Die neue Arena

Parabel: Die goldene Arena

Es gibt wieder eine Gladiatorenarena.
Uralte Mauern aber über und über frisch vergoldet.
Im Sand unten quälen sich normale Menschen, hungern, leiden, sterben.
Und oben fließt der Wein.

Auf den Rängen sitzen die Reichen dieser Welt. Mit Milliarden erkaufen sie sich die Gunst des Imperators. In Glanz und Seide.

Sie lachen, wetten, speisen, verbrauchen all das, was die Menschheit für die Zukunft bräuchte, vergiften alles, was gut ist.

Sie hetzen Länder, Menschen, Kulturen aufeinander und ergötzen sich an den Tragödien.

Das Sterben im Sand dieser Arena ist für sie Teil eines Geschäftskonzeptes.
Jede Katastrophe macht sie reicher. Das Verhungern von Kindern infamer Teil der Kulisse.

In der Arena kämpfen keine Krieger. Es kämpfen Länder.
Menschen die sich nicht kennen, aber aufgestachelt werden, sich plötzlich hassen, ohne zu wissen warum.

Mit bloßen Händen. Mit letzter Kraft.
Wer fällt, wird nicht beklagt – er wird abgewickelt, er wird ersetzt.
Wird als schwach bezeichnet und noch zusätzlich in den Staub getreten.

Der Herr der Spiele hebt oder senkt grinsend den Daumen.

Er spricht von Ordnung. Von Sicherheit und vergewaltigt doch Stunde für Stunde Wahrheit, Werte, Anstand und Moral. Er spricht von Deals.

Und der Sand saugt das Blut auf.

Und bleibt erstaunlich sauber.
Denn die, die darüber berichten könnten, gehören den neuen Diktatoren dieser Welt.

Manche auf den Rängen wissen,
dass sie morgen selbst unten stehen könnten.
Doch sie trinken und johlen weiter mit.

Hauptsache, heute nicht.

Und so dauert das Spiel des neuen Imperators und seiner reichen Gönner an.
Nicht weil es gerecht ist.
Nicht weil Zukunft hat.
Nicht weil sie so stark sind.

Sondern weil genug Menschen einfach nur zuschauen.
Und hoffen, niemals in den Sand gerufen zu werden.

Diese Arena lebt nicht vom Mut der Gladiatoren.
Sie lebt von der Gleichgültigkeit der Zuschauer, der Uneinigkeit, des Misstrauens und dem falschen Gefühl der Machtlosigkeit.

Die Frage ist nicht, wer als Nächster fällt.

Die Frage ist, wann die Ränge leer bleiben.

„Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr,
als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“

(Mt 19,24)

Auf das heute übertragen…..

Wer im Glanz der Logen sitzt,
dem Sterben zusieht
und das Hungern verwaltet,
hat den Zugang zur Menschlichkeit verloren –

Nicht aus Mangel an Geld,
sondern aus Mangel an Haltung.
Wer Leid und Angst in Deals übersetzt steht außerhalb jeder Moral.

Wer Frieden verkauft,
Hunger kalkuliert
und Macht mit Geld verwechselt,
regiert vielleicht im Moment die Arena –
aber nicht die Zukunft.

Die neue Arena

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