Langer Text über großes Land

Manchmal ist es verwunderlich wie schnell sich Entwicklungen auf der Welt vollziehen.

Ich erinnere mich noch gut wie vor nicht wenigen Jahren China bewundert und angehimmelt wurde. Ein Flugzeug nach dem anderen wurde mit „Groupies“ besetzt, die den rasant wachsenden Riesen besichtigten.

Alle Welt versprach sich nicht enden wollende Umsätze mit diesem Riesenreich. Doch sehr schnell war dessen Entwicklung zu einem hochmodernen diktatorischen Unterdrückungssystem gut sichtbar. Die aktuellen Vorgänge in Hongkong können deshalb nicht wirklich überraschen. Sie sind eine logische Folge der politischen Strategie der Volksrepublik.

Das Verhältnis insbesondere zwischen den USA und China ist vergiftet.
Peking wird mit einem außergewöhnlichen amerikanischen Präsidenten konfrontiert.  Schonungslos und undiplomatisch wie kein anderer vor ihm, reißt er die  weichgezeichneten Fassaden vor dem wahren Charakter dieses asiatischen Regimes  herunter. Andererseits kann sich die Regierung um Präsident Xi Jinping glücklich schätzen, dass sich derselbe Präsident als vollkommen unfähig erweist, Koalitionen gegen China zu schmieden.

Die Eskalation wird, unabhängig von der Wahl in den Vereinigten Staaten, weitergehen. Das strategische Ziel der Chinesen ist die wirtschaftliche und technologische Dominanz auf allen Feldern, die für die westlichen Staaten  bedeutsam sind.

Viel wird geschrieben von einem neuen kalten Krieg. Doch diesmal ist alles völlig anders. Es gibt kein historisches Beispiel für die bevorstehende Auseinandersetzung.

Früher konkurrierten zwei ideologische Systeme (Kapitalismus/ Kommunismus). Die Seiten versuchten andere Länder für ihre jeweilige Idee als Verbündete zu gewinnen. China legt allerdings keinen Wert darauf eine Ideologie zu exportieren oder Verbündete im klassischen Sinne zu gewinnen. Was Peking aufbaut, sind wirtschaftliche und infrastrukturelle Abhängigkeiten. Geopolitisch besetzt Peking die von den Amerikanern freigegebenen Felder Schritt für Schritt. Und Europa kommt zunehmend in Gefahr zwischen den Mahlsteinen der großen Blöcke zerrieben zu werden.
Wir haben in Deutschland unsere Position zu China noch nicht gefunden.

Und auch Europa ist viel zu sehr mit sich selber beschäftigt.
Meiner Meinung nach gibt es angesichts dieser globalen Entwicklungen nur zwei Arten von Ländern in Europa. Einige sind sich bewusst, dass einzelne Nationen bei dieser geopolitischen Ausgangslage nur Zwerge sind. Zu viele andere haben dies leider noch nicht realisiert.
Der Ansatz Wandel durch Handel kann in China getrost als gescheitert angesehen werden.

Dies war ein langgehegter Wunschtraum von Politikern und Managern. Durch die chinesische Realität wurde er eingeholt. Durch die immer aggressiveren Interventionen z.B der chinesischen Botschaft bei unliebsamen politischen Aussagen, erleben wir die Vorboten einer Welt, bei der wir am Ende der Befehlskette stehen.

Peking geriert sich als Sprachrohr der Entwicklungsländer. Doch zum Glück erkennen diese früher als wir dies schaffen, die Folgen einer solchen Abhängigkeit.
Die ersten chinesischen Bilder und Fahnen werden in Indien und anderen Ländern Ostasiens verbrannt. Diese Reaktionen werden durch die zunehmende Arroganz und Aggressivität mit der China auftritt, bestärkt.

Der amerikanische Präsident ist ein Zerstörer in vielerlei Hinsicht.
Doch er markiert das Ende einer Ära und zwingt uns zum Abschied von unserer liebgewordenen Bequemlichkeit.

Seine strategielose Aggressivität hat gezeigt, wie wenig China sich der Weltwirtschaft öffnen oder politisch liberalisieren wird.
In den USA überschlagen sich die rhetorischen Scharfmacher und in China werden gleichzeitig ungeniert Andersdenkende in unvorstellbarem Maße verfolgt. Grauenvolle Konzentrationslager für ganze Menschengruppen werden betrieben.

