Die Angst vor dem Krieg …..

Ich kann die Angst vieler Menschen, dass wir angesichts des Krieges zwischen Russland und der Ukraine sehenden Auges in einen großen Krieg hineingeraten, sehr gut verstehen.
Und ich habe auch überhaupt kein Problem damit, dass die verschiedenen Sichtweisen ganz offen diskutiert werden.
Mich macht aber die Aggressivität der Diskutanten (u.a bzgl. des offenen Briefes von bekannten Menschen an BK Scholz) schon nachdenklich.
Ich schätze einige Personen die den besagten offenen Brief unterschrieben haben, teile die dort dargelegten Positionen allerdings nicht. Dankbar bin ich aber darüber dass dies uns alle zwingt uns an unsere Entscheidungen heranzuquälen.

Doch wir kommen bei all den Debatten um den richtigen Weg in dieser Krise um eine zentrale Frage nicht herum.
Wie wollen wir in Zukunft leben und was sind wir bereit dafür in die Waagschale zu werfen?

Die zentralen Dinge unseres Lebens bestehen nicht aus immer mehr Konsum, aus Vergnügungen, der Abwägung wohin der nächste Urlaub geht, warum der Neuwagen eine so lange Lieferzeit hat, wer Fußballmeister oder neuer Formel 1 Weltmeister wird.

Wir müssen uns aber sehr wohl entscheiden ob wir unserer Freiheit, unserer Demokratie, unserer offenen Gesellschaft, unserem Land, kurz all den Dingen die wir als selbstverständlich ansehen, auch einen Wert beimessen?
Angesichts der Verwerfungen in dieser Welt werden wir uns entscheiden müssen, für was wir einzustehen bereit sind.
Wer wir am Ende sind oder sein wollen.
Ob unser Bereitschaft Ungerechtigkeiten zu erkennen und diese keinesfalls zu tolerieren oder aus wirtschaftlichen Gründen zu ignorieren nur vom jeweiligen Ungerechten abhängt?
Ob der Ort der Ungerechtigkeit auf dieser Erde für uns eine Rolle spielt?
Wir müssen uns fragen ob wir eine stabile Haltung dazu haben und dem Einstehen gegen Ungerechtigkeit auch einen Preis zubilligen?!

In den verschiedenen Foren wird hoch und runter diskutiert ob die Ukraine tatsächlich ein demokratischer Staat ist?
Darum geht es im Kern überhaupt nicht! Hier geschieht einem Land, hier geschieht Menschen Unrecht durch einen Aggressor.
Wir müssen daher unsere Komfortzone verlassen und endlich, nach einer ganzen Reihe von vergleichbaren Verbrechen gegen die Menschlichkeit, eine Haltung dazu einnehmen.
Die Biografien von Nelson Mandela und Desmond Tutu sind sehr lesenswert. Auch diese Legenden waren mit Fehlern und Irrtümern behaftet. Sie waren eben auch nur Menschen!
Aber sie hatten stets eine Haltung an denen sich andere orientieren konnten.
In der Biografie von Desmond Tutu ist unter anderem ein von mir überdeutlich rot markierter Satz enthalten.
»Wenn du in Situationen der Ungerechtigkeit neutral bist, hast du die Seite des Unterdrückers gewählt.«

Eigene Positionen aufrecht zu erhalten auch wenn noch so viel Stürme um einen tosen kann auch befreiend wirken.
Als wir auf der Werft einem ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden der massiven Einschüchterung und Nötigung junger Menschen bezichtigten und aufgrund der Uneinsichtigkeit die Konsequenz einer Kündigung daraus zogen, fiel ein gewaltiger Shitstorm über uns und auch mir her. Es war keine leichte Zeit.
Pragmatisch wäre es gewesen die ganze Sache auf kleiner Flamme still zu beerdigen. Dies empfahlen mir auch die meisten Politiker, Medien und professionellen Meinungsmacher.
Doch kann ein rein pragmatisches Handeln welches sich nicht mit unserer Haltung, mit unseren Prinzipien verträgt, tatsächlich eine Lebensmaxime sein?
Wer sind wir dann?
Was wird damit aus uns?

Und damals wie heute sage ich mir immer wieder, – wenn man zulässt dass unsere Angst uns bestimmt, hat wieder einmal ein Aggressor gewonnen.

Ich wünschte den nächsten Satz nicht schreiben zu müssen, aber ich kann diese Erfahrung auch nicht verleugnen.
In all den Jahrzehnten und verschiedenen Rollen meines Arbeitslebens habe ich gelernt das ich dann, wenn mein Gegenüber glaubt, dass ich mich bei Ungerechtigkeiten nicht wehren werde, ein überaus attraktives Ziel werde.

Auch ich habe Angst vor der Eskalation, vor den Irrationalitäten im Ukraine Krieg.

Ich denke an all die Menschen die ich inständig liebe, für die ich aber auch mein Leben geben würde (wie die Väter und Mütter, Omas und Opas in einem angegriffenen Staat – egal wo auf dieser Welt).
Ich habe aber eine fast noch größere Angst davor in was für einer Welt sie und wir alle leben würden, wenn wir vor Diktatoren, Faschisten, modernen Kommunisten (z.B China), Autokraten, religiösen Fanatikern und weiß Gott was sonst noch von Verrückten kapitulieren würden.

Mich treibt die Sorge um, dass der Krieg den wir alle fürchten und den keiner von will, zurückkriecht in unser Leben wie ein Monster aus den dunklen Kellern, wenn Kriegsherren (es sind leider fast nur Männer) unsere Angst spüren und merken wie wir zurückweichen.

Auch ich werde meinen eigenen Idealen bei weitem nicht immer gerecht. Aber ich weiß sehr wohl was meine Ideale sind. Ich muss nicht lange überlegen um zu wissen für was ich eintrete und für was ich bereit bin einen Preis zu zahlen.

»Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.«
Wenn man diesen Kernsatz einfach mal verinnerlicht, sich der Tragweite dessen was man tut oder auch lässt bewusst wird, dann weicht die Angst und dann weiß man auch plötzlich etwas besser was richtig und was zu tun ist.

