Diese Woche werde ich mit sechs Frauen sprechen.
Sechs Frauen denen Gewalt widerfahren ist.
Vom Partner. Vom Freund. Vom Ex.
Ich werde mit ihnen gemeinsam Anträge erarbeiten — auf Kontakt- und Näherungsverbote.
Ich werde wieder viel telefonieren um Therapien zu erfragen.
Ich werde an Anträgen schreiben für Hilfen bei Missbrauch, der zum Teil viele Jahre zurückliegt.
Um viel Geduld werde ich bitten — weil die Bearbeitung dieser Anträge Jahre dauern können.
Anträge werden wir erstellen, dass sie vor Gericht nicht mit ihren Peinigern konfrontiert werden möchten.
Anders als in den Niederlanden ist das bei uns nicht zwingend opfergerecht geregelt.
Wir werden versuchen Opferanwälte zu finden.
All das erlebe ich jeden Tag.
Und ich spüre dabei großes Unverständnis und ja auch größer werdende Wut.
Diese Woche lese ich gleichzeitig über Collien Fernandes und Christian Ulmen.
Über Vorwürfe einer prominenten Frau die tief gehen — physische Verletzung, Kontrolle, systematische Demütigung, gefälschte Bilder.
Natürlich gilt die Unschuldsvermutung.
Aber die Reaktion die dieser Fall auslöst, ist keine Überraschung.
Sie ist das Ergebnis von zu viel.
Epstein. Pelicot. Diddy.
Steigende häusliche Gewalt laut BKA.
Eklige Deepfakes die Frauen und Kinder entkleiden.
Eine Femizid-Rate gegen die sich offenbar nichts ausrichten lässt.
Jede vierte Frau in Deutschland erlebt mindestens einmal im Leben Gewalt durch den Partner oder Ex-Partner.
Jede vierte.
Wenn Frauen heute sagen: „Es fühlt sich an, als würden Männer Krieg gegen uns führen“ —
dann ist das keine Hysterie.
Das ist eine Bilanz.
Mehr Schutz und härtere Strafen sind gut.
Aber sie reichen nicht liebe Leute.
Nicht ohne Bildung.
Nicht ohne Prävention.
Nicht ohne den ernsthaften politischen Willen zur Gleichberechtigung.
Genau dieser Wille wird gerade überall in Deutschland in Frage gestellt und eingespart.
Und das ist kein Sachzwang.
Das ist eine Entscheidung.
Ich werde diese Woche sechs Frauen sprechen.
Sechs von Millionen.
Jede mit ihrer Geschichte.
Jede mit ihrem Mut — denn es braucht Mut, Hilfe zu suchen.
Jede mit dem Recht auf ein Leben ohne Angst.
Das ist keine abstrakte Forderung.
Das ist der Mindeststandard einer Gesellschaft die Würde ernst nimmt.
Artikel 1 des Grundgesetzes!?
