Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts meinte gestern auch mich.

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In den letzten Tagen war ich leider aus verschiedenen Gründen mit dem Auto fast so viel unterwegs, wie in vielen Jahrzehnten vor Corona.

Mir wurde dadurch nochmals bewusst, was ich an Lebensqualität gewonnen habe, seit ich diese stundenlangen Fahrten nicht mehr machen muss. Allerdings habe ich in der Vergangenheit die Gelegenheiten, zum ruhigen und relativ ungestörtem Nachdenken während dieser Fahrten, auch genossen.

Doch neben dem sich kontinuierlich meldendem schlechten Gewissen im Hinblick auf die Umwelt, wurde mir mit zunehmendem Alter auch die wahnwitzige Verschwendung von unwiderbringlicher Lebenszeit in dieser Blechkiste immer mehr bewusst.

Der intensive Umstieg auf die Bahn führte leider zu viel Aufregung und auch Stress, war aber nur folgerichtig.
Darüber hinaus bin ich in den ganzen Jahrzehnten, so oft es möglich war, mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Aber die Fahrten nach Hamburg, Berlin, Hannover, Brüssel, Frankfurt, München, Rostock usw. usw, – die absolvierte ich in guten Automobilen.

Gestern spricht das Bundesverfassungsgericht ein bahnbrechenden Urteil zum Klimaschutz.

Wir sind für die Weichenstellungen hinsichtlich der Lebensbedingungen von uns nachfolgenden Generationen verantwortlich. So weit so gut.
Und schnell zeigen alle mit dem Finger auf die Politik.
Doch ermahnt dieses Urteil und sein Blickwinkel auf die Verantwortung für die Zukunft in der folgerichtigen Konsequenz, nicht uns alle?

Schon des Öfteren haben wir in der Familie unseren ökologischen Fußabdruck kritisch kontrolliert. Ich wollte gestern Abend für mich ein Gefühl dafür entwickeln, wie denn durch die dienstlichen Autofahrten mein historischer Beitrag zu der CO2 Problematik aussieht. 

Die jährlichen Kilometerleistungen habe ich für die Zeit vor meiner intensiven Bundesbahnnutzung und für 31 sehr sitzungsintensive Jahre einfach mal addiert.

Sehr konservativ und wirklich sehr sparsam gerechnet bin ich demnach ca. 1,3 Millionen Kilometer gefahren. Dabei habe ich, wenn die Rechnung stimmt, ca. 280.000 kg Co2 in die Umwelt gepustet! Fast 300.000 Kilogramm. Schrecklich!

Da ich von dem menschengemachten Klimawandel überzeugt bin, war diese konkrete persönliche Zahl schon ein Schock.
Das muss man erst einmal verarbeiten.

„Das Schicksal nimmt nichts, was es nicht gegeben hat.“

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Symbolbild Pixabay

Mein Gesprächspartner erfährt, dass ich zum Herbst aus dem Arbeitsleben ausscheide.
In freundlicher Absicht äußert er, dass ich doch stolz auf die Lebensgeschichte sein könnte. Und für einen kurzen Moment erwische ich mich dabei, diese anerkennende Äußerung auch anzunehmen. Wir sind ja auch sehr empfänglich für so etwas.

Und doch steht uns auf der Suche nach tiefer Zufriedenheit der individuelle Stolz ständig im Weg. Wie viel dessen, was wir erreicht haben, basiert tatsächlich auf der eigenen Leistung? Und wie viel davon entstand auch durch viel Glück oder Zufall?

In einer spannenden Diskussion über die Bedeutung der individuellen Leistung in unserer Gesellschaft, habe ich bei einer Veranstaltung folgende Frage gestellt: „Nehmen wir einmal an, wir dürften vor der Geburt wählen wo wir zur Welt kommen. In einer Familie in Deutschland oder als Häuptlingssohn eines Stammesfürsten in Afrika. Was würden wir wählen?“

In der damaligen Veranstaltung wählten verdutzte Zuhörer zu über 80% Deutschland. Alleine diese Entscheidung zeigt, welchen Stellenwert wir dem „Zufall“ des Geburtsortes zubilligen.

  • Der Beginn unseres Lebens,
  • von wem wir gezeugt werden,
  • von welchem Elternteil wir wie viele und welche Gene erhalten,
  • wo wir und in welche Umstände geboren werden,

ist eine reine Lotterie. Und diese Zufälle, die unser Leben mehr bestimmen als wir wahrhaben wollen, enden auch nicht.

Meine Brüder und ich sind zusammen groß geworden. Wir schätzen uns sehr und doch wurden wir ganz verschiedene Persönlichkeiten.

Waren es die Bücher aus der Schulbücherei in Wymeer, die ich zum Unverständnis meines Vaters verschlungen habe? Waren es die persönlichen Beobachtungen der Unfreiheit meines Vaters als Landarbeiter, die einprägsam waren?
Oder die Diskussionen mit meinen Arbeitskollegen über politisch kontroverse Themen? Welche Rolle spielte die zu späte Schulanmeldung zum Studium und das daraufhin erfolgte Angebot des alten Betriebsratsvorsitzenden  Hako Haken zur vorübergehenden Mitarbeit im Betriebsrat, für den späteren Werdegang?

So viele Weggabelungen, die sich aus Glück, Zufall oder eben auch Schicksal zusammensetzten. Das Leben folgt keinem Masterplan. Es geschieht einfach während der meisten Zeit. Und vieles können wir nicht beeinflussen.

Die Gene meiner Eltern, mein Elternhaus, meine Familie, Freunde, meine Lehrer, meine Kollegen, vor allem meine Frau, meine tollen Kinder und sicherlich auch gute Bücher, prägten die Kreuzungen meines Lebens. Also alles in allem auch viel Glück und Zufall!
Und dieses Bewusstsein erzeugt mehr Dankbarkeit als Stolz.
Und so habe ich allen Anlass, bescheiden und demütig zu sein.
Demut, – ein altmodischer Begriff, der aber durchaus wieder in Mode kommen sollte. Man nimmt das Leben mit Demut dankbar als etwas wahr, was mitnichten selbstverständlich ist.

