Vorbild sein….?

Achte auf Deine Gedanken

Mit gutem Beispiel voranzugehen, ist nicht nur der beste Weg, andere zu beeinflussen, es ist der einzige.

Albert Schweitzer

Die Gedanken die ich hier schreibe, verlangen mir selber einiges ab. Die ehrliche Reflexion des eigenen Verhaltens ist so notwendig wie schwierig.
Wer seine Meinungen zu strittigen Themen äußert, hört nicht selten die kritische Frage nach dem eigenen Verhalten. Und wer von uns ist schon ohne Brüche und Fehler?

Anleitung von Menschen oder meinetwegen auch Führung jedweder Art, ist keine Frage der erlangten Position. Vielmehr ist die eigene sichtbare Haltung und das konkrete Verhalten die Basis von Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Diese bildet die Grundlage für erfolgreichversprechende Überzeugung und Führung. Führung entsteht auch nicht durch Wahlen, Schulungen, Qualifikationen oder Beförderungen.
Anständige, zukunftsweisende Führung in Politik, Familie und Betrieben beruht viel öfter wie wir dies wahrnehmen wollen, auf Nachahmung einer vorbildhaften Haltung und eines daraus resultierenden Verhaltens statt auf Unterordnung.
Verliert man seine Vorbildfunktion verliert man die Menschen.

Nun mag man mit Hinweis auf heutige Autokraten und ihren Zwillingsbrüdern, den Populisten, Einspruch erheben. Doch Populisten führen nicht, sie verführen Menschen. Sie verkörpern (Star Wars lässt grüßen) die dunkle Seite der Macht,  indem sie mit den schlechtesten Eigenschaften der Menschen spielen.

Wie viel Streit, Widerstand und Leid könnten wir uns ersparen, wenn wir selber ehrlich, beispielhaft, nachvollziehbar und authentisch jenen Wandel verkörpern würden, den wir einfordern. Wenn wir wie selbstverständlich andere Meinungen akzeptieren ohne auszugrenzen. Indem wir Menschlichkeit und Freundlichkeit Tag für Tag praktizieren. Indem wir jeden Tag überlegen wie wir Schaden an unserer Umwelt vermeiden (Fahrrad statt Auto; Bahn statt Flugzeug; Strom sparen wo es geht usw. usw.) Wenn sichtbar wird, wie konkret Forderungen an uns alle in einem konkreten individuell verändertem Verhalten münden.

Ob im direkten menschlichen Umgang miteinander, in der politischen Debatte, bei Fragen zum Schutz der Natur, überall ist eine authentische, eine ehrliche Haltung gefragt.

Von Mahatma Gandhi erzählt man sich folgende Geschichte.

Eine Frau kam mit ihrem Sohn von weit her, um Gandhi zu sehen. Sie wahr besorgt, weil ihr Sohn zu viel Zucker aß und, obwohl er davon krank wurde, nicht davon lassen konnte. Sie wartete viele Stunden geduldig und als sie an der Reihe war sagte sie: “Bitte Meister, sagt meinem Sohn, er soll aufhören, Zucker zu essen.” Gandhi blickte dem Jungen tief in die Augen und antwortete dann der Mutter: “Bringt ihn mir in zwei Wochen wieder.” Enttäuscht reiste die Frau nach Hause und kam nach zwei Wochen wieder. Als sie dieses Mal vor Gandhi traten, sagte dieser: “Junge, du musst aufhören, Zucker zu essen.” Aus Respekt vor dem großen Gandhi und seiner Weisheit, versprach der Junge, keinen Zucker mehr zu essen und führte seitdem ein gesundes Leben. Die Mutter aber war verwirrt und fragte Gandhi: “Warum habt ihr das meinem Sohn nicht schon vor zwei Wochen gesagt?” Gandhi antwortet: “Vor zwei Wochen aß ich selbst noch viel Zucker. Ich musste erst damit aufhören.”

Hätten wir so gehandelt wie Gandhi?

Wie viele gute Ratschläge geben wir, ohne unser eigenes Verhalten zu reflektieren? Auch ich gab in meinem Leben schon eine Menge an Hinweisen und Vorschläge. Stets gut formuliert, aber manchmal auch irgendwie leb,- und kraftlos, weil sie nicht authentisch waren.

