Ein Blick zurück und freudig nach vorne

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In wenigen Tagen endet meine aktive Zeit auf, mit und für die Meyer Werft. 

Es waren für mich ganz außergewöhnliche Jahrzehnte.  Eine wunderbare Zeit, eine Lebensspanne voller Abenteuer.
Angefüllt mit so vielen einzigartigen Menschen, die ich kennenlernen durfte.
Diese Arbeitszeit erfüllt mich mit Dankbarkeit, Zufriedenheit und großer Demut.

Was hätte ich vor 50 Jahren in einen Schulaufsatz mit dem Titel „Wie stellst Du Dir Dein zukünftiges Leben vor“ wohl geschrieben?
Aufgrund der Gefahr einer schlechten Zensur durch „abstruse Märchenerzählung“ hätte ich es nicht gewagt dieses jetzt tatsächlich gelebte Leben so zu skizzieren. 

Im ersten Jahrzehnt meiner Werftzeit, beginnend ab 1975, erlebte ich die tolle Kameradschaft der Kollegen des Schiffbaus. Danach folgte ab 1985 die ganz atemberaubende und herausfordernde Zeit als Betriebsrat. Ab 1998 dann der Wechsel nach Rostock zur Neptun Werft. Ich habe Mecklenburg Vorpommern und die tollen Menschen dort sehr schätzen gelernt. Dieser Zeit folgte ab 2001 die Arbeit als Personalleiter in Papenburg und als Geschäftsführer der Ems Dienstleistung. Ab 2017 war ich dann für Kommunikation und Politik zuständig.
Und im Rückblick war alles toll, passte, hätte besser nicht sein können.

Die Erinnerungen an die fast 47 Jahre sprudeln über mit unzähligen Erlebnissen. Mit spannenden, einmaligen Geschichten über die Arbeit, aber vor allem mit dem Erleben und Staunen über die so ganz und gar außergewöhnlichen Menschen unserer Werft.

Diese Belegschaft, dieses Management, diese Unternehmerfamilie war immer wieder zu beeindruckenden Leistungen fähig. 

Die Entscheidungsfreude, die Tat,-  und Leistungskraft der MEYER Mannschaft und ihre Verbundenheit mit dem Unternehmen gründeten das Fundament, auf dem unsere Werft gebaut ist. Und das Wissen um die Kraft der Loyalität, dem Ideenreichtum, der Erfahrung und Einsatzbereitschaft der Gesamtheit dieses Betriebes, bildete das Rückgrat für mutige Managemententscheidungen der Unternehmerfamilie. 

Von 1985 bis 1998 durfte ich die Belegschaft und das Unternehmen als Betriebsrat nach innen und außen repräsentieren und vertreten. Eine solche Aufgabe macht demütig, ist Ehre und sehr große Verantwortung zugleich.
Natürlich gab es immer Gegensätze zwischen der Arbeitgeber,- und der Arbeitnehmerseite. Doch diese Konflikte wurden auf einer Basis des gegenseitigen Vertrauens und strikter Vertraulichkeit ausgetragen. Manchmal wird diese Zeit als „kooperativer Schmusekurs“ bezeichnet oder auch verunglimpft. Doch nur durch gegenseitiges Vertrauen entstand jene Geschlossenheit die unsere Werft in extrem gefährlichen und schwierigen Jahren so gut wie unangreifbar und so einzigartig machte.

Mir war es stets wichtig, nicht das trennende dominieren zu lassen, sondern die viel größeren Gemeinsamkeiten in den Mittelpunkt zu stellen.
So viele vormals stolze und große Werften wurden durch immer wiederkehrende Werftenkrisen zerstört. Ich musste dies über Jahrzehnte unmittelbar miterleben. So oft wurden die Gefahren für die Betriebe unterschätzt. Und der Untergang vieler Werften wurde durch gegenseitige Entfremdung, Spaltung, Unversöhnlichkeit und innere Konflikte noch beschleunigt. Stärke, Zusammenhalt, Gemeinschaft, Vertrauen und Zuversicht und in Folge zigtausende Arbeitsplätze waren die Opfer solcher Entwicklungen. 

