Ich vermisse Diplomaten …..

Quo vadis – Iran/ China/ Jemen/ Afrika/ Flüchtlinge/ Europäische Union/ Radikalität/ …….

Wie wollen die politisch Verantwortlichen in einer von immer mehr Konflikten zerrissenen Welt noch zu klugen Lösungen kommen?
Der nur Schlagzeilen produzierende, twitternde Mensch ist eine Fehlentwicklung der Evolution.
Wie kann es sein, dass die Kunst der Diplomatie eine vom Aussterben bedrohte Fähigkeit zu werden scheint?

In meiner Ausbildung wurde mir von meinen alten Lehrern u.a folgendes „eingetrichtert“.
Ein kluges Leben besteht aus vielen Erfahrungen, aber insbesondere aus einigen sorgsam durchdachten, konsequenten Haltungen. Diese Haltungen und Werte bilden quasi das Fundament für unser Leben.
Da sich die Umgebungsbedingungen allerdings fortlaufend ändern, müssen Ziele (anders als die Haltungen) immer wieder neu definiert und angepasst werden.

Um die eigene Meinung, den jeweiligen Standpunkt zu verbreitern und andere davon zu überzeugen, wird heute immer lauter und aufmerksamsheischender in den sozialen Medien getrommelt. Es gerät in den Flutwellen der Facebook Postings, den Twitter Tweeds, dem allseits lärmenden digitalen Schlagabtausch immer mehr in Vergessenheit, welchen Wert die gegenseitige Achtung und der gemeinsam errungene Kompromiss zwischen uns so unterschiedlichen Menschen hat.

Ein wertvoller nachhaltiger Erfolg, benötigt viel mehr als nur Aufmerksamkeit und möglichst viele Likes…. Die besten Lösungen brauchen oft viel Zeit, große Nachdenklichkeit, viel Geduld, und eine ausgeprägte Kompromissbereitschaft.
Eine erfolgreiche verantwortliche Diplomatie ist deshalb langsam und abwägend. Sie legt Wert auf Gleichgewicht und Balance.
Alles Dinge die in der heutigen nach Schlagzeilen und sofortigen Skandalen gierenden dauererregten Welt als völlig uncool gelten.

Die Geschwindigkeit der sich hochschaukelnden Meinungen in den Echokammern der eigenen Anhänger und die eigenen Überzeugungen sind oft wichtiger als der Austausch und der Kompromiss mit andersdenkenden.
Dass ein Ausgleich, der berühmte Mittelweg, ein fruchtbarer und unverzichtbarer Boden für unsere demokratischen Gesellschaften ist, wird in dem Dauerbeschuss der sogenannten Sozialen Medien, fast vergessen.
Kluge, verantwortliche diplomatische Arbeit ist das komplette Gegenteil von dem heute üblichen „Selbstverwirklichungstwitterfacebookmarktplatzgeschrei“.
Keinem meiner Lehrer wäre seinerzeit in den Sinn gekommen anzunehmen, dass es eine quasi „Selfie Liveberichterstattung“ von wichtigen Verhandlungen geben würde.
Die heutige Art Politik zu betreiben wird tatsächlich zunehmend mehr, ein fast schon pervers anmutendes Gegenstück zu den jahrhundertealten Erkenntnissen diplomatischer Klugheit.
Die Autokraten dieser Welt beherrschen nur ein Mittel – maximaler Druck. Der Grundgedanke: Es gibt nur einen Sieger und dementsprechend einen Verlierer. Eine Psychologie wie aus der Steinzeit.
Die Geschichte zeigt an vielen Beispielen, dass eine Weiterentwicklung nur dann möglich wird, wenn wir die Befindlichkeiten der jeweiligen Gegenseite sensibel und umfassend ausloten. Wenn wir diese kennen, akzeptieren und berücksichtigen.
Erfolgreich wird man nicht durch die bedingungslose Kapitulation des Verhandlungspartners. Erfolg bedeutet möglichst viel der eigenen Standpunkte durchgesetzt zu haben, aber dem Gegenüber den Erfolg zu gönnen.
Ihm seine Ehre zu bewahren und auch strahlen zu lassen. Hierzu braucht es mentale innere Stärke, Zurückhaltung und Geduld. Dies sind die wesentlichsten Merkmale von erfolgreicher Diplomatie.
Schaue ich heute in die Nachrichten unserer Welt, betrachte viele Debatten in unserem Land oder auch in viele Betriebe, so vermisse ich diese alte Kunst der klugen Diplomatie immer öfter!

