Auch auf die Gefahr das einige Leser glauben ich würde große Teile des Tages in Bauläden zubringen
– Nein, das tue ich nicht. Aber ich treffe dort auf Menschen die etwas mehr Zeit haben, höre aufmerksam zu und nicht selten lernt man dort zwischen Pflastersteinen und Hölzern mehr als in vielen Veranstaltungen.
Ich stehe also mit dem Pkw Anhänger in Weener beim Baustoffhandel und brauche etwas Konstruktionsholz.
Ein alter Weeneraner Sozialdemokrat erkannte mich und wir unterhielten uns über vieles, über die Politik, den verrückten Trump und Entwicklung der Kosten.
Wie solle man sich das alles noch leisten können?
Und sichtbar erschüttert schilderte er mir dass einige langjährige Freunde als Wähler der SPD zur AfD gewechselt wären.
Das hatte ihn völlig aus der Bahn geworfen.
Er war gefrustet, ratlos und so „durch den Wind“, dass er fast vergessen hatte, was er kaufen wollte.
Ich habe ihn im Rückspiegel gesehen, als ich wegfuhr.
Er stand noch da. Dieses Bild von verloren sein hat mich beschäftigt und nicht losgelassen.

Was hilft gegen die AfD?
Nicht nur empören. Nicht nur ausgrenzen. Sondern demontieren.
Wir reden viel über Populisten.
Zu wenig reden wir darüber, warum sie verlieren können.
Die Beispiele liegen auf dem Tisch.
In den Niederlanden hat die D66 gezeigt, wie es gehen kann. Voller Lust auf die Zukunft.
Nicht den Rechten nachlaufen sie nicht nachahmen aber auch nicht ignorieren, sondern die echten Themen besetzen.
Klar. Sachlich. Regierend.
Und echte Themen sind keine Schlagworte. Sie haben Namen!
Bezahlbares Wohnen.
Eine Wohnung finden, die man sich leisten kann – mitten im Leben, nicht am Rand.
Funktionierende Gesundheitsversorgung.
Ein Arzttermin, der nicht Monate dauert. Pflege, die nicht am Limit arbeitet.
Migration und Integration, die Ordnung hat.
Klare Regeln. Klare Erwartungen. Und eine Praxis, die beides durchsetzt.
Sicherheit im Alltag.
Saubere und sichere Bahnhöfe. Funktionierende Schulen. Respekt im öffentlichen Raum.
Arbeit, von der man leben kann.
Keine abstrakten Debatten, sondern Löhne, die tragen, und Energiepreise, die nicht erdrücken.
Ein Staat, der funktioniert.
Verwaltungen, die entscheiden. Verfahren, die nicht Jahre dauern.
Ein Staat, der nicht erklärt, warum etwas nicht geht – sondern zeigt, dass es geht.
Und in Ungarn?
Dort ist Viktor Orbán nicht an großen Idealen gescheitert, sondern an der Wirklichkeit, die rechtsradikaler Politik folgt wie Motten dem Licht. Preise, die steigen. Vertrauen, das schwindet. Antworten, die ausbleiben. Korruption, Vetternwirtschaft. An Dingen, die sich nicht wegreden lassen.
Das ist die unbequeme Wahrheit.
Populisten sind stark im Versprechen.
In Schuldverschiebungen.
In Emotionalisierung.
Aber schwach im Regieren.
Sie leben von Angst.
Aber sie lösen keine Probleme.
Und genau hier liegt der Schlüssel, auch für Deutschland.
Nicht nur empören.
Nicht verbieten wollen.
Nicht so tun, als verschwänden die Themen von allein.
Sondern besser sein!
Besser erklären.
Besser handeln.
Besser regieren.
Das wissen wir. Wir handeln nur nicht danach.
Denn Menschen wählen nicht die lauteste Parole.
Sie wählen die glaubwürdigste Lösung.
Aber nur, wenn es sie gibt.
Wenn Politik weiter ausweicht, passiert etwas Gefährliches.
Dann wird aus Protest Vertrauen.
Und aus Lautstärke Macht.
Wenn Politik aber liefert, passiert das Gegenteil.
Dann zerfällt das Versprechen der Populisten an der Realität.
Der Punkt ist einfach.
Rechtspopulisten verlieren nicht nur durch Abgrenzung.
Sie verlieren, wenn sie sich an der Wirklichkeit messen lassen müssen.
Und vielleicht ist das die eigentliche Aufgabe:
Nicht nur gegen die AfD zu sein.
Sondern endlich wieder für etwas, das trägt.