Oft predigen wir Wasser und trinken selber Wein in unseren vielen Besprechungen und Sitzungen, in Gremien,  in der Politik oder gegenüber unseren Kindern. Ganz besonders bewusst wird mir das in diesen Tagen wo wir um den Umgang mit der Zukunft unserer Kinder und Enkel, über die Klimaveränderungen streiten. Wir wissen alle ganz genau was die und wir machen sollten. Doch der Übergang vom wir zum ich fällt schwer. Was tun wir konkret selber um die Welt besser zu machen? Wo sind Vorbild?

Vorbild sein….?

Gedankengefängnisse sprengen

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Was erwarten wir eigentlich von unserer Zukunft?

Erschöpft sich unsere Vorstellung von Zukunft im beibehalten des Heute?
Haben wir so viel Angst vor dem Morgen angehäuft, das wir diese Zukunft mehr mit dem Blick in den Rückspiegel als nach vorne gerichtet suchen?

Wenn ein Igel Angst hat, rollt er sich ein und schottet sich mit seinen Stacheln ab. Der Igel weiß, dass diese maximale Defensive nur ein vorübergehender Zustand ist.
Wenn wir uns abschotten und einigeln hat dies auch mit Angst zu tun. Doch zu oft vergessen wir dabei das diese Abwehrhaltung auch Bewegungsunfähigkeit bedeutet. In einer solchen Position erlangen wir keine neuen Erkenntnisse, können uns nicht verändern oder mit anderen gemeinsam Probleme lösen.

Unser Traum von Zukunft kann sich nicht nur in der Optimierung heutiger Systeme oder Techniken erschöpfen.

Um im Beispiel der Mobilität zu bleiben, – heute streiten wir uns über Verbrennermotor, Brennstoffzelle oder Elektromobilität.
Was wäre, wenn wir den Gedanken zulassen, dass es gar keine Autos in den Städten mehr gäbe? Wie müssten dann unsere Mobilitätskonzepte (auch auf dem Land) aussehen? Wie würde dies unser Leben und unsere Welt ändern?

Ob in der Arbeit, im Leben, in der Medizin, bei unserem Wohnen, dem Lernen, im Umgang mit der Umwelt, der Produktion unserer Nahrung – viel zu oft bewegen wir uns nur noch im Verbesserungsprozessmodus des Bestehenden.
Mit Angst, Unsicherheit, Phantasielosigkeit, Zahlen,- und Problemfixiertheit, Budgetgläubigkeit, bürokratischen Reglementierungen und Verboten igeln wir uns ein.
Ein anderes Beispiel. Ein Tierwohllabel hilft unserem Gewissen, ändert aber nichts am Elend und Abhängigkeit der Bauern in einer industrialisierten Landwirtschaft und an den Auswüchsen der Massentierhaltung.
Wie sähe auch dort eine völlig andere Zukunft aus?
Welche völlig „abwegigen“ Ideen haben wir? Was wollen wir, was sind wir bereit dafür zu leisten und was müssten wir dazu tun?

Die gesellschaftliche, die technische und unsere ökonomische und ökologische Zukunft braucht mehr als nur einen besseren Status quo.

Die Menschheit hat sich immer entwickelt in dem Wunsch und dem Streben nach einer besseren Zukunft. Viele Probleme haben wir auf diesem Weg erzeugt. Wir haben haben aber auch bewiesen, wozu wir in der Lage sind.
Weil wir um unsere erstaunlichen Fähigkeiten aus der Vergangenheit wissen, müssen wir nicht deshalb von uns völlig neue visionäre Entwürfe und Ideen erwarten?
Wo sind diese? Wo gibt es „Träumer Initiativen“, Verbände, Vereine oder gar Fanclubs für Visionäre? Ein Zukunftsspinnerclub in dem nichts anderes gemacht wird als verrückte neue Ideen auf die Bühnen dieser Welt zu zerren?
Wo finden sich geschützte Querdenkerräume in Betrieben, Parteien, Organisationen?