Ich vermisse Diplomaten …..

Die besten Tabletwischer ….?

Heute konnte ich am Rande einer Veranstaltung in Berlin an einer intensiven Diskussion darüber teilnehmen, wie eine Digitalisierung der Schulen aussehen könnte oder müsste.

Die unvollkommene Ausstattung der Schulen mit Tablets, Notebooks, W-Lan, Internet etc. wurde dabei angesprochen.
Ich habe die provokante Frage gestellt womit wir in Zukunft eigentlich bestehen wollen. Was ist unser Alleinstellungsmerkmal?
Gewinnen wir tatsächlich die Zukunft, wenn wir nur genügend der elektronischen Helfer im Unterricht verwenden? Die seligmachende Wirkung einer Technikinvasion in Frage zu stellen, führte zu Schnappatmung bei meinen Gesprächspartnern.

Ich bin sehr dafür unsere Schüler mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen und das Lernen zu einem großen Akt der Freude zu machen. Wir müssen unendlich mehr in unsere Bildung investieren!

Ich glaube nur nicht daran, dass die technischen Spielereien unsere sonstigen gravierenden Schwächen bei der Bildung quasi wieder ausbügeln. Ist der Digitalpakt vielleicht sogar nur eine fatale Nebelkerze, die den klaren und nüchternden Blick auf die tatsächlichen Herausforderungen in, an und mit den Schulen wieder einmal verhindert?

Das Wettrennen mit den neuesten aktuellsten Apps und der coolsten Hardware zwischen Schule und Privatbereich verliert die Schule sowieso!

Wollen wir die besten Tablet und Smartphone Wischer der Welt heranbilden, oder liegen unsere Stärken nicht vielmehr in anderen Fähigkeiten?
Dass wir ohne Tabu´s kreuz und quer denken und hinterfragen dürfen und sollen.
Dass wir kreative und innovative Ideen durch Perspektivenwechsel erlernen. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern und Kulturen dürfen und sollen unsere Kinder kritische Fragen stellen. Dies ist eine Stärke die uns auszeichnet!
Eine Frage oder eine Aufgabe löst man am einfachsten aber nicht am besten durch das kopieren schon erfolreicher Antworten!
Wir waren immer so erfolgreich weil wir mit den Aufgaben und Problemen durch tiefes Nachdenken gerungen haben. So etwas können wir durch unsere Kultur doch eigentlich am besten? Unsere Menschen können, geprägt durch unsere offene und freiheitliche Gesellschaft, Herausforderungen durch freiheitliches Lernen aus allen Blickwinkeln, durch Konzentration, Fokussierung und Können meistern!

Reines Wissen ist heute jedoch allgegenwärtig und sofort weltweit abgreifbar. (Frag doch mal Google oder Youtube). Zu wissen wo wir etwas suchen müssen ist also überhaupt kein Wettbewerbsvorteil mehr!

Verschiedene Studien zeigen eine Reduzierung der Intelligenz in allen Industrieländern. Kann es sein, dass wir uns durch immer weniger lesen und denken, durch Paste an Copy Lösungen, durch immer weniger schreiben und immer mehr Gedaddel und Getippe zurückentwickeln? Wann werden wir, im vermeintlichen Land der Dichter und Denker, erklären müssen warum Lesen und richtiges Schreiben einen hohen Wert haben?

Auf eine Tablet Invasion an den Schulen können wir m.E gut verzichten. Stattdessen würden mir sehr viele Dinge einfallen die notwendiger wären?

Die besten Tabletwischer ….?

Europa ist nicht das Problem, sondern die Lösung.

