Langer Text über großes Land

Manchmal ist es verwunderlich wie schnell sich Entwicklungen auf der Welt vollziehen.

Ich erinnere mich noch gut wie vor nicht wenigen Jahren China bewundert und angehimmelt wurde. Ein Flugzeug nach dem anderen wurde mit „Groupies“ besetzt, die den rasant wachsenden Riesen besichtigten.

Alle Welt versprach sich nicht enden wollende Umsätze mit diesem Riesenreich. Doch sehr schnell war dessen Entwicklung zu einem hochmodernen diktatorischen Unterdrückungssystem gut sichtbar. Die aktuellen Vorgänge in Hongkong können deshalb nicht wirklich überraschen. Sie sind eine logische Folge der politischen Strategie der Volksrepublik.

Das Verhältnis insbesondere zwischen den USA und China ist vergiftet.
Peking wird mit einem außergewöhnlichen amerikanischen Präsidenten konfrontiert.  Schonungslos und undiplomatisch wie kein anderer vor ihm, reißt er die  weichgezeichneten Fassaden vor dem wahren Charakter dieses asiatischen Regimes  herunter. Andererseits kann sich die Regierung um Präsident Xi Jinping glücklich schätzen, dass sich derselbe Präsident als vollkommen unfähig erweist, Koalitionen gegen China zu schmieden.

Die Eskalation wird, unabhängig von der Wahl in den Vereinigten Staaten, weitergehen. Das strategische Ziel der Chinesen ist die wirtschaftliche und technologische Dominanz auf allen Feldern, die für die westlichen Staaten  bedeutsam sind.

Viel wird geschrieben von einem neuen kalten Krieg. Doch diesmal ist alles völlig anders. Es gibt kein historisches Beispiel für die bevorstehende Auseinandersetzung.

Früher konkurrierten zwei ideologische Systeme (Kapitalismus/ Kommunismus). Die Seiten versuchten andere Länder für ihre jeweilige Idee als Verbündete zu gewinnen. China legt allerdings keinen Wert darauf eine Ideologie zu exportieren oder Verbündete im klassischen Sinne zu gewinnen. Was Peking aufbaut, sind wirtschaftliche und infrastrukturelle Abhängigkeiten. Geopolitisch besetzt Peking die von den Amerikanern freigegebenen Felder Schritt für Schritt. Und Europa kommt zunehmend in Gefahr zwischen den Mahlsteinen der großen Blöcke zerrieben zu werden.
Wir haben in Deutschland unsere Position zu China noch nicht gefunden.

Und auch Europa ist viel zu sehr mit sich selber beschäftigt.
Meiner Meinung nach gibt es angesichts dieser globalen Entwicklungen nur zwei Arten von Ländern in Europa. Einige sind sich bewusst, dass einzelne Nationen bei dieser geopolitischen Ausgangslage nur Zwerge sind. Zu viele andere haben dies leider noch nicht realisiert.
Der Ansatz Wandel durch Handel kann in China getrost als gescheitert angesehen werden.

Dies war ein langgehegter Wunschtraum von Politikern und Managern. Durch die chinesische Realität wurde er eingeholt. Durch die immer aggressiveren Interventionen z.B der chinesischen Botschaft bei unliebsamen politischen Aussagen, erleben wir die Vorboten einer Welt, bei der wir am Ende der Befehlskette stehen.

Peking geriert sich als Sprachrohr der Entwicklungsländer. Doch zum Glück erkennen diese früher als wir dies schaffen, die Folgen einer solchen Abhängigkeit.
Die ersten chinesischen Bilder und Fahnen werden in Indien und anderen Ländern Ostasiens verbrannt. Diese Reaktionen werden durch die zunehmende Arroganz und Aggressivität mit der China auftritt, bestärkt.

Der amerikanische Präsident ist ein Zerstörer in vielerlei Hinsicht.
Doch er markiert das Ende einer Ära und zwingt uns zum Abschied von unserer liebgewordenen Bequemlichkeit.

Seine strategielose Aggressivität hat gezeigt, wie wenig China sich der Weltwirtschaft öffnen oder politisch liberalisieren wird.
In den USA überschlagen sich die rhetorischen Scharfmacher und in China werden gleichzeitig ungeniert Andersdenkende in unvorstellbarem Maße verfolgt. Grauenvolle Konzentrationslager für ganze Menschengruppen werden betrieben.

Europäische Eliten rümpfen die Nase angesichts der undiplomatischen Rolle der USA und geben doch selber das Bild von Feiglingen ab.
Wer glaubt, dass alles wieder gut wird, wenn nur Trump die nächste Wahl verliert, unterschätzt die seltene Einheitlichkeit bei dieser Frage in den USA.  Parteiübergreifend gibt es einen realistischen Blick auf den östlichen Riesen.
Auch ein möglicher Präsident Biden wird diese Linie weiterführen.

Und die Europäer werden in vielerlei Hinsicht Position beziehen müssen.
Eine starke Waffe und große Chance sind die extremen wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen allen Staaten. Die Globalisierung reduziert die Gefahr militärischer Konflikte.
Denn anders als im kalten Krieg zwischen dem westlichen Bündnis und Russland sind hier alle Staaten auf vielerlei Arten wirtschaftlich miteinander verwoben.
Sie bilden quasi eine ökonomische Schicksalsgemeinschaft.

Eine neue Zeitrechnung hat begonnen. Europa und insbesondere Deutschland werden sich entscheiden müssen wie der Kurs sein soll.
Die Engländer haben Huawei bei dem Ausbau des 5G Mobilfunknetzes ausgeschlossen. Ein erster, konsequenter Schritt.
Eine solche Entscheidung nötigt Respekt ab und ist ein erstes bedeutendes Zeichen gegenüber Peking. Wir sind in Deutschland noch nicht so mutig.
Doch sich bei dem entscheidenden Feld der Kommunikationsstruktur einem Konzern anzuvertrauen, der das Werkzeug einer Diktatur ist, scheint mir wirklich kurzsichtig zu sein. Duckmäusertum wird im Umgang mit China nicht honoriert.

