Waldzerstörer

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Meine Frau und ich freuen uns darüber wie, trotz der Kälte der letzten Tage, die ersten Blumen in unserem Bienenblühstreifen zu sehen sind.
Wir pflanzen, wie üblich, noch mehr heimische Bäume an.
Und am Sonntagabend werde ich wieder einiges an Zeit aufwenden, um ordnungsgemäß den Müll zu sortieren. Auf dem Wochenmarkt sehen wir immer mehr Menschen mit Behältnissen, um Plastikschalen und Verpackungen zu vermeiden.
Also alles gut?

Wir alle sind im Rahmen unserer Möglichkeiten verantwortlich für diese einzigartige Welt!
Und dann sehe ich in der Tagesschau den kurzen Bericht des WWF über die weltgrößten Waldzerstörer. Anschließend rufe ich die Webseite dazu auf (Siehe Link am Ende dieses Blogs). Ist doch klar, dachte ich bei der Schlagzeile.
Dieser unbelehrbare, rechtsradikale Bolsonaro, dieser brasilianische Trump vernichtet die Grüne Lunge unserer Erde.
Und dann umso erschreckender und beschämender die gut belegte Erkenntnis des WWF, dass wir es sind, die ganz unmittelbar und massiv zur Urwaldzerstörung beitragen.
Wir reden ununterbrochen vom Umweltschutz und zeigen mit dem Finger doch gerne auf andere. Wir sorgen uns insbesondere zur Urlaubszeit um kahle Bäume im Harz und unterschreiben Petitionen gegen Urwaldrodungen.
Wir fühlen uns gut informiert und der Zukunft verpflichtet.

Fast 180 Millionen Hektar Wald hat die Menschheit seit 1990 vernichtet.
Das entspricht der fünffachen Fläche unserer Heimat.
In Brasilien werden in nur einem Jahr mehr als 100.000 Hektar Wald verbrannt.
Und wieso?
Weil wir Europäer und dabei ganz besonders wir Deutschen so gerne und so viel Fleisch essen. Brasilien wurde mit unserer Hilfe zum weltgrößten Soja Produzenten.
Wir Europäer brauchen den verbrannten Urwald für das Tierfutter unserer Mastställe! 

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Doch es ist nicht nur das Soja, das Fleisch, die Milch, das Tropenholz oder der Kakao.
Vor 3 Jahren habe ich in Berlin an einer Greenpeace Veranstaltung zum Thema Palmöl teilgenommen. Es hat mich schockiert zu sehen, wie viele unserer Lebensmittel Palmöl beinhalten und ursächlich dafür sind, das Urwälder gerodet und Millionen Tierarten vernichtet werden.
Mein Konsumverhalten sorgt mit dafür, das Palmöl und Kakaoplantagen den Urwald verdrängen.

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Wir reden über unsere Verantwortung und nehmen die gestrige Berichterstattung des WWF doch kaum zur Kenntnis.
Unser wertbefreiter Konsum ist die treibende Kraft bei der Zerstörung von Urwäldern.
Laut WWF Bericht liegt nur noch China mit einem noch schädlicheren und brutalerem Verhalten vor der Europäischen Union. Die industrialisierte Welt und leider auch wir in Deutschland treiben die Zerstörung der Regenwälder massiv voran.

Daran ändern auch alle Marketingstrategien von Brauereien, die beim Kauf von Bier Bäume wieder anpflanzen wollen, gar nichts.
Ich fühlte mich nach dem gestrigen Bericht beschämt und werde noch nachdenklicher. Und ich bin unendlich traurig darüber, das dieses üble Virus alle Aufmerksamkeit aufsaugt und alle anderen Themen aus unserem Sichtfeld drängt.

Was bringen unsere ganzen lobenswerten Bemühungen um CO 2 reduzierte Autos, wenn wir durch die gezielte ökonomisch getriebene Entwaldung so gigantische Mengen an CO 2 produzieren wie sie noch so große elektrifizierte Autoflotten nie einsparen können?

Natürlich werden meine Frau und ich weiterhin Insektenhotels aufstellen, entsprechend Pflanzen anbauen, noch mehr Fahrrad statt Auto fahren, Bäume pflanzen und natürlich kein Gift im Garten benutzen.

Aber dies alles kann nur eine Ergänzung dazu sein, unser grundsätzliches Verhalten noch kritischer als bisher zu überprüfen. Nur wenn wir mit dafür sorgen, das die Kernaussagen des WWF Berichtes, zu Verhaltens, – und Konsumveränderungen bei uns allen führen, ändern wir etwas.

Hier noch einmal der Link zu dem Bericht!

https://www.wwf.de/2021/april/die-waldzerstoerungs-weltrangliste

2 Kommentare zu „Waldzerstörer

  1. Vielleicht Anlass daran zu erinnern, dass insbesondere die küstennahen Gebiete Zentraleuropas bereits zur Wende vom 17en zum 18en Jahrhunderts quasi völlig durch Menschenhand entwaldet waren; dies ganz besonders aufgrund des immensen Bedarfs an Holz für den Schiffbau. Seit jener Zeit war der Schiffbau in den Provinzen der Vereinigten Niederlande umfänglich von Holzimporten (in großen Mengen auch aus dem Schwarzwald) abhängig. Soweit mir bekannt importierte die Meyer Werft im 19en Jahrhundert sogar Holz aus den Vereinigten Staaten. Ohne menschlichen Eingriff wäre die Fläche Deutschlands nahezu völlig mit Wald bedeckt; heute sind es noch etwa 30 %, von dem der größte Teil aus aufgeforsteten Gebieten besteht.

    1. Ich kenne keine Zahlen dazu.
      Aber ich glaube kaum dass in der Vergangenheit der Schiffbau der prägende Treiber von Abholzungen war.
      Es gibt interessante historische Abhandlungen zur Entwicklung und dem Landverbrauch und Ressourcenverbrauch von Städten und vor allem der Landwirtschaft.
      Es ist aber auch müssig darüber zu spekulieren. Die Vergangenheit wurde von Generationen mit anderen Wissensständen, Ideen und Vorstellungen geprägt. Wir können diese Zeiten betrachten (was auch wirklich Spaß macht) und aus unserer heutigen Sicht beurteilen.
      Ändern kann man bekanntlich die Vergangenheit nicht. Alletrdings haben wir heute Erkenntnisse die den Zusammenhang aller Dinge auf diesem Planeten verdeutlichen. Wir sind in der Lage zu beurteilen was unser jeweiliges Verhalten bewirkt. Deshalb sind solche Berichte so wichtig. Sie zeigen auf was wir tun können (und sollten) – nicht wahr?

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