Herabschauender Hund

Nach einer schweren Rückenoperation im letzten Jahr, muss ich jeden Morgen Rückengymnastik machen. Der wichtigste Motivationsfaktor dabei ist meine mich stets mahnende Frau.

Vielfach wurde mir Yoga empfohlen. Es gibt tolle Videos dazu. Sehr alte Männer machen Verrenkungen die mich mit absoluter Sicherheit in die Hände meines Orthopäden führen würden.
Fitnessstudios gibt es jede Menge. Aber Yoga Gruppen für Männer? Noch nie davon gehört.
Teilnehmen in einer Frauengruppe. Nee ganz sicher nicht.
Es sind zu viele Bilder die dazu im Kopf entstehen.
Doch für das ausprobieren und zum Selbsttraining gibt es auch ganz tolle Apps!

Und so stehe ich wie jeden Morgen auf der blauen Gymnastikmatte.
Wild entschlossen mal etwas anderes zu machen als die langweiligen Reha Übungen.
Das Tablet zeigt mir Figuren die ich machen soll.

Da werden für Einsteiger der Sonnengruß, das Dreieck, der Krieger, der Baum und der herabschauende Hund vorgeschlagen.
Und ich habe auch ein spannendes Bild von der Übung „Schildkröte“ gesehen.

Ich schwöre, dass der ostfriesische Wille zur Ernsthaftigkeit vorhanden ist. Mal was neues. Weg von den altehrwürdigen Reha Übungen aus Turnvater Jahns Zeiten.

Mit zunehmenden Alter landen viele Gespräche bei Feiern schnell bei der Gesundheit. Erzählt man von Rücken, ist man unmittelbar Mitglied einer sehr großen Leidensfamilie. Und unweigerlich kommt die Frage nach dem, was man für seinen Rücken tut. Gymnastik ist doch eine echt langweilige Antwort, oder? Da entstehen sofort Assoziationen und Bilder die sehr unsexy sind. Ich habe noch nie, noch niemals ein beeindrucktes ohooo gehört.

Doch Yoga oder andere Sportarten mit asiatischem Namen die sind interessant. Da wird nachgefragt. Sofort umweht einen das Flair von orangefarbig gekleideten Kung Fu Mönchen.

Also ran an die Figuren und weg mit dem Grinsen über die Namen.
Schnell noch die asiatische Untermalungsmusik ausstellen. Die ist nicht meins.
Hatte ich nicht noch etwas von SunshineLive in der Playlist?

Zuerst lese ich die Beschreibung der Figuren um sie dann entsprechend dem Video zu kopieren.
Die einfacheren Übungen erinnern doch sehr an die Reha Übungen aus Oldenburg. Nur die Namen die bei mir lästige Kopfbilder erzeugen, die gab es für die Übungen nicht.
Also die Anfängerübungen die gehen ja noch.
Doch schnell wird es richtig „knackig“. Wie um alles in der Welt bekomme ich mit meinen offenbar überall unvorteilhaft ausgebildeten Körperteilen diese Drehungen und Verrenkungen hin?

Mich beschleicht ein Verdacht. Kann es sein das die Natur es so eingerichtet hat das Yoga für Ur- Ostfriesen irgendwie so kompatibel ist wie ein Pinguin im Dschungel?
Als ich die Übung des herabschauenden Hundes versuche, bin ich wirklich froh dass kein Mensch zuschaut. So bewahre ich meine Würde. Ich stelle mir gerade vor ich würde so ein Selfie machen und es posten. Ein hoher Bekanntheitsgrad wäre garantiert, die Würde dahin.

Die beste Figur ist die, wo ich lang auf der Matte liege und zu meiner Mitte kommen soll. Doch meine Mitte ist offenbar wie ein schwarzes Loch, ich erwache von meinem eigenen Schnarchen.
Ich schaue mir noch einmal die Figur der Schildkröte an und denke dass ich das besser nicht probiere. Wie würde ich meinem Orthopäden die Folgen erklären?

Für mich wären Figuren wie das sinkende Schiff oder der Werftkran in Ruheposition wahrscheinlich besser.

Morgen werde ich wieder meine Reha Übungen mit dem Wackelbrett, den Liegestützen und den Streckübungen aus Oldenburg aufnehmen. Sind doch eigentlich auch ganz schön. Vielleicht überlege ich mir auch noch geile Namen dafür.

Herabschauender Hund

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