Es gibt in Europa nur zwei Arten von Ländern. Diejenigen die wissen dass sie zu klein sind um im Kampfring der Weltwirtschaft bestehen zu können ….. und die anderen die dies noch nicht wissen. Ohne ein vereintes Europa sind alle europäischen Einzelstaaten zu klein und zu unbedeutend, um auf der Welt mit anderen Staaten auf Augenhöhe bestehen zu können.
Diese Tatsache leugnen die zahlreichen Nationalisten und Rechtspopulisten. Sie sind in ihrem populistischen Furor ohne durchdachte Antworten. Sie sind verblendet, blind ohne Faktenkenntnis und bestenfalls naiv und gefährlich. Ihre Politik gegen ein vereintes Europa führt dazu, dass die Giganten auf der Weltbühne, wie z.B China oder die USA, Europas Einzelnationen nach Belieben durch den Ring treiben werden. Die neuen Rechten, die Meuthens, Orbans, Salvinis, Baudets und Le Pens wollen aus ihrer politischen Verblendung heraus die EU in einer so wichtigen Zeit schwächen und damit verraten!
Sie sind, so eindeutig muss man es sagen, einfach nur nützliche Idioten für unsere Konkurrenten auf der ganzen Welt.
Gerade für uns in Deutschland, im Zentrum Europas, gibt es viele offene Flanken. Die USA, lange Zeit der wichtigste Verbündete, wird immer unberechenbarer. Die Briten sind mit sich selber und dem Elend des Brexits beschäftigt und paralysiert. Unser östlicher Nachbar ist mit Präsident Putin undurchschaubar und unkalkulierbar. Die Türkei unter Erdogan verwandelt sich Schritt für Schritt in eine Diktatur.
Es ist kein Ende in Sicht bei der Katastrophe im Nahen Osten. Ein Krieg folgt dem nächsten. Und wie es in Afrika und speziell im Norden dieses Kontinents weitergeht – keiner wagt Prognosen.
Und dies alles in einer Situation in der sich mit China eine totalitäre Weltmacht entwickelt die ein komplettes Gegenmodell zu unseren demokratischen freien Gesellschaften darstellt.
Wer glaubt dass Deutschland in einer solchen Ausgangslage alleine bestehen kann leidet an völliger Realitätsblindheit. Wir sind auf verlässliche Partner angewiesen. Partner die unsere Werte teilen. Nachbarn mit denen wir die Grundlage für unseren Wohlstand, unsere Wirtschaft, stärken können. Partner die unsere politischen Ziele und Visionen unterstützen.
Europa ist nicht das Problem, Europa ist die Lösung! Wir brauchen zwingend ein starkes Europa. Und wenn wir hundertfach über manche Entscheidungen in Brüssel den Kopf schütteln und auch wissen, dass wir die EU verändern und verbessern müssen.
Nur in diesem Bündnis können wir bestehen, sichern wir den Frieden und werden in der Lage sein, die großen Zukunftsfragen grenzübergreifend zu klären. Entscheidend wird sein, dass die verantwortungsbewussten Menschen bei der Europawahl ihr Wahlrecht auch nutzen. Nur so bleiben die Radikalen in dieser wichtigen Zeit dort wo sie hingehören. Am Rand und in der Minderheit.

Europa ist nicht das Problem, sondern die Lösung.

Klugheit statt Schlagzeilen

Die aktuelle hypererregte Debatte um einige Aussagen eines führenden Jungsozialisten kann man nur mit Kopfschütteln verfolgen. Grundsätzlich tut es einer Demokratie gut, wenn keine Denkverbote für jeweilige politische Sichtweisen erteilt werden.
Eine weitere kurze Feststellung für die heftigen Debatten und Meinungsäußerungen wäre die Anerkenntnis, dass es den Sozialismus oder den Kapitalismus in einer derartig festen Form nicht gibt. Alle Systeme verändern sind fortlaufend und sind letztendlich jeweils das, was man daraus macht. Insofern ist es auch falsch (insbesondere bei uns) den (!!) Kapitalismus für alles böse und schlechte verantwortlich zu machen. Es gibt dort wie auch bei den Sozialistischen Sytemen schlimme Auswüchse.

Grenzen in politischen Meinungsäußerungen bestehen m.E nur darin, wenn gegen unser Grundgesetz agiert, wenn Inhumanität, Hass und Hetze, Intoleranz und Rassismus als Agitationsbasis für eine Meinung dienen.

Einige Gedankensplitter zu den Ausführungen von Kevin Kühnert.

Ich kenne tatsächlich einige Unternehmer die dem klassischen Feindbild aus dem linken Betrachtungswinkel entsprechen.
Sie sind gar nicht schwer sie zu benennen. Es gibt diese Manager, die sich trotz mieser Leistungen fürstlich belohnen lassen. Die unser Gemeinwesen und unser Wirtschaftssystem als Selbstbedienungsladen verstehen. Die ohne Rücksicht auf das Gemeinwohl, bar jeder Werte, Tugenden und ohne Ehre, verantwortungslos agieren.

