Bestmarken!

2021-06-30_16-19-47.jpeg

Einer meiner Bekannten war früher Leistungssportler. Heute führt er sein eigenes Unternehmen. Doch immer wieder beeindruckt er mich mit seinem immer noch hohen Detailwissen über die Entwicklung in seinem alten Sport. 

Er war Triathlet. Und es gibt wenige Sportarten die eine vergleichbare hohe Leistungs,- und Leidensbereitschaft abverlangen. 

Selbstdisziplin, so habe ich es bei meinem Bekannten gelernt, ist elementar.
Man muss die eigenen Stärken, aber auch die Schwächen erkennen. Man muss um sie wissen. Man muss diese annehmen und daran konsequent arbeiten.
Denn die Kräfte im Wettbewerb müssen genau eingeteilt werden.
Und auf gar keinen Fall darf man sich etwas vormachen.
Man darf nicht der Selbstzufriedenheit zum Opfer fallen oder die Schuld für Probleme bei anderen suchen.
Die Abläufe die zum Erfolg führen, müssen mit traumwandlerischer Sicherheit immer und immer wieder trainiert werden. Sie müssen sitzen. 

Mein Bekannter beschrieb mir, das fast alle herausragenden Athleten die Weltbestenlisten ihrer Sportart quasi im Schlaf herunterbeten können. 

In einer sich schnell und gravierend verändernden Welt stellt sich die Frage nach unserer Zukunft. Und unsere aktuellen Antworten gefallen mir nicht immer.

Unsere Bequemlichkeit und Saturiertheit sind, im Vergleich zu den Herausforderungen, krass.
Warum fragen wir nicht viel öfter, was wir in Politik, in Unternehmen, Gewerkschaften und Betriebsräten von anderen Sektoren lernen könnten?
Vom Sport, von der Kunst, der Biologie, der forschenden und suchenden Wissenschaft aber auch von alten Organisationen wie z.B der Kirche oder auch dem Militär?!

Wir stehen alle zusammen vor geopolitischen Verwerfungen, vor gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, ökonomischen und demografischen Herausforderungen. 

Wissen wir, wie die Leistungssportler, wo die Bestmarke in dem Feld liegt, in dem wir uns dem Wettbewerb stellen?!  Oder vielleicht wollen wir es auch gar nicht wissen?
Verweigern uns lieber der Erkenntnis, da diese zum Handeln führen müsste? 

Stellen wir uns die Frage nach der Höchstleistung, dem Maßstab den andere prägen, so nachdrücklich wie es die Sportler machen?
Denn nur dann ist man nicht mehr Amateur, sondern spielt in der Liga der Profis.

Na, – fallen Euch auch Beispiele ein, wo wir aus verschiedenen Gründen gar nicht gerne wissen wollen, wie und wo der sogenannte „Vergleichsmaßstab“ ist? 

Krummer Baum

2021-06-25_11-41-56.jpeg

Heute Morgen durfte ich wieder einmal ein inspirierendes Gespräch mit einem guten Bekannten, einem sehr interessanten und klugen Menschen führen. Wir schauten beide auf etliche Jahrzehnte des gemeinsamen Gedankenaustausches zurück. Dabei unterhielten  wir uns auch über die verschiedenen Lebenswege von uns gut bekannten Personen.

Täuscht der Eindruck, oder waren die Lebensläufe früher viel „kurviger“ und abenteuerlicher und nicht so „berechenbar“, fast schon systematisch schnurgerade wie dies heute oftmals der Fall ist?

Dabei denke ich an eine asiatische Weisheit zurück, die mich in der Reflexion für mein eigenens Leben immer zufrieden und glücklich gemacht hat:

„Der krumme Baum lebt sein Leben!
Der gerade Baum wird ein Brett.“

Strafe dank Zeus …..

