Der Maulwurf gewinnt …

Gestern Fahrradtour im Rheiderland.
Schönes aber wieder einmal windiges Wetter.

Und dann, mitten auf einem gepflegten Vorgartenrasen, ein wahres Schlachtfeld.
Unzählige Maulwurfshügel. Einer neben dem anderen.
Und mittendrin, leicht schräg, leicht ratlos, ein Mähroboter.
Ein offenbar recht teures Exemplar.

Er hatte vielleicht 25 Zentimeter geschafft.
Der Maulwurf hatte Hügel Nr. 28 fertig 🙂

Ich musste kurz innehalten. Weil sich da gerade zwei Welten begegnet waren und eine davon hatte keine Ahnung, dass es die andere gibt.
Der Mähroboter kennt seinen Ladestand auf die Minute. Er kennt seinen Mähplan, seine No-Go-Zonen, seine Cloud.
Er ist verbunden. Optimiert. Und er sendet vermutlich ununterbrochen Benachrichtigungen.

Der Maulwurf kennt keine Benachrichtigungen, keine No-Go-Zonen, keine Cloud und keinen Algorithmus.
Er kennt auch keine B-Promis, die sich im Dschungelcamp vor laufender Kamera Würmer in den Mund stecken.
Für ihn ist das schlicht Frühstück.
Er macht das seit dem Oligozän.

Ohne Applaus. Ohne Instagram-Story.
Ohne dass RTL dabei wäre.

Wir leben in einer Zeit, in der Menschen für das Essen von Insekten entweder Sterne bekommen oder Einschaltquoten. In der jemand 200.000 Euro bekommt, wenn er öffentlich leidet und wir alle zugucken, weil wir es so „unterhaltsam“ finden.

Der Maulwurf findet das nicht unterhaltsam.
Der Maulwurf findet das nicht mal auffällig.
Er frühstückt, baut, schläft, baut. Täglich.
Ohne Kamera. Ohne Moderator der fragt… „Wie fühlst du dich gerade?“

Er braucht keinen Safe Space. Er braucht fruchtbaren und idealerweise lockeren Boden.

Und ich habe einen persönlichen Bezug zu dieser Spezies 🙂

Ein Exemplar, offenbar hochmotiviert, offenbar ohne Respekt vor Symbolik, bearbeitet seit Wochen den Friedhof in Wymeer und das Grab meines Vaters. Ich ärgere mich jedes Mal. Und dann denke ich, – mein Vater hätte wahrscheinlich gegrinst.
Vielleicht hätte er gesagt „Lass ihn.
Der macht wenigstens was.“ 🙂

Technik kann vieles. Sie kann mähen, navigieren, optimieren, Einschaltquoten steigern und Würmer im Fernsehen zur Mutprobe adeln.
Was sie nicht kann… einfach weitermachen. Ohne Publikum.
Ohne Bewertung.
Ohne den Gedanken, dass irgendjemand das vielleicht gerade nicht so geplant hatte.

Das können nur Maulwürfe.
Und manche Menschen…

Der Maulwurf gewinnt …

Hinterlasse einen Kommentar