Diese Hand in meiner…

Es gibt diese Momente, in denen das Leben plötzlich seine Selbstverständlichkeit verliert und sich alles verschiebt.

In solchen Momenten merkt man, was trägt. Und was nicht.
Deshalb ist dieser Gedankensplitter entstanden.

Morgen feiern wir unseren 41 Hochzeitstag

Nach so vielen Jahren wird ein Mensch ein Teil des eigenen Lebens.
Nicht neben dir, in dir.
Das passiert nicht durch eine Laune oder durch einen durchdachten Entschluss.
Es passiert durch Zeit.
Durch das, was sich ablagert, ohne dass man es merkt.
Ein gemeinsames Lachen. Eine Nacht, in der einer den anderen gehalten hat.
Ein Schweigen, das kein schlechtes ist. Ein Blick. Eine Hand.
Erinnerungen setzen sich ab wie Sediment.
Schicht für Schicht.
Die Freude auf die Trauer. Die Trauer hält die Freude.
Und mit den Jahren wird daraus etwas Festes.
Ein Grund. Ein Fundament.

Ein gemeinsames Leben ist kein Archiv. Es ist ein Gewebe.
Und mit Kindern wird es lebendig.
Geschichten legen sich über Geschichten.
Die Geburt der Kinder über die erste Wohnung.
Die Feste über die Krisen. Die Reisen über den Alltag.
Und der Alltag, dieser unterschätzte, wunderbare Alltag, trägt alles.
Bild für Bild. Schritte. Aufbrüche. Abschiede.
Und irgendwann stehen sie selbst im Leben und man schaut zu. Halb stolz. Halb atemlos.

Dieses Leben ist nicht still.
Es hat Klang, Geruch, Temperatur.
Es hat Jahreszeiten die wiederkehren und nie ganz dieselben sind. Es hat Figuren die kommen — Kinder, Enkel, Freunde, Nachbarn — und Figuren die gehen.
Und mittendrin… wir zwei.
Die sich kennen wie keine anderen.
Die sich manchmal auf die Nerven gehen wie keine anderen.
Und die abends nebeneinander sitzen und spüren… Genau hier. Genau so. Genau richtig.

Dieses Gewebe des Lebens wächst. Es reißt. Und es wächst wieder zusammen.
Mit Geduld. Mit Humor. Mit Sturheit. Und mit dieser Hand in meiner Hand.

Und irgendwann, so unmerklich wie das Sediment sich ablagert, kehren sich die Rollen um. Man ist nicht mehr das Kind das gehalten wird. Man hält. Man begleitet.
Man steht dabei wenn die Eltern kleiner werden, langsamer, stiller.
Bis man eines Tages ganz vorne steht. Ohne Puffer. Ohne die Generation die noch vor einem steht.

Es gibt Entscheidungen, deren immense Tragweite man erst später versteht.
Eine Hand, die eine andere hält.
Und diese wunderbaren stillen Momente, in denen man begreift wie richtig das war.
Damals. Und seither. Immer wieder.

Einundvierzig Jahre.
Nicht weil es immer leicht war.
Sondern weil diese Hand mich nie losgelassen hat.

Und vielleicht ist genau das das größte Glück.
Wenn aus zwei Leben eines wird — und bleibt.

Diese Hand in meiner…

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