Im Gegensatz zu anderen überlebten wir und konnten sogar wachsen. Dies war nicht selbstverständlich! Nur wenige wissen heute noch, wie fanatisch und mit welcher Wucht „die Werft im Binnenland“ bekämpft wurde und von einigen heute immer wieder angegriffen wird.
Doch
in geschlossener „Schlachtordnung“ überstanden wir Angriffe, Anfeindungen und Herausforderungen, weil dieser Betrieb eine Herzensangelegenheit so vieler Menschen ist.

Gerne wird heute auf die Politik eingeschlagen. Und doch gab und gibt es viele tolle Politiker, die so unendlich wichtig für uns waren.
Menschen die ich sehr schätzen gelernt habe. Zu nicht wenigen entwickelten sich bis heute haltende persönliche Freundschaften.

Die Werft war für mich stets mehr als nur ein Betrieb unter vielen.
Ich bin aufgewachsen als Sohn einer Landarbeiterfamilie. Heute romantisieren viele diese Zeit und kokettieren mit so einer Passage in der eigenen Vita.
Doch für meine Eltern waren die damaligen Umstände alles andere als romantisch. Sie hatten ein großes Ziel. Sie wollten heraus aus Armut, großer Abhängigkeit und schlimmer Unfreiheit. Ein stabiles sicheres Einkommen, die Chance auf etwas Wohlstand und gute selbstbestimmte Arbeit standen immer ganz oben an. Diese Ziele bestimmten das Leben und prägten auch mich.
Heute haben viele Menschen neue und andere Ziele. Doch die wenigsten haben noch eine Vorstellung davon was Entbehrung, Armut oder fehlende Sicherheit tatsächlich bedeuten kann. Was für ein fürchterlich bitterer Geschmack die fehlende Chance auf Wohlstand ist. 

Für meinen Eltern war es eine riesige Erleichterung, dass ich durch eine Ausbildung bei einem großen Industriebetrieb die Basis zu einem besseren Leben erlangen konnte.
In einer großen Podiumsdiskussion in Berlin wurde mir einmal entgegengehalten: „Der Zweck des Business ist Business“. Ich habe leidenschaftlich widersprochen. Diese Werft ist viel mehr als ein Projekt, ein nüchterner Plan oder nur die Summe von Ergebnissen. Denn vor dem Plan oder dem Projekt, hat der liebe Gott den Traum, die Vorstellung, die Vision gestellt.

Natürlich bildete die Wettbewerbs,- und Konkurrenzfähigkeit schon immer die grundlegende Basis von allem. Dies braucht überhaupt nicht diskutiert zu werden!

Und doch ist die Werft auch noch viel mehr. Hier laufen nicht nur Schiffe vom Stapel, sondern auch Chancen und Perspektiven. Sie war und ist eine Zukunftsfabrik für Menschen wie mich. Diese galt es zu verteidigen – denn so oft bietet sich so etwas in unserer Heimat nicht. Die Werft ist ein Glücksfall für uns alle.

Ich danke allen von ganzem Herzen, die mich auf meiner Reise begleitet haben,  meinen Kolleginnen und Kollegen die mich unterstützen und mir vertrauten und ganz besonders der Familie Meyer für das Zutrauen in mich und meine Art zu arbeiten. Es war nicht immer ganz einfach mit mir und oftmals auch eine Herausforderung (glaube ich).  Ich danke allen, die mir beratend zur Seite standen, für Lob aber auch für sachliche Kritik.

Jetzt, nach fast 47 Jahren für und mit der Werft, fängt ein neuer Lebensabschnitt an.
Eine Zeit, in der ich hoffe neue Abenteuer und Aufgaben zu entdecken. Ich werde versuchen  herauszufinden, was dieses so herrliche einzigartige Leben noch so alles in der Überraschungskiste bereit hält. 

Impfverweigerer – eine Gefahr für alle

Abgrund.jpg„Engstirnigkeit und dummer Egoismus lassen kein Gemeinwohl und kein großes Herz zu“. 