Wer die Entdemokratisierung von Hongkong ohne ernst gemeinte Konsequenzen akzeptiert, wer weiter mit Huawei flirtet um weiterhin Produkte verkaufen zu können, der wird die Quittung für Unterwürfigkeit bekommen.

China wie leider auch die Vereinigten Staaten versuchen, die Europäische  Gemeinschaft zu spalten. Doch bei all der Enttäuschung über die Rolle der USA sollten wir uns nichts vormachen. Insbesondere Peking wird gezielt und immer stärker, einzelne Nationen in seinem Sinne drangsalieren. Wie ist unsere strategische Antwort darauf?

Die Geschichte zeigt, das Appeasement gegenüber solchen Entwicklungen kein Erfolgsrezept sein wird.

Ein geeinter Westen, ein entschlossener Westen, hätte eine Chance China zu zähmen. Denn anders als im kalten Krieg braucht China den Westen so wie umgekehrt.
Es kann nicht in unserem Interesse sein, das China weiterhin sein Modell eines autoritären Überwachungsstaates mit Hilfe seiner wirtschaftlichen Kraft in die Welt hinausträgt.
Es drängen sich Fragen auf.
Aufgrund der schon angesprochenen massiven Verflechtungen ist eine völlige Isolierung Chinas nicht möglich und auch nicht sinnvoll.
Wir müssen eine nachhaltige und stabile Strategie gegen Peking entwickeln.

  • Wo können wir z.B wesentlich stärker als bisher Exportkontrollen ausbauen?
  • Wie können wir Investitionen kritischer bewerten und beobachten?
  • Wie schützen wir unsere Firmen, unsere Produkte unser geistiges Eigentum konsequent?
  • Wo gibt es Überschneidungen und Formen der Zusammenarbeit, die sinnvoll sind? Wo aber auch nicht?
  • Welche Felder sind für uns von strategischer Bedeutung und werden mit allen Mitteln gegen Peking verteidigt?
  • Auf welchen Gebieten,  ein Beispiel ist der Klimaschutz,  ist es trotz aller Rivalität möglich und notwendig, enger zusammenzuarbeiten?

Dies sind nur einige wenige drängende Fragen, die aufgrund der fatalen globalen Wirtschaftsdynamik unter Corona  Bedingungen noch mehr Fahrt aufgenommen haben.

Langer Text über großes Land

Logik dient dem „Bauchgefühl“

Aus einer Diskussion mit sehr klugen Menschen.

Es ging um die Bedeutung von Fakten versus Emotionen für die Entscheidungen von Menschen. Zugegebenerweise bin ich ein Gläubiger, was diese Frage angeht. Mein ganzes Leben lang habe ich erlebt, wie Intuition und Emotion fast immer strategischen Entscheidungen vorangestellt wurden. In habe unzählige Fälle erlebt in denen Menschen bei moralischen und damit einhergehende politischen Entscheidungen, fast immer gruppenorientiert und nicht egoistisch gehandelt haben.

Ich durfte erleben wie Menschen mit einem geringen Einkommen entgegen ihrer wirtschaftlichen Interessen handelten, wenn es der „Gruppe“ zugute kam.

Diese fast natürliche Uneigennützigkeit nahm mit zunehmenden Einkommen paradoxerweise ab.

Am Ende entscheiden Menschen in den meisten Fällen angesichts der Reputation und der Glaubwürdigkeit des Senders von Nachrichten.

In fast allen Fällen in denen man diesem Sender vertrauensvoll gegenüber eingestellt ist hinterfragt man die Botschaft „Kann ich das glauben?“.

Vertraut man ihm/ihr nicht, schleppt ein Sender von Botschaften ein negativ Image mit sich herum, kann dieser tonnenweise Argumente und Fakten auffahren, die Frage lautet dann „Muss ich ihm/ihr glauben?“.

Im ersten Fall ist die Antwort fast immer ein ja im zweiten fast immer nein.

Deshalb ist es so bedeutsam das Botschaft und Sender, dass Emotion und Nachricht passen. Ich habe schon gemerkt, dass dies meinen logisch geprägten akademischen Freunden nicht passte.

Aber Menschen sind Gott sei Dank keine Algorithmen. Wir entscheiden mit den Fähigkeiten die uns seit Uhrzeiten das Überleben gesichert haben und innerhalb weniger Sekunden wem wir uns anvertrauen und wem nicht.

Das logische Denken dient der menschlichen Intuition und nicht umgekehrt.

Logik dient dem „Bauchgefühl“

Was wir suchen, werden wir finden.

36435273_l.jpg

Ich habe die Angewohnheit mir Geschehnisse und Nachrichten dazu, über viele verschiedene Medien anzuschauen.
Dann stellt man (nicht so ganz überraschend) fest, wie unterschiedlich doch wahrgenommen und berichtet wird. Sehr oft spiegeln wir Erlebtes aus einem ganz bestimmten Blickwinkel.
So etwas erleben wir sicherlich alle jeden Tag?
Zum reflektieren am Wochenende eine Buchpassage vom Niederländischen Historiker Rutger Bregmann:
Was wir glauben, bestimmt was wir werden.
Was wir suchen, bestimmt was wir finden.
Was wir vorhersagen, bestimmt, was tatsächlich eintritt.
Was wir suchen, werden wir finden.

Provozierende Gedanken?

Im zweiten Halbjahr dieses Jahres werden wir die vollen Auswirkungen der schwersten Wirtschaftskrise in der Nachkriegszeit voll zu spüren bekommen.

Spannend finde ich, wie derzeit in schwer angeschlagenen Unternehmen politische Forderungen zur Bedingung für Hilfen gemacht werden.

Mal geht es um Nachhaltigkeit, Klimafreundlichkeit, oder auch um Mitbestimmung oder Umverteilung. Am Ende sind solche Positionierungen eine Wette auf die Belohnung dieses Verhaltens durch die Wähler. Doch kann eine solche Rechnung aufgehen?
Als altes politisches Schlachtross bin ich da sehr  skeptisch.
Ziehen die Menschen tatsächlich eine scharfe Trennlinie zwischen den politischen Sektoren Wirtschaft, Arbeit und Soziales?
Politische Profis vertrauen auf diese Annahme. Daher ist es auch nur folgerichtig, das es auf Bundes und Landesebenen zwei Ministerien für diese Gebiete gibt.