Doch ich kenne viel viel mehr, insbesondere kleine und mittelständische Unternehmer und Gründer, die mit ihrem beeindruckenden Engagement die Basis für unseren Wohlstand bilden. Diese Macherinnen und Macher bilden den Großteil der Unternehmer. Sie sind aber selten Gäste in den Talkshows.

Abstrakte Debatten über die Überwindung des Kapitalismus bzw. das grundsätzliche und ausgeprägte Misstrauen gegenüber Unternehmern ist wenig hilfreich. Wir brauchen mehr statt weniger Menschen die etwas unternehmen (Unternehmer)?!
Werden wir doch einmal konkret.
Hätte sich die Meyer Werft in Papenburg zu einem solchen Global Player, zu einem derart dynamischen Betrieb entwickelt, wenn nicht eine Schiffbauverrückte Unternehmerfamilie über Generationen das Steuer in der Hand gehabt hätte?

Hätte sich Enercon ohne die sture Besessenheit eines Aloys Wobben so entwickelt?

Ich habe die Gründer von Bohlen und Doyen gekannt und bewundert. Aus einem Zwei Mann Betrieb haben diese kantigen Typen etwas Beeindruckendes geformt. Und unvergessen die abenteuerliche Geschichte von Rolf Trauernicht mit seiner Trauco. Mit einem einfachen Transportfahrrad begann seine unvergessliche Erfolgsgeschichte.
Sie alle haben in überaus hartem persönlichen Einsatz über viele Grenzen hinaus am Zustandekommen eines erfolgreichen Unternehmens gearbeitet.
Als Camper kenne ich den faszinierenden Eigentümer der Hobby Werke in Rendsburg persönlich.
Es gibt nicht nur die Gründergeschichten aus den USA mit Bill Gates und Microsoft aus der Garage.
Auch Harald Striewsky hat in einer halbrunden Wellblechgarage mit dem Wohnwagenbau angefangen. Er hätte es viel bequemer haben können. Er baute in der Garage an den Wohnwagen. Seine Frau nähte die Gardinen und die Polster. Darüber hinaus machte sie die Buchhaltung. Ohne Rast und Rücksicht auf sich selber brannte Harald Striewsky für seine Idee und baute eine Unternehmensgruppe auf, die heute zigtausende Menschen beschäftigt. Will man mit solchen Menschen ernsthaft eine kritische Diskussion zum Unternehmertum führen und eine solche Lebensleistung in Frage zu stellen?
Hätte ein, wie auch immer geartetes Kollektiv, diesen Durchhaltewillen aufgebracht?  Zweifel sind angebracht – oder?

Wir als Meyer Werft kooperieren mit der Universität in Groningen. Um diese beeindruckende Universität herum boomt die Startup City. Wer in diese Universität hineingeht, spürt wie viele der jungen Leute geradezu infiziert werden mit einem außerordentlichen Gründerwillen. Erstaunlich viele äußern den Wunsch erfolgreiche Unternehmer werden!

Ein solches kreatives Gründerklima zu entfachen und zu unterstützen – das wäre in unserem Land notwendiger denn je. Wir brauchen eine Vielzahl leidenschaftlicher kreativer Gründertypen, also der Unternehmer von morgen. Wie helfen wir dabei? Darüber sollten wir tatsächlich nachdenken!

Unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft müssen sich einer völlig neuen Zeit und ihren vielfältigen Herausforderungen stellen.
Dazu gehören auch Erkenntnisse die unsere heutigen Denkmuster über den Haufen werfen. Eine dauerhaft erfolgreiche und innovative Wirtschaft braucht in unserem Kulturkreis eine offene, freie, demokratische Gesellschaft. Wirtschaften ohne Rücksicht auf die ökologischen Lebensgrundlagen oder ohne einen anständigen fairen und nicht spaltenden Umgang miteinander, wird allerdings kein zukunftsfähiges Modell mehr sein.
Wir alle müssen mehr Mut und die Bereitschaft haben um liebgewordene ideologische Bastionen und einfaches schwarz-weiß Denken hinter uns zu lassen.

Mit der Auseinandersetzung zu den Kühnert Äußerungen gehen die Diskussionen vom linken Spektrum bis zu den liberal konservativen Wortmeldungen allerdings leider meilenweit an den tatsächlichen Herausforderungen vorbei.