Insofern sind diejenigen die sich in einer gefährlichen Pandemie nicht impfen lassen, obwohl sie es könnten und dürften, – einfach Außenseiter.
Es sind Menschen, die sich ganz bewusst gegen die Interessen und Belange der Gemeinschaft stellen. 

Und wieso, so frage ich mich die ganzen Tage, wieso bekommen derart unsolidarische, egoistische nur auf sich selbst blickende Menschen (also die Impfverweigerer) eine solche Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme?
Wieso bekommen sie jenes Verständnis und den Respekt, den sie gegenüber der Gesellschaft fehlen lassen?
Da heißt es …. sie kämpfen noch mit sich?! 

Falsch! Bei den Datenlagen und den Informationen ist dies kein Kampf.
Das ist kein Nachdenken! Das ist kein Abwägen!
Es ist einfach pure Ignoranz gegenüber den sich wieder füllenden Intensivstationen.
Es ist ein Verbrechen an Patienten, die in andere Krankenhäuser geschickt werden, weil kein Platz mehr ist.
Es ist eine Körperverletzung gegenüber den Pflegerinnen und Pflegern, die sich mit Kündigungsgedanken tragen weil sie nicht mehr können oder wollen. Und die auf ihren Stationen just jene behandeln müssen die Engstirnigkeit und Ignoranz zur Tugend erheben wollen. 

Es sterben Menschen weil z.B Herz oder Krebs OP´ s verschoben werden, weil ungeimpfte Covid Patienten die Kapazitäten blockieren. 

Die Zahlen steigen und steigen. Wer weiß wie dieser Winter wird. 

Und die Impfverweigerer beharren auf dem Recht, dass ihnen durch unsolidarisches Verhalten keine Nachteile entstehen dürften.
Das ist Bullshit!
Wer sich der gesellschaftlichen Solidarität verweigert hat mit den Konsequenzen zu leben. Impfverweigerer (d.h all jene, die sich impfen lassen können und dürfen) gehören ohne regelmäßige kostenpflichtige PCR Tests nicht mehr in geschlossene Räume mit anderen Menschen , nicht mehr in Restaurants, in Theater, in Kinos, in Schulen, Pflegeheime, Krankenhäuser. So einfach ist das. 

Warum nur haben wir nicht den Mut dies konsequent durchzuführen? 

Impfverweigerer gefährden uns alle.

In der Natur gehören Vielfältigkeit, Außergewöhnlichkeit oder auch Andersartigkeit dazu und führen zu Resilienz und Stärke.
Doch ebenso konsequent werden jene ausgeschlossen, die eine Art, eine Gruppe oder Herde durch ihr Verhalten gefährden. Diese überlebenswichtige Lektion haben wir, wie so vieles andere, offenbar vergessen oder verlernt?! 

Weniger als ein Goldfisch!

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Bild von Michael Rühle/Pixabay

Mir kommt es manchmal so vor, als das die Drehbücher von Hollywood Action Filmen kaum noch an die Realität heranreichen. Atemlos, so scheint es, taumeln wir von einer Krise zur nächsten. 

Eine Jahrhundert Pandemie, brennende Urwälder, brennende Urlaubsparadiese, Hochwasser und jetzt Afghanistan. 

Jeden Abend irgendein Spektakel. Die mediale Intensität ist betäubend und grell. Und doch wird es in wenigen Wochen so sein wie immer. 

Die Aufmerksamkeitsquote von uns Menschen liegt erwiesenermaßen unter der eines Goldfisches. 

  • Wie heißt auch noch der brasilianische Präsident, der den Amazonaswald abfackeln lässt, damit wir noch mehr billiges Rindfleisch kaufen können? 
  • Wie höllisch heiß war es noch in Kanada? 
  • Wie viel Hektar brennen in Kalifornien, Sibirien, Griechenland, Afrika?
  • Was ist mit den in chinesischen Folterkerkern vermodernden Menschenrechtlern aus Hongkong? 
  • Und wie hießen auch noch die todbringenden vormals kleinen Flüsse in NRW und Rheinland Pfalz?

