Weniger als ein Goldfisch!

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Bild von Michael Rühle/Pixabay

Mir kommt es manchmal so vor, als das die Drehbücher von Hollywood Action Filmen kaum noch an die Realität heranreichen. Atemlos, so scheint es, taumeln wir von einer Krise zur nächsten. 

Eine Jahrhundert Pandemie, brennende Urwälder, brennende Urlaubsparadiese, Hochwasser und jetzt Afghanistan. 

Jeden Abend irgendein Spektakel. Die mediale Intensität ist betäubend und grell. Und doch wird es in wenigen Wochen so sein wie immer. 

Die Aufmerksamkeitsquote von uns Menschen liegt erwiesenermaßen unter der eines Goldfisches. 

  • Wie heißt auch noch der brasilianische Präsident, der den Amazonaswald abfackeln lässt, damit wir noch mehr billiges Rindfleisch kaufen können? 
  • Wie höllisch heiß war es noch in Kanada? 
  • Wie viel Hektar brennen in Kalifornien, Sibirien, Griechenland, Afrika?
  • Was ist mit den in chinesischen Folterkerkern vermodernden Menschenrechtlern aus Hongkong? 
  • Und wie hießen auch noch die todbringenden vormals kleinen Flüsse in NRW und Rheinland Pfalz?

Wir alle haben ein extremes Kurzzeitgedächtnis, reagieren aber zuverlässig kurzfristig emotional. Wut oder wahlweise Scham, Entsetzen, Häme und über die Sozialen Medien zigtausendfach geäußertes Besserwissertum. 

Und ich stelle mir einige kritische Fragen:

Was machen wir als Gesellschaft mit den jeweiligen Erkenntnissen und Einsichten in Notwendigkeiten? Wie leiten wir unsere Emotionen hin zu faktischem Wissen, um zu lernen und vor allem um Maßnahmen abzuleiten und diese einzufordern?

Unbequeme Fragen die uns aus der Zuschauerrolle, aus dem Fernsehsessel in die Verantwortung ziehen müssten.
Ehrlichkeit bedeutet die Bereitschaft zu Veränderungen bis weit in den persönlichen Bereich hinein, um unser Klima zu schützen und nicht nur populistisches Politiker Bashing zu betreiben.  Angesichts unserer brennenden Erde (von der wir nur eine haben) sollte diese persönliche Willigkeit den Tag überdauern und nicht von der nächsten Schlagzeile in die nächstbeste Rumpelkammer geschoben werden. 

Die millionenfachen Flüchtlingsströme auf der Welt sollten uns zu mehr bewegen als einmal im Jahr zu einer Spende in der Weihnachtszeit. Und die immer wieder unmittelbar sichtbare Hilflosigkeit bzw. Abhängigkeit unserer europäischen Armeen vom Schutz der US-Amerikaner, sollte zu unbequemen Fragen bzgl. einer effektiven Verteidigung und einer europäischen Schlag,- bzw. Handlungskraft führen – oder? 

Doch neben den beschriebenen schlagzeilenträchtigen medialen Discokugeln bildet so vieles andere eine große Klammer, die mich nachdenklich macht. 

Der permanente Krisenmodus zeigt gnadenlos Stärken und auch Schwächen des Landes und unserer Gesellschaft.

Was haben Corona und die daraus erkennbaren Folgen, das beschämend schlechte Mobilfunknetz, die bröckelige Digitalisierung von Behörden und Schulen, die Schmach eines Berliner Flughafens an dem man mehr als ein Jahrzehnt herumstümpert (BER),  Stuttgart 21 oder z.B regional die Friesenbrücke mit Afghanistan zu tun? 

Es ist alles quälend langsam geworden.

Könnte es daher nicht sein, dass genau das, was in Kabul jetzt brutal sichtbar wird, mehr oder weniger ein Spiegelbild unserer Gesellschaft ist? 

Gutmütig, aber auch behäbig, quengelig und geschwätzig?! Im Grunde aber zufrieden mit dem wie es ist, saturiert und überall heftig festgerostet? 

Unser altes Land, unsere alten Eigenschaften die wir immer noch wie eine in die Jahre gekommene und von Motten zerfressene Traditionsfahne vor uns hertragen ist uns irgendwie verloren gegangen.

Statt Effizienz, Disziplin, Pragmatismus und schnellen konsequenten und mutigen Entscheidungen sind wir erschreckend oft ein Land von Langsamkeit, Bedenken, Formalismus und überbordender Bürokratie geworden. Der Glanz vom Modell Deutschland blättert in dieser Neuen Welt wie alte Farbe von einer ungepflegten Fassade.   

Ist dieser Befund vielleicht etwas zu krass? Ich habe lange überlegt und schließe diese Gedanken mit folgenden Überlegungen: „Wenn wir heute ein Bauprojekt, eine Idee, eine Initiative oder was auch immer anstoßen möchten – glauben wir, das dies schnell, unbürokratisch, flexibel und pragmatisch gelöst wird? 

Wir kritisieren Politiker so schnell – es ist ja eine Art Volkssport geworden. Doch würden wir Menschen bewusst wählen, die uns ungeschönt und aufrichtig die Wahrheit sagen? Die uns aus dem bequemen Fernsehsessel aufscheuchen und uns mit der realen sich dramatisch verändernden Welt und den großen Herausforderungen konfrontieren?!“ Und belohnen wir alle oder auch die Medien Menschen, die mal etwas wagen und vielleicht auch damit scheitern mit Respekt?
Kübelweise Häme, Spott und Vorwürfe und thematische Aufarbeitungen in krawalligen Fernsehshows sind garantiert. 

Also ich bin da völlig ohne Illusionen.
Was würde wohl mit der oder dem passieren, der konkret eine Agenda 2030 einfordern würde? 

Und umso drängender stellt sich die Frage wie wir aus all den Warnzeichen und Erlebnissen lernen, besser und anders werden können?
Wie können wir diesen in unserer Geschichte so wunderbar einmaligen demokratischen Staat weiterentwickeln, unsere Politik und Politiker stärken, ermutigen und ermächtigen das Richtige zu tun, und wie verhindern wir damit, das sich Giftpilze wie die AfD auf den Ausscheidungen von ziellosen Emotionen entwickeln können?