2021-06-23_18-07-40.jpeg

Gerade verfasse ich wieder einmal Notizen zu verschiedenen Gesprächen. Dies sind ja auch irgendwie Nacherzählungen.
Und dabei fliegen meine Gedanken zurück an ein Erlebnis aus meiner Schulzeit.
Mein Buchhunger war groß. Und eine gewisse Zeit war ich geradezu besessen von den griechischen Sagen.
In der Schule hatten wir ein kleines weißes Buch mit den prägnantesten Legenden dazu erhalten. Und ich hatte ganz genaue Vorstellungen der Helden.
Im späteren Leben waren alle Filme, um und über griechische Heroen, nur schwache und unzulängliche Kopien im Vergleich mit meinen damaligen Vorstellungen.
Eines Tages arbeiteten wir in einer Deutschstunde eine der Erzählungen durch und mussten in der darauffolgenden Stunde eine Nacherzählung dazu schreiben.

Dabei machte ich einen wirklich ärgerlichen Fehler.
Statt die mir so geläufige Sage mit meinen eigenen Worten zu schildern, gab ich diese einfach Wort für Wort wieder. Zwei Tage später bekamen wir unsere Arbeiten zurück. Bei mir prangte eine unübersehbare dicke fette rote 6 auf den Blättern!
Meine Lehrerin übergab mir meine Ausarbeitung mit wütenden Blicken. „Betrug lohnt sich nicht„, zischte sie. Sie war der festen Überzeugung ich hätte, von ihr unbemerkt, irgendwie abgeschrieben. Es war ganz flüsterleise in der Klasse.
Die Blicke meiner Mitschüler*innen waren unangenehm. Und der Vorwurf des Betruges rührte an meiner Ehre.
Zuerst etwas unsicher und leise, dann aber immer energischer protestierte ich. Doch mein Widerspruch wirkte wie ein Brandbeschleuniger für den Frust meiner Lehrerin. Leider wurde ich durch meinen Tischnachbarn bei der Nachfrage, ob er von dem Betrug etwas gemerkt habe, nicht gerade unterstützt.
Er gab lediglich ein undefinierbares Genuschel von sich.
Die Auseinandersetzung eskalierte leider immer mehr und meine Lehrerin warnte mich wutbebend vor einem Termin bei dem Schuldirektor.
Ein Einlenken war ohne bedingungslose Kapitulation nicht mehr möglich. Und da ein Wymeester Junge in Ehrenfragen selten nachgibt, befanden wir uns kurze Zeit später im Zimmer von Direktor de Buhr.
Er hörte sich beide Seiten an.
Strenge Blicke beider Lehrer trafen mich wie die Blitze des Zeus (um im Bild zu bleiben).
Natürlich blieb ich bei meinem Widerspruch und stritt den Vorwurf des Betruges bei einer Klassenarbeit strikt ab. „Wir können das Ganze ja leicht klären„, meinte der Direktor. „Ich beginne eine Passage aus dem Buch und Du vervollständigst das Ganze – in Ordnung?“ Siegessicher schaute er meine Deutschlehrerin und mich an. Er schlug das kleine Heft auf und begann die entsprechende Passage vorzulesen, – hörte auf, blickte mich an und …… ich vervollständigte das Kapitel Wort für Wort.
Meine anfängliche Unsicherheit schlug um in ein siegesgewisses Grinsen.
Schon etwas hektischer wurden Seiten umgeblättert. Die nächste Passage.
Und wieder eine Kleinigkeit bei der Wiedergabe.
Der Direktor schlug die ersten Seiten auf, dann die letzten und wieder einen Part in der Mitte des Buches. Ich kannte das Buch auswendig.
Schweigen erfüllte den Raum und ich sah einen ratlosen Schuldirektor und eine Lehrerin mit einem hochroten Kopf.
Tja liebe Kollegin„, so der Direktor. „Der Junge scheint tatsächlich das ganze Buch auswendig gelernt zu haben„. „Aber warum?“ – so seine Frage an mich.
Diese Frage war überraschend und ich hatte keine passende Antwort.
Ich kann es eben“,  stammelte ich nur und wurde in die Pause entlassen. Natürlich musste ich erzählen, wie es mir ergangen war. 