Europäische Eliten rümpfen die Nase angesichts der undiplomatischen Rolle der USA und geben doch selber das Bild von Feiglingen ab.
Wer glaubt, dass alles wieder gut wird, wenn nur Trump die nächste Wahl verliert, unterschätzt die seltene Einheitlichkeit bei dieser Frage in den USA.  Parteiübergreifend gibt es einen realistischen Blick auf den östlichen Riesen.
Auch ein möglicher Präsident Biden wird diese Linie weiterführen.

Und die Europäer werden in vielerlei Hinsicht Position beziehen müssen.
Eine starke Waffe und große Chance sind die extremen wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen allen Staaten. Die Globalisierung reduziert die Gefahr militärischer Konflikte.
Denn anders als im kalten Krieg zwischen dem westlichen Bündnis und Russland sind hier alle Staaten auf vielerlei Arten wirtschaftlich miteinander verwoben.
Sie bilden quasi eine ökonomische Schicksalsgemeinschaft.

Eine neue Zeitrechnung hat begonnen. Europa und insbesondere Deutschland werden sich entscheiden müssen wie der Kurs sein soll.
Die Engländer haben Huawei bei dem Ausbau des 5G Mobilfunknetzes ausgeschlossen. Ein erster, konsequenter Schritt.
Eine solche Entscheidung nötigt Respekt ab und ist ein erstes bedeutendes Zeichen gegenüber Peking. Wir sind in Deutschland noch nicht so mutig.
Doch sich bei dem entscheidenden Feld der Kommunikationsstruktur einem Konzern anzuvertrauen, der das Werkzeug einer Diktatur ist, scheint mir wirklich kurzsichtig zu sein. Duckmäusertum wird im Umgang mit China nicht honoriert.

Wer die Entdemokratisierung von Hongkong ohne ernst gemeinte Konsequenzen akzeptiert, wer weiter mit Huawei flirtet um weiterhin Produkte verkaufen zu können, der wird die Quittung für Unterwürfigkeit bekommen.

China wie leider auch die Vereinigten Staaten versuchen, die Europäische  Gemeinschaft zu spalten. Doch bei all der Enttäuschung über die Rolle der USA sollten wir uns nichts vormachen. Insbesondere Peking wird gezielt und immer stärker, einzelne Nationen in seinem Sinne drangsalieren. Wie ist unsere strategische Antwort darauf?

Die Geschichte zeigt, das Appeasement gegenüber solchen Entwicklungen kein Erfolgsrezept sein wird.

Ein geeinter Westen, ein entschlossener Westen, hätte eine Chance China zu zähmen. Denn anders als im kalten Krieg braucht China den Westen so wie umgekehrt.
Es kann nicht in unserem Interesse sein, das China weiterhin sein Modell eines autoritären Überwachungsstaates mit Hilfe seiner wirtschaftlichen Kraft in die Welt hinausträgt.
Es drängen sich Fragen auf.
Aufgrund der schon angesprochenen massiven Verflechtungen ist eine völlige Isolierung Chinas nicht möglich und auch nicht sinnvoll.
Wir müssen eine nachhaltige und stabile Strategie gegen Peking entwickeln.

  • Wo können wir z.B wesentlich stärker als bisher Exportkontrollen ausbauen?
  • Wie können wir Investitionen kritischer bewerten und beobachten?
  • Wie schützen wir unsere Firmen, unsere Produkte unser geistiges Eigentum konsequent?
  • Wo gibt es Überschneidungen und Formen der Zusammenarbeit, die sinnvoll sind? Wo aber auch nicht?
  • Welche Felder sind für uns von strategischer Bedeutung und werden mit allen Mitteln gegen Peking verteidigt?
  • Auf welchen Gebieten,  ein Beispiel ist der Klimaschutz,  ist es trotz aller Rivalität möglich und notwendig, enger zusammenzuarbeiten?

Dies sind nur einige wenige drängende Fragen, die aufgrund der fatalen globalen Wirtschaftsdynamik unter Corona  Bedingungen noch mehr Fahrt aufgenommen haben.