Wir haben als Land keine Rohstoffe. Unser Schatz sind die Menschen.

Ehrlicherweise erspare ich mir das ausführliche Studium der Statements in den sozialen Medien, um den Glauben daran nicht zu verlieren.

Ich bin davon überzeugt, dass wir immer noch genügend kreativ Ressourcen haben um eine gute Zukunft zu finden. Was können wir alle gemeinsam tun, um uns aus den Gedankenkäfigen zu befreien und mit neuen Ideen alles außer gewöhnlich zu sein?

 

 

Gedankengefängnisse sprengen

Klimastreit ist verschenkte Zeit ….

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Wenn man sich mit etwas Abstand die ganzen Statements zur globalen Klimaentwicklung in den sogenannten „Sozialen Medien“ anschaut, kann man nur mit dem Kopf schütteln. Meinungen werden zu Festungen und uneinehmbaren Bollwerken ausgebaut. Alle Beiträge (ob belegt oder auch nicht), die die eigene Position stützen, werden fleißig geteilt und „gelikt“. Die gedankliche Schützengräben werden immer tiefer ausgehoben.

Treten wir vielleicht einen Schritt zurück und betrachten das Gesamtbild?

Nur eine radikale Minderheit stellt doch ernsthaft in Frage, dass es überhaupt einen gravierenden Klimawandel auf der Erde gibt.
Ein wesentlicher Treibstoff bei der Erderwärmung ist, ebenfalls unstrittig, das Co2.
Den meisten Streit gibt es über den Anteil des Menschen bei diesen Veränderungen.

Normalerweise bekämpfen wir Menschen in Krisensituationen die erkannten Gefahren!
Wir agieren mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln, mit Entschlossenheit, aller Energie und den besten Ideen. Wir tun etwas und verheddern und blockieren uns nicht vorher in endlosen Debatten um Schuld. Warum handeln wir nicht so „normal“ bei der Klimaveränderung?

Bei unseren Vorfahren überrollten immer wieder Sturmfluten die Küsten. Diese Gefahren waren, wie die Klimaveränderung, real.
In diesem Fall zweifelsohne nicht vom Menschen verursacht. Doch zum Schutz der Menschen wurden Deiche gebaut. Dieser Kraftakt kostete Zeit, Aufwand, und viel Arbeit. Nichts blieb so, wie es war.

Milliarden von Menschen geraten schon heute durch die Klimaveränderungen in große Gefahren. Die Veränderungen werden auf der Erde sehr unterschiedlich ausgeprägt und schnell ausfallen. Insbesondere die nachfolgenden Generationen werden die Folgen jedoch überall spüren.
Doch statt entschlossen zu handeln, begeben wir uns auf die Suche nach Schuldigen. Damit verschwenden wir unwiederbringlich wertvolle Zeit!
Der Kreislauf des Streites um den Verursacher nimmt uns die Chance, die Gefahren erfolgversprechend zu bekämpfen.

Nehmen wir einfach mal an, der Mensch wäre nicht der Treiber dieser Klimaveränderungen.
Wie bei den Sturmfluten müssten wir uns doch gleichwohl kümmern – oder?
Nichts zu tun ist Selbstmord bzw. unterlassene Hilfeleistung an der Zukunft!
Wir wissen das Co2 der Treibstoff für die Erderwärmung ist. So muss es doch unsere Aufgabe sein, die Befüllung der Atmosphäre mit diesem Stoff mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu reduzieren? Egal wo und bei wem!

Unser individueller Beitrag falle kaum ins Gewicht, so wird gesagt. Diejenigen die im Angesicht anrollender Hochwasserflutwellen an den Flüssen Tag und Nacht einzelne Sandsäcke auffüllen und heranschleppen stellen sich diese Frage doch auch nicht! Jeder einzelne erbringt seinen Beitrag.

Ehrliches Fazit:
Wir wissen alle, dass es den Klimawandel gibt.
Wir wissen, was diesen befeuert.
Wir wissen um das Ausmaß der Bedrohung.
Wir wissen, dass jeder Tag, den wir heute im endlosen Streit verschwenden, unwiederbringlich eine verlorene Chance zur Gefahrenabwehr ist.
Wir wissen dies alles, streiten, bekämpfen und blockieren uns und tun zu wenig.

