Am Bullauge

Am Wochenende war ich wieder einmal kurz davor eine ausführliche Presseschau zu machen.
Der Zeigefinger schwebte über der Maustaste. Die tägliche Sammlung von relevanten Berichten, sortiert nach Schlagzeilen, – nur einen Mausklick weit entfernt.
Und ich wusste das ich mich wieder einmal ärgern würde.
Deshalb fragte ich mich, warum ich mir dies eigentlich antun sollte.
So viele Nachrichten an denen ich sowieso nichts mehr ändern konnte.
So viele Verrücktheiten über die ich nur noch den Kopf schütteln kann.

Seit Monaten vermeide ich Morgens die sonst jahrelang üblichen vielen verschiedenen Nachrichtenmedien, die Schlagzeilenübersicht, die sogenannten „Breaking News“. Stattdessen liegt neben mir ein gutes Buch.
Und nach einer kurzen Entzugsphase geht es mir richtig gut dabei.

Ich bin Schiffbauer und weiß recht gut was einem Schiff gefährlich werden kann.
Es ist nicht der Sturm, oder eine stürmische See mit hohen Wellen die sein Schicksal besiegeln können. Ein Schiff gerät in Not und kann verloren gehen, wenn Wasser eindringt.

Und so wie man ein Schiff sturmfest macht, indem man die Luken verriegelt, so muss ich verhindern mit Nachrichten geflutet zu werden die in meinem Inneren nichts zu suchen haben. Nachrichten und Schlagzeilen, die mich weder klüger und vor allem nicht zufriedener machen. Und für diese gibt es heute so undenklich viele Zuflüsse und Kanäle (Fernsehen; Radio; Zeitungen; Internet).
Doch ich versuche immer mehr den Zufluss rigide zu begrenzen, bzw. diese einfach auszusperren.

So gelangen sie nicht in mein Leben (wenn ich es nicht möchte). So füllen sie mich nicht, ich kann nicht untergehen und verfolge den Sturm, wenn ich möchte quasi vom stabilen Bullauge aus. Auch nicht schlecht – oder?

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