Die Chinesen beißen vor Vergnügen in die Tischkante

Ich lese gerade, dass sich die Geschäftsleitung der Meyer Werft schämen soll.
Geäußert wird dies vom Gesamtbetriebsrat von Volkswagen.
Und natürlich tragen die IGM Leer und der Betriebsrat der MEYER WERFT diese Solidaritätserklärung wie eine Monstranz herum. Stolz werden Likes verteilt und das Schreiben wird auf allen sozialen Kanälen verbreitet.

In ihrer vergifteten Solidaritätserklärung monieren die Volkswagen Betriebsräte darüber hinaus, wie die Werft verantwortlich sei für die Zerstörung der Ems.
Ganz unverblümt und offenbar ohne jedwede Sachkenntnis stellen sie den Standort der Werft in Frage. Sie machen sich gemein mit all denen, die die Papenburger Werft und die Arbeitsplätze seit Jahrzehnten bekämpfen.
Doch die IG Metall Leer und der Werft Betriebsrat übersehen all dies geflissentlich, weil sie, wie leider so oft, wieder einmal nur die ersten Zeilen einer Stellungnahme oder eines Berichtes lesen. Hauptsache die Unternehmensleitung wird möglichst populistisch kritisiert.

Über lange Jahrzehnte war Papenburg bei der Konkurrenz gefürchtet und geachtet. Weil alle wussten, welch einmaliger Schatz diese Werft für unsere Region ist, wurde gemeinsam alles getan um die Werft stark und immer stärker zu machen.
Bestehende Konflikte wurden nicht auf offener Bühne, sondern außerhalb der Wahrnehmung von Politik und Medien in geschlossenen Runden konsequent und hart ausgehandelt. Diese Betriebspolitik war erfolgreich und führte unter anderem dazu, dass der Standort nicht nur überlebte, sondern sogar wuchs und gedieh während andere Werften untergingen.
Dieses Kooperationsmodell der Betriebsparteien, (auf Krawall fixierte Journalisten bezeichnen dies als Kuschelkurs) zu kritisieren, ist heute wohlfeil. Ob die Konfliktorientierte und linksideologische Arbeitnehmerpolitik ähnliche Erfolge für die Menschen aufweisen kann wird erst die Zukunft zeigen.

Doch zurück zu der pikanten Stellungnahme des VW – Betriebsrates. Die Meyer Werft Geschäftsleitung wird vom Betriebsrat eben jenes Konzerns angeklagt, der an vielen Stellen der Welt wegen eines dreisten Betruges bei Diesel Abgaswerten vor Gericht steht. Statt aber etwas mehr Zurückhaltung und Demut zu üben zeigen die VW – Betriebsräte, die im Aufsichtsrat bei allen Entscheidungen dabei waren, mit dem Finger auf andere.
Die Werft wird von just dem Betriebsrat kritisiert, der in einer Zeit. als Volkswagen in der Krise war, die Gründung einer Tochter (Autovision) mittrug. Einer Tochter die deutlich unter dem VW Tarif bezahlte. Und wo in Wolfsburg mit dem System 5000 x 5000 ein gezieltes Outsourcing als Erfolg mitgetragen wurde.
Die Strategie der Meyer Geschäftsleitung zum Überleben des Standortes wird von dem Betriebsrat verdammt, der in der Krise mehr als 23% Kürzungen bei den Mitarbeiter*innen beschloss. Einem Sparkurs, der ungleich härter war als jene Ansätze die bei der Werft Geschäftsleitung in einer ungleich größeren Krise vorgeschlagen werden. Der VW Betriebsrat hat (richtigerweise) all die notwendigen Maßnahmen in der Krise mitgetragen.

Wie selbstgerecht muss man eigentlich sein, um so völlig ohne Reflexionsfähigkeit über andere ein Urteil zu fällen? Und wie blind oder extrem kurzsichtig muss man als örtliche IG Metall und als Werft Betriebsrat sein um diesen Widerspruch nicht zu erkennen? Oder war die Solidaritätserklärung eine Bestellung aus der IGM Verwaltungsstelle Leer/Papenburg?

Die Besessenheit bei dem Kampf örtlicher IG Metall Funktionäre und einiger traditionell Werft hassender Medienvertreter (allen voran Frau Gerlach vom NDR) gegen die letzte große Werft in Deutschland ist schon bemerkenswert. Hier wird von einer unseligen Koalition ein Familienbetrieb bis aufs Blut bekämpft. Es macht nachdenklich wie der NDR vor Ort mit Frau Gerlach hier die mediale Sperrspitze bildet.

Familienbetriebe werden in diesem Land oft nur in Sonntagsreden gelobt. In der wirklichen Wirklichkeit werden sie als Melkkühe gesehen. Sie dienen als Zerrbild in politischen Kampagnen. Sie werden mit einer Flut an immer neuen Regeln und Vorgaben gelähmt und mit überbordender Bürokratie zu Boden gepresst.
Ich hatte in meinem vorherigen Blog schon einmal darauf verwiesen wie sehr dieses Land eigentlich auf eine neue Generation von Gründern angewiesen ist. Doch statt Menschen die etwas wagen, die etwas unternehmen, wächst die Kaste der Funktionäre denen Leistungsbereitschaft, Dynamik und Wagemut suspekt ist. Die eben durch „nicht machen“ aber „alles besser wissen“ auffallen. Die als Funktionäre lediglich im System funktionieren.

Doch zurück zur Werft. Es wird spannend sein zu beobachten wie lange die Loyalität der Menschen anhält. Irgendwann wird auch der/die letzte merken wie hier aus ideologischen Gründen gegen die Interessen der eigentlich betroffenen gearbeitet wird.

Wenn die Selbstzerfleischung, die politischen Flutwellen gegen den letzten großen Schiffbauer, der Brandmauer gegen einen Triumphzug von China, von diesen beobachtet wird, was denkt man wohl in Peking?
Ich glaube diese beißen vor Vergnügen in die Tischkanten.

Aber ich hoffe die Menschen merken, auch durch solche merkwürdigen Solidaritätsadressen wie die des VW – Betriebsrates, was tatsächlich passiert.

Denn wie schrieb schon Erich Kästner:

„Was immer auch passiert,
nie dürft ihr so tief sinken,
von dem Kakao durch den man euch zieht
auch noch zu trinken!“

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