Die Angst vor dem Krieg …..

Nichts ist unmöglich

Bekannte Toyota Werbung ……

In einer alten Autowerbung hieß es vor Jahren „Nichts ist unmöglich“.
Dies beschreibt die aktuelle Situation unserer Welt.
Drehbuchautoren in Hollywood dürften es im Moment wohl schwer haben.
Science Fiction bezieht ihre Spannung oftmals aus dem derzeit noch Unvorstellbaren.
Doch was ist eigentlich noch unvorstellbar?

Nach dem Ende des kalten Krieges glaubte man (Es gab darüber sogar einen weltweiten Bestseller) das Ende der Geschichte zu erleben. Ein Leben ohne die Konkurrenz von Systemen. Ein Leben voller Zerstreuung, Amüsement und (zumindest in den Industriestaaten) voller Wohlstandsprobleme wurde zelebriert.
Alles wurde, mit allzeit bereiten Handys, zu einem riesigen Theater, wurde Unterhaltung.

Doch das Leben auf unserem Planeten ist wie eh und je unkalkulierbar.
Obwohl man um die Gefahren von Pandemien wusste, hätte ich auch nicht gedacht tatsächlich noch gespenstisch anmutende menschenleere Städte und jahrelang Menschen unter Schutzmasken zu erleben.
Als ich 1987/88 in Berlin an der innerdeutschen Grenze und in der DDR war, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ein wiedervereinigtes Deutschland mit dieser Abruptheit tatsächlich entstehen würde.
Ich hätte mir auch nicht vorstellen können das sich innerhalb Europas Länder des vormaligen Jugoslawiens, – Serbien, Bosnien und Kroatien gegenseitig abschlachten.

Ich war bei Atomkraft schon immer sehr skeptisch, doch die Katastrophe von Tschernobyl wurde zur plötzlichen Manifestation all dieser Ängste.
Und so könnte man die Jahrzehnte weiter rekapitulieren.

Zeitenwenden gab es eigentlich zuhauf.


Doch unter der immer größer werdenden Informationsflutwelle werden wir fast begraben und kommen kaum noch hinterher mit dem Erschrecken.

Ein Kernkraftwerk in Japan wird von einer Flutwelle vernichtet, apokalyptische Waldbrände toben in Griechenland, Spanien, Portugal, Kalifornien, Sibirien und auch in Brandenburg.
Die Klimakatastrophe (verharmlosender Begriff = Klimaveränderung) beschert uns unglaubliche Dürren und ebenso unfassbare Hochwasserkatastrophen.
Immer größere Teile von Afrika werden zu ganzen Regionen in denen Menschen nicht mehr leben können. Ganzen Staaten werden von religiösem Fanatismus überrollt.
Für Frauen entsteht an vielen Stellen der Alptraum einer mittelalterlich brutal patriarchalischen Gesellschaft (um nur wenige zu nennen; Afghanistan; Indien; Saudi Arabien; Pakistan usw.)

In Syrien wurde Menschenvernichtung in Echtzeit dokumentiert. Chemiebomben fallen folgenlos auf Zivilisten. Das Publikum an Millionen Bildschirmen gruselt sich und wendet sich den nächsten Breaking News zu.
Russland überfällt die Ukraine, zeigt dem Völkerrecht, wie vorher die Amerikaner im Irak, den Stinkefinger und nimmt sich einfach mal die Krim.
Autokraten (auch in Europa) bauen ganz ungeniert junge Demokratien in politische Privatdiktaturen um (Erdogan; Orban; Polen; Serbien).

Das Ende der Zeit? Von wegen!
Zeitenwenden wohin man schaut.

Wie konnten wir alle nur glauben, dass dies alles an uns abperlen würde?
Wie konnten wir nur glauben, jetzt erst von einer Zeitenwende reden zu müssen?

In den USA wurde ein Lügner, Betrüger, ein dummer und zu Verantwortung und Mitgefühl völlig unfähiger Mensch zum Präsidenten (Trump) gewählt. Und kommt er und sein America First Alptraum nochmals zurück? Nicht auszuschließen. Und dann?
Und jetzt erleben wir die Rückkehr der alten Sowjetunion mit all ihrer Rigidität, Brutalität und dem imperialen Irrsinn.
Und wir sprechen erst jetzt von einer Zeitenwende?

Die Berichte des Weltklimarates zeigen mit fundierten Fakten eine exstenzielle Bedrohung für die Erde, die wir nur von den nachfolgenden Generationen geliehen haben.
Doch diese wissenschaftlichen Analysen und Warnungen sind offenbar einfach zu unsexy.
Der jeweilige Krieg, die Wahlkämpfe, Formel 1, diverse Sportgroßereignisse oder auch der anstehende Urlaub lassen uns keine Zeit darüber nachzudenken.
Influencer haben mit ihren Berichten über Beauty, Urlaub, Restaurants und Modetipps mehr Follower als der Weltklimarat.

Unsere Welt bräuchte jetzt die Kraft und Einigkeit der Menschen, um auch für zukünftige Generationen lebenswert zu bleiben. Doch von einer solchen Einsicht sind wir leider Lichtjahre entfernt.
Und in einer zunehmend komplexen Ausgangslage schlägt jetzt die Stunde der großen Vereinfacher.
Der Nationalisten, Isolationisten und Populisten. Diese fangen mit den außer Kontrolle geratenen Medienstrukturen Menschen für die Rückkehr in die Vergangenheit.

Ich bin ja mal gespannt, wie Twitter unter dem neuen Besitzer Elon Musk diesem Irrsinn vielleicht noch eine weitere Facette hinzufügen wird?
Die Vereinfacher haben auf komplexe Fragen einfachste und primitive Antworten.
Die Menschen sollen glauben, dass alles so bleiben kann, wie es war, ohne einen Preis dafür zu zahlen.

Unsere demokratischen Gesellschaften sind frei, offen und damit von innen und außen verwundbar.
Die Frage ist, ob wir angesichts der unzähligen „Zeitenwenden“ realisieren, dass es einen Preis für Demokratie und Freiheit gibt?! Und sind wir bereit diesen Preis zu akzeptieren?

