Islam Vertrag ……

In den letzten Wochen entwickelt sich immer stärker ein Streit über den Islam Vertrag. Sehr unterschiedliche Positionen prallen aufeinander. An dem Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ scheiden sich die Geister. Doch statt durch die unzweifelhafte Beschreibung von Erwartungen und Möglichkeiten eine notwendige Verbesserung des Zusammenlebens zu gewährleisten, häuft sich durch Unklarheit viel Trennendes auf.

Es entsteht auf allen Seiten Verunsicherung und als Folge Unverständnis, Misstrauen, Angst und Ablehnung. Genau dort setzen die Rattenfänger der AfD an.
Es dürfte eigentlich doch nicht so schwer sein, eine nachvollziehbare Basis des Zusammenlebens zu beschreiben?!

Einige Gedankensplitter für eine Klärung:

Menschen auf der Flucht und in Not bekommen im Rahmen unserer Kräfte jede nur denkbare Hilfe. Kommen sie kurzzeitig oder dauerhaft zu uns, so müssen sie sich uns anpassen. Die weitaus meisten Flüchtlinge wollen dies auch.

Eine solche Erwartungshaltung entspricht dem normalen menschlichen Verhalten. Man muss sich dafür nicht schämen, sondern den Fremden bei dieser Anpassung mit allen Mitteln helfen. Diese notwendige Anpassung ist jedoch wesentlich weitgehender als lediglich der Besuch eines Integrationskurses. Es beinhaltet nicht die bloße Toleranz der Gastgeber (also uns) durch die Fremden, es bedeutet die Assimilation, die Übernahme unserer grundlegenden Werte bzw. der uns prägenden Kultur.

In unserer Gesellschaft stehen die Demokratie, die individuelle Freiheit, die körperliche und psychische Unversehrtheit, die Würde und die Gleichberechtigung der Menschen über allen sonstigen Werten. Diese werden weder durch Gesetze, durch religiöse Vorschriften noch durch deren Vertreter in Frage gestellt. Ehrenbegriffe (Individuell oder auch staatlich) aus einem anderen Land oder einer anderen Kultur spielen in unserer Lebenswirklichkeit weder heute noch morgen eine Rolle. Lassen wir eine solche parallele Realität zu, dann spaltet dies unsere Gesellschaft.

Die kulturelle Identität unseres Landes speist sich aus den Erfahrungen der Vergangenheit und einem erlebten Leben. Unsere Kultur erschöpft sich nicht in Gemälden, Museen oder Musik. Unsere Lebensart, unsere Erfahrungen und Erlebnisse bilden im Wesentlichen unsere Kultur und prägen uns und unser Land. Sie sind nicht verhandelbar und stehen nicht zur Disposition.

Die Sprache unseres Landes ist Deutsch. Um dazugehören ist die Sprache der entscheidende Schlüssel. Deshalb muss sie vorrangig erlernt und gebraucht (!!) werden. Auch hier sollte massive Hilfe selbstverständlich sein.

Auch wenn viele Menschen bei uns leider mittlerweile gottlos oder glaubenslos geworden sind, so gehört der christliche Glaube immer noch zu diesem Land. Die Basis unserer Gesellschaft baut auf diesen christlichen Prinzipien auf. Dies gilt es zu respektieren. Es ist eine falsche Appeasement Politik darauf zu verzichten, diese Rolle des christlichen Glaubens und der Grundwerte für unsere Gesellschaft aus trendigen oder modernen Gründen schamhaft zu verbergen. Dieses christlich geprägte Fundament bildet unser gesellschaftliches Zentrum und, man mag es bedauern, es ist eben nicht der Islam. Den Glauben anderer Menschen und damit unter anderen den Islam zu akzeptieren, gehört zu unseren Grundwerten.

Dagegen haben wir in der Geschichte schon oft verstoßen, aber wir haben (bis auf die AfD) daraus gelernt.

Um in Frieden und gutem Miteinander zu leben haben Gäste unsere Kultur, die Lebensweise unsere Gesellschaft unsere Werte und unseren Glauben zu akzeptieren. Wollen sie eine neue Heimat bei uns, so müssen sie sich anpassen und nicht wir. 
Wem dies nicht möglich ist, für den ist dies nicht das richtige Land als neue Heimat. Wer an unserem Glück teilhaben will und die Bedingungen akzeptiert sollte herzlich willkommen sein.