Langer Text über großes Land

Logik dient dem „Bauchgefühl“

Aus einer Diskussion mit sehr klugen Menschen.

Es ging um die Bedeutung von Fakten versus Emotionen für die Entscheidungen von Menschen. Zugegebenerweise bin ich ein Gläubiger, was diese Frage angeht. Mein ganzes Leben lang habe ich erlebt, wie Intuition und Emotion fast immer strategischen Entscheidungen vorangestellt wurden. In habe unzählige Fälle erlebt in denen Menschen bei moralischen und damit einhergehende politischen Entscheidungen, fast immer gruppenorientiert und nicht egoistisch gehandelt haben.

Ich durfte erleben wie Menschen mit einem geringen Einkommen entgegen ihrer wirtschaftlichen Interessen handelten, wenn es der „Gruppe“ zugute kam.

Diese fast natürliche Uneigennützigkeit nahm mit zunehmenden Einkommen paradoxerweise ab.

Am Ende entscheiden Menschen in den meisten Fällen angesichts der Reputation und der Glaubwürdigkeit des Senders von Nachrichten.

In fast allen Fällen in denen man diesem Sender vertrauensvoll gegenüber eingestellt ist hinterfragt man die Botschaft „Kann ich das glauben?“.

Vertraut man ihm/ihr nicht, schleppt ein Sender von Botschaften ein negativ Image mit sich herum, kann dieser tonnenweise Argumente und Fakten auffahren, die Frage lautet dann „Muss ich ihm/ihr glauben?“.

Im ersten Fall ist die Antwort fast immer ein ja im zweiten fast immer nein.

Deshalb ist es so bedeutsam das Botschaft und Sender, dass Emotion und Nachricht passen. Ich habe schon gemerkt, dass dies meinen logisch geprägten akademischen Freunden nicht passte.

Aber Menschen sind Gott sei Dank keine Algorithmen. Wir entscheiden mit den Fähigkeiten die uns seit Uhrzeiten das Überleben gesichert haben und innerhalb weniger Sekunden wem wir uns anvertrauen und wem nicht.

Das logische Denken dient der menschlichen Intuition und nicht umgekehrt.

Logik dient dem „Bauchgefühl“

Was wir suchen, werden wir finden.

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Ich habe die Angewohnheit mir Geschehnisse und Nachrichten dazu, über viele verschiedene Medien anzuschauen.
Dann stellt man (nicht so ganz überraschend) fest, wie unterschiedlich doch wahrgenommen und berichtet wird. Sehr oft spiegeln wir Erlebtes aus einem ganz bestimmten Blickwinkel.
So etwas erleben wir sicherlich alle jeden Tag?
Zum reflektieren am Wochenende eine Buchpassage vom Niederländischen Historiker Rutger Bregmann:
Was wir glauben, bestimmt was wir werden.
Was wir suchen, bestimmt was wir finden.
Was wir vorhersagen, bestimmt, was tatsächlich eintritt.
Was wir suchen, werden wir finden.

Provozierende Gedanken?

Im zweiten Halbjahr dieses Jahres werden wir die vollen Auswirkungen der schwersten Wirtschaftskrise in der Nachkriegszeit voll zu spüren bekommen.

Spannend finde ich, wie derzeit in schwer angeschlagenen Unternehmen politische Forderungen zur Bedingung für Hilfen gemacht werden.

Mal geht es um Nachhaltigkeit, Klimafreundlichkeit, oder auch um Mitbestimmung oder Umverteilung. Am Ende sind solche Positionierungen eine Wette auf die Belohnung dieses Verhaltens durch die Wähler. Doch kann eine solche Rechnung aufgehen?
Als altes politisches Schlachtross bin ich da sehr  skeptisch.
Ziehen die Menschen tatsächlich eine scharfe Trennlinie zwischen den politischen Sektoren Wirtschaft, Arbeit und Soziales?
Politische Profis vertrauen auf diese Annahme. Daher ist es auch nur folgerichtig, das es auf Bundes und Landesebenen zwei Ministerien für diese Gebiete gibt.

Auch die Umfragen nach den Kompetenzen in der Politik spiegeln dieses Denken.
Die einen haben ihre Kernkompetenz in der Wirtschaft die anderen mehr im sozialen Bereich. Politische Programme werden darauf ausgerichtet.