Der angebetete grenzenlose Individualismus (den wir in begrifflicher Verwirrtheit oft mit Freiheit verwechseln) darf nicht zu immer weiter wachsender Ungleichheit führen. Dies sprengt unsere Gemeinschaft von innen. Sie ist der Tod jeder Gemeinschaft. Was tun wir gegen den zerfall einer Gemeinschaft?
Wir müssen uns mehr als zuvor für unsere Sicherheit interessieren und mehr tun (nach innen und außen).
Wir müssen bereit sein, für Freiheit, Demokratie, Menschen,- und Völkerrecht auch einmal handfeste Nachteile in Kauf zu nehmen. Sonst werden diese „Werte“ Worthülsen ohne Wert.
Wir dürfen nicht mehr nur wirtschaftliche Vorteile durch die Globalisierung abschöpfen und dafür Abhängigkeiten in Kauf nehmen die unsere Sicherheit gefährden und unsere Freiheit eingrenzen.
Das können wir nicht mehr zulassen.

Wir müssen angesichts der aufziehenden globalen Weltpolitischen Verschiebungen und den Anforderungen des Klimawandels viel schneller in unseren Antworten und Reaktion und viel viel stressfester werden.

Die Zeitenwenden fordern das Verlassen der Komfortzone und das Ende des bequemen Selbstbetruges.

Nichts ist unmöglich

Und wieder falsch gedacht ….

Bei all dem Elend und der Not in der Ukraine gibt es eine m.E bedeutsame Feststellung die fast untergeht. Fast ausnahmslos alle Fachleute sagten eine schnelle und dramatische Niederlage der Ukraine binnen weniger Tage voraus.
Statistische Daten, Zahlen, Algorithmen und logischer Pragmatismus wurden bemüht.
Doch alle lagen sie falsch!
Denn immer wieder verkennen fast alle „Spezialisten“ die Kraftquellen die den Menschen innewohnen. Wir besitzen sehr viel Kraft und Energie wenn wir wissen wofür wir uns anstrengen, was das Ziel ist, das dieses Ziel es auch gut mit ihm meint, wofür wir kämpfen, wofür wir uns in Gefahr begeben und Opfer bringen.
Überzeugte Menschen zerbröseln auf ihre eigene Art alle Notebookkalkulationen von Zahlenmenschen, Computerprognosen und Szenarien von künstlichen Intelligenzen.
Genau dies geschieht bei den Ukrainerinnen und Ukrainern. Sie wissen wofür sie stehen, sie kennen ihre Ziele. Wie immer diese Tragödie auch ausgeht und sich weiterentwickelt…… diese Kraft aus einer gemeinsamen Haltung macht etwas mit uns. Und sobald Menschen diese Kraft einmal gespürt und erkannt haben, sind sie für Autokratien eigentlich verloren. Deshalb tobt der russische Mob auch so gnadenlos, deshalb die vielen Lügen und Verdrehungen.

Wir Menschen sind doch eben alles außer gewöhnlich und eben nicht vollends berechenbar. Und ist dies nicht schön? Das macht in schwierigen Zeiten auch so viel Mut!

Unsere Spezies entwickelt, wenn die Frage des „warum“ gemeinschaftlich geklärt ist, Energien und Kräfte die zu unglaublichem in der Lage sind (Sowohl im Guten wie leider aber auch im Schlechten, wenn immerwährende Propaganda die Menschen vergiftet).

Schade finde ich aber dass wir so wenig Zutrauen in die guten Kräfte einer Gemeinschaft haben.
Schade wie wenige Mächtige und Führende unserer Welt diese Chancen einer Gemeinschaftskraft zu erkennen vermögen (Manchmal wissen sie aber auch darum, fürchten dies und bekämpfen solche Entwicklungen sogar).
Autokraten, Diktatoren und ein Teil der neuen Medien bedienen nur die dunkle Seite der Menschen.

Und auch die zunehmende Ungleichheit in den Gesellschaften ist giftiger Boden auf dem die Kräfte aus einer Gemeinsamkeit kaum entstehen können!

Es gibt so viele Beispiele (denken wir doch mal alle darüber nach) wo wir sehen zu wieviel Gutem wir Menschen in der Lage sind. Welche guten Kräfte in uns schlummern wenn wir die Frage des „warum“ vernünftig, gemeinschaftlich geklärt haben.
Was könnten wir auf dieser Welt bewegen!
Und wie viele dieser Kräfte brauchen wir für die vor uns liegenden Herausforderungen.

Und wieder falsch gedacht ….

Zeitenwende mal anders verstanden

Wieso tobt in den sozialen Medien und in der Politik eigentlich so ein Glaubenskrieg um den Krieg Russlands mit der Ukraine? Die einen überhöhen einen zögernden Kanzler, die anderen wollen vergessen machen wie lange es eine zaudernde Kanzlerin gab. Die einen heroisieren die Ukraine die anderen reiben sich wund an einem unangenehmen Botschafter?! Warum? Es gibt aber doch einige unstrittige Fakten – oder?