Nebenbei sei mir die Anmerkung erlaubt das ich auch die AfD Anhänger einladen würde sich zu integrieren und die oben beschriebenen Werte unserer Gesellschaft anzuerkennen. Vielleicht kann man ja auch dort etwas helfen?

Islam Vertrag ……

Schrecklich …..

Immer wieder bemüht man sich um eine rationale, eine vernunftsgetriebene Diskussionen über die Entwicklungen auf der Welt, bei der Abermillionen von Menschen durch Krieg, durch Armut und Perspektivlosigkeit auf der Suche nach einem menschenwürdigen Leben sind.
Doch Bilder wie diese, bei der auf dem Mittelmeer die Helfer ein totes Baby aus den Fluten bergen, durchbrechen jede Professionalität, jede Distanz, erschüttern mich als Mensch und dringen tief ein in mein ethisches christliches Selbstverständnis.

Schrecklich …..

Wen soll man denn wählen? ….

Egal wo man heute Menschen trifft und es im Laufe der Gespräche um Politik geht, überall erlebt man dasselbe.
Viel zu viele Menschen sind ratlos und schlimmer noch, immer stärker orientierungslos. Man spürt Skepsis, Misstrauen, ein dumpfes Gefühl drohenden Unheils und fehlender Glaube oder ein Vertrauen, das die aktuelle Politik funktionierende Lösungen parat hat.
Politik begleitet mich seit Jahrzehnten aber noch nie habe ich in so krasser Form ein Gefühl der zunehmenden Distanz und Erwartungslosigkeit erlebt. Immer waren z.B die Sozis bei aller überbordenden und manchmal selbstzerstörerischen Kritikfreude von ihren Sozialdemokraten und die CDU Leute von ihren Christdemokraten überzeugt. Man erlebt heute Sozialdemokraten, die achselzuckend dem Niedergang der SPD zuschauen. Man erlebt Christdemokraten die spürbar zerrissen sind in ihrer Solidarität mit der Kanzlerin und dem Gefühl nicht mehr authentisch zu sein.

Und plötzlich erzählen wählende Menschen das sie darüber nachdenken AfD zu wählen. Das Umfeld reagiert gleichgültig oder fassungslos aber vor allem wehrlos.
Zur Gegenwehr gehört aber eine Alternative an die geglaubt wird. Wenn diese fehlt, bricht die Abwehr in sich zusammen oder entsteht erst gar nicht.
Die AfD ist keine Alternative für die Menschen, weil sie nicht ansatzweise etwas Gutes bewirken kann oder will. Sie entstand und existiert aus vielen bösen und negativen Gedanken. Sie ist aber auch das Produkt aus der Ratlosigkeit und dem Vertrauensverlust so vieler Menschen.
Vielfach hört man die Hoffnung „das die da oben mal aufwachen“ – nur kommt diese Botschaft überhaupt an? Seit Jahrzehnten wissen wir trotz aller aktuellen Hypernervösen politischen Hektik, dass nur eine Minderheit in Deutschland extremistisch denkt.

Aber ich höre so viele Menschen wie noch nie zuvor mit dem Satz „Wen soll ich denn noch wählen?“.
Diese politische Ratlosigkeit und fehlende Zuversicht kann gefährlich wuchern und besorgniserregende Eigendynamiken entwickeln.
Es ist sicherlich richtig das die Bindungskraft von vielen Institutionen, Parteien, Verbänden, Vereinen, Kirchen durch die zunehmende Individualisierung stark abnimmt.
Die Welt ist komplexer undurchschaubarer, globaler geworden.

Doch genügt dies als Erklärung oder gar als Entschuldigung, um nicht mit allen Mitteln gegen diese Entwicklungen zu kämpfen? Wenn die Menschen politisch oder auch in Bezug auf die Konfession heimatlos geworden sind und wenn diese Entwicklungen dem Gemeinwesen schaden – warum kämpft man nicht mit allen Mitteln dagegen an?
Wenn vor allem der Verlust von Vertrauen und positiver Zuversicht der tatsächliche Nährboden der AfD ist, wie gewinnt man dort die Schlachten?
Die fatale Basis für die radikalen ist die Unterstützung mit einem Wahlkreuz von eigentlich nicht radikalen Menschen, welche durch Resignation und so etwas wie politischer Depression ausgelöst wird.