Auch die Umfragen nach den Kompetenzen in der Politik spiegeln dieses Denken.
Die einen haben ihre Kernkompetenz in der Wirtschaft die anderen mehr im sozialen Bereich. Politische Programme werden darauf ausgerichtet.

Doch ich wage die Behauptung, das diese Unterscheidungen in der Lebensrealität der Menschen eine geringere Rolle spielen als sich dies viele politische Strategen vorstellen mögen.

Die Aussicht auf das, was die Menschen und ihre Familien sich leisten können, Urlaub, Konsum, Mobilität, Wohnung, etc. bilden das Gegenüber zu den Themen, die immateriell sind.

Ich höre bei dem nächsten Satz schon den Aufschrei der politischen Spin Doctors.

Aber viele hippe Themen wie Globalisierung, Umverteilung, Bildung, Digitalisierung, aber auch Nachhaltigkeit spielen bei den meisten Menschen dann eine wahlentscheidende Rolle, wenn sie es sich leisten können. Dies mag man bedauern.
Aber Menschen handeln in wirtschaftlichen Krisen wenig ideologisch, sondern überwiegend logisch und pragmatisch.

Das sichere und stabile Einkommen, die Chance auf Wohlstand, die Möglichkeit seine Lebensumstände durch eine sichere Arbeit, in einer stabilen Wirtschaft selber beeinflussen und wählen zu können, beeinflusst das Denken und Wahlverhalten der meisten Menschen ganz entscheidend.
Beachtet man dies nicht, könnte man erleben mit einem Rucksack voller anspruchsvoller Forderungen und hochpolitischer Mainstreamthemen in eine strategische Sackgasse zu laufen!

Provozierende Gedanken?

SpaceX in Papenburg

Gestern habe ich in verschiedenen Gesprächen wieder einmal erlebt, wie sehr der Pessimismus unser Denken doch beherrscht.
Als Vollblutschiffbauer rede ich, inmitten der größten Krise der Meyer Werft, über die Zukunft des innovativsten, anspruchsvollsten und zukunftsträchtigsten Schiffbaus auf dieser Welt.

Doch erschreckend viele meiner Gegenüber stecken fest in der Erwartung eines mehr oder weniger schnellen Niedergangs, den es abzumildern gilt.
Die Zuversicht in eine gute Zukunft des Schiffbaus in Papenburg, den wir so erfolgreich betreiben, ist irgendwie verloren gegangen.  Der Rückzugs,- Abbau,- und Stillstandsgedanke für Industrieunternehmen in Deutschland, hat leider viele Köpfe und Herzen erreicht.

Warum stehen wir in Deutschland eigentlich nicht mehr an der Spitze der innovativsten und unternehmungsfreudigsten Länder dieser Welt?

Ich meine, weil wir uns zu wenige Revolutionen zutrauen!
Wir trauen uns zu wenige Umwälzungen in den neuen Techniken, der Genetik, der Bildung oder völlig neuer Unternehmensorganisationen zu.
Uns fehlt Bereitschaft zum Risiko. Uns fehlt ein gesellschaftlich, politisch, medialer Turboboost für mehr Unternehmen und zupackendes mutiges Unternehmertum!
Wer sich solche Revolutionen nicht mehr zutraut und nicht mehr an eine positive Dynamik glaubt, der verwaltet nur noch eine mehr oder weniger unbefriedigende Gegenwart.

Wir brauchen doch gerade in dieser Zeit mehr Unternehmergeist, mehr Zuversicht und ungewöhnliche, vielleicht mitunter revolutionäre Ideen?!

Wir brauchen weniger Debatten, die schon beim Start von etwas Neuem Vorsicht rufen und sofort über Begrenzungen nachdenken!

Ich denke da immer an nicht wenige Eltern, die ich auf dem Kinderspielplatz höre.
„Lauf nicht so schnell – du könntest hinfallen!“
Ein Satz der so viel aussagt über unsere Art des Lebens.
Hinfallen gehört dazu wenn wir uns entwickeln, lernen und weiterkommen wollen. Scheitern, Gefahr und Risiko gehören dazu.
Und eben auch Mut und Zuversicht und manchmal tollkühnes Handeln.

Wir wollen doch als bedeutende Gründernation nicht irgendwann nur noch in den Geschichtsbüchern auftauchen?
Elon Musk (man mag von ihm halten, was man will) ist ein visionärer und produktiver unternehmerischer Abenteurer. Er hat sich bei seinen Visionen durch nichts aufhalten lassen. Ausgelacht hat man ihn, als er von seinen Weltraummissionen geschwärmt hat. Heute liefert er die Trägerraketen für die Satellitenstarts von vielen Ländern.
Mag ja sein das viele seiner Ideen uns heute irritieren. Einige werden auch in eine Sackgasse führen. Aber er stellt die Realität immer und immer wieder in Frage. Seine Utopien sind der Brennstoff für Taten.

Und so geht uns das auch auf der Meyer Werft. Die Meyers haben in ihrer Geschichte so viele Verrücktheiten gemacht. Sie haben so oft so vieles anders gemacht als alle anderen. Und der Erfolg hat ihnen recht gegeben.

Die Zuversicht und Überzeugung, dass der innovativste Schiffbau in Papenburg, weit abseits der hippen Oberzentren, eine sehr gute Heimat hat, war vergleichbar mit der Geschichte von der wiederverwendbaren Trägerrakete von Elon Musks SpaceX.
(Wir sind nur schon sehr viel länger so innovativ).