Schon damals konnte ich allerdings feststellen, dass die Fähigkeit zum fehlerfreien Rezitieren griechischer Sagen nicht dazu taugt, Eindruck bei den Mädchen zu machen.
Die 6 in der Klassenarbeit wurde ersetzt. Der Vorwurf des Betruges war aus der Welt. Allerdings wurde meine Arbeit als die schlechteste Nacherzählung der ganzen Klasse beispielhaft seziert und mit einer 4 Minus abgestraft.  

Wer bleibt?

Einige überaus kritische Briefe und Gespräche lasse ich etwas „nachklingen“. Anmerkungen mit Gehalt und Tiefgang machen mich nachdenklich. Darüberf freue ich mich. Anderes ruft Ärger hervor.

Für nur wütende, aggressive, unsachliche, vorhersehbare und unanspruchsvolle Kritik fällt mir ein schöner Satz von Theodore Roosevelt ein, den ich hier etwas abgewandelt habe:

„Es ist am Ende nicht der Kritiker, der zählt.
Er oder Sie ist auch nicht die Person die am Ende wichtig sind.
Denn Geschichte schreiben nicht jene die stets mit dem Finger auf andere zeigen wenn diese irren oder wenn sie stolpern… Die Anerkennung bekommen die Akteure in der Arena.“

Ära

2021-06-22_09-30-02.jpeg

In den letzten Tagen beendete ich einen, von mir lange Jahre am Leben erhaltenen und sehr geschätzten Diskussionskreis.
Die dort geführten leidenschaftlichen Debatten über die Arbeitswelt verlangen meines Erachtens, das man in derselben auch noch stehen sollte.
Mehr als drei Jahrzehnte konnte ich dort Ideen und Gedanken austauschen und diese im Feuer der Kritik dahinschmelzen, oder aber bestärkt und gestählt sehen.

Einer meiner Freunde sprach angesichts meines bevorstehenden Ruhestandes vom Ende einer Ära. Dieser Begriff schmeichelte mir, gleichzeitig fühlte er sich etwas unangenehm und übertrieben an.
Andererseits macht dieses selten gebrauchte Wort auch deutlich, was wir mit einer Ära verbinden. 

Die Kollegen begründeten ihre Einschätzung mit meinem Lebenslauf.
Daran, mit welcher Leidenschaft ein Spagat gelebt wurde.
Den steten Kampf mit mir selber, mit meiner Herkunft, meiner Realität  und mit anderen um den Begriff und den Inhalt des Begriffes Loyalität.
Die konsequente Arbeit zum Wohlergehen und Entwicklung des Betriebes wie aber auch der emotionale und temperamentvolle Wille zur wertschätzenden und würdevollen Behandlung der arbeitenden Menschen. All dies sei in und durch die Biografie begründet worden. Die Kooperation und gleichberechtigte Interaktion zwischen Management und Arbeitnehmervertretung sei, von außen betrachtet, ein bedeutsames Alleinstellungs-merkmal gewesen. Die Politiker in der besagten Runde (die uns weiß Gott nicht immer nur wohlgesonnen waren) betonten, wie schier unüberwindbar dieses Bollwerk für sie gewesen sei.

Doch kann man beanspruchen eine Ära eingeleitet oder repräsentiert zu haben?
Und folgt daraus, dass eine Ära endet, wenn die Wirkungszeit eines Menschen ein Ende hat? Und ist eine Ära überhaupt an einzelnen Personen festzumachen?
Prägen nicht vielmehr Zufälle, plötzliche Einflüsse und ein jeweiliger Zeitgeist einen Zeitabschnitt? 

Doch, wie schon gesagt, mit einer Ära in Verbindung gebracht zu werden, schmeichelt auch. Denn sie ist in unserer Vorstellung etwas durchaus Großes, etwas einschneidendes. Eine Ära hinterlässt „Spuren im Sand der Geschichte“. Sie ist bemerkenswert. 