Dies zur Kenntnis zu nehmen und politisch offensive Gegenmaßnahmen zu entwickeln, das wäre die vordringlichste Aufgabe. Spannend könnte es sein aus der aktuellen Entwicklung Lehren zu ziehen, einer neue Lebendigkeit vielleicht Raum zu geben.
Neue Experimente zu wagen!
Warum als eine erste Idee z.B nach Wahlen eine Minderheitsregierung zu wagen für jeweilige Positionen zu werben und um Mehrheiten zu kämpfen und sich nicht in möglicherweise unpassenden Koalitionen bis zur Unkenntlichkeit zu verbiegen und abzuschleifen?
Demokratie lebt von Lebendigkeit, Kreativität, Authentizität, Transparenz von Agilität, Vielfältigkeit und Dynamik.
Das ist es, was die Menschen begeistert.
Und schon wäre es um die AfD geschehen!

Ist aber nur ein Gedanke ……..

Wen soll man denn wählen? ….

Problemblindheit….

In der Psychiatrie wird mit dem Begriff Illusion eine Sinnestäuschung verstanden. In den Fällen, in denen zwar etwas reales wahrgenommen, dies dann aber anders erlebt oder für etwas anderes gehalten wird, spricht man von „illusionärer Verkennung“.

Diese Symptome stellt man zunehmend bei verschiedenen Politikern fest, die sich fast überschlagen in ihrem Bemühen die Wirtschaft zu bändigen und zu fesseln.
Die Betriebe werden durch Dokumentationspflichten (das neue Wort für Bürokratie), einer Flut von Gesetzen, Verordnungen und Abgaben belastet. Dies alles mit dem Ziel, weitere „Wohltaten“ verteilen zu können. Das vor dem Verteilen und ausgeben zuerst einmal das Erwirtschaften steht, wird schnell übersehen.
Eine im internationalen Vergleich sinkende Produktivität, mangelnde Investitionen und überbordende Sozialleistungen werden kaum als sehr besorgniserregende Probleme wahrgenommen. Die Investitionsquote in den Unternehmen sinkt trotz einmalig günstiger Zinsen beständig und macht nur noch einen Bruchteil von ehemals beeindruckenden Zahlen aus. Der Produktivitätsfortschritt ist seit Jahren zu gering, um alle sonstigen negativen Entwicklungen auszugleichen.
Doch es wird politisch kaum versucht, diesen alarmierenden Entwicklungen lösungsorientiert nachzugehen. Die Antworten könnten ja unangenehm sein und zum unpopulären Umdenken Anlass geben?
Der Bundeshaushalt für das Jahr 2015 war mit 299 Milliarden Euro veranschlagt.
Dabei verbucht alleine das Arbeitsministerium von Frau Nahles 125 Milliarden Euro. Das ist der Löwenanteil an Steuergeldern. Das entspräche, wenn ich richtig informiert bin, dem Gesamthaushalt (!!!) der Bundesrepublik aus den Jahren 1985/86.
Schaut man sich hingegen die Investitionen in Infrastruktur oder in Zukunftsprojekte an, der im internationalen Vergleich unterentwickelten Unterstützung von Forschung und Entwicklung ist dies schon bedrückend. Man könnte den Eindruck bekommen, das wir die Quelle ewig sprudelnden Wohlstandes gefunden haben und alles so bleiben kann wie es ist.
Die Dynamik von Entwicklungen bei den großen mit uns konkurrierenden Wirtschaften, die rasante technologische Vorwärtsbewegung in den USA (Silicon Valley) oder die gigantischen Ingenieurzahlen in den asiatischen Staaten sollten eigentlich Sorgen bereiten. Gerade unser Land ist wirtschaftlich elementar auf von uns forcierte, angeführte Innovationen und wissenschaftliche Revolutionen angewiesen. Doch leider beeindrucken wir hierbei oftmals nur noch durch Skepsis bis Ablehnung. Schon lange sind wir nicht mehr auf den meisten Feldern die Vordenker und Vorreiter. Eine Katastrophe für ein Land wie das unsrige.
Auch die aktuelle Abschwächung der wirtschaftlichen Entwicklung in China verheißt uns nichts Gutes. In der Folge wird unsere auf Export ausgerichtete Wirtschaft durch wegbrechende Absatzmärkte erhebliche Probleme bekommen und der Druck dieser Länder auf unsere Märkte bzw. Produkte wird extrem zunehmen.
Bei uns wird hingegen in wechselnder Folge die Republik mit Streiks auf der Schiene oder im Luftverkehr stillgelegt, die Kunden treibt man zu konkurrierenden ausländischen Gesellschaften und quittiert dies mit einem Achselzucken. Wir stellen fest das wir eine demographische Herausforderung und einen zunehmend dramatischeren Facharbeitermangel haben und antworten mit früherem Renteneintritt.
Diese paradoxen Verhaltensweisen ließen sich beliebig weiterführen und führen zu der Frage, ob dies noch verantwortlich ist?
Tatsächlich leben wir in einer Scheinwelt und profitieren von vorübergehenden günstigen Rahmenbedingungen. Wir verdanken unsere derzeit komfortable Situation leider fast ausschließlich einigen „Glücksfällen“. Die Zinsen sind absurd gering, dies treibt die Inlandsnachfrage in die Höhe und diese kompensiert die ersten Anzeichen von Problemen in der Exportwirtschaft. Darüber hinaus profitieren wir von extrem günstigen Energiepreisen. Jede Veränderung an dieser Ausgangslage (und diese zeichnen sich dramatisch ab) wird uns sehr unsanft aus diesem gemütlichen Kuschelbett zerren.
Ich hatte es in vorhergehenden Beiträgen schon ausgeführt. Wir bereiten uns auf die bevorstehenden Änderungen kaum vor.