Wir alle haben ein extremes Kurzzeitgedächtnis, reagieren aber zuverlässig kurzfristig emotional. Wut oder wahlweise Scham, Entsetzen, Häme und über die Sozialen Medien zigtausendfach geäußertes Besserwissertum. 

Und ich stelle mir einige kritische Fragen:

Was machen wir als Gesellschaft mit den jeweiligen Erkenntnissen und Einsichten in Notwendigkeiten? Wie leiten wir unsere Emotionen hin zu faktischem Wissen, um zu lernen und vor allem um Maßnahmen abzuleiten und diese einzufordern?

Unbequeme Fragen die uns aus der Zuschauerrolle, aus dem Fernsehsessel in die Verantwortung ziehen müssten.
Ehrlichkeit bedeutet die Bereitschaft zu Veränderungen bis weit in den persönlichen Bereich hinein, um unser Klima zu schützen und nicht nur populistisches Politiker Bashing zu betreiben.  Angesichts unserer brennenden Erde (von der wir nur eine haben) sollte diese persönliche Willigkeit den Tag überdauern und nicht von der nächsten Schlagzeile in die nächstbeste Rumpelkammer geschoben werden. 

Die millionenfachen Flüchtlingsströme auf der Welt sollten uns zu mehr bewegen als einmal im Jahr zu einer Spende in der Weihnachtszeit. Und die immer wieder unmittelbar sichtbare Hilflosigkeit bzw. Abhängigkeit unserer europäischen Armeen vom Schutz der US-Amerikaner, sollte zu unbequemen Fragen bzgl. einer effektiven Verteidigung und einer europäischen Schlag,- bzw. Handlungskraft führen – oder? 

Doch neben den beschriebenen schlagzeilenträchtigen medialen Discokugeln bildet so vieles andere eine große Klammer, die mich nachdenklich macht. 

Der permanente Krisenmodus zeigt gnadenlos Stärken und auch Schwächen des Landes und unserer Gesellschaft.

Was haben Corona und die daraus erkennbaren Folgen, das beschämend schlechte Mobilfunknetz, die bröckelige Digitalisierung von Behörden und Schulen, die Schmach eines Berliner Flughafens an dem man mehr als ein Jahrzehnt herumstümpert (BER),  Stuttgart 21 oder z.B regional die Friesenbrücke mit Afghanistan zu tun? 

Es ist alles quälend langsam geworden.

Könnte es daher nicht sein, dass genau das, was in Kabul jetzt brutal sichtbar wird, mehr oder weniger ein Spiegelbild unserer Gesellschaft ist? 

Gutmütig, aber auch behäbig, quengelig und geschwätzig?! Im Grunde aber zufrieden mit dem wie es ist, saturiert und überall heftig festgerostet? 

Unser altes Land, unsere alten Eigenschaften die wir immer noch wie eine in die Jahre gekommene und von Motten zerfressene Traditionsfahne vor uns hertragen ist uns irgendwie verloren gegangen.

Statt Effizienz, Disziplin, Pragmatismus und schnellen konsequenten und mutigen Entscheidungen sind wir erschreckend oft ein Land von Langsamkeit, Bedenken, Formalismus und überbordender Bürokratie geworden. Der Glanz vom Modell Deutschland blättert in dieser Neuen Welt wie alte Farbe von einer ungepflegten Fassade.   

Ist dieser Befund vielleicht etwas zu krass? Ich habe lange überlegt und schließe diese Gedanken mit folgenden Überlegungen: „Wenn wir heute ein Bauprojekt, eine Idee, eine Initiative oder was auch immer anstoßen möchten – glauben wir, das dies schnell, unbürokratisch, flexibel und pragmatisch gelöst wird? 

Wir kritisieren Politiker so schnell – es ist ja eine Art Volkssport geworden. Doch würden wir Menschen bewusst wählen, die uns ungeschönt und aufrichtig die Wahrheit sagen? Die uns aus dem bequemen Fernsehsessel aufscheuchen und uns mit der realen sich dramatisch verändernden Welt und den großen Herausforderungen konfrontieren?!“ Und belohnen wir alle oder auch die Medien Menschen, die mal etwas wagen und vielleicht auch damit scheitern mit Respekt?
Kübelweise Häme, Spott und Vorwürfe und thematische Aufarbeitungen in krawalligen Fernsehshows sind garantiert. 

