Es gibt Gespräche, die ich früher nicht hätte führen können. Nicht, weil mir die Worte gefehlt hätten – sondern weil die Rollen im Weg standen. Heute, losgelöst von beruflichen Zwängen, ist der Austausch offener. Ehrlicher.
Und ich spüre immer öfter, wie tief die Kränkungen sitzen, wenn Menschen merken, dass ihre Erfahrung keine Resonanz mehr findet.
Wenn Wissen überhört, Fachlichkeit übergangen und Erfahrung durch Tempo ersetzt wird.
Und es sind oft die stillen, die verlässlichen Menschen, die das betrifft.
Diejenigen, die seit Jahrzehnten ihr Handwerk verstehen, die Verantwortung tragen, die an der Qualität ihrer Arbeit gemessen werden wollen.
Doch wenn ihre Einwände ignoriert, ihre Ideen abgetan ihre Sorgfalt oder der Wunsch kollegial zu handeln als hinderlich empfunden wird – dann geschieht etwas, das tiefer reicht als bloße Frustration:
Es ist der Beginn einer tiefgehenden inneren Entfremdung.
Reinhard Sprenger spricht in diesem Zusammenhang von „Führung ohne Resonanz“ – von Führung, die zwar kommuniziert, aber nicht verbindet.
Die informiert, aber nicht berührt.
Und er beschreibt, und ich höre was viele täglich erleben, – die Entwertung von Erfahrung.
Als wäre das, was Menschen in jahrzehntelanger Arbeit gelernt haben, plötzlich Ballast.
Als stünde Effizienz immer und immer wieder über Verstehen.
Doch Erfahrung ist keine Last!
Sie ist verdichtetes Leben, gespeicherte Verantwortung, gelebte Verlässlichkeit.
Wenn sie übergangen wird, verlieren Organisationen mehr als Wissen – sie verlieren das Rückgrat.
Und um noch einmal Sprenger zu zitieren: „Führung ohne Resonanz ist wie Musik ohne Klang.“
Und genau das passiert in vielen Unternehmen:
Menschen spielen weiter – aber niemand hört mehr hin.
Man redet über Motivation, während man Vertrauen zerstört. Und vielfach ahnen die handelnden Personen noch nicht einmal etwas man anrichtet.
Man feiert Innovation, während man Erfahrung demontiert.
Führung aber, die sich ihrer Aufgabe bewusst ist, würde anders beginnen:
Mit interessiertem Zuhören.
Mit dem ehrlichen und spürbaren Interesse, zu verstehen, was die Menschen antreibt.
Mit der Haltung, dass Erfahrung kein Restposten ist, sondern Fundament.
Denn wer Resonanz verliert, verliert Vertrauen.
Und wer Vertrauen verliert, verliert die Menschen.
Es gibt kaum einen größeren Schaden.