Um in der maritimen Sprache zu bleiben, – wir machen angesichts des sich abzeichnenden Sturmes unser Schiff in derzeit wirtschaftlich noch ruhiger See nicht sturmfest, sondern verteilen und organisieren die Sonnenliegen am Pool.
Wir leiden an einer ausgeprägten Problemblindheit.

Der Sturm wird kommen und wir alle, aber vor allem die nachkommenden Generationen, werden die Konsequenzen dieses zu kurz gegriffenen Denkens und Handelns erleiden.

Begonnen habe ich diesen Beitrag mit einem Ausflug in die Psychologie und damit möchte auch enden. Das subjektive Problemempfinden nimmt mit objektiver Problemarmut nicht ab. Wer wenige oder kaum wirkliche Probleme hat, neigt dazu kleine Probleme aufzubauschen. Man verkrallt sich in, für die Zukunft unbedeutenden Kleinigkeiten und übersieht geflissentlich die für unsere Zukunftsfähigkeit wirklich bedeutsamen Aufgaben und Problemstellungen. Dies ist Problemblindheit.

Problemblindheit….

Was ist eigentlich Wertschätzung?

Mit einer erfreulichen Intensität diskutieren wir bei verschiedensten Gelegenheiten über unserer Führungsprinzipien und die Unternehmensgrundsätze.
Eine der Kernbestandteile dieser Prinzipien ist das Ziel, Demotivation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu verhindert.
Meine Skepsis mit allerlei Bemühungen „künstliche Motivation“ nachhaltig zu erzeugen, habe in vorhergehenden Beiträgen schon hinreichend deutlich gemacht.
In früheren Zeiten waren die Alchemisten auf der Suche nach der Formel um Gold zu erzeugen. Das hat bekanntermaßen nicht funktioniert. Heute verdienen Unternehmensberater und Buchautoren viel Geld mit vermeintlich allgemeingültigen Zauberformeln wie Demotivation verhindert und Menschen wertschätzend geführt werden können.
Doch was ist eigentlich Wertschätzung?

Mitarbeiter unserer Werft die sich weiterbilden, die sich entwickeln wollen, bewerben sich als Förderkandidaten um eine Unterstützung für diese Weiterbildungen. Bei diesen Präsentationen trifft man auf eine Vielzahl von Menschen, die eine Vorstellung ihrer Zukunft haben und eine durchweg positive Grundhaltung besitzen.
Doch was wünschen sich diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihre Arbeitsumgebung?
Eine erste persönliche Feststellung. Es scheint offenbar recht schwer zu sein (vielleicht lernen und lehren wir das auch nicht) ganz konkret immer Wünsche oder Visionen der Zukunft in der Arbeitswelt vorrätig zu haben. Die Erkenntnis, dass solche Wünsche oder Vorstellungen möglicherweise eine vorweggenommene Realität sein könnten und diese als individuellen Antrieb zu sehen, ist leider oft unterentwickelt. Es ist erstaunlich, wie wenig eine solche „Spinnerei“ als Befähigung und Merkmal zu einer gestaltenden, proaktiven Zukunftsarbeit und Führung erkannt wird.
Zweite Feststellung: Oft wird recht allgemein eine bessere Feedbackkultur und Wertschätzung gewünscht. Spannend wird es dann, wenn man hinterfragt, was der Einzelne denn unter Wertschätzung oder Anerkennung versteht.
Die nachfolgend aufgeführten Erfahrungen gewinnt man nur durch ehrliche, gezielte, vorsichtige und vertiefende Interviews.