  1. Es handelt sich bei dem Krieg Russlands um einen eindeutigen und wiederholten Bruch des Völkerrechts! Solidarität mit der Ukraine hat damit zuallererst einmal den Anspruch diesem Völkerrecht mit allen Mitteln Geltung zu verschaffen! Dies sollte auch im Mittelpunkt aller Argumentationen stehen. Gestatten wir Ländern, Machthabern, Diktaturen, internationales Völkerrecht folgenlos zu missachten, droht der Rückfall in düstere anarchische Zustände. Ob die Ukraine deutliche Defizite auf dem Weg in eine demokratische Struktur hat, spielt dabei erst einmal überhaupt keine Rolle.
  2. Wir verlieren gerade Ansehen in vielen Teilen der Welt weil wir statt den Bruch des Völkerrechts in den Mittelpunkt unserer Argumentation von Sanktionen und Reaktionen zu stellen, stark moralisch argumentieren. Doch grausame Kriege und die schrecklichen Leiden der Zivilbevölkerung sind überall auf der Welt ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und sollten nirgendwo akzeptiert werden. Das Leid und die Wut über Grausamkeit und Barbarei darf sich nicht an der Hautfarbe oder der Region in der dies stattfindet orientieren. Viele Menschen aus der leidgeprüften sogenannten 3.Welt nehmen unsere moralische Entrüstung aber genauso wahr und wundern sich weil wir dabei die hunderttausende Opfer im Jemen, Sudan, Afghanistan, Mali usw. usw weitgehend ignorieren.
  3. Mit der Lieferung von Waffen an ein Land das laut Völkerrecht überfallen wurde, wird man formell keine Kriegspartei! Man sollte diese Behelfskonstruktion in der Debatte sein lassen.
  4. Tatsache ist doch vielmehr dass man es bei Russland mittlerweile mit einem Staat zu tun hat, der schon mehrfach bewiesen hat wie völlig egal ihm internationale Regeln, Normen und Gesetze sind. Und ist es deshalb wirklich Besonnenheit oder sind es die strategischen Erwägungen die einem robusten Einsatz für das Völkerrecht bremsen? Ist es nicht viel mehr die Angst vor der völligen Unkalkulierbarkeit eine Diktators, bei dem wir uns in Abhängigkeit begeben haben? Es würde die Diskussion erleichtern und es wäre ehrlich und wohltuend dies einfach mal zuzugeben.
  5. Abhängigkeiten gegenüber Diktaturen haben immer einen Preis. Wir wurden jahrzehntelang bezahlt mit wirtschaftlichen Vorteilen und zahlen mit dem Akzeptieren von Menschenrechtsverletzungen und einem mehr oder weniger halbherzigen Eintreten für Freiheit und Demokratie.

Ob dies so bleiben muss, ob wir es wagen, mit dem Wissen um die Konsequenzen, diese jahrzehntelangen Trampelpfade zu verlassen, – dies sollte der faire und anständige Streit unter Demokraten sein, und nicht einem parteipolitisches Klein Klein Gezanke dass der historischen Herausforderung nicht gerecht wird. Und in einer solchen Diskussion wäre das Wort Zeitenwende auch mehr als nur eine klingende Wortschöpfung.

Zeitenwende mal anders verstanden

Nabelschau

So viele Kommentare und Schuldzuweisungen zum Krieg der russischen Diktatur gegen die Ukraine.
So viele Fehleinschätzungen die so viele Menschen gemacht haben.
War unser Blick auf Russland von jeher getrübt?
Ich erinnere mich in diesen Tagen sehr oft an ein Diskussion in meiner Arbeitszeit in Rostock mit baltischen Bauaufsichten.
Diese hatten einen sehr nüchternen Blick auf Russland. Unmittelbar erlebten sie und ihre Familien wie brutal Russland immer schon agierte. Wie schlecht und herabwürdigend sie behandelt wurden.
Und sie reagierten nur mit resigniertem Kopfschütteln auf meine beschwichtigende Naivität gegenüber diesem Land. Russland war aus ihrer Sicht schon immer ein gefährliches und aggressives Land.
Heute kann man nur konstatieren dass wir uns gegenüber den Ängsten von Russlands Osteuropäischen Nachbarn besserwisserisch bis arrogant verhielten, naiv und auf unsere Bequemlichkeit bedacht waren.
Uns allen stände etwas mehr Nachdenklichkeit gut zu Gesicht.
Wir alle hätten es besser machen sollen.
Diese ganzen Schimpfkanonaden verbrauchen so viel demokratische Energie die wir lieber darin investieren sollten um gemeinsam darüber nachzudenken wie wir uns zukünftig im Umgang mit Diktaturen besser aufstellen?!
Und dass wir so schnell wie möglich weitere Szenarien durchspielen wie wir damit umgehen wenn z.B in den USA ein Donald Trump oder ein anderer republikanischer Radikaler gewählt würde?
Wenn China sich Taiwan einverleibt oder die wirtschaftlichen Abhängigkeiten zunehmend politisch als Druckmittel nutzt?
Wenn zentrale europäische Länder ggf. weiter in autokratische Tendenzen abrutschen?
Wenn, was zu erwarten ist, durch die Klimakatastrophe Millionen Menschen die keine Chance zum Leben in Ihren Ländern mehr haben, sich auf den Weg in lebensfähige Regionen dieser Welt machen?
So viele wichtige Fragen und wir beschäftigen uns mit wohlfeiler Nabelschau und Vergangenheitsbewältigung.

Nabelschau

Damit hatte Napoleon recht …..

„Nimm dir Zeit zum Nachdenken, aber wenn die Zeit zum Handeln gekommen ist, dann höre auf nachzudenken und handle“.

Die jetzt so oft beklagte gravierende Abhängigkeit von russischem Gas spült eine durchaus bekannte Gefahr an die Oberfläche.
Die Bedrohung durch zunehmende Abhängigkeiten ist nicht neu. Wir spürten die schlimmen wirtschaftlichen Folgen des Terroranschlags vom 11. September 2001. Und wir erkannten entsetzt die weltweite Finanzkrise nach der Pleite einer (!!) Bank in den USA (Lehmann Brothers 2008). Es wurde über die gravierenden Folgen der isolationistischen Politik eines Donald Trump geschimpft. All dies und noch vieles mehr waren unüberhörbare Warnsignale hinsichtlich der Risiken einer aus dem Ruder laufenden entfesselten Globalisierung.
Die zusammenbrechenden Lieferketten in Folge der Corona Pandemie waren weitere Signale. Und jetzt zeigt ein räumlich begrenzter Krieg eines Diktators, wie naiv und kurzsichtig Abhängigkeiten zugelassen wurden. Und welche Folgen Risikoblindheit hat.
Doch weder die Wirtschaftseliten, die Finanzwelt, die Politik, die Medien, oder wir als Gesellschaften wollten diese Diskussion. Jetzt plötzlich wissen es alle besser. 

Doch der momentane Wohlstand in der Komfortzone war viel wichtiger. Profite waren wichtiger. Illusionen waren wichtiger. Quartalsberichte, Börsenkurse waren wichtiger.
Die Welt hat sich um die vielfältigen Risiken und drastischen Folgen unseres Wirtschaftens einfach nicht geschert. 