In der Hektik unserer kurzlebigen Zeit ragt die Ära als Bild (manchmal auch als Fantasiegebilde) heraus.
Es ist auf eine gewisse Art eine beruhigende Verlässlichkeit im steten Auf und Ab unberechenbarer Zeitläufe. 

Der Begriff der Ära lässt uns hoffen oder glauben, dass nicht die plötzliche und abrupte Disruption, sondern längerfristige Verläufe geschichtlich gesehen die Regel sind.

Ruhe ist ansteckend

2021-06-21_10-33-28.jpeg

Friedrichstadt/ Schleswig Holstein

Einige Tage Ausbruch aus dem täglichen Wahnsinn.
Ein Wochenende am Wasser und in der Natur.
Abseits großer Städte und ihrer vibrierenden Hyperaktivität. 

So wohltuend. Auf dem Fahrrad durch Wälder, Wiesen und wunderschöne kleine Dörfer. Eine Wohltat für Körper und Geist. Und die Gedanken bekommen Flügel.

Nietzsche sagte einmal:
„Nur die Ideen, die man beim Wandern entwickelt, sind es wert“.
Nun ja – als begeisterter Fahrradfahrer würde ich diesen Satz etwas erweitern und umformulieren. Doch er beinhaltet einen wahren Kern.
Um zu uns zu finden, um unsere Gedanken zu ordnen, brauchen wir vor allem Ruhe.
Ein Satz wie aus der Zeit gefallen, angesichts sich unablässig und aufdringlich meldender Handys, jederzeitiger Erreichbarkeit und einer lauten aufmerksamkeitsheischenden immerwährenden Informationsüberflutung. 

Die US Navy Seals haben ein Motto für ihre Offiziere das sie immer weiterreichen.
„Ruhe ist ansteckend“.

Und so ist es auch.
Wenn alle anfangen wirres Zeug zu reden, wenn immer nur Streit und Stress statt Lösungen produziert werden, wenn Ängste, Verunsicherung und Aggressionen wuchern wie giftige Schlingpflanzen, dann ist es an der Zeit, einen ausführlichen Spaziergang oder eine Fahrradtour in der Natur zu machen. 

Ideal, wenn man das unendliche Meer vor sich hat, um in einen Gleichklang der Gedanken und zur Ruhe zu kommen.
Es genügt aber auch schon das Hineinlauschen in unseren typischen norddeutschen Wind. Wie seine Kraft wogende Grasmeere erzeugt, oder mit ganz unterschiedlichen Tönen durch die Bäume streift. 

Es hilft dabei die Ruhe zu bekommen, die es braucht nicht der Aufrührer, der Paranoide, der Wütende, der Sorgende oder Irrationale zu sein.
Und das ist ja in diesen Zeiten auch schon viel wert!

Alles soll so bleiben wie es ist!?

2021-06-15_10-02-11.jpeg

Ein Gesprächspartner sagte mir heute Morgen im Brustton der Überzeugung:

„Muss sich denn alles ändern?
Wer sagt das denn?
Ich möchte das alles so bleibt wie es ist“. 

Damit spricht er sicherlich vielen Menschen aus dem Herzen.
Und auch ich schaue mit einigem Bedauern auf liebgewordenes, auf Gewohntes, das nicht mehr en vogue ist, das verschwindet.
Wichtig ist die Erkenntnis, dass nur dann alles so bleibt, wie es ist, wenn wir akzeptieren und zulassen, das sich alles verändert. 

Denn nichts auf dieser Erde ist dauerhafter als die Veränderung (Heraklit).
Sie ist die Essenz aller Zeiten.

