politik? Wir sollen, ohne Rücksicht auf die Region und auf unsere vielen Partner, schließen. Viele Betriebe würden dies nicht überleben!

Deshalb ist der Versuch, den Betrieb trotz vieler Kosten weiter zu betreiben, ein Akt der Solidarität mit der Gesellschaft und mit unseren vielen regionalen Zulieferbetrieben.

Kritisiert wird unser Festhalten an den Mitarbeiter*innen der Werkvertragsfirmen.
Doch ist dieser Vorwurf fair und verantwortungsvoll?

Unsere Stammmitarbeiter haben eine Arbeitsplatzgarantie bis 2030!

Unsere Mitarbeiter*innen können zum Ausgleich von Kapazitätsschwankungen Zeitkonten und Urlaubsansprüche nutzen. Wir haben jetzt ganz aktuell einen innovativen Tarifvertrag und im schlimmsten Fall den Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

Die Mitarbeiter von Werkvertragsfirmen können auf nichts dergleichen zurückgreifen. Sie kehren aus einem stillstehenden Land in ihre ebenfalls stillstehende Heimat zurück?

Sähe so ein europäisches Denken und Handeln aus? Wäre so etwas solidarisch?
Ohne die Werkvertragsmitarbeiter werden wir unsere Schiffe nicht fertigstellen können. Was tun wir, wenn wir nach einem kompletten Shut Down alles wieder schnell hochfahren müssen?

Unsere bisherigen Maßnahmen zum Schutz der Menschen:

Der Gesundheitsschutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht an erster Stelle unserer Überlegungen.
Was haben wir neben dem täglichen sensibilisieren alles getan?

  • Wir entzerrten die Beginnzeiten der Arbeit um Stauungen an den Pforten zu vermeiden. Wie bei den Regeln für den öffentlichen Bereich, sind wir hierbei auf die individuelle Disziplin jedes einzelnen angewiesen.
  • Wir haben die Sozialräume und Kantinen geschlossen um Menschenansammlungen zu vermeiden.
  • Die Möglichkeiten zur Sicherstellung der Hygieneanforderungen wurden aufgestockt.
  • Die Mitarbeiter*innen werden über unsere Homepage informiert.
    Wir verteilen Informationsmaterialen und haben eine entsprechende Plakatkampagne gestartet.
  • Die Führungskräfte werden angehalten die konsequente Einhaltung aller Schutzmaßnahmen absolute Priorität einzuräumen.
  • Die tägliche Arbeitszeit wurde auf einen pausenlosen Block von 6 Stunden reduziert.
    Wie gleichen wir die fehlende Arbeitszeit aus?
    Auf der Werft gibt es verschiedene Zeitkonten.
    Mitarbeiter haben z.B persönliche Arbeitszeitkonten.
    In Vereinbarungen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft wurde aber auch ein „Arbeitgeberkonto“ eingerichtet. Dieses soll dazu genutzt werden um Schwankungen in der Auslastung auszugleichen. Und aus diesem Konto werden die fehlenden Zeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Corona Arbeitszeit entnommen.
  • Wir haben die anwesende Zahl von Angestellten in der Verwaltung und den Technischen Büros durch Home-Office Lösungen drastisch reduziert.
    Gerade die Technischen Büros müssen jetzt mit Hochdruck weiter arbeiten damit die Produktion nicht im Herbst durch fehlende Konstruktionsunterlagen zum Erliegen kommt. 

Zusammenarbeit mit Behörden und Kommunen:

Wir arbeiten intensiv und sehr gut mit allen verantwortlichen Behörden und Administrationen zusammen. Wir schätzen die Kompetenz dieser Mitarbeiter*innen. Unsere Transparenz und Offenheit werden dort, so nehmen wir es wahr, offenbar sehr wertgeschätzt.

Zusammenfassend:

Wir versuchen als Werft in dieser Krise mit einem sehr hohen Maß an ruhiger, sachgerechter Verantwortung die Gesundheit der Menschen zu schützen.
Unser Ziel ist es auch die wirtschaftlichen Grundlagen unserer Region zu erhalten.
Mich ärgert ungerechte Kritik. Doch wir alle freuen uns aber über die vielen ehrlichen Solidaritätsbekundungen. Wir erleben so viel bewundernswertes Engagement in der Region. Im Rahmen unserer Möglichkeiten versuchen wir auch unseren regionalen Partnern in dieser Krise helfend beizustehen.

Unser Dank gilt allen Menschen die sich auf der Werft unglaublich engagieren und über ihre individuellen Grenzen hinausgehen.
Unser Dank gilt all jenen, die mit uns gemeinsam darüber nachdenken mit welch ungewöhnlichen und neuen Maßnahmen wir diese Krise überstehen. Dieses bewunderungswürdige Engagement und mühselige Arbeit von so vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, von Führungskräften, Management, den Behörden und Verwaltungen in der Region finden sich nicht in den Titelzeilen der Medien wieder, wären es aber wert dort jeden Tag erwähnt zu werden.