Die Sicherung maximaler Saturiertheit ersetzte jede Zukunftsstrategie. 

Ich habe schon 2008 aus einem Buch des Nobelpreisträgers Joseph Stieglitz folgende fast prophetische Frage in Erinnerung: „Akzeptiert jedes Land (Sicherheits-) Risiken einfach als Preis für eine effizientere Weltwirtschaft? Sagt Europa einfach, dass, wenn Russland der billigste Gasanbieter ist, wir von Russland kaufen sollten, egal welche Folgen das für Europas Sicherheit hat..?“

Und heute haben wir den Salat!

Die Folgen eines weitgehend Risikoblinden und zunehmend überhitzten Weltwirtschaftssystems wurden konsequent ausgeblendet. Die stetig steigende und gefährliche Ungleichheit in den Gesellschaften aber auch zwischen Staaten, wurde zwar in Talkshows oder bei populistischen Reden bemüht, doch daraus entstand kein großes politisches Ziel oder gar eine Gegenstrategie.
In den Schmutz getretene Menschenrechte, die Zunahme autokratischer Regierungen, die immer aggressiver werdenden Angriffe auf Freiheit und Demokratie, und die zunehmende Zerstörung der ökologischen Lebensgrundlage der gesamten Menschheit, – sie wurden kaum mit dem zunehmenden Versagen des globalen Weltwirtschaftssystems in Verbindung gebracht. 

Es gibt auch kaum ernsthafte Bemühungen zur Durchsetzung oder gar ernsthaften Debatte neuer Leitlinien einer der Zeit angepassten globalen regelbasierten Wirtschaftsordnung. 

Da aber die globale Wirtschaft einer der zentralen Säulen unseres Lebens ist, stellt sich die Frage, wie man eine Zukunft mit einer Wirtschaftsordnung aus dem letzten Jahrhundert gestalten will?

Die aktuelle Weltwirtschaftsordnung ist alt, verrostet, interessengetrieben und beweist jeden Tag, wie wenig sie in der Lage ist Risiken, welche die Grenzen von Nationen und Kontinenten überschreiten, gerecht zu werden. 

Die Regeln der Weltwirtschaft wurden geprägt vom Denken des letzten Jahrhunderts. Schon heute kostet das Fehlen eines global neuen und fairen Handlungsrahmens viel von unserer Zukunft. Und es kostet seit Jahren ganz konkret Menschenleben. 

Als Beispiel möchte ich die starren Regeln des Patentschutzes für Impfstoffe anführen. Sie verhinderten z.B, dass Entwicklungsländer diese Stoffe selber herstellen und so ihre Menschen schneller und schützen konnten. Der Patentschutz war aus „Gewinnsicht“ gut. Politisch strategisch war es allerdings maximal unklug und kurzsichtig. Denn durch die millionenfach ungeimpften Menschen kann das Virus munter weiter mutieren und neue Angriffswellen auf die vermeintlich sicheren Industrienationen vorbereiten. 

Die Klimaveränderungen werden maßgeblich verursacht in Europa, in China und in den USA. In den entwickelten Staaten sorgen sie noch für Wohlstand. 
In Afrika und in Südamerika führen diese hingegen zunehmend mehr für die Versteppung ganzer Länder. Unvorstellbares Elend von heute werden unvorstellbare Flüchtlingsströme von morgen in Gang setzen. 

Unkluges Handeln von heute verursacht immer die Probleme von morgen. 

Und unsere Antworten auf all die zusammenhängenden Probleme? 

Zunehmender Nationalismus und Protektionismus?
Eine Neuauflage von Trump 2024? Oder eine rechtsradikale Le Pen in Frankreich? Quasi als weibliche Ergänzung zu der Vielzahl unfähiger dummer und gieriger Männer?
Die Verlockung primitive Antworten auf komplexe Herausforderungen zu geben können wir in fast allen Talk Shows live erleben.

Unsere Antworten auf die vor uns liegenden Herausforderungen sind noch immer aus der Mottenkiste einer alten Welt. Wenn wir es nicht wagen die alten Regeln der aktuellen Weltwirtschaft in Frage zu stellen, werden wir und vor allem unsere Kinder und Enkelkinder die leidtragenden sein. Denn die aktuellen Erschütterungen der letzten Jahre sind nur kleine Vorboten der viel größeren Verwerfungen, die uns bevorstehen, wenn wir uns jetzt nicht hinsetzen und endlich klug handeln. 

Damit hatte Napoleon recht …..

Ein Blick zurück und freudig nach vorne

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In wenigen Tagen endet meine aktive Zeit auf, mit und für die Meyer Werft. 

Es waren für mich ganz außergewöhnliche Jahrzehnte.  Eine wunderbare Zeit, eine Lebensspanne voller Abenteuer.
Angefüllt mit so vielen einzigartigen Menschen, die ich kennenlernen durfte.
Diese Arbeitszeit erfüllt mich mit Dankbarkeit, Zufriedenheit und großer Demut.

Was hätte ich vor 50 Jahren in einen Schulaufsatz mit dem Titel „Wie stellst Du Dir Dein zukünftiges Leben vor“ wohl geschrieben?
Aufgrund der Gefahr einer schlechten Zensur durch „abstruse Märchenerzählung“ hätte ich es nicht gewagt dieses jetzt tatsächlich gelebte Leben so zu skizzieren. 

Im ersten Jahrzehnt meiner Werftzeit, beginnend ab 1975, erlebte ich die tolle Kameradschaft der Kollegen des Schiffbaus. Danach folgte ab 1985 die ganz atemberaubende und herausfordernde Zeit als Betriebsrat. Ab 1998 dann der Wechsel nach Rostock zur Neptun Werft. Ich habe Mecklenburg Vorpommern und die tollen Menschen dort sehr schätzen gelernt. Dieser Zeit folgte ab 2001 die Arbeit als Personalleiter in Papenburg und als Geschäftsführer der Ems Dienstleistung. Ab 2017 war ich dann für Kommunikation und Politik zuständig.
Und im Rückblick war alles toll, passte, hätte besser nicht sein können.