Und jetzt geht es nicht um ein aussitzen oder dem Festhalten alter Zeiten. Die Zukunft  gewinnen wir, wenn wir uns eine Vision erarbeiten wie dieser Schiffbau made in Papenburg jetzt weiter existieren und in 10, 15 oder 30 Jahren aussehen kann.
Es kann nur der Anspruch sein, dass der wirtschaftlich vernünftigste, technologisch anspruchsvollste, der nachhaltigste, ökologischte und zukunftsträchtigste Schiffbau der Welt in Papenburg stattfindet.

Wir müssen mit dieser Zuversicht im Gepäck durch den Scheuersack schwieriger Entscheidungen. Denn die nächsten Jahre werden brutal und wir werden durch diese Krise auch unbequeme Antworten geben müssen.

Aber wir dürfen dabei nicht stehenbleiben. Die derzeitige Krise muss uns dazu bewegen noch außergewöhnlicher, schneller, flexibler, noch entschlossener und ideenreicher zu sein, um aus dem Mahlstrom der reinen Krisenverwaltung herauszukommen.
Die Menschen brauchen solche Ausblicke nach vorne!

Es soll ja weitergehen!

SpaceX in Papenburg

Freund und Helfer?

Wenn ich den heutigen Umgang mit Polizisten sehe, dann wird mir ganz schlecht. Ein Vorgang in Hessen muss und wird untersucht. Doch schon den ganzen Nachmittag überschlagen sich viele Medienmeldungen im Rennen um Schlagzeilendominanz. Die Polizei am Pranger. Wie schön?
In den sozialen Medien haben die Kommentatoren an ihren Tastaturen wahrscheinlich schon Brandblasen an den Fingern.

Selbstverständlich sind weder Bundeswehr noch die Polizei völlig immun gegen radikales Gedankengut. Die Vorfälle sind jedoch begrenzt und können verfolgt werden.
Ich finde es derart billig, wenn aus populistischen Gründen unser Polizeiwesen mit der Sicherheitskonstruktion in den USA quasi gleichgestellt wird. Die beiden Systeme sind nicht miteinander vergleichbar!

Viele Staatsdiener unseres Landes die ich kenne, bekämpfen Grenzverletzungen in ihren Reihen und akzeptieren diese keineswegs. Doch ihr Leben ist nicht einfach.

Respektlosigkeit bis zu purem Hass sollten nicht zum Alltag dieser Beamten gehören. Leider ist dies aber ganz real.
Ähnliche Missachtungen bis zu tätlichen Angriffen erleben auch immer öfter Feuerwehrleute und Sanitäter.

Teile unserer Gesellschaft haben offenbar verlernt das zu unserem Gemeinwesen unter anderem das Gewaltmonopol des Staates gehören. Nur so kann die Sicherheit entstehen, auf die unsere offene demokratische Gesellschaft basiert.
Wer dieses Vorrecht der staatlichen Institutionen in Frage stellt, redet der Anarchie das Wort.

Es mag ja altmodisch sein, aber ich habe nie auch nur einen Funken Verständnis für die Zerstörungswut und Randale z.B bei dem G20 Gipfel in Hamburg gehabt.
Ich verstehe und toleriere die Menschen nicht, die bei Protesten  Autos anzünden oder Geschäfte demolieren. Und jeder der Verständnis für Gewalt gegen Polizisten konstruiert, schadet dem Staatswesen.

Wenn betrunkene Leute Steine auf Polizisten oder andere Menschen werfen, gehören sie bestraft. Wenn Geschäfte verwüstet werden, gehören die Täter bestraft. Es gibt keine Rechtfertigung oder Entschuldigung für ein solches Verhalten.

Eine sogenannte Szene – egal ob sie sich Partyszene nennt, sich aus jung oder alt, aus links oder rechts eingestellten Menschen zusammensetzt, hat kein Recht auf Regelverstöße. Sie haben kein Recht sich Freiheiten zu nehmen, die ihnen durch unsere Gemeinschaft nicht gewährt wurden.

Ich finde es schlimm wenn in Debattenbeiträgen je nach Sichtweise mal die eine oder andere Randale als skandalöser und schlimmer empfunden wird. 
Hinsichtlich der Krawalle in Stuttgart sagt doch ein Bekannter von mir ernsthaft „Da müssen sich die Polizisten doch nicht wundern wenn sie so rigide Drogenkontrollen machen“!

Habe ich da etwas nicht mitbekommen? Seit wann sind Kontrollen ein Grund für gewalttätige Proteste?

Die grenzenlose Freiheit einer ungehemmten Spaßgesellschaft führt zu Anarchie und Totalirismus. Die Auswüchse dieser individualisierten Spaßgesellschaft sehen wir aktuell auf Mallorca.

Jeder Steinwurf auf Polizisten ist nicht der Ausdruck eines selbstbewussten politisch denkenden Menschen sondern die dämliche Tat eines Dummkopfes.
Die in den sozialen Netzwerken so gern gepostete Gewalt gegen die Polizei hat rein gar nichts mit Selbstverwirklichung zu tun. Sie trägt den Keim totalitären und anarchistischen Verhaltens in sich. Unser Staat und seine Sicherheitskräfte achten unter schwierigsten Bedingungen auf ein Mindestmaß an zivilisiertem Umgang und die Achtung der Sicherheit.

Nur mit solchen Regeln zum Zusammenleben ist eine Gesellschaft überlebensfähig.

Wie oft hört man in Talkshows oder Sonntagsreden, dass Randalierer mit der ganzen Härte des Gesetzes zu rechnen hätten. Wieso muss dies jeweils betont werden? Ist das nicht selbstverständlich? An die Adresse der Randalierer in Stuttgart oder anderswo. Ihr demoliert nicht nur Autos. Ihr werft nicht nur Steine auf jene, die dieses Gemeinwesen schützen. Ihr greift das Staatswesen an, das es überhaupt möglich macht das diese Vielfalt und Freiheit gelebt werden können.

Wie aber bekämpft man die Verachtung staatlicher Ordnungen?

Ein erster Schritt wäre es vielleicht, nicht reflexartig für alles und jeden Verständnis zu haben? Völlig egal wer sich an Krawallen aktiv beteiligt, ob jung/alt/links rechts Deutscher oder Ausländer, – sie dürfen von uns mit keinerlei Toleranz oder Verständnis rechnen.
Die Verharmloser von Gewalttätigkeiten machen sich genauso schuldig wie jene die sich an den Selbstdarstellungsvideos der jeweiligen Szene ergötzen.

