Es gibt keine schlechten Teams!

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Fast 30 Jahre ist es her, dass ich eine Einladung nach Frankfurt erhielt, um eine Vortrag von General Normann Schwarzkopf mitzuerleben. Schwarzkopf hatte als Oberkommandierender des United States Central Command die Operation Dessert Storm im Irak geleitet.

Über seine Erlebnisse hatte er ein Buch geschrieben „It doesn´t Take a Hero“ (Man muss kein Held sein). Man mag nun über diesen Krieg denken, wie man will. Ein faszinierender Mann war dieser General auf alle Fälle. Seine Erzählungen waren prägnant, bildhaft und absolut nachvollziehbar. Seine Präsenz füllte den Raum aus.
Die Begleitung und seinen Schutz bildeten einige großgewachsene Kerle.
Wie sich später herausstellte, waren dies ehemalige US Navy Seals.  Nach seinem Vortrag war der  General mit Interviews und dem Signieren von Büchern beschäftigt.

Ich hatte somit Gelegenheit mit seinen beiden Beschützern zu sprechen.

Nachdem ich wusste, dass die beiden Leibwächter ehemalige Seals waren, fragte ich ob es denn so etwas wie einen Grundsatz oder einen Slogan bei den Seals gäbe. Grinsend antworteten die beiden:
„Der letzte leichte Tag war gestern“.
Aber noch wichtiger sei das Prinzip: „Es gibt keine schlechten Teams, es gibt nur schlechte Leader“.
Anhand einiger Beispiele berichteten sie, das die derart exzellent ausgebildeten Seals bei einer Mission nur scheitern könnten, wenn die Führung und Planung der Teams schlecht sei. Deshalb würden bei missglückten Operationen auch nie Konsequenzen in den Teams, sondern stets in der Politik, im Stab, bei der Planung oder bei den Offizieren gezogen. Dieser Grundsatz sei unverrückbar.
Es sei andererseits aber auch eine bindende Verpflichtung für jedes einzelne Teammitglied stets ausnahmslos alles für das Team und die Mission zu geben. Dafür erhielten sie den umfassenden Schutz der auf eben diesem Ruf aufbaue. Er sei einer der Ursachen für die kameradschaftliche Stärke in den Einheiten.

Ich war schon sehr beeindruckt!

Später habe ich mir von einem Tischler ein Schild mit diesem Spruch herstellen lassen.
“ Es gibt keine schlechten Teams, es gibt nur schlechte Leader“
Bei diversen Vorträgen vor Führungskräften habe ich immer mal wieder gefragt, wer diese Tafel in aller Konsequenz vor sich auf den Schreibtisch stellen und sich danach verhalten würde? Dieser Grundsatz, der im Übrigen von Napoleon Bonaparte stammt, (aber das habe ich den Seals damals vorsichtshalber nicht vorgehalten) beschreibt meines Erachtens die Essenz eines außergewöhnlichen Führungsverständnisses.

Beeindruckend war für mich auch das individuelle „Missionsverständniss“ der Seals.
Davon habe ich mir einige Dinge entliehen. Ich habe diese etwas umformatiert und lange Jahrzehnte in meinem Büro als persönlichen Ankerpunkt im Blick gehabt. Zugegeben klingt das Ganze etwas pathetisch. Aber in den schwierigsten Zeiten (die nicht selten waren) lohnte es sich immer mal wieder, einen Blick darauf zu werfen und die Basis der Arbeit zu sehen.

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Manchmal denke ich, wenn ich so einige aktuelle Entwicklungen sehe, dass diese Zeilen völlig aus der Zeit gefallen sind.
Oder fehlen uns allen solche Prinzipien oder Ankerpunkte auch zu oft?

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