Am Bullauge

Am Wochenende war ich wieder einmal kurz davor eine ausführliche Presseschau zu machen.
Der Zeigefinger schwebte über der Maustaste. Die tägliche Sammlung von relevanten Berichten, sortiert nach Schlagzeilen, – nur einen Mausklick weit entfernt.
Und ich wusste das ich mich wieder einmal ärgern würde.
Deshalb fragte ich mich, warum ich mir dies eigentlich antun sollte.
So viele Nachrichten an denen ich sowieso nichts mehr ändern konnte.
So viele Verrücktheiten über die ich nur noch den Kopf schütteln kann.

Seit Monaten vermeide ich Morgens die sonst jahrelang üblichen vielen verschiedenen Nachrichtenmedien, die Schlagzeilenübersicht, die sogenannten „Breaking News“. Stattdessen liegt neben mir ein gutes Buch.
Und nach einer kurzen Entzugsphase geht es mir richtig gut dabei.

Ich bin Schiffbauer und weiß recht gut was einem Schiff gefährlich werden kann.
Es ist nicht der Sturm, oder eine stürmische See mit hohen Wellen die sein Schicksal besiegeln können. Ein Schiff gerät in Not und kann verloren gehen, wenn Wasser eindringt.

Und so wie man ein Schiff sturmfest macht, indem man die Luken verriegelt, so muss ich verhindern mit Nachrichten geflutet zu werden die in meinem Inneren nichts zu suchen haben. Nachrichten und Schlagzeilen, die mich weder klüger und vor allem nicht zufriedener machen. Und für diese gibt es heute so undenklich viele Zuflüsse und Kanäle (Fernsehen; Radio; Zeitungen; Internet).
Doch ich versuche immer mehr den Zufluss rigide zu begrenzen, bzw. diese einfach auszusperren.

So gelangen sie nicht in mein Leben (wenn ich es nicht möchte). So füllen sie mich nicht, ich kann nicht untergehen und verfolge den Sturm, wenn ich möchte quasi vom stabilen Bullauge aus. Auch nicht schlecht – oder?

Das Holz wird so teuer…

2021-06-10_08-13-52.jpeg

Gestern regt sich einer meiner Gesprächspartner darüber auf das China so viel Holz aufkauft das es hier für Bauherren immer teurer wird.
So viel Empörung würde ich mir auch wünschen, wenn es um den stetigen Aderlass in unserer industriellen Wettbewerbsfähigkeit geht.
Schaut sich wohl einer mal die Wirtschaftsdaten von China an? Dieser autoritäre diktatorische Staat entwickelt sich zum großen Gewinner dieser Zeit.
Geopolitisch, militärisch und wirtschaftlich.
Mir wird ganz anders, wenn ich mir unter wirtschaftspolitisch strategischen Perspektiven anschaue was gerade passiert.
Wir alle sind so unglaublich satt und so selbstzufrieden das wir die agile Beweglichkeit, die Aggressivität und strategisch langfristigen Aktivitäten aus China einfach ignorieren.
Wir geraten zwar zunehmend auf die wirtschaftliche und technologische Verliererstraße und nehmen es doch mehr oder weniger achselzuckend zur Kenntnis.
Wir beschäftigen uns lieber mit uns selber.

Heute werden die Weichen für die Zukunft gestellt. Ist das eigentlich jedem klar?
Heute und nicht morgen entscheiden wir über den möglichen Wohlstand oder den Abstieg zukünftiger Generationen.
Heute entscheiden wir ob unser Land in den nächsten Jahrzehnten nur noch die Werkbank für ein immer stärker werdendes China sein wird.