Doch ich wage die Behauptung, das diese Unterscheidungen in der Lebensrealität der Menschen eine geringere Rolle spielen als sich dies viele politische Strategen vorstellen mögen.

Die Aussicht auf das, was die Menschen und ihre Familien sich leisten können, Urlaub, Konsum, Mobilität, Wohnung, etc. bilden das Gegenüber zu den Themen, die immateriell sind.

Ich höre bei dem nächsten Satz schon den Aufschrei der politischen Spin Doctors.

Aber viele hippe Themen wie Globalisierung, Umverteilung, Bildung, Digitalisierung, aber auch Nachhaltigkeit spielen bei den meisten Menschen dann eine wahlentscheidende Rolle, wenn sie es sich leisten können. Dies mag man bedauern.
Aber Menschen handeln in wirtschaftlichen Krisen wenig ideologisch, sondern überwiegend logisch und pragmatisch.

Das sichere und stabile Einkommen, die Chance auf Wohlstand, die Möglichkeit seine Lebensumstände durch eine sichere Arbeit, in einer stabilen Wirtschaft selber beeinflussen und wählen zu können, beeinflusst das Denken und Wahlverhalten der meisten Menschen ganz entscheidend.
Beachtet man dies nicht, könnte man erleben mit einem Rucksack voller anspruchsvoller Forderungen und hochpolitischer Mainstreamthemen in eine strategische Sackgasse zu laufen!

Provozierende Gedanken?

SpaceX in Papenburg

Gestern habe ich in verschiedenen Gesprächen wieder einmal erlebt, wie sehr der Pessimismus unser Denken doch beherrscht.
Als Vollblutschiffbauer rede ich, inmitten der größten Krise der Meyer Werft, über die Zukunft des innovativsten, anspruchsvollsten und zukunftsträchtigsten Schiffbaus auf dieser Welt.

Doch erschreckend viele meiner Gegenüber stecken fest in der Erwartung eines mehr oder weniger schnellen Niedergangs, den es abzumildern gilt.
Die Zuversicht in eine gute Zukunft des Schiffbaus in Papenburg, den wir so erfolgreich betreiben, ist irgendwie verloren gegangen.  Der Rückzugs,- Abbau,- und Stillstandsgedanke für Industrieunternehmen in Deutschland, hat leider viele Köpfe und Herzen erreicht.

Warum stehen wir in Deutschland eigentlich nicht mehr an der Spitze der innovativsten und unternehmungsfreudigsten Länder dieser Welt?

Ich meine, weil wir uns zu wenige Revolutionen zutrauen!
Wir trauen uns zu wenige Umwälzungen in den neuen Techniken, der Genetik, der Bildung oder völlig neuer Unternehmensorganisationen zu.
Uns fehlt Bereitschaft zum Risiko. Uns fehlt ein gesellschaftlich, politisch, medialer Turboboost für mehr Unternehmen und zupackendes mutiges Unternehmertum!
Wer sich solche Revolutionen nicht mehr zutraut und nicht mehr an eine positive Dynamik glaubt, der verwaltet nur noch eine mehr oder weniger unbefriedigende Gegenwart.

Wir brauchen doch gerade in dieser Zeit mehr Unternehmergeist, mehr Zuversicht und ungewöhnliche, vielleicht mitunter revolutionäre Ideen?!

Wir brauchen weniger Debatten, die schon beim Start von etwas Neuem Vorsicht rufen und sofort über Begrenzungen nachdenken!

Ich denke da immer an nicht wenige Eltern, die ich auf dem Kinderspielplatz höre.
„Lauf nicht so schnell – du könntest hinfallen!“
Ein Satz der so viel aussagt über unsere Art des Lebens.
Hinfallen gehört dazu wenn wir uns entwickeln, lernen und weiterkommen wollen. Scheitern, Gefahr und Risiko gehören dazu.
Und eben auch Mut und Zuversicht und manchmal tollkühnes Handeln.