Die Erinnerungen an die fast 47 Jahre sprudeln über mit unzähligen Erlebnissen. Mit spannenden, einmaligen Geschichten über die Arbeit, aber vor allem mit dem Erleben und Staunen über die so ganz und gar außergewöhnlichen Menschen unserer Werft.

Diese Belegschaft, dieses Management, diese Unternehmerfamilie war immer wieder zu beeindruckenden Leistungen fähig. 

Die Entscheidungsfreude, die Tat,-  und Leistungskraft der MEYER Mannschaft und ihre Verbundenheit mit dem Unternehmen gründeten das Fundament, auf dem unsere Werft gebaut ist. Und das Wissen um die Kraft der Loyalität, dem Ideenreichtum, der Erfahrung und Einsatzbereitschaft der Gesamtheit dieses Betriebes, bildete das Rückgrat für mutige Managemententscheidungen der Unternehmerfamilie. 

Von 1985 bis 1998 durfte ich die Belegschaft und das Unternehmen als Betriebsrat nach innen und außen repräsentieren und vertreten. Eine solche Aufgabe macht demütig, ist Ehre und sehr große Verantwortung zugleich.
Natürlich gab es immer Gegensätze zwischen der Arbeitgeber,- und der Arbeitnehmerseite. Doch diese Konflikte wurden auf einer Basis des gegenseitigen Vertrauens und strikter Vertraulichkeit ausgetragen. Manchmal wird diese Zeit als „kooperativer Schmusekurs“ bezeichnet oder auch verunglimpft. Doch nur durch gegenseitiges Vertrauen entstand jene Geschlossenheit die unsere Werft in extrem gefährlichen und schwierigen Jahren so gut wie unangreifbar und so einzigartig machte.

Mir war es stets wichtig, nicht das trennende dominieren zu lassen, sondern die viel größeren Gemeinsamkeiten in den Mittelpunkt zu stellen.
So viele vormals stolze und große Werften wurden durch immer wiederkehrende Werftenkrisen zerstört. Ich musste dies über Jahrzehnte unmittelbar miterleben. So oft wurden die Gefahren für die Betriebe unterschätzt. Und der Untergang vieler Werften wurde durch gegenseitige Entfremdung, Spaltung, Unversöhnlichkeit und innere Konflikte noch beschleunigt. Stärke, Zusammenhalt, Gemeinschaft, Vertrauen und Zuversicht und in Folge zigtausende Arbeitsplätze waren die Opfer solcher Entwicklungen. 

Im Gegensatz zu anderen überlebten wir und konnten sogar wachsen. Dies war nicht selbstverständlich! Nur wenige wissen heute noch, wie fanatisch und mit welcher Wucht „die Werft im Binnenland“ bekämpft wurde und von einigen heute immer wieder angegriffen wird.
Doch
in geschlossener „Schlachtordnung“ überstanden wir Angriffe, Anfeindungen und Herausforderungen, weil dieser Betrieb eine Herzensangelegenheit so vieler Menschen ist.

Gerne wird heute auf die Politik eingeschlagen. Und doch gab und gibt es viele tolle Politiker, die so unendlich wichtig für uns waren.
Menschen die ich sehr schätzen gelernt habe. Zu nicht wenigen entwickelten sich bis heute haltende persönliche Freundschaften.

Die Werft war für mich stets mehr als nur ein Betrieb unter vielen.
Ich bin aufgewachsen als Sohn einer Landarbeiterfamilie. Heute romantisieren viele diese Zeit und kokettieren mit so einer Passage in der eigenen Vita.
Doch für meine Eltern waren die damaligen Umstände alles andere als romantisch. Sie hatten ein großes Ziel. Sie wollten heraus aus Armut, großer Abhängigkeit und schlimmer Unfreiheit. Ein stabiles sicheres Einkommen, die Chance auf etwas Wohlstand und gute selbstbestimmte Arbeit standen immer ganz oben an. Diese Ziele bestimmten das Leben und prägten auch mich.
Heute haben viele Menschen neue und andere Ziele. Doch die wenigsten haben noch eine Vorstellung davon was Entbehrung, Armut oder fehlende Sicherheit tatsächlich bedeuten kann. Was für ein fürchterlich bitterer Geschmack die fehlende Chance auf Wohlstand ist. 

Für meinen Eltern war es eine riesige Erleichterung, dass ich durch eine Ausbildung bei einem großen Industriebetrieb die Basis zu einem besseren Leben erlangen konnte.
In einer großen Podiumsdiskussion in Berlin wurde mir einmal entgegengehalten: „Der Zweck des Business ist Business“. Ich habe leidenschaftlich widersprochen. Diese Werft ist viel mehr als ein Projekt, ein nüchterner Plan oder nur die Summe von Ergebnissen. Denn vor dem Plan oder dem Projekt, hat der liebe Gott den Traum, die Vorstellung, die Vision gestellt.

Natürlich bildete die Wettbewerbs,- und Konkurrenzfähigkeit schon immer die grundlegende Basis von allem. Dies braucht überhaupt nicht diskutiert zu werden!

Und doch ist die Werft auch noch viel mehr. Hier laufen nicht nur Schiffe vom Stapel, sondern auch Chancen und Perspektiven. Sie war und ist eine Zukunftsfabrik für Menschen wie mich. Diese galt es zu verteidigen – denn so oft bietet sich so etwas in unserer Heimat nicht. Die Werft ist ein Glücksfall für uns alle.

Ich danke allen von ganzem Herzen, die mich auf meiner Reise begleitet haben,  meinen Kolleginnen und Kollegen die mich unterstützen und mir vertrauten und ganz besonders der Familie Meyer für das Zutrauen in mich und meine Art zu arbeiten. Es war nicht immer ganz einfach mit mir und oftmals auch eine Herausforderung (glaube ich).  Ich danke allen, die mir beratend zur Seite standen, für Lob aber auch für sachliche Kritik.

Jetzt, nach fast 47 Jahren für und mit der Werft, fängt ein neuer Lebensabschnitt an.
Eine Zeit, in der ich hoffe neue Abenteuer und Aufgaben zu entdecken. Ich werde versuchen  herauszufinden, was dieses so herrliche einzigartige Leben noch so alles in der Überraschungskiste bereit hält. 