Also ich bin da völlig ohne Illusionen.
Was würde wohl mit der oder dem passieren, der konkret eine Agenda 2030 einfordern würde? 

Und umso drängender stellt sich die Frage wie wir aus all den Warnzeichen und Erlebnissen lernen, besser und anders werden können?
Wie können wir diesen in unserer Geschichte so wunderbar einmaligen demokratischen Staat weiterentwickeln, unsere Politik und Politiker stärken, ermutigen und ermächtigen das Richtige zu tun, und wie verhindern wir damit, das sich Giftpilze wie die AfD auf den Ausscheidungen von ziellosen Emotionen entwickeln können? 

Wow! Nightbirde on Stage

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Hier der YouTube Link zu dem wunderschönen Lied
Song

Der zutiefst bewegende und beeindruckende Auftritt einer schwer krebskranken amerikanischen Sängerin geht mir nicht aus dem Sinn.

Ihre Stimme, der Song und die gesamte Ausstrahlung dieser jungen Frau klingen nach wie die Vibrationen großer Kirchenglocken.
Eine 2% ige Überlebenschance geben die Ärzte ihr.
Und Ihre Antwort „Na immerhin!“. „Es sind eben 2% und nicht 0%.“ 

Wir Menschen sind erstaunliche Geschöpfe. Wir haben die Gabe zu großartigen Leistungen, zu innerer Kraft, Kreativität und unglaublich inspirierendem vorbildhaftem Verhalten. 

Und wir können leider auch unglaublich dumm und böse sein. 

Diese junge Frau hat, nach allem, was ich jetzt über sie gelesen habe, eine durchaus wilde Achterbahnfahrt des Lebens hinter sich.
Und sie schrieb ihren eigenen Song mit einer Erkenntnis, die viele erst nach einem langen Leben und manche leider auch nie erreichen. 

„It´s okay“,  so der Titel des Liedes.

Hier einige Textschnipsel:
I moved to California in the summer time
I changed my name thinking that it would change my mind
I thought that all my problems they would stay behind
I was a stick of dynamite and it was just a matter of time, yeah
All day, all night, now I can′t hide
Said I knew myself but I guess I lied
It’s okay, it′s okay, it’s okay, it’s okay
If you′re lost, we′re all a little lost and it’s alright
It′s okay, it’s okay, it′s okay, it’s okay
I wrote a hundred pages but I burned them all
(Yeah, I burned them all)
I drove through yellow lights and don’t look back at all
I don′t look back at all

Yeah, you can call me reckless, I’m a cannonball
Don’t know why I take the tightrope and cry when I fall

All day, all night, now I can’t hide
Said I knew what I wanted but I guess I lied

Das, was Dir widerfährt, meint nicht Dich alleine.
Du bist keine Zielscheibe des Schicksals.
Wir sind alle auf die eine oder andere Weise betroffen.
Denn das Leben ist nichts für Feiglinge.
Alles ist so, wie es ist, und es wird letztendlich das, was wir daraus machen. 

Die Frau fasst auf der Bühne ihre Lebensphilosophie in einem klugen Satz zusammen der, in Anbetracht ihres Schicksals, alles andere als eine Kalenderphrase ist.

„Du kannst nicht warten, bis das Leben nicht mehr hart zu Dir ist, bevor Du entscheidest, glücklich zu sein.“

Wow!

und bleib wie Du bist ..?

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Gestern habe ich einen Geburtstagsgruß an einen echten Menschen, nicht nur an einen SMFF (Social Media Fake Freund) versendet.

 

 

 

Neben den üblichen Glückwünschen rutschte die Zeile:
„Und bleib wie Du bist“ in den Gruß hinein.
Heute bekam ich einen freundlichen Dank zurück. 