Wir wollen doch als bedeutende Gründernation nicht irgendwann nur noch in den Geschichtsbüchern auftauchen?
Elon Musk (man mag von ihm halten, was man will) ist ein visionärer und produktiver unternehmerischer Abenteurer. Er hat sich bei seinen Visionen durch nichts aufhalten lassen. Ausgelacht hat man ihn, als er von seinen Weltraummissionen geschwärmt hat. Heute liefert er die Trägerraketen für die Satellitenstarts von vielen Ländern.
Mag ja sein das viele seiner Ideen uns heute irritieren. Einige werden auch in eine Sackgasse führen. Aber er stellt die Realität immer und immer wieder in Frage. Seine Utopien sind der Brennstoff für Taten.

Und so geht uns das auch auf der Meyer Werft. Die Meyers haben in ihrer Geschichte so viele Verrücktheiten gemacht. Sie haben so oft so vieles anders gemacht als alle anderen. Und der Erfolg hat ihnen recht gegeben.

Die Zuversicht und Überzeugung, dass der innovativste Schiffbau in Papenburg, weit abseits der hippen Oberzentren, eine sehr gute Heimat hat, war vergleichbar mit der Geschichte von der wiederverwendbaren Trägerrakete von Elon Musks SpaceX.
(Wir sind nur schon sehr viel länger so innovativ).

Und jetzt geht es nicht um ein aussitzen oder dem Festhalten alter Zeiten. Die Zukunft  gewinnen wir, wenn wir uns eine Vision erarbeiten wie dieser Schiffbau made in Papenburg jetzt weiter existieren und in 10, 15 oder 30 Jahren aussehen kann.
Es kann nur der Anspruch sein, dass der wirtschaftlich vernünftigste, technologisch anspruchsvollste, der nachhaltigste, ökologischte und zukunftsträchtigste Schiffbau der Welt in Papenburg stattfindet.

Wir müssen mit dieser Zuversicht im Gepäck durch den Scheuersack schwieriger Entscheidungen. Denn die nächsten Jahre werden brutal und wir werden durch diese Krise auch unbequeme Antworten geben müssen.

Aber wir dürfen dabei nicht stehenbleiben. Die derzeitige Krise muss uns dazu bewegen noch außergewöhnlicher, schneller, flexibler, noch entschlossener und ideenreicher zu sein, um aus dem Mahlstrom der reinen Krisenverwaltung herauszukommen.
Die Menschen brauchen solche Ausblicke nach vorne!

Es soll ja weitergehen!

SpaceX in Papenburg

Freund und Helfer?

Wenn ich den heutigen Umgang mit Polizisten sehe, dann wird mir ganz schlecht. Ein Vorgang in Hessen muss und wird untersucht. Doch schon den ganzen Nachmittag überschlagen sich viele Medienmeldungen im Rennen um Schlagzeilendominanz. Die Polizei am Pranger. Wie schön?
In den sozialen Medien haben die Kommentatoren an ihren Tastaturen wahrscheinlich schon Brandblasen an den Fingern.

Selbstverständlich sind weder Bundeswehr noch die Polizei völlig immun gegen radikales Gedankengut. Die Vorfälle sind jedoch begrenzt und können verfolgt werden.
Ich finde es derart billig, wenn aus populistischen Gründen unser Polizeiwesen mit der Sicherheitskonstruktion in den USA quasi gleichgestellt wird. Die beiden Systeme sind nicht miteinander vergleichbar!

Viele Staatsdiener unseres Landes die ich kenne, bekämpfen Grenzverletzungen in ihren Reihen und akzeptieren diese keineswegs. Doch ihr Leben ist nicht einfach.

Respektlosigkeit bis zu purem Hass sollten nicht zum Alltag dieser Beamten gehören. Leider ist dies aber ganz real.
Ähnliche Missachtungen bis zu tätlichen Angriffen erleben auch immer öfter Feuerwehrleute und Sanitäter.

Teile unserer Gesellschaft haben offenbar verlernt das zu unserem Gemeinwesen unter anderem das Gewaltmonopol des Staates gehören. Nur so kann die Sicherheit entstehen, auf die unsere offene demokratische Gesellschaft basiert.
Wer dieses Vorrecht der staatlichen Institutionen in Frage stellt, redet der Anarchie das Wort.