Ein Blick zurück und freudig nach vorne

Impfverweigerer – eine Gefahr für alle

Abgrund.jpg„Engstirnigkeit und dummer Egoismus lassen kein Gemeinwohl und kein großes Herz zu“. 

Insofern sind diejenigen die sich in einer gefährlichen Pandemie nicht impfen lassen, obwohl sie es könnten und dürften, – einfach Außenseiter.
Es sind Menschen, die sich ganz bewusst gegen die Interessen und Belange der Gemeinschaft stellen. 

Und wieso, so frage ich mich die ganzen Tage, wieso bekommen derart unsolidarische, egoistische nur auf sich selbst blickende Menschen (also die Impfverweigerer) eine solche Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme?
Wieso bekommen sie jenes Verständnis und den Respekt, den sie gegenüber der Gesellschaft fehlen lassen?
Da heißt es …. sie kämpfen noch mit sich?! 

Falsch! Bei den Datenlagen und den Informationen ist dies kein Kampf.
Das ist kein Nachdenken! Das ist kein Abwägen!
Es ist einfach pure Ignoranz gegenüber den sich wieder füllenden Intensivstationen.
Es ist ein Verbrechen an Patienten, die in andere Krankenhäuser geschickt werden, weil kein Platz mehr ist.
Es ist eine Körperverletzung gegenüber den Pflegerinnen und Pflegern, die sich mit Kündigungsgedanken tragen weil sie nicht mehr können oder wollen. Und die auf ihren Stationen just jene behandeln müssen die Engstirnigkeit und Ignoranz zur Tugend erheben wollen. 

Es sterben Menschen weil z.B Herz oder Krebs OP´ s verschoben werden, weil ungeimpfte Covid Patienten die Kapazitäten blockieren. 

Die Zahlen steigen und steigen. Wer weiß wie dieser Winter wird. 

Und die Impfverweigerer beharren auf dem Recht, dass ihnen durch unsolidarisches Verhalten keine Nachteile entstehen dürften.
Das ist Bullshit!
Wer sich der gesellschaftlichen Solidarität verweigert hat mit den Konsequenzen zu leben. Impfverweigerer (d.h all jene, die sich impfen lassen können und dürfen) gehören ohne regelmäßige kostenpflichtige PCR Tests nicht mehr in geschlossene Räume mit anderen Menschen , nicht mehr in Restaurants, in Theater, in Kinos, in Schulen, Pflegeheime, Krankenhäuser. So einfach ist das. 

Warum nur haben wir nicht den Mut dies konsequent durchzuführen? 

Impfverweigerer gefährden uns alle.

In der Natur gehören Vielfältigkeit, Außergewöhnlichkeit oder auch Andersartigkeit dazu und führen zu Resilienz und Stärke.
Doch ebenso konsequent werden jene ausgeschlossen, die eine Art, eine Gruppe oder Herde durch ihr Verhalten gefährden. Diese überlebenswichtige Lektion haben wir, wie so vieles andere, offenbar vergessen oder verlernt?! 

Impfverweigerer – eine Gefahr für alle

Weniger als ein Goldfisch!

Goldfisch.jpg

Bild von Michael Rühle/Pixabay

Mir kommt es manchmal so vor, als das die Drehbücher von Hollywood Action Filmen kaum noch an die Realität heranreichen. Atemlos, so scheint es, taumeln wir von einer Krise zur nächsten. 

Eine Jahrhundert Pandemie, brennende Urwälder, brennende Urlaubsparadiese, Hochwasser und jetzt Afghanistan. 

Jeden Abend irgendein Spektakel. Die mediale Intensität ist betäubend und grell. Und doch wird es in wenigen Wochen so sein wie immer. 

Die Aufmerksamkeitsquote von uns Menschen liegt erwiesenermaßen unter der eines Goldfisches. 

  • Wie heißt auch noch der brasilianische Präsident, der den Amazonaswald abfackeln lässt, damit wir noch mehr billiges Rindfleisch kaufen können? 
  • Wie höllisch heiß war es noch in Kanada? 
  • Wie viel Hektar brennen in Kalifornien, Sibirien, Griechenland, Afrika?
  • Was ist mit den in chinesischen Folterkerkern vermodernden Menschenrechtlern aus Hongkong? 
  • Und wie hießen auch noch die todbringenden vormals kleinen Flüsse in NRW und Rheinland Pfalz?

Wir alle haben ein extremes Kurzzeitgedächtnis, reagieren aber zuverlässig kurzfristig emotional. Wut oder wahlweise Scham, Entsetzen, Häme und über die Sozialen Medien zigtausendfach geäußertes Besserwissertum. 

Und ich stelle mir einige kritische Fragen:

Was machen wir als Gesellschaft mit den jeweiligen Erkenntnissen und Einsichten in Notwendigkeiten? Wie leiten wir unsere Emotionen hin zu faktischem Wissen, um zu lernen und vor allem um Maßnahmen abzuleiten und diese einzufordern?

Unbequeme Fragen die uns aus der Zuschauerrolle, aus dem Fernsehsessel in die Verantwortung ziehen müssten.
Ehrlichkeit bedeutet die Bereitschaft zu Veränderungen bis weit in den persönlichen Bereich hinein, um unser Klima zu schützen und nicht nur populistisches Politiker Bashing zu betreiben.  Angesichts unserer brennenden Erde (von der wir nur eine haben) sollte diese persönliche Willigkeit den Tag überdauern und nicht von der nächsten Schlagzeile in die nächstbeste Rumpelkammer geschoben werden. 

Die millionenfachen Flüchtlingsströme auf der Welt sollten uns zu mehr bewegen als einmal im Jahr zu einer Spende in der Weihnachtszeit. Und die immer wieder unmittelbar sichtbare Hilflosigkeit bzw. Abhängigkeit unserer europäischen Armeen vom Schutz der US-Amerikaner, sollte zu unbequemen Fragen bzgl. einer effektiven Verteidigung und einer europäischen Schlag,- bzw. Handlungskraft führen – oder? 