Die soziale Marktwirtschaft, der Kapitalismus, müssen sich, wenn dieses System in einer globalen Welt weiter bestehen will, schnell verändern und erneuern. Es macht keinen Sinn im Gestern zu verharren. Er muss neue Antworten geben auf die großen Herausforderungen unserer Zeit.

Und die linke Debatte sollte akzeptieren und verstehen, dass es keine Beispiele dafür gibt, dass ein theoretisch ausgebufftes sozialistisches Grundmodell zwingend eine erfolgversprechende Alternative zum Unternehmertum ist. Ohne ehrgeizige Menschen mit dem Streben nach Erfolg und ja – auch Gewinn wird es nicht gehen!

Wir reiben uns auf an ideologischen Grundsatzdebatten. Dabei sollten wir besser erkennen wie winzig klein wir im weltweiten Kampfgetöse sind.
Alle Ziele die wir für wichtig erachten (ein fairer und anständiger Sozialstaat; Bildung; Klimaschutz und ökologisch nachhaltiger Umsteuerung) werden nur auf der Basis eines erfolgreichen und damit auch konkurrenzfähigen Wirtschaftens machbar sein. Wie wir dies bewerkstelligen, darüber sollten wir uns in einer globalen Weltwirtschaft Gedanken machen. Die Realitäten auszublenden und Wunschträumen zu unterliegen, wäre ein für unsere Zukunft historischer Fehler und eine gefährliche Illusion.

Wir haben so viele Aufgaben zu erledigen die nur darauf warten angepackt zu werden.
Darüber sollten wir streiten! Und im Übrigen gibt es in der politischen Umbruchdebatte nicht nur die Alternative des demokratischen Sozialismus oder seinem Pedant, der neoliberalen Marktradikalität.
Es gibt m.E auch die sehr reale Chance für eine Veränderung und Entwicklung zu einem sozialen und ökologischen Kapitalismus.

 

Klugheit statt Schlagzeilen

Lebenskunst

Eine beeinträchtigende Krankheit und langwierige Schmerzen können tatsächlich zu einer Lehrzeit der Lebenskunst und der Gemütsbildung werden (frei nach Novalis).

Das Leben geht nicht immer geradeaus. Es macht manchmal völlig überraschend irre Kurven, geht durch Täler und über Höhen. Und wahre Lebenskunst besteht wohl darin, während dieser Achterbahnfahrt die vorbeiziehende Landschaft (das Leben) in all ihren vielfältigen Facetten aufzusaugen, diese zu genießen und zu bewundern.

Lebenskunst

Legenden und Wunschträume

Legenden!

Manchmal ist es ermüdend ein Deutscher zu sein.
Wir tragen ein Selbstverständnis mit uns herum, das mittlerweile zu einem erheblichen Teil nur noch aus Legenden besteht.
Der Blick auf unsere enormen Exportüberschüsse vernebelt den Blick auf die Herausforderungen die vor uns liegen!
Wir verwalten Erfolge der Vergangenheit.
Wir verkaufen extrem erfolgreich Technik von gestern und heute!
Doch die Ideen für morgen werden woanders entwickelt.

Das Volk der Dichter und Denker wähnt sich in einer sicheren Burg und beobachtet von den Burgmauern das Geschehen um uns herum. Nur in einer solchen vermeintlich sicheren Burg kann man sich der dummen Illusion von politischem Nationalismus ökologischem und ökonomischen Egoismus und fast schon sprichwörtlicher Besserwisserei und Arroganz hingeben.

Wir erlauben uns eine Bildungspolitik die in einer globalen Welt keineswegs Spitze ist. Ein nüchterner Blick in unsere Schulen zeigt wo unsere Prioritäten liegen.
Wir betreiben und verstehen Bildungspolitik, im Übrigen die einzige Kernkompetenz unseres Landes, nicht als strategische nationale Aufgabe sondern als regionale Hobbywerkstatt der einzelnen Bundesländer.

Wir tragen das Gefühl mit uns herum (und pflegen diese Legenden) dass alle anderen unsere Erfindungen nur kopieren und die richtig großen Innovationen aus unserem Land kommen.
Doch dies ist mittlerweile nur noch ein Märchen. Die Realität ist brutal anders! Viele Innovationen kommen schon lange aus anderen Ländern, aus anderen Ideenschmieden! Unser ausschließlicher Optimierungs und Effizienzwahnsinn verwandelt sich in ein Monster das uns am Boden hält während andere fliegen!
Und wir sind so unendlich langsam und „lahmarschig“ geworden.
Wir haben uns daran gewöhnt ein bürokratischer Schneckenstaat zu werden.