Wir wollen in einer Gesellschaft leben, die auf Leistung aufgebaut ist.
Glück oder Zufall hat da kaum noch Platz. Tausende Beratungsbücher bauen auf der Botschaft „Alles ist Dir möglich“. Doch ist dies real?
Es ist heutzutage modisch und angesagt die eigenen Leistungen aufsehenerregend zu präsentieren. Dies findet seine Perfektionierung oder vielleicht auch Pervertierung in Photoshopbearbeiteten Porträts und aufgehübschten Werdegängen.
Die Überschätzung der eigenen Leistung und die Unterschätzung von Faktoren die außerhalb unseres Einflusses liegen schafft viele Probleme. Es erschafft Menschen die ihre eigenen Fähigkeiten und Rollen fortlaufend überschätzen. Der Narzissmus feiert fröhliche Urstände. Sobald Probleme und große Herausforderungen auftauchen, geraten immer mehr  Menschen in Stress und Wut weil sie die Macht des Zufalls, des unbeeinflussbaren, nicht wahrhaben wollen. Irgendeiner muss Schuld haben!

Doch zurück zu dem heutigen Gespräch.
Mein Gegenüber fragte mich etwas verunsichert, ob ich denn die individuelle Leistung als nebensächlich ansehen würde.
Das meine ich mit diesen Gedanken überhaupt nicht.

Wir alle müssen jeden Tag daran arbeiten das wir uns verbessern.
Das wir uns bewusst sind was uns ausmacht.
Welche Fähigkeiten, Kompetenzen und Talente wir haben. Und diese und nicht die modisch gerade angesagten Dinge sollten wir entwickeln, stärken und perfektionieren.
Wir sollten uns aber auch über die Flüchtigkeit unseres Wirkens, Lebens und Arbeitens bewusst werden.
Das Streben nach Zufriedenheit und Glück, beinhaltet die Akzeptanz der eigenen Begrenzungen und das Bewusstsein über die Rolle des Glücks und des Zufalls im eigenen Leben. Dieses Bewusstsein erdet und wappnet uns gegen falsche eigene und fremde Erwartungen.

Wie uns ein nicht kalkulierbares Unglück treffen kann, zeigt doch auch und gerade die aktuelle Pandemie. Ob Restaurantbesitzer, kleiner Dienstleister, Künstler oder auch Werft. Die Leistungsbereitschaft spielt keine Rolle. Ein Virus wirft alle Leistungen einfach über Bord! Der Zufall übernimmt die Regie.
Wenn wir anerkennen, dass es sehr viele Dinge gibt, auf die wir keinen Einfluss haben, und das Glück und Zufall sowohl für den Erfolg wie auch für das Unglück eine große Rolle spielen, kann man das Leben besser „einsortieren“ und erlernt Bescheidenheit.

Wie sagt der alte Seneca:
„Das Schicksal nimmt nichts, was es nicht gegeben hat.“

Pessimisten am Vormittag…

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Nach einer schwierigen Telefonkonferenz von heute Vormittag, stelle ich mir erneut die Frage, warum viele Menschen so hartnäckig an einer zutiefst pessimistischen Lebenseinstellung festhalten.

Warum haben wir so wenig Vertrauen auf den Fortschritt und eine durchaus mögliche gute Zukunft?
Es ist wirklich bemerkenswert wie einsam es machen kann, wenn man unverdrossen zuversichtlich und optimistisch argumentiert. Wenn man sich nicht im Aufzählen der medial allgegenwärtigen Krisen erschöpft, sondern sich auf die Aufgaben, Möglichkeiten, Chancen und guten Optionen konzentriert.

Die Flutwelle an tagtäglichen schlechten Nachrichten ist geeignet, uns unter dem Eindruck einer kollabierenden immer verrückter werdenden Welt zu ertränken.
Dies prägt viele Menschen.

Wenn man aber zurückblickt und darlegt, welche unglaublichen Fortschritte wir in den letzten 100 Jahren gemacht haben, gerät man schnell in ideologische Schubläden.
Ich bin schon gefragt worden, ob ich blind oder blöd sei.
Ob ich dem allgegenwärtigen Leid gleichgültig gegenüberstände?
Ob eine solche, grundsätzlich optimistische und zuversichtliche Haltung nicht elitär und erzkonservativ sei?

Ich verweise stets darauf, das meine Generation in der besten aller bisherigen Zeiten und in der besten aller bisherigen Gesellschaften lebt.
Meine Generation ist die erste, die nicht in Schützengräben um ihr Leben bangen, die keinen Hunger und sonstige schlimme Unbill erleiden musste.
Es gibt weltweit heute weniger Kriege, weniger Hungertote und weniger Seuchen als jemals zuvor in unserer Geschichte.
Auf diese zuversichtlich machenden Fakten weise ich allerdings nicht hin, damit wir die Hände in den Schoß legen. Ganz im Gegenteil! Denn gleichzeitig haben wir auch unserer Umwelt in noch nie gekanntem Ausmaß Schaden zugefügt.
Ich möchte mit dem Verweis auf den Fortschritt gerne aufzeigen, zu was für Leistungen wir Menschen tatsächlich fähig sind (Im Guten, wie im Bösen).
Und wie wir daraus Zuversicht schöpfen können und was wir angesichts der vielen Herausforderungen durchaus leisten können.

Leider sind nicht wenige vom Egoismus und Scheitern der Menschen vollends überzeugt. Dies war heute auch der Grundtenor des besagten Telefonates.
Wir sind fast besessen bei der Suche nach Schäden, Katastrophen und dystopischen Szenarien, die unsere pessimistischen Annahmen bestätigen.
Die Fahndung nach Verursachern und Verantwortlichen heutiger und sich anbahnender möglicher Weltuntergänge, dominiert derart, das wir dabei leider immer öfter die Chancen und Möglichkeiten aus den Augen und dem Geist verlieren.

Warum ist es bei uns so schwer, offenen Auges die vielen Herausforderungen zu sehen und dennoch und ausdrücklich zuversichtlich und optimistisch nach vorne zu schauen?

Warum sind so viele Menschen derart pessimistisch gestimmt?

Manchmal habe ich den Eindruck, dass der grassierende Pessimismus und das allgegenwärtige Misstrauen und die Gereiztheit auch eine Art Schutzmauer bilden?

Man erleidet als misstrauischer Pessimist das unabänderliche Schicksal und weist auf die Verursacher. Das war´s.

Zuversicht und Optimusmus fordern aber eigenes Handeln. Ich muss, da ich Antworten habe, etwas dafür tun und nicht etwas einfach hinzunehmen.
Wir sollten unserer Wissensvermehrung und dem Fortschritt mehr zutrauen.