Es mag ja altmodisch sein, aber ich habe nie auch nur einen Funken Verständnis für die Zerstörungswut und Randale z.B bei dem G20 Gipfel in Hamburg gehabt.
Ich verstehe und toleriere die Menschen nicht, die bei Protesten  Autos anzünden oder Geschäfte demolieren. Und jeder der Verständnis für Gewalt gegen Polizisten konstruiert, schadet dem Staatswesen.

Wenn betrunkene Leute Steine auf Polizisten oder andere Menschen werfen, gehören sie bestraft. Wenn Geschäfte verwüstet werden, gehören die Täter bestraft. Es gibt keine Rechtfertigung oder Entschuldigung für ein solches Verhalten.

Eine sogenannte Szene – egal ob sie sich Partyszene nennt, sich aus jung oder alt, aus links oder rechts eingestellten Menschen zusammensetzt, hat kein Recht auf Regelverstöße. Sie haben kein Recht sich Freiheiten zu nehmen, die ihnen durch unsere Gemeinschaft nicht gewährt wurden.

Ich finde es schlimm wenn in Debattenbeiträgen je nach Sichtweise mal die eine oder andere Randale als skandalöser und schlimmer empfunden wird. 
Hinsichtlich der Krawalle in Stuttgart sagt doch ein Bekannter von mir ernsthaft „Da müssen sich die Polizisten doch nicht wundern wenn sie so rigide Drogenkontrollen machen“!

Habe ich da etwas nicht mitbekommen? Seit wann sind Kontrollen ein Grund für gewalttätige Proteste?

Die grenzenlose Freiheit einer ungehemmten Spaßgesellschaft führt zu Anarchie und Totalirismus. Die Auswüchse dieser individualisierten Spaßgesellschaft sehen wir aktuell auf Mallorca.

Jeder Steinwurf auf Polizisten ist nicht der Ausdruck eines selbstbewussten politisch denkenden Menschen sondern die dämliche Tat eines Dummkopfes.
Die in den sozialen Netzwerken so gern gepostete Gewalt gegen die Polizei hat rein gar nichts mit Selbstverwirklichung zu tun. Sie trägt den Keim totalitären und anarchistischen Verhaltens in sich. Unser Staat und seine Sicherheitskräfte achten unter schwierigsten Bedingungen auf ein Mindestmaß an zivilisiertem Umgang und die Achtung der Sicherheit.

Nur mit solchen Regeln zum Zusammenleben ist eine Gesellschaft überlebensfähig.

Wie oft hört man in Talkshows oder Sonntagsreden, dass Randalierer mit der ganzen Härte des Gesetzes zu rechnen hätten. Wieso muss dies jeweils betont werden? Ist das nicht selbstverständlich? An die Adresse der Randalierer in Stuttgart oder anderswo. Ihr demoliert nicht nur Autos. Ihr werft nicht nur Steine auf jene, die dieses Gemeinwesen schützen. Ihr greift das Staatswesen an, das es überhaupt möglich macht das diese Vielfalt und Freiheit gelebt werden können.

Wie aber bekämpft man die Verachtung staatlicher Ordnungen?

Ein erster Schritt wäre es vielleicht, nicht reflexartig für alles und jeden Verständnis zu haben? Völlig egal wer sich an Krawallen aktiv beteiligt, ob jung/alt/links rechts Deutscher oder Ausländer, – sie dürfen von uns mit keinerlei Toleranz oder Verständnis rechnen.
Die Verharmloser von Gewalttätigkeiten machen sich genauso schuldig wie jene die sich an den Selbstdarstellungsvideos der jeweiligen Szene ergötzen.

Und wir sollten sehr aufpassen mit unseren Worten und Kommentaren in Richtung der Polizei. Derzeit habe ich den Eindruck, dass gezielt ein sogenanntes politisches Framing stattfindet.

Das Bild des Freund und Helfers wird durch Dauerbeschuss in den Köpfen der Menschen verdreht. Plötzlich wird der Diener, Vertreter und Beschützer des Staates zur Bedrohung, zu einem Hassobjekt.

Wer zulässt, dass diese begrifflichen Erodierungen weitergehen, zerstört eine wesentliche Basis unserer Gesellschaft, gefährdet Sicherheit und geht erste Schritte in die Anarchie.

Freund und Helfer?