Wir wissen was passiert und dass es, (völlig unabhängig von der Schulddiskussion) unsere Pflicht wäre, zu kämpfen.

Doch mit dem Wunsch, unseren Lebensstil, unser Verhalten, unseren heutigen Konsum so zu beizubehalten, saugen wir die Zukunft unserer Kinder und Enkel aus.

Klimastreit ist verschenkte Zeit ….

Wenns dem Esel zu gut geht ….

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Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis (tanzen)
Eine alte Redensart“

Eine Diskussion mit zwei Menschen die ich eigentlich recht gut zu kennen glaubte, stellt mich vor ein Rätsel.
Ich kenne beide noch aus Zeiten, in denen in unserer Region die Arbeitslosenzahlen in schwindelerregenden Höhen waren.
Aus einer Zeit, in der Kinder kaum eine Chance für eine erfolgreiche Zukunft in unserer Heimat hatten.

Heute besitzen beide ein schmuckes Einfamilienhaus und fahren Audi A4 bzw. einen SUV von Volkswagen.  Jedes Jahr, so erzählen sie stolz nach dem ersten Small Talk über´s Wetter, ist Österreich bzw. Südtirol das bevorzugte Urlaubsziel.
Die Kinder studieren bzw. haben sichere Arbeitsstellen.

Und kaum taucht das Thema Politik auf, verwandeln sich meine vormaligen Kollegen in wandelnde Zombies die ich kaum wiedererkennen kann.
Von vorheriger Zufriedenheit keine Spur mehr. Sie schimpfen und zetern was das Zeug hält. Über dieses Land, über die Politiker, die Medien und überhaupt war früher alles besser …….
Schließlich und endlich outen sie sich als AfD Anhänger und sogar Wähler.

Es kommt wahrhaftig nicht oft bei mir vor, aber ich war angesichts dieser unfassbaren Verwandlung doch etwas sprachlos.

In bester Alice Weidel, Gauland, Höcke Manier, schwappt mir ein krudes Geschwafel von Migranten die unser Volk untergraben entgegen.
Von mir aufgezählte Fakten perlen ab wie an einer Teflon Pfanne.
Aus so einem Holz müssen die Wähler und Anhänger von Donald Trump sein, denke ich fast resignierend. Richtig mulmig wird es mir, angesichts des fast religiösen Eiferns meiner Gegenüber. Ich stelle mir gerade vor, die AfD hätte statt ihres jetzigen Personals einen begnadeten Rhetoriker an ihrer Spitze stehen?

Schon jetzt angefüllt mit hasserfüllter Sprache, wie schnell würde aus zufriedenen Familienvätern eine aufgepeitschte, brüllende und gewalttätige Horde?

Meine Hinweise, dass für die Zukunft doch Themen wie die Wirtschaft in einer sich unglaublich verändernden Welt, Rente, Sozialwesen, Bildung und Umwelt enorm wichtig wären und die AfD darauf doch keine ernstzunehmende Antwort hat?
Erschreckende Gleichgültigkeit!
Und als ob es nicht schon absurd genug wäre, offen wird Bewunderung für starke Typen wie Trump und Putin geäußert. So einen müssten wir in Deutschland auch haben?

Mein Schock mag auch deshalb so tief sein, weil diese beiden Kollegen vor vielen Jahren tatsächlich überzeugte Sozialdemokraten und Gewerkschafter waren.

Es war eine wirklich abscheuliche Diskussion mit zwei Menschen, denen es wirtschaftlich und persönlich prächtig geht und die keine Not leiden. Die aber offenbar gerade deswegen in bodenlosem Leichtsinn den Grund für dieses Wohlergehen leichtfertig aufs Spiel setzen.
Ich habe immer an den Satz von Bill Clinton geglaubt, den er seinem Wahlkampfteam an die Tür geklebt hatte….. „It’s the economy, stupid“ – es ist das Wohlergehen der Menschen durch eine starke und stabile Wirtschaft, die uns Wahlen gewinnen oder verlieren lässt!

Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher ob dieser Slogan für unser saturiertes Land noch seine Gültigkeit hat. Wer den Osten unseres Landes aus der DDR Zeit kennt und heute sieht, was dort in den letzten Jahrzehnten gemeinsam geschaffen wurde, kann das Wahlverhalten vieler Ostdeutscher nicht begreifen!
Auch dort toben auf den Straßen viele wuterfüllte Bürger denen es so gut geht wie meinen beiden ehemaligen Kollegen.

Der beste Staat den wir Deutschen in unserer Geschichte jemals hatten (zugegeben mit einer Menge an Reparatur und Verbesserungsbedarf), ein Gemeinwesen dass uns einen vorher nie gekannten Wohlstand und einen jahrzehntelangen Frieden gebracht hat, wird durch rechtsradikales politisches experimentieren mit der AfD  leichtfertig aufs Spiel gesetzt?

Wie schon gesagt……

Wenn es dem Esel zu wohl ist geht er aufs Eis (tanzen)

Wenns dem Esel zu gut geht ….

Bleibt nur der Hass?

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Nach der Sichtung vieler Kommentare ………

Ich mag gar nicht darüber nachdenken wie sich die Familie des getöteten Jungen aus Frankfurt fühlt. Eine Woche ist seit der entsetzlichen Tat vergangen.
Doch nicht Mitgefühl ist das prägende Merkmal im Umgang mit dieser grauenvollen Tragödie.

Schaut man sich die Kommentarspalten im Internet an, wuchern gärender Hass und immer neu angefachte blinde Wut über den Täter aus Afrika. Sie fressen sich über die sozialen Medien in viele Seelen. Unversöhnlich stehen sich Gruppen einer zunehmend zersplitterten Gesellschaft gegenüber.

Diejenigen die schöngeistig die harten Herausforderungen der Migration für die Gesellschaft nicht anerkennen wollen. Die die Sorgen und Ängste der Menschen in unserem Land nicht akzeptieren mögen.
Die bei Problemen mit Migranten regelmäßig den Weichzeichner anwenden.
Für die alle anderen viel zu schnell Nazis sind.
Ihnen gegenüber stehen jene, denen die Sicherungen regelmäßig durchbrennen wenn fremde Menschen schlimme Taten begehen.
Die in ihrer Rage kaum mehr klar denken können. Die ihren unbändigen Hass und ihre Wut auf andere Menschen in rechten „Echokammern“ immer wieder aufladen und kein Interesse an einem Miteinander haben.

Die Opfer (sowohl der kleine Junge, seine Mutter wie auch die Familie des Täters) spielen bei diesen ekligen Auseinandersetzungen keine Rolle mehr. Sie dienen lediglich als Mittel zum Zweck.

Wo bleibt die Möglichkeit zur Andacht?
Wo ist der Raum um Stille und Trauer die notwendige Zeit zu geben?
Wo bleibt die Verantwortung, die Ethik, das Gewissen und die Nachdenklichkeit wenn man hört, dass die kleinen Kinder des Täters mit dem Tod bedroht und jetzt geschützt werden müssen?

Stattdessen Lärm und erbarmungslose Nutzung menschlichen Leids für die jeweiligen Positionen. Die Kommentare der so unendlich wütenden, hasserfüllten Menschen auf Facebook, Twitter und co. bilden Gott sei Dank noch nicht die Mehrheit, sondern nur eine laute Minderheit der Menschen ab.
Und doch glauben die aktiven „Hassmeister“ alles sagen, allen Unrat hervorbrechen zu dürfen. Über Abendländische Werte wird schwadroniert und doch werden diese im gleichen Augenblick (wenn es gerade passt) mit Füßen getreten.

Viele dieser giftigen Wortschwaden von links und rechts dringen in die Realität unseres Lebens und könnten uns alle auf Dauer vergiften.
Die Verschiebung des „Sagbaren“, die Unwilligkeit Kompromisse mit andersdenkenden zu versuchen ist wie unter einem Brennglas beobachtbar.
In einer fiebrigen Zeit verstärkt sich die „dunkle Macht“ durch die sozialen Medien wie durch einen Brandbeschleuniger.
Politisch motivierte Vermutungen, Vorwürfe und gezielte Lügen, – alles wird von links und rechts vermischt zu einer giftigen übelriechenden Suppe.