Und wir sollten sehr aufpassen mit unseren Worten und Kommentaren in Richtung der Polizei. Derzeit habe ich den Eindruck, dass gezielt ein sogenanntes politisches Framing stattfindet.

Das Bild des Freund und Helfers wird durch Dauerbeschuss in den Köpfen der Menschen verdreht. Plötzlich wird der Diener, Vertreter und Beschützer des Staates zur Bedrohung, zu einem Hassobjekt.

Wer zulässt, dass diese begrifflichen Erodierungen weitergehen, zerstört eine wesentliche Basis unserer Gesellschaft, gefährdet Sicherheit und geht erste Schritte in die Anarchie.

Freund und Helfer?

Ich bin ein Zukunfts Junkie

 

Entscheidung.jpg

Zukunft ist eine Entscheidung!

Stapelweise bekomme ich Einladungen zu Zukunftskonferenzen.
Corona scheint hier wirklich als Aufputschdroge zu wirken.

Einige Beispiele:

  • Die Welt wird nicht mehr dieselbe sein.
  • Corona als Chance.
  • Disruption jetzt
  • ………

Ja – ich bin ein Zukunfts Junkie.

Jeden Tag denke ich darüber nach, wie unsere Zukunft wohl aussehen mag. Warum treibt mich dieser Gedanke um? Weil dort das Leben meiner Kinder und unserer Enkel stattfinden wird? Weil Eltern und Großeltern stets so denken?

Wir leben nicht mehr in der Vergangenheit. Sie ist vorbei, lässt sich nicht mehr beeinflussen. Wir existieren nur noch vorübergehend im Heute, aber wir alle leben miteinander in der Zukunft.

Mein ganzes Leben war geprägt von der Neugier und Vorfreude auf die kommende Zeit. Daher finde ich es schlimm, wie belastet der Begriff Zukunft geworden ist.
Wann habt ihr das letzte Mal bei Zukunftsdiskussionen eine überwiegend positive Erwartungshaltung zur der vor uns liegenden Zeit erlebt? Sie ist sehr selten geworden, nicht wahr?

Meine Zukunft lasse ich mir nicht vorhersagen.
Nicht von den Anhängern einer düsteren, dystopischen oder apokalyptischen Vorhersehung. Aber auch nicht von Tech Gurus die wie Priester die zukünftigen Techniken als Erlöser allen Mühsals anbeten.
Scheinbar feststehende Megatrends werden bei Zukunftskonferenzen an die Wand geworfen. Manchmal skizzieren sie das Ende der Welt oder als Gegenentwurf unsere Erlösung durch technologische Revolutionen.
Beide Szenarien gleichen sich in der Gedankenrichtung. Sie lassen sich von einem linearen Denken bestimmen.

Modische Wörter fliegen durch die Luft. Disruption, Zerschmetterung des Heute, Veränderung, revolutionäre Individualität, Schnelligkeit, Mobilität, Globalisierung. Alles voller Füllwörter, Worthülsen, Kampfbegriffe in tausenden von Vorträgen.
Irgendwann im letzten Jahr, auf einer solchen Erweckungsveranstaltung, reichte es mir. Ich stellte die Glaubensgrundsätze in dem Vortrag mit einem lauten NEIN in Frage.

Prognosen, Trends und Erkenntnisse sind wichtige Hinweise für unsere Zukunft. Nicht mehr und auch nicht weniger. Prognosen sind nur Optionen. Sie zeigen Alternativen. Nicht mehr und auch nicht weniger.

Mein nicht ganz so kurzes Leben lehrte mich, das Entwicklungen fast nie linear sind.
Unser Leben und die meisten Entwicklungen auf unserem Planeten, verlaufen seit Urzeiten in Kurven. Sie entwischen unseren Blicken mit wilden Sprüngen, manchmal machen sie sogar Rückschritte.
Doch die angesprochenen Megatrends wollen mehr sein als nur Möglichkeiten. Sie leben von ihrer scheinbaren Alternativlosigkeit und wollen unsere Erfahrung eines oftmals unkalkulierbaren Lebens vergessen machen.

Eine Armee von Rednern und Beratern leben von der Illusion linearer, also vorhersehbarer Szenarien. Würden sie gebucht werden wenn sie bei ihren Vorträgen auf Möglichkeiten, auf alternative Wege von Entwicklungen hinweisen würden? Wohl kaum?! Viele Zukunftsgurus sind wie die Hellseher früherer Jahrmärkte.
Nur benutzen sie heute Power Point und Laptops statt Glaskugeln.

Zukunft entwickelt sich eben nicht linear, lässt sich nicht in Tabellenkalkulationen erfassen oder von Algorithmen steuern! Zukunft überkommt uns nicht wie ein Tsunamie. Zukunft wird von uns entschieden! Durch unser Handeln oder auch durch Unterlassungen.

Wenn ich Zukunftsdebatten erlebe, verwende ich ein einfaches Mittel für die „Füllwörter und Bullshitkontrolle“.