Und doch ärgere ich mich über die Gedankenlosigkeit des Wunsches:
„Und bleib wie Du bist“.
Wir alle sind Wesen der stetigen Veränderung.
Auch die angenehmsten und liebsten Menschen verändern ihr Aussehen, ihre Gedanken, Einstellungen, Wahrnehmungen, Fähigkeiten. Täten wir das nicht, könnten wir als Spezies nicht existieren.
Veränderungen und Anpassungen bestimmen unser Leben.
Also – ein wirklich gedankenloser Satz in einer Geburtstagskarte.
Den werde ich nicht wieder verwenden ….

Anbei einige Zeilen dazu aus einem anderen Gedankensplitter.

Nur Schneider handeln vernünftig.

Die Vergangenheit ist …?

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„The past is never dead. It’s not even past.“
Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen.

Gestern Abend habe ich diesen Text von William Faulkner im Requim für eine Nonne gelesen. 

Und ich denke dieser Satz trifft zu.

Alles, was wir jemals erfahren, spüren, aushalten, genießen, alles was wir in unserem Leben erleben, begleitet uns in der Gegenwart und läuft neben uns her in unsere Zukunft.
Und alle Erfahrungen, die wir jemals gemacht haben, beeinflussen auf die eine oder andere Weise jede unserer Entscheidungen.

 

Das Ende der Worte.

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Vor einigen Tagen las ich von einer sogenannten Biografieübung.
Die beschriebenen Übungen weckten meine Neugier und regten mich zur Nachahmung an. 

Zuerst macht man etwas Außergewöhnliches.
Ich bin Rechtshänder und sollte doch mit der linken Hand die rechte Hand als Umriss nachzeichnen. Dann oblag es der linken Hand in die Umrisse der rechten Hand hineinzuschreiben, was diese alles schon gemacht hat.
Die ersten Begriffe hatten viel mit der Arbeit zu tun. Doch das schwierige Schreiben mit links fordert die Konzentration auf Qualität und nicht Quantität. Ich musste mich also fokussieren und reduzieren. Und so brachen Assoziationen hervor, die mich meine Hand anders, als nicht mehr so selbstverständlich betrachten ließen. 

Nach den ersten Begriffen im Zusammenhang mit der Arbeit, dominierten immer stärker andere Rückblenden die Erinnerung. Die Erlebnisse der Hand, der Faust, mit Raufereien und Härte. Doch noch viel mehr an Zärtlichkeiten, an Berührungen von und zu Menschen, dem Partner, den Kindern, den Eltern, Pflanzen, Erde und Wasser, den vielen analogen Spielen der Kindheit und auch so etwas profanen wie das formen von Schneebällen.  So viele Erlebnisse, die allesamt mit der so selbstverständlich vorhandenen Hand zusammenhängen.
Doch dann sollte ich, jetzt durchaus mit der rechten Hand, aufmalen oder auch skizzieren, an welche Erlebnisse ich mich ganz besonders gerne erinnern würde.
Und wie bei einer sanften Skifahrt auf einem leichten und wunderschön glitzernden Schneehang gleite ich in schöne Bilder der Erinnerung.
Die moderne, die heutige Welt, die ich durchaus mag, die ich schätze und auch nicht ablehne, wird aus der ersten Reihe verdrängt.
Kaum etwas von dem, was den Tag so dominiert, steht jetzt noch im Vordergrund.
Schon fast vergilbte Bilder der letzten Jahrzehnte tauchen auf. Ich erinnere mich an den Stolz der ersten Treckerfahrt auf dem Kartoffelacker, an die Begeisterung des Kletterers wenn ich die höchsten Baumwipfel eroberte. An den unverwechselbaren Geruch des Heimatdorfes. Der saftige schwere süßliche Duft der allgegenwärtigen Birken vor einem Regen, des frisch geschnittenen Grases und auch dem Gefühl der großen Freiheit bei den Fahrten mit meinem Kreidler Moped. An viele Dinge, die damals einfach auftauchten, die ich nicht einordnen konnte, wollte oder musste. Die ich nur zur Kenntnis nahm und deren Gewichtung erst im Abstand von Jahrzehnten erfolgt. Und natürlich prägt ganz besonders die Geborgenheit und Erlebnisse mit meiner damaligen und heutigen Familie (Doch wie zeichnet man so etwas – nicht wahr?)