Nach vielen technologischen und wirtschaftlichen Erfolgen greift China jetzt mit aller Macht auch den Hochtechnologieschiffbau an. Welche Antworten gibt es darauf? Alle Erfahrungen mit anderen Sektoren die schon verloren gingen zeigen, es wird ein unglaublich harter Kampf werden.
Doch wenn ich mir anschaue wie derzeit von der IG Metall, von der Politik und von den Medien in einer existenziellen Krise auf die letzte große deutsche Werft eingeprügelt wird, dann habe ich so meine Zweifel ob wir verstanden haben was die Aufgaben sind. Es ist bemerkenswert das in dieser Gesellschaft Arbeitsplätze aber auch die ökonomischen Rahmenbedingungen mittlerweile keine so große Rolle mehr spielen.
Ich merke dies in meiner Arbeit jeden einzelnen Tag.
Es kann mir zwar keiner beantworten welche Alternativen es für die Menschen und die Region gibt, wenn die Werft wesentliche Teile der Produktion oder gar den Standort verlieren würde. Eine solche Entwicklung wird aber auch irgendwie gleichgültig in Kauf genommen. Irgendetwas wird sich da ja schon finden?
Die brutalen Fakten sprechen zwar eine andere Sprache (siehe Grafik) aber wen interessieren im Moment schon noch Fakten – nicht wahr?

2021-06-10_08-07-27.jpeg
Was sagt uns diese Entwicklung?
Welche Lehren ziehen wir daraus?
Tun wir angesichts dieser Entwicklung alles, um bestehende Unternehmen zu erhalten? Ich habe einen anderen Eindruck.
Es ist in Niedersachsen nicht leicht Werftunternehmer zu sein.
Und es ist in Deutschland generell nicht leicht Familienunternehmen zu sein.
In der Regel spielen diese nur in Sonntagsreden eine große Rolle.
Ansonsten sind sie dankbares Opfer für politische Zerrbilder und Melkkühe für eine überbordende Bürokratie und Regulierungswütige Dogmatiker.

Schade. In unserem Land bräuchten wir gerade jetzt eine ganze Generation von Gründern von mutigen Unternehmerinnen und Unternehmern.
Funktionäre habe wir mehr als genug.

Wie sagte Henry Ford:
„Es gibt mehr Leute die kapitulieren als solche die scheitern“.

Negative(s) kann man vergrößern….

2021-06-07_11-41-23.jpegIn den letzten Tagen wurde wieder einmal, wie so oft in den letzten Monaten, über den richtigen Weg aus der schlimmen Krise unserer Werft gestritten.
40% unseres Arbeitsvolumens für die nächsten Jahren wurde durch die Corona Krise pulverisiert.
Um eine solche Krise zu überleben muss man, wie bei einer schweren Krankheit, nicht nur reden und theoretisieren sondern Taten folgen lassen.
Man muss handeln. Denn die einfachste Art ein Problem zu lösen, ist es zu lösen!

Unser Seniorchef hat die Belegschaft am Samstag mit einer digitalen Information und in der ihm eigenen Weise über die Situation informiert. Er spannte dabei einen Bogen aus den Erlebnissen seiner 48 jährigen Leitung der Werft bis in die Gegenwart.

Während der größte Teil der deutschen Werften in den stetigen Krisen der letzten Jahrzehnte kapitulieren musste, hat die Meyer Werft diese überstanden. Dies gelang einerseits durch eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung. Es war aber andererseits insbesondere das Ergebnis von mutigen Entscheidungen des Unternehmers Bernard Meyer.

Wer, außer einem Vollblut Familienunternehmer hätte es denn gewagt, inmitten der vielen Schiffbaukrisen eine komplett neue Werft aufzubauen?
Wer außer einem leidenschaftlichem Familienunternehmer hätte denn wirklich restlos alle Reserven mobilisiert um gerade in Krisenzeiten in die Werft und den Standort zu investieren?

Ich habe selber erlebt wie wir von den damaligen großen Werften belächelt und bemitleidet wurden, als unsere Werft in den schwierigen Spezialmarkt des Kreuzfahrtschiffbaus eintrat. Und es war eine richtige und wegweisende Entscheidung. Wäre sie nicht gefällt worden, – wir wären heute nur noch Geschichte.

Als die bis dahin größte Schiffbauhalle der Welt gebaut werden sollte waren wir im Betriebsrat sehr skeptisch. Hatten wir doch damals eine Zeit in der eine große deutsche Werft nach der anderen unterging.

