
Kein Verfahren, kein Urteil, keine Reue, keine Sühne.
Die Justiz hat die Tür zugemacht.
Was bleibt, ist ein Stein in der Seele.
So hat sie es genannt.
Mal ist dieser glühend heiß vor Wut.
Mal eiskalt vor Trauer und Verzweiflung.
Und ich saß da.
Hörte zu.
Und spürte, wie schwer dieser Stein ist.
Ich bin kein Therapeut.
Und wir haben beim WEISSEN RING keine Therapieplätze zu vergeben.
Was wir haben, ist Zeit.
Und eine klare Haltung.
Kein Mensch soll und darf mit diesem Stein in der Seele allein bleiben.
Leid verschwindet nicht, nur weil man darüber spricht.
Manchmal braucht es etwas, das man greifen kann.
Den schlimmen Gedanken eine Form geben, sie aufschreiben.
Sie aus dem Kopf holen.
Sie an einen Ort geben.
Und dann, loslassen.
Ich schlage vor, – schreiben Sie diese Gedanken auf einen Zettel.
Und werfen sie weg.
In einen Mülleimer.
Eine Kleinigkeit. Keine Therapie.
Und trotzdem meldet sie sich später und sagt ….
„Schon etwas befreiend.“
Leise Worte. Vorsichtig. Tastend.
Aber für jemanden, dem als Kind unendliches Leid angetan wurde
und dem später auch noch die Gerechtigkeit verwehrt blieb,
sind das große Worte.
Da ist etwas in Bewegung.
Der Stein ist noch da.
Aber er ist nicht mehr unantastbar.
Nach den Gesprächen mit uns bekommt er Risse.
Dass wir auf solche einfachen Schritte zurückgreifen müssen, ist nicht das Problem.
Das Problem ist, dass echte Hilfe oft nicht erreichbar ist.
Zu lange warten. Zu wenig Plätze. Zu viele Hürden.
Das ist die eigentliche Schande.
Nicht der Zettel.
Nicht der Mülleimer.
Sondern die Lücke dazwischen.
Und genau in diese Lücke springen wir.
Gemeinsam.
Nicht mit großen Worten.
Sondern mit Zuwendung und manchmal mit einem beschriebenen Zettel,
der in einen Mülleimer fällt.