Einfach nur ekelerregend! Was tun wir dagegen?

Am Ende der Diskussion die mich zu diesen Zeilen veranlassten stellten sich für mich einige Fragen die jeder für sich beantworten müsste?

Was bleibt – einige Tage nach dem Tod des kleinen Jungen?
Zuerst einmal eine Mutter deren unsägliches Leid zu oft vergessen wird.
Eine ekelerregende Flutwelle zutiefst unchristlichen Verhaltens (Hass, Wut, Gewalt, Rachegedanken).
Eine Familie in der Schweiz die ihren Vater verloren hat.
Und eine Gesellschaft die in Gefahr ist ihre Balance und Souveränität zu verlieren?

Bleibt nur der Hass?

Nicht mit uns?

Ist dies wirklich ein kluger Schachzug?

Schnell und eindeutig wurde unsere Position verkündet. Ungewohnt viel innenpolitische Zustimmung und Beifall gab es für die Entscheidung, dass Deutschland sich nicht an einer militärischen Sicherung des Handelsweges am Horn von Hormus beteiligen werde. Es wird auf eine europäische Initiative verwiesen, die momentan doch extrem unwahrscheinlich zu sein scheint.
Was ist passiert? Iran ist ohne Zweifel ein aggressiver, unfreier, diktatorischer Islamistenstaat, der Terrorismus in anderen Ländern fördert. Diesen gefährlichen Staat zu kontrollieren war ein Ziel des Atomabkommens. Das hat der amerikanische Präsident leider nie verstanden.
Dieser Iran ist ohne Zweifel dabei am Horn von Hormus einen extrem wichtigen globalen Handelsweg mit tatsächlicher und angedrohter Gewalt abzuschnüren. \
Und wir machen aufgrund unserer Aversion gegen den rüpeligen halbstarken amerikanischen Präsidenten im Moment mehrere schwerwiegende Fehler. Wir handeln emotional und nicht klug abwägend.

  1. In einer Welt, die sich massiv verändert, sollten wir erkennen, dass unser Wohlstand kein Naturgesetz ist. Wir verdanken unseren Erfolg einer flexiblen Anpassung an neue Gegebenheiten und dem freien Handel.
  2. Mit der Verweigerung einer militärischen Unterstützung zur Freihaltung der Seewege am Kap von Hormus sind wir wieder einmal isoliert in Europa. Unsere typisch deutschen Debatten werden in unserer Nachbarschaft nur noch mit Augenrollen wahrgenommen. Tragen wir durch unsere fortwährenden Sonderwege vielleicht mit dazu bei dass Europa gespaltener wird?
  3. Schenken wir Trump vielleicht wieder ein Argument in seinem Furor gegen Deutschland? Das wirtschaftlich stärkste Land in Europa möchte wieder einmal andere für sich machen lassen?
  4. Kann es sein, dass wir so naiv sind zu glauben, dass unsere Verweigerung zur Sicherung der Seestraßen und den Iran in die Schranken zu weisen dort zu Respekt uns gegenüber führen wird?
  5. Verlieren wir dadurch vielleicht die letzten Möglichkeiten überhaupt noch als starker, selbstbewusster, anerkannter und respektierter Vermittler eine Eskalation verhindern zu können?

Keinem einigermaßen klar denkendem Menschen kann an einer Eskalation am Golf gelegen sein. Deshalb wäre eine geschlossene europäische Intervention zur Sicherung der Handelswege wesentlich besser gewesen als ein direktes Aufeinandertreffen der Amerikaner und Iraner.

Nicht mit uns?

Ich vermisse Diplomaten …..

Quo vadis – Iran/ China/ Jemen/ Afrika/ Flüchtlinge/ Europäische Union/ Radikalität/ …….

Wie wollen die politisch Verantwortlichen in einer von immer mehr Konflikten zerrissenen Welt noch zu klugen Lösungen kommen?
Der nur Schlagzeilen produzierende, twitternde Mensch ist eine Fehlentwicklung der Evolution.
Wie kann es sein, dass die Kunst der Diplomatie eine vom Aussterben bedrohte Fähigkeit zu werden scheint?