Doch der ansteckende Optimismus von Bernard Meyer spülte alle Bedenken hinweg.

Nur ein Familienunternehmer, der sich einer langen Tradition und nicht anonymen Aktionären verpflichtet fühlt, war in den vielen schwierigen Jahren in der Lage, solche schnellen, mutigen und strategischen Entscheidungen zu treffen.
Was hätte da wohl ein Aufsichtsrat gesagt?

In der Geschäftsleitung gab es vor einigen Jahren Bedenken gegen ein Engagement bei der Werft in Turku. Ich gehörte selber zu denen die kritisch waren.
Doch letztendlich gab der unternehmerische Instinkt den Ausschlag. Was wäre passiert wenn B.Meyer nicht den Mut und die Courage für diese Entscheidung gehabt hätte?
Viele Aufträge wären an uns vorbeigezogen. Ohne Turku hätte Papenburg in den letzten Jahren kaum diese beeindruckende Entwicklung machen können.

Und heute haben wir eine der größten und gefährlichsten Krisen der letzten Jahrzehnte. Noch nie war die Zukunft der Werft und tausender Arbeitsplätze derart in Gefahr.
Und wie ist die Reaktion?
Statt die bewährten Werkzeuge zu nutzen, einen Blick auf die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte zu werfen, gehen IG Metall und Betriebsrat eine gewagte Wette ein.

Statt darauf zu vertrauen dass der erfolgreichste Werftunternehmer Deutschlands weiß wie die Werft diesen katastrophalen Sturm übersteht und auf eine geschlossene und kooperative Zusammenarbeit zu setzen, bevorzugt man die offene Konfrontation.

Eine wirklich riskante Strategie.
Und der Wetteinsatz für diese Strategie sind möglicherweise unzählige Arbeitsplätze oder gar der ganze Standort.
In einer solchen Krise dieser Dimension machen wir alle Fehler.
Auch wir als Geschäftsleitung. Aber nichts zu tun, aus Angst vor unpopulären Enstcheidungen, den naiven Glauben zu pflegen das alles wieder so wird wie vor der Krise ist hochgradig gefährlich und verantwortungslos.

Die Eigentümerfamilie und die Geschäftsleitung werden von einer eigenartigen Koalition aus typischen Werfthassern, ultralinken Gruppen, und leider auch von der Führung der örtlichen IG Metall mit einem Trommelfeuer von Anschuldigungen, Vorwürfen und Gerüchten überzogen.
Aus Halb,- und Unwahrheiten, populistischen, spaltenden und politisch heiklen Sprachmustern („Der große geplante Austausch“; Stamm vs. Fremde; das Management nutzt die Krise nur….) entsteht eine giftige Brühe in der nichts gutes mehr wachsen kann.

Und mit Gerüchten und Fehlinformationen ist es wie bei der alten Fotografiertechnik. Hat man erst einmal ein Negativ, kann man es beliebig vergrößern.

Diese Konfliktstrategie hat bei anderen Werften immer und immer wieder ins Desaster geführt.
Der Versuchung einen solchen Weg zu gehen, haben wir in Papenburg in den letzten Jahrzehnten  immer wiederstanden. Dies war gut für den Standort, für die Entwicklung und Sicherung der Arbeitsplätze, letztendlich für die Entwicklung der ganzen Region.

Die Menschen müssen sich jetzt tatsächlich entscheiden.
Wem vertraut man sein Schicksal an?
Wem traut man in diesem zerstörerischen Sturm zu, den richtigen Weg aus dieser Krise zu finden?

Diese Entscheidung müssen alle Beteiligten für sich und ihre Familien, für ihre Freunde, Bekannten und Nachbarn treffen.
Alle Fakten sind bekannt.

Und so gilt die alte Wahrheit:
„Wer sich von der Wahrheit nicht besiegen lässt, der wird vom Irrtum besiegt“.