Vielfach taucht die Frage auf…. ja wen würdest Du denn. als Politiker empfehlen?
Dazu steht mir kein Urteil zu, wohl aber Maßstäbe zu denen ich mich bekenne.
Kurz nach der Jahrtausendwende gründete ich auf einer Werft einen Integrationsbetrieb.
Ich suchte Menschen. Keine perfekten Lebensläufe, sondern Menschen, die arbeiten wollten – und Verantwortung tragen konnten. Und ich wurde fündig bei denen, denen man kaum noch eine Chance gab.
Frauen und Männer, gezeichnet von schweren Krankheiten, harten Schicksalsschlägen – und ja, auch von eigenem Versagen. Menschen, die nicht mehr ins Raster passten.
Ich wurde gewarnt. Man prophezeite mir ein Scheitern.
Skepsis war das Mindeste, Ablehnung nicht selten.
Doch diese Menschen haben es allen gezeigt. Sie waren zuverlässig, lernbereit, loyal. Sie hielten zusammen. Sie wussten, was auf dem Spiel stand.
Und sie trugen Verantwortung, ohne sie einzufordern.
Diese Erfahrung hat meinen Maßstab noch einmal stark geprägt.
In meiner Zeit als Betriebsrat und später dann als Personalverantwortlicher, habe ich an vielen Entscheidungen über Menschen mitgewirkt.
Für mich waren Titel, Abschlüsse oder makellose Präsentationen nie ausschlaggebend.
Nie Lautstärke oder Selbstinszenierung. Entscheidend waren Geschichten.
Lebensläufe, die auch Brüche zeigen durften.
Haltungen, die sich oft im Scheitern offenbarten.
Ich wollte immer wissen,
sucht jemand Schuldige oder Verbündete?
Hält er Zweifel aus oder bekämpft er sie?
Kann er/sie Kritik annehmen?
Hat er/sie Humor – dieses unterschätzte Führungsinstrument?
Und ist Mut und Tapferkeit da – nicht zum Draufhauen, sondern zum Schützen?
Die besten Kandidatinnen und Kandidaten waren fast nie die ganz Lauten und sofort auffälligen.
Sondern die Kooperationsfähigen. Die Selbstkritischen.
Die, die ihre Freude daran hatten andere größer zu machen.
Diese Maßstäbe mögen heute altmodisch wirken.
In Zeiten von Algorithmen, Assessment-Centern und optimierten Lebensläufen.
Mag sein. Sie haben sich bewährt.
Und genau diese Maßstäbe lege ich an Politik an. Wer politische Verantwortung tragen will, muss für mich erkennbar die Würde des Menschen an erste Stelle setzen – ohne Wenn und Aber, eine klare Haltung zur Verfassung haben, dieses Land als Verantwortung begreifen, nicht als Besitz, und Europa als Schutzgemeinschaft verstehen.
Wer glaubt, ein Land in einer Welt der Machtblöcke allein steuern zu können, hat die Realität nicht verstanden – oder täuscht die Menschen ganz bewusst.
Politik ist keine Bühne für Alleinunterhalter. Sie ist Teamarbeit unter Höchstlast.
Darum scheiden für mich alle aus, die Kooperation verächtlich machen, Kompromisse diffamieren und Spaltung betreiben – egal aus welcher politischen Richtung.
Aus diesen Gründen gibt es für mich nicht wählbare Menschen.
Ich hätte solche Menschen nie eingestellt. Und ich werde ihnen mit meiner Stimme auch keine politische Verantwortung anvertrauen.
Wenn große Aufgaben warten, braucht es keine Lautsprecher, keine Chaoten, keine politischen Hassadeure, sondern Menschen, die uns alle stark machen und zwar ohne andere Menschen schlecht zu machen.