Das Blatt füllte sich mit vielen mit Untertiteln versehenen Graffiti (Zeichnungen waren das ganz bestimmt nicht). Erinnerungen, die spannend und aufregend und auch nicht immer nur schön waren. Doch auch diese Ereignisse fühlen sich heute gut, vertraut und prägend an. Sie gehören einfach dazu.

Als letzte Übung werde ich gebeten, noch einmal auszuharren und zu erkennen, welche Werte sich durch die Erinnerungen ziehen und bis heute prägen. 

Und plötzlich erlebe ich das Ende der Worte.
Worte, gesprochene wie auch geschriebene bestimmen mein Leben. Doch bei dieser Aufgabe entstehen und bleiben fast nur Bilder und Gefühle. 

Und nach dieser interessanten Erfahrung, zurück in der hektischen Wirklichkeit, denke ich darüber nach ob und was von dieser modernen Zeit in einigen Jahren solchen prägenden Bestand hat wie die Rückblicke, die mich bei dieser Übung mit Wärme erfüllten.  Aus langsameren (?), aus anderen Zeiten.

Wissen ist Macht?

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Angeregt durch einen Artikel erinnere ich mich gerade an eine Veranstaltung, bei der es um die Frage „Zukunft der Arbeit“ ging. Die Vorträge des Vormittags waren so prall gefüllt mit Allgemeinplätzen, Satzsplittern aus den typischen Sonntagsreden (Bedeutung der Bildung; Digitalisierung etc.) das ich schon ernsthaft überlegt hatte früher nach Hause zu fahren. 

 

Doch wie bei so vielen Konferenzen entstehen die aufschlussreichsten Gespräche oftmals an den Kaffeetischen oder beim Mittagessen. 

So saß ich also zur Mittagszeit mit ca. 15 Teilnehmern an einem langen „Rittertisch“. 

Aus den Gesprächen wurde für mich deutlich, das ich ganz offensichtlich der einzige Nichtakademiker am Tisch war. Und es kam, wie es kommen musste.
Inmitten einer angeregten Konversation wurde ich gefragt, was und wo ich denn studiert hätte.
Mein diesbezügliches Geständnis („nur Schiffbauer“ und alles Weitere erlernt in der Biografie) führte zu sehr lang anmutenden Sekunden eines überlauten Schweigens.  Erstaunlich“ merkte mein Nachbar zur Linken, ein diplomierter Betriebswirt und Geschäftsführer, an.
„Wie sie sich dieses ganze erforderliche Wissen so aneignen konnten,“
(Unausgesprochen – ohne Studium). 

„Denn wir wissen doch
(ein nach Zustimmung fordernder Blick in die aufmerksam lauschende Runde)
wie sagt man: Wissen ist alles, Wissen ist Macht.“ 

„Nein“,  widersprach ich höflich aber bestimmt.
„Das ist leider, wie es so oft passiert, ein unvollständiges Zitat.“
„Das korrekte und vollständige Zitat von Peter Rosegger lautet so: 

„Wissen ist Macht.
Wie falsch gedacht.
Wissen ist wenig.
Können ist König.“ 

Wir müssen so aufpassen vor den modischen Begriffen und Glaubensbekenntnissen in die Knie zu gehen. Oft sind es hipe, angesagte aber auch inhaltsleere Vokabeln, die oft so schnell verschwinden, wie sie aufgetaucht sind.
Ich bin in meinem Leben so oft auf Menschen gestoßen, deren einzigartigen Talente und Potenziale verkannt wurden, weil man nur nach Zeugnissen, nach formeller Bildung gefragt hat. 

Weil so viele Beurteilenden so sehr mit sich selber beschäftigt und von sich eingenommen sind, das sie andere Lebensentwürfe und Biografien schnell abtun.
Wenn ich Menschen ehrlich kennenlernen will, frage ich nicht nach dem, was sie gerade tun (Dies ist ja offensichtlich). Mich interessiert was sie sonst machen in ihrer Freizeit, in der Familie, in Vereinen oder wo auch immer.
Und dabei erlebt man so oft Überraschungen. Man ist entzückt, wie groß unser menschliches Potenzial ist, wenn man bereit ist zuzuhören und sich aus Dogmen zu lösen.
Bei so vielen Menschen kann man wahre Schätze, so viel Können (!!) entdecken wenn man abseits der ausgetretenden Pfade nachschaut“ 

Ich weiß nicht wie meine Einlassungen gewirkt haben. Doch ich fühlte mich nach diesen Positionierungen richtig gut! Und dies ist am Ende das wichtigste nicht wahr?