Die Umsetzung notwendiger Infrastrukturmaßnahmen unterhalb einer 10 Jahres Grenze? Kaum noch denkbar?!

In der Geschwindigkeit mit der wir uns heute der Zukunft anzupassen versuchen, in der wir wichtige Entscheidungen treffen und neue Gedanken für die Zukunft entwickeln, hätte der Wiederaufbau unseres Landes wahrscheinlich 300 Jahre gedauert.

Nicht nur skandinavische Ländern lassen uns bei der Geschwindigkeit von Entscheidungen, bei Digitalisierung und der Bildungspolitik ganz alt aussehen.

Ganz stolz vermelden die Autobauer dass sie jetzt das Wettrennen mit Tesla aufgenommen haben und sich mit Amazon verbünden.
Wenn es nicht so traurig wäre müsste man lauthals lachen.
Wir rennen einer andernorts entstandenen und bei uns verschlafenen Entwicklung einfach nur wieder hinterher. Wir sind die Ersatzspieler die von der Bank auf das Spielfeld gelassen werden.

Viel zu oft stehen wir schon nicht mehr an der Spitze der Entwicklungen.
Wir reden von Innovation und erfassen kaum was diese tatsächlich bedeuten müssten!
Wir reden von Zielen ohne ernsthaft zu prüfen welche Anforderungen und Aufgaben damit für uns selber verbunden sind. Wir reden den lieben langen Tag von vielen Rechten und Ansprüchen ohne die damit einhergehenden Pflichten auch nur zu erwähnen! Bequemlichkeitsdenken allerorten.

Wo sind unsere mutigen neuen vielleicht sogar revolutionären Ideen und Konzepte für die Zukunft?

Wir wissen doch alle, um bei dem Beispiel der Mobilität zu bleiben, dass die E-Autos nur ein kleiner Teil eines Mobilität Gesamtkonzeptes sein können?! Und wir wissen doch alle, dass wir gar nicht so viele Batteriefabriken herstellen können und wollen um alles auf E-Mobilität umzustellen.
Mal ganz abgesehen von den nur sehr begrenzt zur Verfügung stehenden Grundstoffen für diese Batterien!

Wo ist die große Gesamtstrategie? Oder beobachten wir erst einmal was China, Google, oder Amazon machen, um es dann zu optimieren? Ist das unser Anspruch?

Manchmal ist es in diesen Tagen anstrengend ein Deutscher zu sein und an der Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu verzweifeln.

Legenden und Wunschträume

Wie eine Blume in der Arktis …

Eine spannende Online Diskussion in meinem Netzwerk veranlasste mich doch zu einem kurzen Gedankensplitter.
Wir diskutierten sehr leidenschaftlich (soweit dies digital überhaupt geht), über Bildung.
Über die Bedeutung von Wissen in einer sich rasant wandelnden und unkalkulierbaren Welt. Was erfordert diese neue Welt an Wissen, an Aus,- und Weiterbildung?
Welche Anforderungen entstehen, nicht nur an Wissen, sondern auch am „Können“?!
Wissen ist doch Macht!? Dieser Glaubenssatz stand im Raum.
Doch ich mochte diese so oft genutzten Sonntagsphrase nicht unwidersprochen stehen lassen.

Ganz ohne Zweifel ist Wissen elementar. Sie ist der unabdingbare Nährboden für eine funktionierende Demokratie. Für freie und offene Gesellschaften, gegen blindwütigen Populismus. Sie ist die Antibiotika gegen die vielen gärenden Eiterherde von Lügen und Legenden (heute Fake News genannt).
Doch helfen uns wohlfeile Phrasen und oberflächliche Sonntagsreden zur Bildung tatsächlich weiter?

Wissen ist heute allgegenwärtig.
Fast unendliches Wissen ist heute nur einen Mausklick weit entfernt.
Doch reines Wissen ist letztendlich brotlose Kunst, wenn diese nicht zur Anwendung kommt!!!
Wir häufen in einer unglaublichen Geschwindigkeit Unmengen von Wissen und Erkenntnissen an. Aber wir scheitern viel zu oft kläglich daran, die Chancen und die Energie dieser Erkenntnisse auch zu nutzen! Sie bleiben zu oft Theorie und werden nicht Praxis!