Hier einige beispielhafte vergleichende Tipps:

  • Wenn Ihr ein Vorstellungsgespräch habt, Eure Arbeit und Lebenszeit verkaufen wollt (also Arbeitgeber seid), dann hört euch die Gegenüber genau an. Sprechen diese nur über sich selber, die Erwartungen an Euch, die einzuhaltenden Regeln und stellen sich selber und nicht euch in das Zentrum ihres Interesses – lasst es bleiben! Es ist nicht Eure Zukunft! Ihr landet in einem Zombie Betrieb.
  • Trefft ihr auf Menschen, mit denen ihr euer Leben verbringen wollt, passt gut auf. Dreht sich deren Tun, Denken und Handeln hauptsächlich um sich selber? Reden sie unentwegt über ihre Erlebnisse, ihre Gedanken und Pläne und steht nicht ihr im Zentrum des Interesses (und zwar dauerhaft), dann lasst es sein. Es ist nicht eure Zukunft!
  • Wenn ihr Politiker wählen wollt, hört ihnen genau zu. Wenn sie sich nur um sich selber und ihre Partei drehen, ihre Programme ihre Wünsche, ihre Ideen, ihre Schwerpunkte und sie euch nicht zuhören – wählt sie nicht. Sonst geht es euch wie den Amerikanern, den Brasilianern, den Ungarn oder den Russen.
    Ihr wählt mit diesen Leuten nicht eure gute Zukunft!
  • Und wenn vermeintliche Fachleute von Zukunft sprechen, hört genau hin. Dreht sich deren Zukunftsbild nur um Technik, um Entwicklungen und Trends, bei denen ihr nicht das Gefühl habt, das dies euch berührt, ihr euch nicht darauf freuen könnt, dann ist dies nicht Eure Zukunft.

Löst euch von linearen und scheinbar alternativlosen Zukunftsentwürfen. Beschäftigt euch vor allem damit, was ihr für euch und eure Lieben von der Zukunft erwartet. Und wenn ihr dies herausgefunden habt, dann arbeitet mit aller Kraft daran, genau diese Zukunft umzusetzen.

So werdet ihr auch Zukunfts Junkies.

Ich bin ein Zukunfts Junkie

Gemeinsam so blöd

2020-05-12_13-37-09.jpegManchmal werden wir Menschen auf diesem Planeten mit unvorhersehbaren Aufgaben und Herausforderungen konfrontiert. Erschreckend oft wird dann deutlich, wie viele Mitglieder der selbsternannten „Krone der Schöpfung“, leider immer noch extrem einfältig und kurzsichtig sind.

Momentan gibt es zwei Pandemien.
Das Corona Virus ist schlimm, die Flut an Verschwörungsphantasien aber nicht minder.
Zehntausende Menschen sterben in vielen Ländern dieser Welt in überfüllten Krankenhäusern. Und hier demonstrieren hirnlose Spacken gegen die verordnete Vorsicht. Es ist einfach unglaublich!
Um politisch korrekt zu bleiben, hier der Zwischensatz:
„Natürlich hat jeder das Recht zu demonstrieren. Das Handeln der Regierung kann jederzeit kritisch hinterfragt werden. Und selbstverständlich ist es jedem unbenommen, seine Ablehnung gegen Auflagen zu zeigen. Zugespitzte und harte Kritik ist in unserer Demokratie erlaubt und erwünscht.“

Unverantwortlich.
Doch ein Protest, bei dem man andere Menschen in Gefahr bringt, ist erbärmlich und absolut unverantwortlich. Wenn durch individuelles, stures und uneinsichtiges Verhalten, die Gesundheit von Polizisten, von Älteren oder anfälligen Menschen riskiert wird, ist dies inakzeptabel.
Ich schaue mir die Corona Demos an und frage mich woher diese unerklärliche, unsägliche Wut kommt. Auf vielen Gesichtern der Demonstranten liegt überschäumender Hass, fast Fanatismus.
Ich bekomme Zweifel, ob diese Menschen eine solche Toleranz wie jene, die sie für sich einfordern, auch anderen entgegenbringen würden?

Wenn moderne Wutbürger die Regeln der solidarischen Gemeinschaft individuell in Frage stellen, müssen sie sich auch harter Kritik stellen und diese aushalten!
Diese bunten irrlichternden Demo Truppen sind erschreckend unverantwortlich. Dicht an dicht, ohne Distanz, halten sie Schilder mit merkwürdigen Botschaften hoch. Überall sehen sie Verdächtiges und Verschwörungen.
Bill Gates hat die WHO gekauft – aha! Es gibt keine Pandemie – (ob die 80.000 verstorbenen Amerikaner dies auch so sehen?) Flugzeuge sprühen Chemie am Himmel. Das Corona Virus wird durch Funkmasten verbreitet usw usw. So eine Menge an gequirltem Blödsinn ohnegleichen.

Ernsthaft?
Einen Lachanfall löste bei mir gestern einer der interviewten Demonstranten aus.

Zitat: „Ich informiere mich nicht mehr bei den Mainstreammedien (Fernsehen/ Zeitungen) sondern im Internet. Da bekomme ich alle Informationen und kann über die weltweite gigantische Verschwörung lesen. (Ein Blick in die Kamera und ein Appell….) Fangt an zu denken“.

Wikipedia Übersetzung von Verschwörung:
Eine Verschwörung ist eine geheime Zusammenarbeit mehrerer Personen zum Nachteil Dritter.

Na so was? Das ist dann doch mal eine innovative Verschwörung, die da Milliardenfach von allen Deppen im Internet zu lesen ist?!

Wie naiv muss man eigentlich sein, um so einem Verschwörungsschwachsinn aufzusitzen?
Früher dachte man, nur einige wenige wissen Bescheid und viele andere tappen blind hinterher. Doch das Internet hat alles verändert.

Massenhafte Besserwisserei 
Früher stressten Amateurbesserwisser am Stammtisch oder auf dem Fußballplatz.
Heute ergießen vermeintliche Internet Genies, ihre gedanklichen Absonderungen in die asozialen Medien. Sie verbreiten ungeprüft alles, wenn es nur ihrem Weltbild und ihrer jeweiligen Paranoia entspricht.
Sie misstrauen und bezweifeln wissenschaftliche Fakten und durch harte Arbeit erworbenem Wissen.
Diese Demos gegen ein Virus (!!) und seine Folgen, sind so völlig sinnentleert wie die ebenso idiotischen Pegida Demos.
Die Botschaften auf Bannern, Transparenten und in den Reden bei diesen Demos erreichen zwar einerseits den Humorlevel einer durchgeknallten Satiresendung.
Doch andererseits sind bei einigen dieser Mitmenschen die Gehirnwindungen gefährlich verknotet.

