Damit hatte Napoleon recht …..

„Nimm dir Zeit zum Nachdenken, aber wenn die Zeit zum Handeln gekommen ist, dann höre auf nachzudenken und handle“.

Die jetzt so oft beklagte gravierende Abhängigkeit von russischem Gas spült eine durchaus bekannte Gefahr an die Oberfläche.
Die Bedrohung durch zunehmende Abhängigkeiten ist nicht neu. Wir spürten die schlimmen wirtschaftlichen Folgen des Terroranschlags vom 11. September 2001. Und wir erkannten entsetzt die weltweite Finanzkrise nach der Pleite einer (!!) Bank in den USA (Lehmann Brothers 2008). Es wurde über die gravierenden Folgen der isolationistischen Politik eines Donald Trump geschimpft. All dies und noch vieles mehr waren unüberhörbare Warnsignale hinsichtlich der Risiken einer aus dem Ruder laufenden entfesselten Globalisierung.
Die zusammenbrechenden Lieferketten in Folge der Corona Pandemie waren weitere Signale. Und jetzt zeigt ein räumlich begrenzter Krieg eines Diktators, wie naiv und kurzsichtig Abhängigkeiten zugelassen wurden. Und welche Folgen Risikoblindheit hat.
Doch weder die Wirtschaftseliten, die Finanzwelt, die Politik, die Medien, oder wir als Gesellschaften wollten diese Diskussion. Jetzt plötzlich wissen es alle besser. 

Doch der momentane Wohlstand in der Komfortzone war viel wichtiger. Profite waren wichtiger. Illusionen waren wichtiger. Quartalsberichte, Börsenkurse waren wichtiger.
Die Welt hat sich um die vielfältigen Risiken und drastischen Folgen unseres Wirtschaftens einfach nicht geschert. 

Die Sicherung maximaler Saturiertheit ersetzte jede Zukunftsstrategie. 

Ich habe schon 2008 aus einem Buch des Nobelpreisträgers Joseph Stieglitz folgende fast prophetische Frage in Erinnerung: „Akzeptiert jedes Land (Sicherheits-) Risiken einfach als Preis für eine effizientere Weltwirtschaft? Sagt Europa einfach, dass, wenn Russland der billigste Gasanbieter ist, wir von Russland kaufen sollten, egal welche Folgen das für Europas Sicherheit hat..?“

Und heute haben wir den Salat!

Die Folgen eines weitgehend Risikoblinden und zunehmend überhitzten Weltwirtschaftssystems wurden konsequent ausgeblendet. Die stetig steigende und gefährliche Ungleichheit in den Gesellschaften aber auch zwischen Staaten, wurde zwar in Talkshows oder bei populistischen Reden bemüht, doch daraus entstand kein großes politisches Ziel oder gar eine Gegenstrategie.
In den Schmutz getretene Menschenrechte, die Zunahme autokratischer Regierungen, die immer aggressiver werdenden Angriffe auf Freiheit und Demokratie, und die zunehmende Zerstörung der ökologischen Lebensgrundlage der gesamten Menschheit, – sie wurden kaum mit dem zunehmenden Versagen des globalen Weltwirtschaftssystems in Verbindung gebracht. 

Es gibt auch kaum ernsthafte Bemühungen zur Durchsetzung oder gar ernsthaften Debatte neuer Leitlinien einer der Zeit angepassten globalen regelbasierten Wirtschaftsordnung. 

Da aber die globale Wirtschaft einer der zentralen Säulen unseres Lebens ist, stellt sich die Frage, wie man eine Zukunft mit einer Wirtschaftsordnung aus dem letzten Jahrhundert gestalten will?

Die aktuelle Weltwirtschaftsordnung ist alt, verrostet, interessengetrieben und beweist jeden Tag, wie wenig sie in der Lage ist Risiken, welche die Grenzen von Nationen und Kontinenten überschreiten, gerecht zu werden. 

Die Regeln der Weltwirtschaft wurden geprägt vom Denken des letzten Jahrhunderts. Schon heute kostet das Fehlen eines global neuen und fairen Handlungsrahmens viel von unserer Zukunft. Und es kostet seit Jahren ganz konkret Menschenleben. 

Als Beispiel möchte ich die starren Regeln des Patentschutzes für Impfstoffe anführen. Sie verhinderten z.B, dass Entwicklungsländer diese Stoffe selber herstellen und so ihre Menschen schneller und schützen konnten. Der Patentschutz war aus „Gewinnsicht“ gut. Politisch strategisch war es allerdings maximal unklug und kurzsichtig. Denn durch die millionenfach ungeimpften Menschen kann das Virus munter weiter mutieren und neue Angriffswellen auf die vermeintlich sicheren Industrienationen vorbereiten. 

Die Klimaveränderungen werden maßgeblich verursacht in Europa, in China und in den USA. In den entwickelten Staaten sorgen sie noch für Wohlstand. 
In Afrika und in Südamerika führen diese hingegen zunehmend mehr für die Versteppung ganzer Länder. Unvorstellbares Elend von heute werden unvorstellbare Flüchtlingsströme von morgen in Gang setzen. 

Unkluges Handeln von heute verursacht immer die Probleme von morgen. 

Und unsere Antworten auf all die zusammenhängenden Probleme? 

Zunehmender Nationalismus und Protektionismus?
Eine Neuauflage von Trump 2024? Oder eine rechtsradikale Le Pen in Frankreich? Quasi als weibliche Ergänzung zu der Vielzahl unfähiger dummer und gieriger Männer?
Die Verlockung primitive Antworten auf komplexe Herausforderungen zu geben können wir in fast allen Talk Shows live erleben.

Unsere Antworten auf die vor uns liegenden Herausforderungen sind noch immer aus der Mottenkiste einer alten Welt. Wenn wir es nicht wagen die alten Regeln der aktuellen Weltwirtschaft in Frage zu stellen, werden wir und vor allem unsere Kinder und Enkelkinder die leidtragenden sein. Denn die aktuellen Erschütterungen der letzten Jahre sind nur kleine Vorboten der viel größeren Verwerfungen, die uns bevorstehen, wenn wir uns jetzt nicht hinsetzen und endlich klug handeln. 

Damit hatte Napoleon recht …..

Ein Gedanke zu “Damit hatte Napoleon recht …..

  1. Wichtig ist
    zu überprüfen
    was die linke Hand will
    im Bewusstsein
    zum Besseren
    der Versuch
    mit der rechten Hand
    zur Tat zu schreiten

    ps.

    Ich kann an einem Bonmot
    eines Kriegsverbrechers
    nichts Gutes finden

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