Bespricht man mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihre Übersetzung zu Begriffen wie Wertschätzung oder Anerkennung und hinterfragt was ihnen wichtig ist, bekommt man fast so viele Antworten, wie man Menschen befragt. Es werden jeweils sehr unterschiedliche „Begriffe“ genannt, die dann mit Wertschätzung oder Anerkennung in Verbindung gebracht werden.
Es werden z.B Worte wie Respekt und Achtung, Ehre, Vertrauen, Solidarität genannt.
Es werden beispielhaft Erlebnisse und Handlungen geschildert bei der die Betroffenen akzeptiert wurden, Erfolg, Anerkennung und Dank erlebten. Sie wurden gefragt, durften mitreden und hatten das Gefühl, das auf ihre Vorschläge eingegangen wurde.
Bemerkenswert ist auch wie man sich noch lange zurückerinnert an Aussagen in denen Dank und Anerkennung zum Ausdruck kommen. Das ist aber toll gelaufen, Super gemacht, Klasse oder cool. So einfache Aussagen die eine unglaublich lange in der Erinnerung haftenbleiben.
Manchmal beschreiben die Kandidaten auch sichtbare Zeichen von Anerkennung (Mimik und Gestik, Händedruck; Schulterklopfen u.ä).
Bemerkenswert auch die Benennung von Gefühlen die sie empfunden haben.… sie erinnern sich an Gefühle, die sie beim Empfang von Anerkennung empfunden haben. Zum Beispiel: Freude, Stolz, Scham, Begeisterung, Glücksgefühl, Selbstsicherheit, Erleichterung usw.
Ebenfalls tief verankert sind aber auch die genau entgegengesetzten Erlebnisse, Situationen oder Emotionen. Die Mitarbeiter wussten meistens noch ganz genau, wann ihnen Anerkennung verwehrt wurde, obwohl sie diese erwartet und möglicherweise auch verdient hatten.

Was sind jetzt die Erkenntnisse aus diesen Erfahrungen?

  • Die Alchemisten haben die Formel zur Golderzeugung nicht gefunden und es gibt auch keine universelle Formel zur richtigen wertschätzenden Führung.
  • Wenn Menschen darüber reden und nachdenken was ihnen wichtig ist, dann denken sie an ihre individuelle unmittelbare Realität, an ihr tägliches Leben und Erleben. Sie beschreiben Begriffe, Aussagen, Emotionen, Erlebnisse.
  • Diese „Wahrnehmungen“ umschreiben und beschreiben das, was den jeweiligen Menschen wichtig ist. Mit dem typischen „Personalbegriff“ Wertschätzung oder Anerkennung können die wenigsten Menschen im Tagesgeschäft etwas anfangen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschreiben Dinge die sie als positiv wahrnehmen.

Bei verschiedenen Veranstaltungen unserer Werft z.B bei unserer jährlichen Jubilarehrung, der Verleihung der sogenannten „Bildungsschraube“ für erfolgreiche Weiterbildung, oder der Übergabe von Ausbildungszertifikaten ist zwar unverkennbar, dass eine Wertschätzung stattfindet. Doch auch dabei würden die Beteiligten dies bei Nachfrage wahrscheinlich unterschiedlich interpretieren. Für die einen wird die Einladung mit Partner oder Partnerin, für den anderen die Ansprache und für noch andere die Überreichung der Urkunde möglicherweise das Entscheidende sein.