Benjamin Franklin wird folgendes Zitat zugeschrieben:
„Der Fortschritt menschlichen Wissens wird rasch vonstattengehen, und es werden Entdeckungen gemacht werden, von denen wir derzeit noch überhaupt keine Vorstellung haben. Ich bin beinahe ein wenig traurig, dass ich so früh zur Welt kam, da ich so nicht das Glück haben werde, zu wissen, was die Menschen in hundert Jahren wissen werden.“

 

Meinungsflutwelle

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Heute bekam ich aus einem Ministerium eine diffizile Frage zu einem Bereich gestellt, in dem ich nicht so tief in der Materie bin. Und ich war drauf und dran eine Antwort zu geben, eine Meinung zu haben. Das sind wir gewohnt.

Doch ich sagte nach kurzem Zögern: „Das weiß ich nicht. Darüber muss ich noch einmal nachdenken“.

Und diese Antwort fiel mir überraschend schwer.
Die verdutzte Reaktion des Gesprächspartners, regte mich zum Grübeln an.

Ich hätte mit rhetorischem Geschick eine Antwort geben können.
Aber ob es die richtige, eine von mir aus vielen Perspektiven durchdachte Stellungnahme gewesen wäre?

Dies führt mich zu der Frage, – erwarten wir zu allen möglichen Themen zu oft von uns selber und leider auch von anderen eine sofort abrufbare Meinung?!
Wie kommt es zu der Erwartung, dass wir alle zu fast allem eine Meinung haben müssen? Rührt dies daher, dass in der heutigen vibrierenden Medienwelt vielfach die oberflächliche Geschwindigkeit und nicht mehr vorrangig die qualitativen Ergebnisse tiefen Nachdenkens gefragt sind?

Wir sind es heute gewohnt das Internet für schnelle Recherchen zu bemühen (Google weiß das?). Dort finden wir tausendfach verfügbare Antworten und Meinungen. Diese Art der gedanklichen Almosen ziehen wir dem zeitintensiven Sinnieren und tiefem Nachdenken vor.

Ohne es zu bemerken, bilden diese Internetschubladen daraufhin leider oftmals den gedanklichen Rahmen, in dem wir uns dann nur noch bewegen.
Oft wird heute geklagt, dass wir in einer Flutwelle von Informationen zu ertrinken drohen.  Doch ist es nicht vielmehr so, dass wir in einer Meinungssturmflut unterzugehen drohen?
Ununterbrochen fliegen uns auf allen Kanälen Meinungen zu allem und jedem um die Ohren. Wir sind aber nicht dazu gezwungen, zu allem eine Meinung haben zu müssen.

Ich weiß schon, dass dies für einige Social Media Junkies eine unmögliche Feststellung sein dürfte.

Meine verweigerte Antwort des heutigen Tages hat mich dazu veranlasst doch einmal im Internet zu recherchieren, was zu der mir gestellten Frage schon geschrieben oder gesagt wurde. Es war bestürzend. Viele Menschen, deren Profile kaum vermuten ließen, dass sie Spezialisten für dieses Thema wären, schleuderten Meinungsströme wie ein aktiver Vulkan in die Welt.

Ich erinnere mich an norwegische und kanadische Studien. Diese stellten fest, dass die Digitalisierung auch dazu führen kann, dass die Menschen dümmer werden.

Es wurde empirisch belegt, das immer mehr Menschen die Bereitschaft und Fähigkeit zum tiefen Nachdenken und zum intensiven Lesen und Erfassen von Sachverhalten immer mehr verlieren. (Hierzu hatte ich schon einmal einen Gedankensplitter verfasst:

https://wp.me/p6MD1g-cy

Um nicht in die typischen Fehler der Meinungsmaschinerie zu geraten habe ich mir folgende Werkzeuge gebaut.

  1. Ich typisiere Themen die mich wirklich interessieren und zum denen ich eine Meinung haben will und sollte.
  2. Ich sortiere Themen aus, die ich in ein Regal „Irgendwann oder überhaupt?“ ablege.
  3. Ich versetze mich vor Meinungsäußerungen in eine vorgestellte Diskussionsrunde mit mindestens 4 hartgesottenen Gegnern. Nur wenn meine Argumente gegen die härtesten Einwände „über Wasser bleiben“ hat diese Meinung es verdient als meine Meinung Bestand zu haben.

Diese Meinung hat es dann auch verdient überall vertreten und kommuniziert zu werden. Und dabei geht es mir auch gut!

 

Waldzerstörer

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Meine Frau und ich freuen uns darüber wie, trotz der Kälte der letzten Tage, die ersten Blumen in unserem Bienenblühstreifen zu sehen sind.
Wir pflanzen, wie üblich, noch mehr heimische Bäume an.
Und am Sonntagabend werde ich wieder einiges an Zeit aufwenden, um ordnungsgemäß den Müll zu sortieren. Auf dem Wochenmarkt sehen wir immer mehr Menschen mit Behältnissen, um Plastikschalen und Verpackungen zu vermeiden.
Also alles gut?

Wir alle sind im Rahmen unserer Möglichkeiten verantwortlich für diese einzigartige Welt!
Und dann sehe ich in der Tagesschau den kurzen Bericht des WWF über die weltgrößten Waldzerstörer. Anschließend rufe ich die Webseite dazu auf (Siehe Link am Ende dieses Blogs). Ist doch klar, dachte ich bei der Schlagzeile.
Dieser unbelehrbare, rechtsradikale Bolsonaro, dieser brasilianische Trump vernichtet die Grüne Lunge unserer Erde.
Und dann umso erschreckender und beschämender die gut belegte Erkenntnis des WWF, dass wir es sind, die ganz unmittelbar und massiv zur Urwaldzerstörung beitragen.
Wir reden ununterbrochen vom Umweltschutz und zeigen mit dem Finger doch gerne auf andere. Wir sorgen uns insbesondere zur Urlaubszeit um kahle Bäume im Harz und unterschreiben Petitionen gegen Urwaldrodungen.
Wir fühlen uns gut informiert und der Zukunft verpflichtet.

Fast 180 Millionen Hektar Wald hat die Menschheit seit 1990 vernichtet.
Das entspricht der fünffachen Fläche unserer Heimat.
In Brasilien werden in nur einem Jahr mehr als 100.000 Hektar Wald verbrannt.
Und wieso?
Weil wir Europäer und dabei ganz besonders wir Deutschen so gerne und so viel Fleisch essen. Brasilien wurde mit unserer Hilfe zum weltgrößten Soja Produzenten.
Wir Europäer brauchen den verbrannten Urwald für das Tierfutter unserer Mastställe! 