In meiner Ausbildung wurde mir von meinen alten Lehrern u.a folgendes „eingetrichtert“.
Ein kluges Leben besteht aus vielen Erfahrungen, aber insbesondere aus einigen sorgsam durchdachten, konsequenten Haltungen. Diese Haltungen und Werte bilden quasi das Fundament für unser Leben.
Da sich die Umgebungsbedingungen allerdings fortlaufend ändern, müssen Ziele (anders als die Haltungen) immer wieder neu definiert und angepasst werden.

Um die eigene Meinung, den jeweiligen Standpunkt zu verbreitern und andere davon zu überzeugen, wird heute immer lauter und aufmerksamsheischender in den sozialen Medien getrommelt. Es gerät in den Flutwellen der Facebook Postings, den Twitter Tweeds, dem allseits lärmenden digitalen Schlagabtausch immer mehr in Vergessenheit, welchen Wert die gegenseitige Achtung und der gemeinsam errungene Kompromiss zwischen uns so unterschiedlichen Menschen hat.

Ein wertvoller nachhaltiger Erfolg, benötigt viel mehr als nur Aufmerksamkeit und möglichst viele Likes…. Die besten Lösungen brauchen oft viel Zeit, große Nachdenklichkeit, viel Geduld, und eine ausgeprägte Kompromissbereitschaft.
Eine erfolgreiche verantwortliche Diplomatie ist deshalb langsam und abwägend. Sie legt Wert auf Gleichgewicht und Balance.
Alles Dinge die in der heutigen nach Schlagzeilen und sofortigen Skandalen gierenden dauererregten Welt als völlig uncool gelten.

Die Geschwindigkeit der sich hochschaukelnden Meinungen in den Echokammern der eigenen Anhänger und die eigenen Überzeugungen sind oft wichtiger als der Austausch und der Kompromiss mit andersdenkenden.
Dass ein Ausgleich, der berühmte Mittelweg, ein fruchtbarer und unverzichtbarer Boden für unsere demokratischen Gesellschaften ist, wird in dem Dauerbeschuss der sogenannten Sozialen Medien, fast vergessen.
Kluge, verantwortliche diplomatische Arbeit ist das komplette Gegenteil von dem heute üblichen „Selbstverwirklichungstwitterfacebookmarktplatzgeschrei“.
Keinem meiner Lehrer wäre seinerzeit in den Sinn gekommen anzunehmen, dass es eine quasi „Selfie Liveberichterstattung“ von wichtigen Verhandlungen geben würde.
Die heutige Art Politik zu betreiben wird tatsächlich zunehmend mehr, ein fast schon pervers anmutendes Gegenstück zu den jahrhundertealten Erkenntnissen diplomatischer Klugheit.
Die Autokraten dieser Welt beherrschen nur ein Mittel – maximaler Druck. Der Grundgedanke: Es gibt nur einen Sieger und dementsprechend einen Verlierer. Eine Psychologie wie aus der Steinzeit.
Die Geschichte zeigt an vielen Beispielen, dass eine Weiterentwicklung nur dann möglich wird, wenn wir die Befindlichkeiten der jeweiligen Gegenseite sensibel und umfassend ausloten. Wenn wir diese kennen, akzeptieren und berücksichtigen.
Erfolgreich wird man nicht durch die bedingungslose Kapitulation des Verhandlungspartners. Erfolg bedeutet möglichst viel der eigenen Standpunkte durchgesetzt zu haben, aber dem Gegenüber den Erfolg zu gönnen.
Ihm seine Ehre zu bewahren und auch strahlen zu lassen. Hierzu braucht es mentale innere Stärke, Zurückhaltung und Geduld. Dies sind die wesentlichsten Merkmale von erfolgreicher Diplomatie.
Schaue ich heute in die Nachrichten unserer Welt, betrachte viele Debatten in unserem Land oder auch in viele Betriebe, so vermisse ich diese alte Kunst der klugen Diplomatie immer öfter!

Ich vermisse Diplomaten …..