Deshalb ist es eine vergebliche Mühe zentral festlegen zu wollen wie genau Wertschätzung oder Anerkennung auszusehen hat. Die Menschen übersetzen die Begriffe Wertschätzung und Anerkennung genauso individuell, wie sie eben auch unterschiedlich sind. Dieser Begriff ist nicht statisch und daher auch nicht genau zu definieren. Die Vielzahl der Veröffentlichungen beweisen, dass man Wertschätzung und Anerkennung theoretisch beschreiben möchte. Dies muss aber aus den dargestellten Gründen unvollkommen bleiben.
Vor allem im unmittelbaren Kontakt kann man erkennen oder erfahren, was dem Gegenüber eigentlich wichtig ist. Erst danach ist man in der Lage Wertschätzung individuell anzuwenden. Würde man anfangen Vorlagen oder Checklisten anzufertigen, entspräche das einem Menschenbild, welches ich nicht teile. Man entmündigt den Menschen, indem man ihm seine Individualität und Einzigartigkeit aberkennt.
Dies bedeutet keineswegs das ich es als unmöglich ansehen würde Wertschätzende und anerkennende Führung in einer Organisation zu verankern.
Wichtig erscheint mir nur der Hinweis, dass wir uns der großen Anzahl von „Möglichkeiten“ und individuellen Szenarien bewusst sind.
In einem vorhergehenden Blog hatte ich schon darauf hingewiesen das der unmittelbare, häufige, natürliche und ehrliche Kontakt, die Beziehung, die Interaktion zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den Führungskräften entscheidend und elementar ist. Ausschließlich dort, an dieser entscheidenden Stelle erfährt man, was zu tun ist. Nur dort und nicht in Seminaren oder Büchern wird entschieden, was für die Akteure jeweils wichtig, was wertschätzend und anerkennend in der konkreten Erwartung jeweils bedeutet. Eine fürwahr anspruchsvolle Aufgabe an moderne Führung.

Was ist eigentlich Wertschätzung?

Agilität bei der Menschenentwicklung?

Ende letzten Jahres habe ich einen Vortrag zum Thema das „Agile Manifest“ genießen dürfen. Seit der ersten Veröffentlichung im Jahr 2001 durch verschiedene Softwareentwickler wird das Thema Agilität in verschiedenen Coaching Veranstaltungen immer wieder intensiv diskutiert. Meine eigene Fachbereichsleiterin in der MEYER Akademie formulierte das Thema Agilität in einem Bericht zu ihrer eigenen Qualifizierung in der Coaching Akademie.
Agilität beschreibt die Fähigkeit einer Organisation, flexibel, aktiv, anpassungsfähig und mit Initiative in Zeiten des Wandels und Unsicherheit zu agieren.
Die Verfasser dieses Manifestes veränderten ihre Betrachtungsweisen und Schwerpunkte hinsichtlich ihrer Aufgaben und Arbeiten. Dies führte zu interessanten Überlegungen.
Im Kern ging es bei den Gegenüberstellungen um die Priorisierung bei verschiedenen, für wichtig erachteten Werten. Was ist im Manifest enthalten?

  • Individuen und ihr Zusammenspiel und ihre Zusammenarbeit sind mehr im Fokus als Prozesse und Handwerkszeuge.
  • Funktionierende Werkzeuge (in diesem Fall Software) sind wichtiger statt mit viel Aufwand verständliche Dokumentationen zu entwickeln.
  • Mehr und intensivere Kooperation mit den Kunden sind wichtiger als sich hauptsächlich auf Vertragsverhandlungen zu konzentrieren.
  • Die bereitwillige schnelle Anpassung an Veränderungen ist bedeutsamer als die strikte möglicherweise unflexible Planausführung.

Zwar betrachteten die Verfasser auch die als zweites genannten Werte als wichtig und richtig, doch die zuerst genannten waren nachhaltiger und wichtiger. Mich hat der Gedanke nicht losgelassen ob dieser gedankliche Prozess nicht auch ein Statement bzw. Modell für ein modernes Personalentwicklungsmanagement sein könnte?
Wir konzentrieren uns sehr darauf Menschen zu einem qualifizierten Schulabschluss, zu einem Studium oder zu einem erfolgreichen Abschluss einer Facharbeiterausbildung zu befähigen. Ich empfinde das auch als extrem gut und wichtig. Dies ist immer noch die Eintrittskarte in eine gute Zukunft. Doch noch wichtiger ist es das wir qualifizierte, selbstbewusste, verantwortlich handelnde Individuen entwickeln. Mit diesen Fähigkeiten helfen sie sich selber, uns allen und den Betrieben.
Deshalb möchte ich einfach folgende Überlegungen und Gegenüberstellungen im Sinne einer Agilität anstellen:

  • Wir erschließen immer bessere Methoden, um Menschen individuell zu entwickeln, statt lediglich exzellente Lehrpläne zu absolvieren.
  • Wir helfen Menschen zu erkennen, was sie individuell werden können und nicht nur wie sie unsere Anforderungen erfüllen.
  • Die individuelle Menschenentwicklung und die Erlangung von Selbstbewusstsein und dem Gefühl eigener Möglichkeiten und Wirksamkeit ist wichtiger als die Erlangung umfangreicher Zertifikate und Prüfungen.
  • Das Wecken von ununterbrochener Neugier und Interesse könnte bedeutsamer sein als die systematische Vervollkommnung fachlicher Spezialität.