Dies vielen positiven Erlebnisse verdrängen die zeitweise krawallige laute Kritik und demonstrieren, wie gut es unsere Werft doch mit unserer Heimat getroffen hat!

 

 

 

 

 

 

Werft mit Verantwortung!

8 Gedanken zu “Werft mit Verantwortung!

  1. Wessels schreibt:

    Hallo
    habe schon einen Kommentar abgegeben. Finde es immer wieder unfair, dass die Werft angegriffen wird. Sie tut alles für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter und behandelt sie auch gut.
    Muss
    erwähnen, dass ich es beurteilen kann, da ich 50Jahre gerne dort gearbeitet habe.
    Freut euch. dass wir einen solchen Arbeitgeber in Papenburg haben SONST wäre Pbg ………
    Liebe Grüße

  2. „Allemanns-Manöver“ haben wir das genannt, wenn unser Schiff durch schwere See musste oder bei der Proviant-Übernahme wirklich jede Mütze mitmachen musste. Und wenn Gefechtssituationen und schwere See zusammen kamen, dann hing unser Weiterkommen vom „Handeln als Einheit“ ab. Das musste vorher trainiert werden. Ohne ein Bewusstsein für diese Einheit wird es schwierig. Das ist nur meine Meinung.

  3. Neumann schreibt:

    Hallo Herr Bloem, wo kann man Kommentare einsehen ??? Werden nur Positive Kommentare gezeigt ???

    1. Hallo Herr Neumann. Es gab seit der Veröffentlichung jetzt ca. 3500 Zugriffe. Die weitaus meisten kommentieren den Beitrag via WhatsApp oder Facebook als persönliche Nachricht. Ich habe bei WordPress kein Filter gesetzt. Ausnahmslos alle Kommentare werden angezeigt. Bisher waren die Rückmeldungen zu 90% positiv. Grüße P.Bloem

  4. Nehmer schreibt:

    Krawallkritik kommt immer von denjenigen, die selbst noch nie Verantwortung übernehmen mussten und die keinerlei Vorstellung davon haben, was Verantwortung tragen bedeutet. Zum Glück liegen die Geschicke der Werft nicht in deren Händen!

  5. Günter schreibt:

    Richtig.. Die Ausführung klingt gut und fair.. Nicht fair ist es allerdings, wenn Partnerfirmen keine Leute mehr bekommen, die berechtigterweise aus Angst der Arbeit fernbleiben (oder nicht zurück nach Deutschland können , mit Vertragsstrafen bedroht werden.. Natürlich versucht jede Firma zu überleben, aber das ist nicht die feine faire Art.. Und genau so kommt dieser Ruf eines Sklaventreibers, der über Leichen geht und andere eiskalt vernichtet zustande

  6. D.Köhler schreibt:

    Ich kann dem nicht zustimmen, klar wird es nicht einfach ,einen so großen Betrieb für 2- 4 Wochen zu schließen. Aber die Sicherheit der Arbeiter geht doch sicher vor. Ihr Büro Personal darf Home Office machen und braucht sich der Gefahr angesteckt zu werden nicht aussetzen. Beim Einlass auf der Werft wird der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten. Auch auf den WCs & dem Weg aufs Schiff kann man sich anstecken. Jetzt geht es mal nicht um die Werft sondern um die Menschen die für die Werft arbeiten. Ihr Argument das Sie sich Sorgen machen um die Nachunternehmer, auf die wird sonst auch keine Rücksicht genommen. Zum Beispiel Preisdamping, wenn es um Aufträge geht ..

    D.Köhler

    1. Der Gesundheitsschutz, der dazu führt das wir unseren Betrieb weiter aufrecht erhalten, gilt für Stammmitarbeiter wie für Werkverträgler. Es ist dort in den letzten Wochen nochmals massiv nachgearbeitet worden. Wenn die Vorgaben zum Abstand nicht eingehalten werden, wie dies auch z.T in der Öffentlichkeit passiert, ist dies ein individueller Fehler. Das wird immer wieder passieren. Die Vernetzung der vielen vielen Firmen untereinander ist so groß das ein unangekündigtes Wegbleiben von Firmen erhebliche Probleme für alle Firmen und nicht nur für uns als Werft nach sich gezogen hätte. Nur darauf und auf die Möglichkeiten zum gesundheitlichen Schutz der Mitarbeiter durch die vielen Maßnahmen der Werft wurde hingewiesen. Ich meine zu Recht! Und bei dem Preisdumping kann ich Ihnen nur sagen das in den letzten Jahren diese Entwicklung exakt andersherum war. Durch den Arbeitskräftemangel musste die Werft erhebliche Preiszugeständnisse machen.

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