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Doch es ist nicht nur das Soja, das Fleisch, die Milch, das Tropenholz oder der Kakao.
Vor 3 Jahren habe ich in Berlin an einer Greenpeace Veranstaltung zum Thema Palmöl teilgenommen. Es hat mich schockiert zu sehen, wie viele unserer Lebensmittel Palmöl beinhalten und ursächlich dafür sind, das Urwälder gerodet und Millionen Tierarten vernichtet werden.
Mein Konsumverhalten sorgt mit dafür, das Palmöl und Kakaoplantagen den Urwald verdrängen.

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Wir reden über unsere Verantwortung und nehmen die gestrige Berichterstattung des WWF doch kaum zur Kenntnis.
Unser wertbefreiter Konsum ist die treibende Kraft bei der Zerstörung von Urwäldern.
Laut WWF Bericht liegt nur noch China mit einem noch schädlicheren und brutalerem Verhalten vor der Europäischen Union. Die industrialisierte Welt und leider auch wir in Deutschland treiben die Zerstörung der Regenwälder massiv voran.

Daran ändern auch alle Marketingstrategien von Brauereien, die beim Kauf von Bier Bäume wieder anpflanzen wollen, gar nichts.
Ich fühlte mich nach dem gestrigen Bericht beschämt und werde noch nachdenklicher. Und ich bin unendlich traurig darüber, das dieses üble Virus alle Aufmerksamkeit aufsaugt und alle anderen Themen aus unserem Sichtfeld drängt.

Was bringen unsere ganzen lobenswerten Bemühungen um CO 2 reduzierte Autos, wenn wir durch die gezielte ökonomisch getriebene Entwaldung so gigantische Mengen an CO 2 produzieren wie sie noch so große elektrifizierte Autoflotten nie einsparen können?

Natürlich werden meine Frau und ich weiterhin Insektenhotels aufstellen, entsprechend Pflanzen anbauen, noch mehr Fahrrad statt Auto fahren, Bäume pflanzen und natürlich kein Gift im Garten benutzen.

Aber dies alles kann nur eine Ergänzung dazu sein, unser grundsätzliches Verhalten noch kritischer als bisher zu überprüfen. Nur wenn wir mit dafür sorgen, das die Kernaussagen des WWF Berichtes, zu Verhaltens, – und Konsumveränderungen bei uns allen führen, ändern wir etwas.

Hier noch einmal der Link zu dem Bericht!

https://www.wwf.de/2021/april/die-waldzerstoerungs-weltrangliste

Woher weht der Wind in Möhlenwarf?

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Bild: Pixabay

Woher weht der Wind in Möhlenwarf?
Die Frage zur Windrichtung ist in Ostfriesland ziemlich normal. Man weiß dann wie anstrengend das Fahrradfahren werden könnte, oder von welcher Seite der Regen heranstürmt. Die Windrichtung ist auch wichtig, wenn Güllegestank alles andere überlagert und die Häuser befüllt. Doch seit einiger Zeit ist die Frage nach der Richtung, aus der der Wind in Möhlenwarf weht, noch einmal wichtiger geworden.

Die untergegangene DDR habe ich noch auf mannigfaltige Art erlebt.
Auf dem Weg zu Seminaren in Berlin musste ich stets die Transitstrecke von Hamburg nach Westberlin nutzen.
Arrogante und aggressive Grenzer haben meinen Fiat mehrfach fast komplett auseinandergenommen. Und dies nur, weil ich leichtsinnigerweise Bücher im Gepäck hatte, die der kommunistischen Diktatur nicht passten. Ich habe damals Diskussionen mit politischen Funktionären in Ostberlin erlebt, die so ideologisch,starr und dogmatisch besessen waren, das die Beweglichkeit des Eifelturms im Wind dagegen wie Yoga Übungen anmuten.
Es war immer wieder beeindruckend an einer Ampel in Ostberlin zu stehen und in einer blauweißen stinkenden Zweitakterwolke von Trabant und Wartburg eingehüllt zu sein. An diesen einzigartigen Gestank erinnert man sich ein Leben lang.2021-03-26_12-40-39.jpeg2021-03-26_12-48-27.jpeg

Und ich erlebte in Wernigerode, Bad Doberan und anderen Orten, wie die ostdeutschen Kohleöfen nicht nur Wärme und warmes Wasser produzierten, sondern auch einen alles durchdringenden Gestank. Dieser legte sich wie Klebstoff auf alles.

Meine Haut, die getragenen Kleider wie auch jene, die im Koffer blieben, meine Bücher, – einfach alles trug noch Tage nach den Terminen in der DDR diesen Geruch mit sich herum. Und Gerüche sind erwiesenermaßen die stärksten Verankerungspunkte in unseren Erinnerungen.

Meine Frau und ich leben unglaublich gerne auf dem Land.
Wir wissen mit dem Güllegestank umzugehen. Dieser endet irgendwann.
Wir lieben es, die frische reine Luft unserer Heimat zu genießen und in unser Haus einzuladen. Unser Fenster im Schlafzimmer war (!) lange Jahre fast immer geöffnet. Wir erfreuten uns an dem frühmorgendlichen Konzert der vielen Vögel. Wir liebten die Geräusche des Windes in den Bäumen, das Tosen und Brausen im Sturm, die Geräusche vom Regen in seinen unterschiedlichen Formen.

Doch nun fallen die Gerüche der DDR seit Monaten mit aller Macht in Ostfriesland ein. Einige Mitmenschen scheinen sich für die intensive Nutzung von Kohleöfen entschieden zu haben. Bei Ostwind wabert immer öfter der unverkennbare Gestank dieser Öfen durch unsere Siedlungen. Die Kohleabgase durchtränken die Luft, zerstören die Abendluft und reaktivieren meine Erinnerungen an diesen untergegangenen Staat.

Und dies in einer Zeit, in der wir alle uns über Klimaveränderungen große Sorgen machen. Unserer Welt heizt sich durch einen zu hohen CO2 Ausstoß auf und auch deshalb plant unser Autoland tatsächlich den Verbrennermotor auslaufen zu lassen.
In dieser Situation erscheint mir die stinkende Botschaft der Kohleöfen so passend zu sein wie ein Dinosaurier auf der Mönkebergstraße.

Die Demokratie und die Freiheit haben den politischen Wettstreit letztendlich gewonnen. Doch die Diktatur des durchdringenden Kohlegestanks nimmt mir nicht nur die frische Luft, sondern auch die Freiheit des offenen Fensters.

Irgendwie verfolgt mich diese Kohle.