Geht gar nicht!
Wenn diese Hansels bei ihren Hygiene Demos auf Schildern die wohlbegründeten Ausgangsbeschränkungen zum Schutz der Schwächsten in unserer Gesellschaft, mit dem Dritten Reich in Verbindung bringen, dann könnte ich mich erbrechen. Sagt mal, hakt es da oben irgendwie?

Neueste Erkenntnisse zeigen, dass der Virus offenbar auch die Blut Hirn Schranke durchbrechen kann. Sollte man bei diesen Corona Demonstranten vielleicht einmal ausgiebig testen, was dieses Virus dort eventuell schon angerichtet hat?

Uns geht es allen derart gut. Wir haben alles. Im Vergleich mit den meisten Ländern dieser Welt leben die meisten von uns immer noch in paradiesischen Zuständen.
Auf eine begrenzte Zeit und aus wirklich gutem Grund sollen wir mit unserem Verhalten dem Virus die Existenz erschweren. Was sollen dann solche Hygienedemos?

Was wird bloß aus diesen ganzen „Verquerdenkern“  wenn wir alle realisieren was die Klimaveränderungen und ihre Folgen uns noch an Anpassungen aufzwingen werden. Gegen wen werden denn dann diese Wutbürger demonstrieren?

Gemeinsam so blöd

Selbstverständlichkeiten und Angst

In meiner morgendlichen Presseschau studiere ich, was sich in den nächsten Tagen alles ändern wird. Nachdenklichkeit entsteht.

Wieso kann man die Tugend der verständigen gegenseitigen Geduld in der politischen Debatte nicht mehr länger aufbringen? Die ergriffenen Maßnahmen zur Virusbekämpfung waren hart, politisch heikel, aber notwendig. Bisher waren sie auch erfolgreich.

DEM VIRUS IST ES HERZLICH EGAL

Jeder von uns sehnt den früheren „Normalzustand“ des Lebens wieder herbei.

Doch diese Verhältnisse wird es so schnell nicht wieder geben. Wir bekommen einen Vorgeschmack auf Gegebenheiten die wir weder mit Demos, mit dummen einfältigen Twitter Nachrichten und auch nicht mit klugen Artikeln oder Appellen aus der Welt schaffen können. Da können sich die Verschwörungstheoretiker auf Facebook oder anderen Netzwerken noch so überschlagen.
Dem mutierten Virus ist es herzlich egal.

WIR LERNEN MACHTLOSIGKEIT

Wir machen eine völlig neue Erfahrung. Es werden uns Grenzen aufgezeigt. Wir lernen,  dass es Dinge gibt, die der Mensch nicht, oder nur sehr begrenzt unter Kontrolle hat.

Wir bekommen schmerzhaft demonstriert, dass aus Handeln oder auch dem Unterlassen von Handeln Konsequenzen folgen.

Dies werden wir bei dem Klimawandel noch wesentlich drastischer begreifen müssen. Dieser geht nicht nach einigen Wochen vorbei! Seine Folgen werden völlig unbeeindruckt von Task Forces oder Beschlüssen von Parlamenten oder vermeintlich mächtigen Menschen eintreten. Dies wird Generationen betreffen und unsere Lebensführung für lange lange Zeit betreffen und  tiefgreifend verändern.

Krankheitswellen hat es in unserer Menschheitsgeschichte immer gegeben. Doch durch unser Handeln bringen wir die Gefahren dichter an uns heran. Exotische und völlig sinnlose Wildtiermärkte, Zerstörungen natürlicher Lebensräume und Debalancierung natürlicher Gleichgewichte, kombiniert mit der Globalisierung von Waren und Menschen.  Dies alles sind ideale Bedingungen für die vielen Erreger, die sonst für ihre Reise um die Welt viel länger bräuchten.

VIREN UND NATIONALISMUS SIND TÖDLICH

Eines der größten Probleme bei der Bekämpfung globaler Katastrophen ist neben den mutierenden Viren der gleichfalls wuchernde egoistische Nationalismus. Diese beiden Erreger sind für die Menschheit extrem tödlich und gefährlich. Statt gemeinsamen Lernens, gemeinsamer Verantwortung und gemeinsamer Abwehr, glauben viele Staaten einen Virus durch nationalistisches Gehabe beeindrucken zu können.
Die Quittung für dieses dummen und einfältigen Denkens kann man sich in den Krankenhäusern, in Leichensäcken oder Kühllastern anschauen.

ICH HABE ANGST

Ich persönlich gehöre weiß Gott nicht zu den ängstlichen Menschen. Doch eines habe ich in meinem Leben gelernt. Selbstverständlichkeiten gibt es nicht. Im politischen Bereich glauben wir, das Demokratie selbstverständlich ist. Wir sehen aber, wie schnell offene und freie Gesellschaften zerstört werden können, wenn wir unsere Demokratie nicht verteidigen und nicht jeden Tag und an allen Stellen für sie eintreten.

Erstaunlich viele begegnen diesem Virus mit einem Achselzucken. Mit einer fatalistischen Haltung. Irgendwann werden wir das alle, wie eine Erkältung, einmal bekommen haben. Manchmal beneide ich fatalistisches oder stoisches Denken. Vielleicht lebt man so besser und sorgenfreier?

Ich kann das leider nicht. Ich weiß, was es bedeutet, um Atem kämpfen zu müssen. Dieser selbstverständliche Vorgang die Lungen zu füllen, das Leben zu spüren, wird erst dann zum Geschenk, wenn man weiß das es auch anders sein kann.
Mir geht der Fernsehbeitrag mit einem schweißgebadeten Mann im Krankenbett, der die wochenlange künstliche Beatmung überstanden hat, nicht aus dem Sinn.

Ich weiß wie es ist in der Nacht aufzuwachen und manchmal, Gott sei Dank nur einige Sekunden (die sich wie Minuten anfühlen), um Atem ringen zu müssen. Wenn das Herz wie ein Kolben einer Dampflok den Brustkorb mit Panik erfüllt.

Und dies erfüllt mich, ich gebe es zu, mit Angst.

LASST UNS REDEN

Ich kann alle Debatten der letzten Tage nachvollziehen. Wir stehen vor riesigen wirtschaftlichen und sozialen Folgekosten.