Eine gute Zukunft erhalten Nationen, Gesellschaften und Betriebe nur dann, wenn einerseits möglichst vielen Menschen chancengleicher Wissenserwerb ermöglicht wird. Wenn dieses Wissen ohne Unterschied und auf allen Ebenen und nicht nur in den Universitäten und Hochschulen vermehrt, aber andererseits im täglichen Leben auch zur Anwendung gebracht wird.

Eine zukunftsorientierte Wissensgesellschaft werden wir nur dann, wenn das Wissen nicht auf einige wenige konzentriert wird. Es gilt den Tendenzen entgegenzutreten, dass sich eine neue Bildungsaristokratie herausbildet.
Schaut man sich die Stellenausschreibungen von heute an, erkennt man schnell ein Muster.
Chancen basieren heute viel zu oft auf der reinen Dokumentation von erworbenem Wissen und weniger daran, zu erkunden welche praktische Bedeutung, welches Können sich hinter der Theorie verbirgt. Welche Bereitschaft und Fähigkeit vorhanden ist dieses auch praktisch umzusetzen. Und unsere heutigen Organisationen und Organigramme wirken wie Sperrwerke gegen die praktische Anwendung von neuem Wissen und draus resultierenden Erkenntnissen.
Wir müssen aber lernen, dass erworbenes theoretisches Wissen die eine und dass das Können und die Bereitschaft zur Anwendung die andere Seite der gleichen Medaille sind. Dies klingt banal, ist aber keine Selbstverständlichkeit!

Schülern reden ganz offen darüber, wie wenig sie glauben, dass ihr erworbenes Wissen ein wichtiger Baustein im Leben sein wird.
Auszubildende wissen in viel zu vielen Betrieben, dass ihr Wissen und ihre neuen Gedanken keineswegs sehnsüchtig erwartet werden!

Wir konzentrieren uns in den besagten Sonntagsreden wesentlich lieber auf die reine Wissensvermittlung. Doch damit springen wir für die Zukunft zu kurz.

Wissenserwerb ohne organisierte, selbstverständliche Anwendung im richtigen Leben, erstarrt und erfriert wie eine Blume in der Arktis.

Die neue Welt, fordert von uns allen extrem schnelle Anpassungen und viele Ideen.
Wer diese Spielregeln akzeptiert und jetzt an die Schwerfälligkeit unseres Landes und vieler Betriebe denkt, der wird sich fragen wie wir dies denn bewerkstelligen können?

Vielleicht indem wir völlig neu denken?

Bisher werkeln viel zu oft nur wenige Spezialisten (oder jene die sich dafür halten) an den Systemen, Bürokratien, an der Gesellschaft, an den Organisationen der Betriebe.

Alle anderen leben in (!) diesen Systemen.

Die Zukunft wird aber von uns fordern das wir alle mit unseren Fähigkeiten, Erfahrungen und unserem Wissen, am System, an der Gesellschaft und an den Betrieben und nicht nur in denselben arbeiten.

Wissen entwickelt uns alle weiter, wenn es nicht nur erworben, sondern angewendet werden darf und soll!

Zukunft bedeutet, dass nicht mehr die Menschen in den politischen oder wirtschaftlichen Rahmen „zurechtgestutzt“ werden, sondern die Menschen ändern Systeme, Ordnungen, Betriebe!
Anpassungsfähigkeit, die Grundlage allen ökologischen und ökonomischen Überlebens, bedeutet dass Menschen mit ihrem kollektiven Wissen ununterbrochen die Umgebungsbedingungen verändern und flexibilisieren.
Alte Organigramme und Hierarchien, zu denen u.a auch die Wissenshierarchien gehören, sind in der entstehenden neuen Welt Relikte einer dem Untergang geweihten Zeit. Nur wer bereit ist liebgewordene Strukturen, Hierarchien, Abläufe und Organigramme grundsätzlich in Frage zu stellen ist bereit für diese Zeit.

Eine solche Diskussion zum Zielpunkt von Bildung zu führen macht Spaß und ist mehr als eine beliebige Phrase in einer Sonntagsrede.

Wie eine Blume in der Arktis …