Na – alles gut?

„Na, alles gut?“

Wie oft hören wir diesen Satz am Tag.
Morgens beim Bäcker, bei der Arbeit, im Treppenhaus, auf dem
Parkplatz.

Und ganz ehrlich, es ist ja keine Frage.
Es ist eine Begrüßung mit Fragezeichen. Eine Art akustisches Nicken.
Und die Antwort kommt so zuverlässig wie das Amen in der Kirche:

„Muss ja.“

Ich muss dabei manchmal schmunzeln.

Wir haben eine ganze Gesprächskultur entwickelt, in der beide Seiten genau wissen dass sie nicht wirklich reden.
Und beide sind damit einverstanden.
Effizient, wenn man so will.

Aber manchmal frage ich mich,
was wäre eigentlich, wenn jemand mal ehrlich antwortet?

„Na, alles gut?“
„Nein, eigentlich nicht. Hast du kurz Zeit?“

Stille.
Leichte Panik. Oh Shit …. das wollte man doch gar nicht.
Und plötzlich hat man keine Zeit mehr, habe einen Termin – ein anderes Mal ja ?

Dabei ist echtes Zuhören keine Kunst.
Es braucht keine Ausbildung und kein Zertifikat.

Es braucht nur einen Moment.
Und die Bereitschaft, ihn auszuhalten.

Innezuhalten.
Wirklich zu schauen. Sich für den anderen zu interessieren.
Die Antwort abzuwarten — bevor man schon weitergeht.

„Na, alles gut?“
Vielleicht die kleinste große Frage die wir stellen können.

Na – alles gut?

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