Und ich finde es zwingend geboten, dass wir die gesamten Folgen dieser Krise für uns alle abwägen. Und dass wir Menschen und Betrieben helfen, wo wir nur können.

Auch eine Debatte wie die von Herrn Schäuble, dass das Leben nicht alles andere in den Schatten stellen kann, muss man führen.
Und doch frage ich mich bei den Bildern prallgefüllter Fußgängerzonen, nach dem möglichen Preis für unsere liebgewordenen Freiheiten des Konsumierens und des Freizeitverhaltens.

Sind sie es am Ende wert, dass viele Menschen (oder auch möglicherweise ich selber), in Gefahr geraten, auf Intensivstationen um jeden Atemzug kämpfen zu müssen?
Wie sieht unsere Kosten/Nutzen Rechnung aus, falls doch noch mehrere Wellen dieses Krankheitserregers über uns hinwegbrechen würden?

Herr Schäuble sagt in seinem Aufsatz beim Tagesspiegel, dass nicht der Erhalt des Lebens jedes einzelnen um jeden Preis, sondern der Erhalt der Würde des Menschen (Artikel 1) über allen anderen Grundsätzen steht.

Weitgehend stimme ich ihm zu.
Nicht umsonst ist dieser Grundgesetzartikel mein persönliches politisches Mantra.

Aber – um Freiheit und Würde erleben zu können, muss ich auch leben?!

Selbstverständlichkeiten und Angst

Der weiße Hai im Kopf

Musik tackert Bilder im Kopf fest.

Ich mag gute Filmmusik. Einige Musikstücke lassen für mich die Filme und ihre bedeutensten Szenen lebendig werden.

Ich habe dies selber schon einmal sehr plastisch erlebt.

Die Arbeit als Sonderbeauftragter auf dem alten Gelände der Neptun Werft in Rostock war eine Zumutung. Mein Büro bot einen unglaublich sensationellen Ausblick auf den Rostocker Hafen und versüsste damit lange Arbeitstage. Die Familie war zuhause in Ostfriesland. Der Weg ins Hotelzimmer war wenig verlockend.

Im Sommer des Jahres 1998 erlebte ich in vielerlei Hinsicht eine Superwoche. Erfolgreiche Termine reihten sich aneinander. Wir genossen wundervolles Sommerwetter und die Wessis waren auch noch nicht wie eine Invasionsarmee eingefallen. Auch dieser Mittwoch war warm, richtig heiß gewesen. Am darauffolgenden Tag stand die Besichtigung einer Rohrwerkstatt durch einen interessierten Käufer an. Ich hatte noch einmal kontrolliert, ob alle Vorbereitungen für das Gespräch so wie vereinbart abgeschlossen wurden.

Ein Blick auf die Uhr. 21.00 Uhr – wieder einmal war es spät geworden. Nach einem schweißtreibenden Tag konnte ich mich im Treppenhaus tatsächlich selber riechen.

Das Auto hatte den ganzen Tag auf dem schattenlosen Parkplatz in der Sonne gestanden. Es galt jetzt die Türen zu öffnen und dem herausspringenden Schwall von Saunaluft auszuweichen. Wie blöd war ich eigentlich? Da arbeite ich direkt an der Ostsee und sehe das Meer oft nur bei Besprechungen im Neptun Hotel?

Die Entscheidung war schnell getroffen. Statt in Richtung Stadtmitte drehte ich ab in Richtung Überseehafen und Marktgrafenheide.

Etwa 45 Minuten später, biege ich auf einen geschotterten Dünenparkplatz. Alleine bin ich dort. Über mir spannt sich mittlerweile ein traumhafter, wolkenloser Nachthimmel. Der helle Sand zeigt den Trampelpfad durch die Büsche wie einen Leuchtpfad. Der breite Sandstrand erstreckt sich menschenleer vor mir. Von links streicht der Lichtkegel des Leuchtturms aus Warnemünde über die sanft anrollende schöne Brandung. Es würde den Werbefilmen entsprechen, wenn ich mir auf dem Weg zum Wasser die Kleider Stück für Stück ausgezogen hätte.
Doch das macht ein ordentlicher Ostfriese nicht.

Meine Wäsche stapelte sich zu einem akkuraten Haufen.

Und ein ansonsten etwas prüder Ostfriese braucht so alleine auch keine Badehose.

Das Wasser umspült meine Füße und es ist herrlich angenehm. Der funkelnde Sternenhimmel über dem Meer, das Geräusch der Brandung. Es hätte das Intro zu einem unglaublich kitschigem Film werden können. Mit energischen Schwimmzügen entferne ich mich vom Ufer. Ich drehe mich auf den Rücken und bewundere die Diamanten am Himmel, höre das glucksende Wasser, spüre den sanften Wind, genieße den Frieden.

Und plötzlich beginnt im Kopf die Filmmusik. Dunkel und bedrohlich baut sich eine dramatische Tonfolge auf. Ungläubig registriere ich die gedankliche Lawine, die sich in Bewegung setzt.
Ich sehe eine Frau in glasklarem Wasser. Etwas nähert sich von unten – einen Augenblick später färbt sich das Wasser schäumend blutrot.
Im Ostseewasser bei Marktgrafenheide spielt sich jede Szene aus dem weißen Hai in meinem Kopf in Super Slow Motion ab. Die Entspannung ist vorbei. Ich werde unruhig. Schaue auf und in das plötzlich bedrohlich schwarze Wasser. War es eben auch schon so? Der Verstand schreit protestierend, dass es diese Raubfische in der Brandung in Marktgrafenheide nicht gibt. Es nützt nichts. Wenn mir hier etwas passiert? Kein Mensch in der Nähe. Schnelle Schwimmzüge bringen mich zum Strand und 45 Minuten später, stelle ich mein Auto in der Hoteltiefgarage ab.

Hans Zimmer und ihr Hollywoodkomponisten.
Was habt ihr mit eurer Musik für Schablonen in meinen Kopf getackert 🙂 ?

Der weiße Hai im Kopf