Bestmarken!

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Einer meiner Bekannten war früher Leistungssportler. Heute führt er sein eigenes Unternehmen. Doch immer wieder beeindruckt er mich mit seinem immer noch hohen Detailwissen über die Entwicklung in seinem alten Sport. 

Er war Triathlet. Und es gibt wenige Sportarten die eine vergleichbare hohe Leistungs,- und Leidensbereitschaft abverlangen. 

Selbstdisziplin, so habe ich es bei meinem Bekannten gelernt, ist elementar.
Man muss die eigenen Stärken, aber auch die Schwächen erkennen. Man muss um sie wissen. Man muss diese annehmen und daran konsequent arbeiten.
Denn die Kräfte im Wettbewerb müssen genau eingeteilt werden.
Und auf gar keinen Fall darf man sich etwas vormachen.
Man darf nicht der Selbstzufriedenheit zum Opfer fallen oder die Schuld für Probleme bei anderen suchen.
Die Abläufe die zum Erfolg führen, müssen mit traumwandlerischer Sicherheit immer und immer wieder trainiert werden. Sie müssen sitzen. 

Mein Bekannter beschrieb mir, das fast alle herausragenden Athleten die Weltbestenlisten ihrer Sportart quasi im Schlaf herunterbeten können. 

In einer sich schnell und gravierend verändernden Welt stellt sich die Frage nach unserer Zukunft. Und unsere aktuellen Antworten gefallen mir nicht immer.

Unsere Bequemlichkeit und Saturiertheit sind, im Vergleich zu den Herausforderungen, krass.
Warum fragen wir nicht viel öfter, was wir in Politik, in Unternehmen, Gewerkschaften und Betriebsräten von anderen Sektoren lernen könnten?
Vom Sport, von der Kunst, der Biologie, der forschenden und suchenden Wissenschaft aber auch von alten Organisationen wie z.B der Kirche oder auch dem Militär?!

Wir stehen alle zusammen vor geopolitischen Verwerfungen, vor gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, ökonomischen und demografischen Herausforderungen. 

Wissen wir, wie die Leistungssportler, wo die Bestmarke in dem Feld liegt, in dem wir uns dem Wettbewerb stellen?!  Oder vielleicht wollen wir es auch gar nicht wissen?
Verweigern uns lieber der Erkenntnis, da diese zum Handeln führen müsste? 

Stellen wir uns die Frage nach der Höchstleistung, dem Maßstab den andere prägen, so nachdrücklich wie es die Sportler machen?
Denn nur dann ist man nicht mehr Amateur, sondern spielt in der Liga der Profis.

Na, – fallen Euch auch Beispiele ein, wo wir aus verschiedenen Gründen gar nicht gerne wissen wollen, wie und wo der sogenannte „Vergleichsmaßstab“ ist? 

Krummer Baum

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Heute Morgen durfte ich wieder einmal ein inspirierendes Gespräch mit einem guten Bekannten, einem sehr interessanten und klugen Menschen führen. Wir schauten beide auf etliche Jahrzehnte des gemeinsamen Gedankenaustausches zurück. Dabei unterhielten  wir uns auch über die verschiedenen Lebenswege von uns gut bekannten Personen.

Täuscht der Eindruck, oder waren die Lebensläufe früher viel „kurviger“ und abenteuerlicher und nicht so „berechenbar“, fast schon systematisch schnurgerade wie dies heute oftmals der Fall ist?

Dabei denke ich an eine asiatische Weisheit zurück, die mich in der Reflexion für mein eigenens Leben immer zufrieden und glücklich gemacht hat:

„Der krumme Baum lebt sein Leben!
Der gerade Baum wird ein Brett.“