Doch neben den beschriebenen schlagzeilenträchtigen medialen Discokugeln bildet so vieles andere eine große Klammer, die mich nachdenklich macht. 

Der permanente Krisenmodus zeigt gnadenlos Stärken und auch Schwächen des Landes und unserer Gesellschaft.

Was haben Corona und die daraus erkennbaren Folgen, das beschämend schlechte Mobilfunknetz, die bröckelige Digitalisierung von Behörden und Schulen, die Schmach eines Berliner Flughafens an dem man mehr als ein Jahrzehnt herumstümpert (BER),  Stuttgart 21 oder z.B regional die Friesenbrücke mit Afghanistan zu tun? 

Es ist alles quälend langsam geworden.

Könnte es daher nicht sein, dass genau das, was in Kabul jetzt brutal sichtbar wird, mehr oder weniger ein Spiegelbild unserer Gesellschaft ist? 

Gutmütig, aber auch behäbig, quengelig und geschwätzig?! Im Grunde aber zufrieden mit dem wie es ist, saturiert und überall heftig festgerostet? 

Unser altes Land, unsere alten Eigenschaften die wir immer noch wie eine in die Jahre gekommene und von Motten zerfressene Traditionsfahne vor uns hertragen ist uns irgendwie verloren gegangen.

Statt Effizienz, Disziplin, Pragmatismus und schnellen konsequenten und mutigen Entscheidungen sind wir erschreckend oft ein Land von Langsamkeit, Bedenken, Formalismus und überbordender Bürokratie geworden. Der Glanz vom Modell Deutschland blättert in dieser Neuen Welt wie alte Farbe von einer ungepflegten Fassade.   

Ist dieser Befund vielleicht etwas zu krass? Ich habe lange überlegt und schließe diese Gedanken mit folgenden Überlegungen: „Wenn wir heute ein Bauprojekt, eine Idee, eine Initiative oder was auch immer anstoßen möchten – glauben wir, das dies schnell, unbürokratisch, flexibel und pragmatisch gelöst wird? 

Wir kritisieren Politiker so schnell – es ist ja eine Art Volkssport geworden. Doch würden wir Menschen bewusst wählen, die uns ungeschönt und aufrichtig die Wahrheit sagen? Die uns aus dem bequemen Fernsehsessel aufscheuchen und uns mit der realen sich dramatisch verändernden Welt und den großen Herausforderungen konfrontieren?!“ Und belohnen wir alle oder auch die Medien Menschen, die mal etwas wagen und vielleicht auch damit scheitern mit Respekt?
Kübelweise Häme, Spott und Vorwürfe und thematische Aufarbeitungen in krawalligen Fernsehshows sind garantiert. 

Also ich bin da völlig ohne Illusionen.
Was würde wohl mit der oder dem passieren, der konkret eine Agenda 2030 einfordern würde? 

Und umso drängender stellt sich die Frage wie wir aus all den Warnzeichen und Erlebnissen lernen, besser und anders werden können?
Wie können wir diesen in unserer Geschichte so wunderbar einmaligen demokratischen Staat weiterentwickeln, unsere Politik und Politiker stärken, ermutigen und ermächtigen das Richtige zu tun, und wie verhindern wir damit, das sich Giftpilze wie die AfD auf den Ausscheidungen von ziellosen Emotionen entwickeln können? 

Weniger als ein Goldfisch!

Wow! Nightbirde on Stage

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Hier der YouTube Link zu dem wunderschönen Lied
Song

Der zutiefst bewegende und beeindruckende Auftritt einer schwer krebskranken amerikanischen Sängerin geht mir nicht aus dem Sinn.

Ihre Stimme, der Song und die gesamte Ausstrahlung dieser jungen Frau klingen nach wie die Vibrationen großer Kirchenglocken.
Eine 2% ige Überlebenschance geben die Ärzte ihr.
Und Ihre Antwort „Na immerhin!“. „Es sind eben 2% und nicht 0%.“ 

Wir Menschen sind erstaunliche Geschöpfe. Wir haben die Gabe zu großartigen Leistungen, zu innerer Kraft, Kreativität und unglaublich inspirierendem vorbildhaftem Verhalten. 

Und wir können leider auch unglaublich dumm und böse sein. 

Diese junge Frau hat, nach allem, was ich jetzt über sie gelesen habe, eine durchaus wilde Achterbahnfahrt des Lebens hinter sich.
Und sie schrieb ihren eigenen Song mit einer Erkenntnis, die viele erst nach einem langen Leben und manche leider auch nie erreichen. 

„It´s okay“,  so der Titel des Liedes.

Hier einige Textschnipsel:
I moved to California in the summer time
I changed my name thinking that it would change my mind
I thought that all my problems they would stay behind
I was a stick of dynamite and it was just a matter of time, yeah
All day, all night, now I can′t hide
Said I knew myself but I guess I lied
It’s okay, it′s okay, it’s okay, it’s okay
If you′re lost, we′re all a little lost and it’s alright
It′s okay, it’s okay, it′s okay, it’s okay
I wrote a hundred pages but I burned them all
(Yeah, I burned them all)
I drove through yellow lights and don’t look back at all
I don′t look back at all

Yeah, you can call me reckless, I’m a cannonball
Don’t know why I take the tightrope and cry when I fall

All day, all night, now I can’t hide
Said I knew what I wanted but I guess I lied

Das, was Dir widerfährt, meint nicht Dich alleine.
Du bist keine Zielscheibe des Schicksals.
Wir sind alle auf die eine oder andere Weise betroffen.
Denn das Leben ist nichts für Feiglinge.
Alles ist so, wie es ist, und es wird letztendlich das, was wir daraus machen. 

Die Frau fasst auf der Bühne ihre Lebensphilosophie in einem klugen Satz zusammen der, in Anbetracht ihres Schicksals, alles andere als eine Kalenderphrase ist.

„Du kannst nicht warten, bis das Leben nicht mehr hart zu Dir ist, bevor Du entscheidest, glücklich zu sein.“

Wow!

Wow! Nightbirde on Stage