 

Wut hat viele blinde Augen

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Bild: Pixabay

Angesichts der Corona Schlagzeilen der letzten Tage, den Diskussionen im Freundes und Bekanntenkreis, auf der Straße oder in verschiedenen Sitzungen erschrecke ich schon.
Da nährt sich eine zunehmende Wut aus viel Frust heraus.
Die Debatte wird von Tag zu Tag schärfer, polemischer und undifferenzierter.
Wir wähnen uns, so eine Schlagzeile von heute Morgen, in einer Bananenrepublik?
Und wie bei der Nationalmannschaft gibt es hunderttausende von vermeintlichen Experten, die schnell mal eben überall und auf allen Kanälen Politikversagen auf ganzer Linie konstatieren.

Die gewählten Vertreter unseres Volkes werden dabei gerne alle über einen Kamm geschoren. Als wenn demokratisch gewählte Vertreter allesamt nur darauf warten würden dem Land zu schaden.
Einzelne Fälle von Missbrauch und Korruption werden gezielt generalisiert.
Schaut man in die Nachrichten, Talk Shows und noch mehr in die  „Sozialen Medien“, könnte man meinen, unser Land wäre ein Totalversager in der Krise.
Diese Emotionen lassen uns leider aber auch leicht blind werden für einige wichtige Fakten.

Ganz sicher gibt es eine Menge zu verbessern.
Vieles ist in dieser Jahrhundertkrise wirklich schlecht gelaufen.
Und doch sollten wir uns einmal zurücklehnen, sauber sortieren und in Ruhe abwägen. Hier einige ganz wenige nachdenkliche Halteanker:

1. Impfstoff
Wer hätte denn im letzten Jahr gedacht, das es möglich werden könnte, einen erfolgreichen Impfstoff innerhalb so kurzer Zeit zu entwickeln? Dies ist doch großartig und ein Geschenk, oder? Und natürlich braucht es Zeit für den Aufbau einer Produktion für Billionen Dosen eines neuen Impfstoffes für die ganze Menschheit.

2. Kapazitäten
Wer hätte vor wenigen Monaten denn ernsthaft daran geglaubt, dass innerhalb so weniger Monate schon eine so riesige Anzahl an Menschen weltweit gegen eine globale Pandemie geimpft wären?
Es wurden nun schon fast 450 Millionen Impfdosen verabreicht.
Und auch wenn die Impfgeschwindigkeit bei uns noch unzureichend ist. Wir sollten bei all unserem Frust darüber einen Blick in jene Länder wagen, die ein desolates Gesundheitssystem haben! Viele Menschen in den meisten Ländern unserer Welt haben bei einer Erkrankung eine wesentlich geringere Chance überhaupt behandelt zu werden als dies bei uns der Fall ist.

3. Nationalismus (Impfstoffe vorrangig beschaffen?)
Wer mag sich denn vorstellen in was für einer Europäischen Gemeinschaft wir leben würden, wenn tatsächlich einzelne, wirtschaftlich starke Länder, einen noch stärkeren Wettlauf um die Impfstoffe gegen die ärmeren gestartet hätten?

4. Kosten
Heute gibt es völlig zu recht Schlagzeilen über Korruption bei der Maskenbeschaffung. Aber auch unnötige Kosten zur Beschaffung dieser Masken führen zu Skandalschlagzeilen. Was wäre wohl passiert, wenn man (ohne das Wissen von heute) Milliardenbestellungen für völlig neuartige, in der Entwicklung befindliche und noch nicht geprüfte und zugelassene Impfstoffe ausgelöst und diese sich dann als schädlich oder unwirksam erwiesen hätten?

5. Ländervergleiche hinken
Im europäischen Vergleich haben wir die geringsten Probleme im Gesundheitsbereich. Im Gegensatz z.B zu unseren Freunden in Frankreich mussten wir noch keine Triage anwenden oder Schwerkranke ausfliegen.

Ich will die Probleme und die vielen, auch handwerklichen Fehler, wirklich nicht schönschreiben. Es wurden und werden immer wieder dramatische Fehler gemacht.
Die Überbürokratisierung ist nervig. Das ganze hin und her und die fehlende Kreativität und Flexibilität nervt ebenfalls.
Aber andererseits hat auch keiner von uns Erfahrungen mit einer solchen Pandemie, mit einer solchen Jahrhundertkrise.
Die Todeszahlen sind schlimm. Jeder einzelne Tote ist einer zu viel.
Aber wir liegen immer noch deutlich hinter denen in vielen anderen europäischen Ländern.

Und auch jene Länder die wir vor einigen Monaten noch belächelten und heute plötzlich bewundern, haben einen hohen Preis gezahlt.
Schauen wir uns bei aller typisch deutschen Kritik an uns selber, doch einmal die Anzahl der an Corona verstorbenen Menschen in Großbritannien, Schweden oder den USA an. Ja, –  diese Länder impfen nach vielen schweren Fehlern jetzt schneller als wir. Noch sind sie schneller. Doch wir haben Möglichkeiten in unserem Land, die schon in wenigen Wochen, bei entsprechender Impfdosenzahl, eine deutlich andere Situation als möglich erscheinen lässt.
Würden wir bei der Gesamtbetrachtung aller Fakten wirklich mit den oben erwähnten Ländern tauschen wollen?

Würde ich z.B in Schweden oder in England leben, wären meine Mutter und viele andere möglicherweise schon gar nicht mehr am Leben.

Mir blutet das Herz, wenn ich die Probleme sehe in der sich viele kleine Betriebe befinden. Ihnen muss unbedingt schnell und viel viel unbürokratischer geholfen werden.
Aber im Gegensatz zu den meisten europäischen Nachbarn können wir uns dies als Land auch leisten!

Mich beschleicht zunehmend das Gefühl, das bei uns die Maßstäbe für unsere Kritik etwas durcheinandergeraten?
Schütten wir in dieser Frustdebatte gerade das Kind mit dem Bade aus?

Manchmal werden die Wutdebatten so überbordend, dass Zwischentöne und Nachdenklichkeit kaum noch Platz haben.

Politiker müssten eben doch mehr Manager sein, so eine beliebte Schlagzeile.
Aldi und Lidl werden allen Ernstes als Beispiele für erfolgreiches organisieren von Bedarfen (Schnelltests) in einer Krise empfohlen?
Wollen wir allen Ernstes behaupten das mehr privatwirtschaftliches Management in lebenswichtigen Bereichen und in dramatischen Krisenzeiten besser ist?
Dass der Staat, also wir als Gemeinschaft, wichtige Aufgaben in Krisenzeiten an private Anbieter übergeben sollten?
(Dies sind in gern geäußerte und unwidersprochene Slogans in vielen Talkshows und in den Medien).
Schauen wir uns diese Aussagen zum unfähigen Staat und den vorbildlichen privaten Dienstleistern doch einmal etwas genauer an.

Hätten private Entscheidungsträger tatsächlich erst die „ökonomisch unnützen“ Älteren als erste geimpft und priorisiert oder zuerst die „Leistungsträger“?
Was lupenreines Ökonomiedenken anrichten kann, sehen wir an der Situation in vielen Pflegeheimen und in kaputtgesparten Krankenhäusern, die als reine Investitionsobjekte betrachtet werden.
Wir haben sogar Beispiele dafür was passiert, wenn der Staat z.B die Wasserversorgung privatisiert. Großbritannien hat für dieses Experiment einen hohen Preis gezahlt. Da musste die, auf Gewinn und nicht Gemeinwohl ausgerichtete  Privatisierung, wieder zurückgedreht werden.
Warum haben wir denn eine so grottig schlechte Funknetzabdeckung in Deutschland?
Weil die privaten Konzerne bei ihren Investitionsentscheidungen im Blick haben, wo sie den höchsten Gewinn machen. Und dies ist nicht die Fläche, sondern dies sind die Oberzentren. Private Anbieter orientieren sich nun mal eben am Gewinn und nicht am Gemeinwohl! Das ändert auch die schönste Power Point Marketing Offensive nicht.

Und mit diesen Erfahrungen und vielen weiteren Beispielen wollen wir auch im Angesicht der nächsten, am Horizont schon erkennbaren Krisen, den Rückzug des auf Gemeinwohl orientierten Staates forcieren?

Die Befähigung des Staates zu schnellen Entscheidungen und für dynamische und pragmatische Krisenarbeit muss deutlich stärker werden.
Genau da, in der dramatischen Entbürokratisierung unseres Staates ist noch sehr viel Luft nach oben.
Ungezügelte Wut, Frust und negatives Denken lenkt die Energie in falsche Bahnen.
Wir produzieren gerade alle zusammen maßlos viel Politik,-  und vielleicht sogar Demokratieverdrossenheit.

Wir müssen die Fehler, die wir in dieser Pandemie jetzt alle gemeinsam machen nicht verteufeln sondern sauber analysieren, daraus lernen und dann ausmerzen.
Weil es ganz sicher nicht die letzte große Krise sein wird die wir bezwingen müssen, ist dies so wichtig!
Das ist der Weg und nicht das populistische sturmreif schießen unseres Staates.

Zuhause statt im Homeoffice?

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Ich gebe gerne zu, dass ich immer sehr bemüht bin, Anglizismen aus unserer wunderschönen deutschen Sprache herauszuhalten.
Doch in der Flut täglicher Telefonate und Video Konferenzen gehört schon eine gehörige Portion Aufmerksamkeit dazu.

Beispielsweise heute Morgen.
Da bestätige ich immer und immer wieder meinen Arbeitsort als „Homeoffice“ und die Terminanfrage eines bevorstehenden „Video Chats“.  Eine Kollegin kann mir nicht antworten, weil sie in einem „Telefon Call“ ist.
Seit Monaten arbeite ich von zuhause aus. Erstaunlich gut funktioniert das.
Doch wieso ist mir der Begriff „Homeoffice“ eigentlich so geläufig?
Ein Kollege aus Skandinavien arbeitet „from home“, also von zuhause aus.

Wieso haben wir Deutschen eigentlich eine solch eigenartige Vorliebe für Anglizismen?

Vor einigen Monaten fahre ich über die Jan Berghaus Brücke und sehe allen Ernstes auf der Rheiderländischen Seite ein Werbeschild mit dem Hinweis „Welcome to Grand Reopening“. (Dies war eindeutig ein Optimist in Corona Zeiten).
Aber wäre es so schlimm gewesen, ein „Herzliche Einladung zur Wiedereröffnung“ auf das Plakat zu malen?

Die Engländer müssten sich eigentlich an den Kopf fassen.
In Großbritannien ist das Home Office nämlich das Innenministerium.

Doch im Tagesgeschäft sollen englische Begriffe möglicherweise eine vermeintliche internationale Kompetenz signalisieren.
So war in einer gestrigen Diskussionsrunde mehrfach von einer „Smoking Gun“ die Rede. Übersetzt ist dies wohl das Synonym für ein schlagendes Argument mit einem eindeutigen Beleg.
In einem weiteren Dialog war dann plötzlich von einem Active sourcing (also einem aktiven, gezieltem Suchen von Talenten) und von „native speakern“, also Muttersprachlern die Rede.
In einem „Brainstorming Work Shop“, also einer Arbeitsgruppe zum Ideenaustausch und gemeinsamen Nachdenken, sollten die Beteiligten „empowerd“, also befähigt bzw. ermächtigt werden, Verantwortung zu übernehmen.
Und hierzu braucht man dann ein „alignment“, also eine Angleichung der Aktivitäten.

Und so geht es den ganzen Tag.

Ich stelle mir also die Frage, warum ich statt im „Homeoffice“ nicht einfach von zuhause aus arbeite und dies auch so beschreibe?

Vielleicht weil keiner so richtig weiß wie dies richtig geschrieben wird?
“Zuhause“ groß, „zuhause“ klein und zusammen oder auch „zu hause“?
Doch wie ist es dann mit „Homeoffice“?
Liege ich richtig mit der Schreibung von groß und zusammen? Alles nicht so einfach heutzutage.

4. Wir brauchen mehr Mut für Zuversicht.

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In den vorhergehenden Gedankensplittern habe ich etwas über die Angst, über das Vertrauen und die Bedeutung des dialogischen Gespräches in dieser „Zeit großer Gereiztheit“ nachgedacht.

Doch was wären jetzt Ideen für den Umgang mit Demagogen, Autokraten, Populisten und dogmatischen Ideologisten?
Wie reagieren wir, um sie nicht immer stärker zu machen, und nicht in ihre vielen rhetorischen Fallen zu laufen?

Wie ich im Blog „Mut zum Gespräch“ schon ausführte, gibt es leider wenig Chancen, mit denjenigen einen Dialog zu beginnen, die sich einem ernsthaften Austausch verweigern. Die Welt von Populisten ist brutal simpel. Da sind „wir“ und dort sind „die“. Da gibt es Gut und dort Böse, hier weiß dort schwarz usw.
Ihre einfachen Botschaften leben davon nicht hinterfragt und nicht überprüft zu werden.

Und diese reduzierte Sicht liebt man in der modischen Informationsunterhaltung. Denn, wie auch schon ausgeführt, die Nutzung der schwarzen Rhetorik bringt Polarisierung, Erregung und damit Auflagen, Einschaltquoten und Umsatz.

Daher jetzt die ketzerische These, die auch mich persönlich in ein Dilemma führt:
Was wäre wenn wir uns dem Spiel der gereizten Lautsprecher und inhaltlichen Brandstifter verweigern?
Bösartige Ideologen, Populisten, Autokraten und hype Kulturkrieger brauchen immer etwas, was sie angreifen und zerstören können.
Denn sie selber haben wenig Sinnvolles im Angebot, wofür sie mobilisieren könnten.

Und so frage ich mich, was passieren würde, wenn wir ihnen dieses strategische Spiel dadurch vermasseln, indem wir uns demselben konsequent entziehen?

Indem wir Ihnen Aufmerksamkeit entziehen.
Tagtäglich zeigen, wie herzlich egal sie uns sind, sie einfach ignorieren?
Für Ideologisten und Populisten ist fehlende Aufmerksamkeit wie Penicilin für ein Bakterium – tödlich!

Geboren aus der Sorge, dass zerstörerische Ideen durch ein Ignorieren immer stärker werden, bin ich selber einer solchen Idee oft vehement entgegengetreten. Doch was haben alle Appelle gebracht? Erschreckend wenig.
Wenn man genau hinschaut, passiert sogar manchmal das genaue Gegenteil. Der Chorgeist in den Echoräumen wird gestärkt, die Opferrolle perfekt inzeniert, die Schützengräben nur noch tiefer.

Wenn wir also den nicht kooperations,- und dialogbereiten Radikalen keine Energie in Form von Aufmerksamkeit mehr zuführen, richtet sich ihre zerstörerische dunkle Energie dann vielleicht gegen sie selber?
Da Populisten jedweder Couleur weder mit anderen noch mit ihresgleichen kooperieren können, ist dieser Effekt der Dekonstruktion momentan an einigen Beispielen beobachten. Und die Beschädigungen sind viel gründlicher und nachhaltiger als dies ihre Gegner jemals bewirken könnten?!

Und allen, die über eine gute Zukunft nachdenken, würde viel Frust, Ärger und Verzweiflung erspart?
Wir könnten zufriedener sein?

In meinem Blogbeitrag zum „Vertrauen“ habe ich auf die große Kraft dieses Begriffes hingewiesen. Aus positiven Gedanken, aus Vertrauen und Kooperation wird ….

Zuversicht.

Ein wunderschönes Zauberwort unserer deutschen Sprache: „Zuversicht“.

Zuversicht unterscheidet sich deutlich von der Hoffnung. Hoffnung tröstet und richtet den Blick auf vieles andere außerhalb unseres selbst.
Doch Zuversicht ist aktiv und muss, um zu bestehen und zu gedeihen, von uns gefüttert werden.

Hoffnung alleine, so ein altes Sprichwort, ist ein gutes Frühstück aber ein schlechtes Abendessen. Ohne die Zuversicht könnten wir nicht leben.
Wir stehen morgens auf und sind zuversichtlich nicht nur den Tag zu bestehen, sondern auch unseren Zielen näher zu kommen.
Zuversicht macht das Individuum stark und selbstbewusst.
Ein selbstständiges, nicht von Angst überwuchertes, mit Vertrauen stark aufgefülltes kooperatives Leben mit positiver Zuversicht, ist der Tod jeder hasspopulistischen Botschaft.

Ich persönlich sehe unsere Welt, die Zukunft meiner Familie, meiner Kinder und Enkel aus der Perspektive der „Gestaltbarkeit“.

Mein Leben hat mir an so vielen Stellen bewiesen das Herausforderungen nur immer unüberwindbarer werden, wachsen und wuchern, wenn man sie nur lang genug ängstlich anstarrt.
Die größte Zufriedenheit habe ich immer dann gespürt wenn mein Blick sich auf die Lösungen konzentrierte.

Auch heute in den Stürmen und der oftmals auch berechtigten Kritik an so unendlich vielen Dingen frage ich mich nicht die ganzen Tage, gegen was ich bin, was man sofort abschaffen muss.
Es gibt so unendlich viele gute Ansätze. Es macht meiner Erfahrung nach viel mehr Sinn und schafft Zufriedenheit, diese guten Ideen, Gedanken und Maßnahmen mit aller Kraft zu stärken, sie zum Vorbild, zum Beispiel zu machen.

Wir sollten unsere Energie nicht zur Zerstörung verschwenden, sondern zur Gestaltung nutzen. Ich möchte die Überleitung zu den nächsten Gedankensplittern mit einem Zitat von Rutger Bergmann einleiten:

„Das wahre Problem unserer Zeit ist nicht, dass es uns nicht gutginge oder dass es uns in Zukunft schlechter gehen könnte. Das wahre Problem ist, dass wir uns nicht besseres vorstellen können“.

5. Wir brauchen Mut, die Welt zu umarmen.

NASA-Apollo8-Dec24-Earthrise.jpgFoto Earthrise; NASA; Apollo 8  William Anders

Wir haben sehr gute Chancen für unsere Zukunft.

Angesichts der vielen Herausforderungen und dem Eindruck einer offensichtlich immer verrückter werdenden Welt klingt dies schon etwas schräg, oder?
Ich jedenfalls, ernte nach einer solchen Feststellung, oft ungläubiges Erstaunen.

Wie begründe ich diese Zuversicht?

  1. Die Stabilität und innere Verfasstheit moderner Gesellschaften ist wesentlich robuster, als wir dies gemeinhin annehmen. Demokratien und offene Gesellschaften können scheitern. Dazu gibt es viele Beispiele.
    Aber ein Scheitern ist kein Naturgesetz.
    Unsere Gesellschaften sind mittlerweile so bunt, vielschichtig und divers das alleine aus dieser Tatsache viel Komplexität aber auch Stressresistenz hervorgeht. Deshalb sind ja die Populisten so laut. Weil Sie diese wunderschöne, komplexe und so unendlich vielfältige Welt auf einfache und kurze Formeln bringen müssen, um zu obsiegen. Migrationsströme, die in der Menschheitsgeschichte ganz normal sind, hinterlassen ihre Spuren in allen Gesellschaften. Hinzu kommt die millionenfache Vernetzung einer globalen Welt über Warenströme und Datennetze. Unser Leben wie auch das der Bauern am Hindukusch oder in der afrikanischen Savanne sind in Echtzeit miteinander verbunden.
    Laut und einfach ist die Forderung der Konzentration auf die eigene Scholle, auf das eigene Volk. Und genauso irreal ist dies. Nichts würde mehr funktionieren in der realen Welt, wenn eine solch ausgrenzende rückwärts gewandte Politik ernsthaft verfolgt würde. Die vielfältigen Verbindungen der Welt sind nicht mehr zu kappen (Gott sei Dank).
  2. Im Grunde sind wir Menschen viel gütiger als wir es uns selber zutrauen. Wir werden so bombardiert mit schlimmen Geschichten, mit Horrorstorys, mit Kriminalfilmen, die den Eindruck ausufernder Brutalität und Kriminalität so verfestigen, das wir die Realität kaum noch erkennen können.
    Es gibt unendlich viel mehr Güte und Mitmenschlichkeit auf der Welt als das Gegenteil. Na – Zweifel?
    Öffnen wir unsere Augen. Wie viele Eltern gibt es auf der Welt die alles für Ihre Kinder tun würden? Menschen die Ihren Partner, ihre Familien, ihre Freunde und Kolleginnen und Kollegen wertschätzen und gut behandeln. Ich hatte es im vorhergehendem Blog schon erwähnt. Wie viele Monster kennen wir aus unserem Freundes, Familien oder Bekanntenkreis? Weil wir die Schlagzeilen lesen, nehmen wir alle an, dass unser Erleben des oftmals Guten eine Ausnahme ist.
    Und dies ist ein gravierender Fehler. Das Gute ist die Regel!
    Es gibt viel viel mehr Gutes als Schlechtes.
    Wir haben mehr Chancen, Hoffnung und Zuversicht als jemals zuvor in der Geschichte unserer Spezies.
    Unser Wissen wächst mit unglaublicher Geschwindigkeit.
    Wir leben viele Jahrzehnte länger als unsere Vorfahren, haben eine ungleich bessere Gesundheitsversorgung.
    Die Armut auf der Welt hat sich in den letzten Jahrzehnten halbiert.
    Es hat noch nie so wenig Hungertote gegeben.
    Auch die Zahl der Kriegsopfer geht drastisch zurück.
    Mehr als 90% der Kinder besuchen eine Schule.
    Wenn wir einmal überlegen, wieviel schreckliches möglich wäre und was alles tatsächlich nicht geschieht,  werden wir etwas stabiler gegenüber dem Trommelfeuer der Katastrophenmeldungen aus aller Welt. Wer Zweifel an dieser Feststellung hat, dem rate ich die Sichtung der Daten von Hans Rossling auf www.gapminder.org Das Buch dieses wunderbaren Menschen oder auch die bahnbrechenden Denkleistungen von Rudger Bregmann (Im Grund gut) tun uns auch gut!
    Nicht das ich falsch verstanden werde. Ich verschließe keineswegs die Augen vor dem was wir viel viel besser machen könnten. Mich entsetzt die Kluft zwischen unseren Möglichkeiten und dem was wir tatsächlich tun.
    Wir müssen für ein gutes Leben, die Bewahrung der Natur und damit uns Menschen viel mehr tun.
    Ich erwarte aber auch nicht quasi hypochondrisch die Katastrophen und suche vor lauter Angst auf die Anzeichen für solche Zusammenbrüche. Zukunft ist gestaltbar!
  3. Immer mehr Menschen wird bewusst das wir eine Spezies auf einem einzigen, einsamen Planeten sind. Als der Astronaut William Anders auf der Apollo 8 Mission, das Foto unseres wunderschönen Planeten im Weltall machte, war dies für ihn, wie auch für viele andere, eine außerordentliche visuelle Erfahrung. Dieses einzigartige Bild macht unsere Situation so wunderbar deutlich. Wir sind alle Erdbewohner auf einem einzigen Planeten im schwarzen nichts!
    All unsere Bemühungen Unterschiede zu konstruieren, sind angesichts dieses Bildes völliger Unsinn. Alles hängt auf diese Welt mit allem zusammen.
    Alle Trennlinien die wir uns einfallen lassen: Alt zu Jung; Weiß zu Farbig; Religionen; Rechte oder linke Politik; Mann zu Frau sind künstlich und ohne Bedeutung. Wir alle leben gemeinsam auf diesem einen Planeten ohne einen Ersatz im Kofferraum zu haben. Dies wird immer mehr Menschen bewusst.
    Und immer mehr handeln in diesem Bewusstsein. Sicherlich haben wir lange Zeit viel falsch gemacht und viel in den Sand gesetzt.
    Aber da unser Schicksal sich nicht linear entwickelt, haben wir alle Chancen die Richtung selber zu bestimmen wohin die Reise geht.
    Es gibt keine Einbahnstraße in unserer Entwicklung. Ich selber bin aufgewachsen mit dem kalten Krieg und der Erwartung eines jederzeitigen Atomkrieges. Ich habe die schlimmen Grenzkontrollen an der innerdeutschen Grenze erlebt, die Hartnäckigkeit mit der Atomkraftgegner bekämpft und Homosexuelle erniedrigt wurden. Und all dies wurde hinweggefegt durch eine dynamische Entwicklung. Alles ändert sich fortwährend und alles ist möglich.
    Sowohl das extrem schlechte wie auch das unvorstellbar Gute!

Daher haben wir die Wahl zu entscheiden wie wir unsere Zukunft gestalten, wie wir leben wollen. Als Marionetten einer aus dem Ruder laufenden Informationsunterhaltung die viel zu oft angstfokussiert ist und populistischen Rattenfängern oder von:

  • angstbefreiter Zuversicht
  • stabilem Vertrauen
  • Leben von Kooperation
  • positiver Lebenseinstellung

Wenn wir nicht glauben das wir etwas bewirken können sollten wir uns vor Augen führen wie viele alltägliche Herausforderungen wir jeden Tag erfolgreich bestehen. Es ist dieser erfolgreiche Alltag der für uns alle Halt und Zuversicht beinhaltet, der die Welt zusammenhält.
Am Ende dieser Serie von Gedankensplittern möchte ich einen Satz meines Idols Nelson Mandela wiederholen:

„Mögen Deine Entscheidungen Deine Hoffnung reflektieren, nicht Deine Ängste“.