Hier gibt es sicherlich noch weitere Anknüpfungspunkte und ganz sicherlich auch Widerspruch (auf den ich mich freue).
Ich fände es eine spannende Diskussion, sich darüber zu unterhalten ob unsere Zukunftsfähigkeit nicht ganz entscheidend von unseren agilen Fähigkeiten, also der flexiblen Anpassungsfähigkeit an sich ununterbrochen ändernde Anforderungen geprägt wird? Und auf welch anderen Gebieten könnten diese Überlegungen zu neuen Ideen und Schwerpunkten führen?

Agilität bei der Menschenentwicklung?

Konflikte machen Sinn

Betriebliches oder Politisches Management und Führung in Zeiten ohne größere Herausforderungen und Probleme ist recht einfach. Konsequentes, zielgerichtetes starkes Führen, Agilität und professionelle Konfliktfähigkeit ist vor allem in schwierigen Zeiten gefordert. Nicht um die Menschen oder Organisationen zu entmündigen oder zu bevormunden, sondern um dort Entscheidungen zu treffen, wo die unmittelbar Beteiligten in Konflikten keine Möglichkeiten oder keine Kraft mehr haben notwendige Entscheidungen zu erreichen.
Es ist festzustellen das sich die Konfliktbewältigung bzw. die Art wie wir streiten, verändert hat.
Kontroversen, also das Ringen um den besten Weg oder das engagierte Einstehen für Positionen sind grundsätzlich das „Salz in der Suppe“ der Demokratie. Die Gesellschaften und damit auch die Betriebe werden mit einer immer größeren Spreizung von Individualität und einer immer größer werdenden Unterschiedlichkeit der Menschen konfrontiert. Die Folge dieser Entwicklungen werden mit großer Wahrscheinlichkeit zunehmende Meinungsverschiedenheiten sein.
Es erstaunt und überrascht allerdings wie wenig „nervenstark“ oder abgeklärt heutzutage in Auseinandersetzungen agiert wird.
Belastend ist es sicherlich, wenn mit Hilfe vieler neuer Werkzeuge in der Kommunikation von Kontroversen auch schnell diffamiert, statt argumentiert wird. Das ist sicherlich für alle Beteiligten nicht schön, wird durch lautes Klagen und Jammern aber auch nicht besser. Wir werden lernen müssen auch mit diesen Folgen einer anderen medialen Umgebung und einer „Echtzeitgeschwindigkeit“ in der Kommunikation zu leben.
Schlimm würde es nur wenn das eintreten für richtige Positionen angesichts des stärker gewordenen Fegefeuers von Kontroversen zu schnell in ein wegducken, einen faulen Kompromiss oder einen schlechten Konsens münden würde.
Im engagierten Meinungsstreit beweisen Haltungen und Standpunkte ihren Wert. Dort bestehen oder scheitern sie.

Sicherlich ist es wünschenswert weitestgehend harmonisch und im Konsens miteinander umzugehen. Doch es ist nicht richtig, wenn wir annehmen dass wichtige richtungsweisende Entscheidungen und Erfolge, immer zwingend aus einem Konsens entstehen. Dies ist lediglich ein reichlich naiver und idealisierender Glaube und lässt sich durch Beispiele nicht belegen.
Kompromisse um jeden Preis können in Gesellschaft und in der Wirtschaft auch erste Anzeichen eines gleitenden Übergangs in Dekadenz und Niedergang sein. Die Nachteile einer ausgeprägten Vermeidung von notwendigen, nachvollziehbaren, ehrlichen, hart und engagiert ausgetragenen Kontroversen können wesentlich größer werden als uns dies vielleicht bewusst ist. In der Politik führt dies zur Politikverdrossenheit und zur Stärkung extremer Ränder, in den Betrieben zu einer Erosion von Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Konsequenz.
Unsere Zukunft fordert von uns allen mit wesentlich mehr Engagement und Entschiedenheit für Positionen oder Meinungen einzutreten. Wir sollten keine Entscheidungen oder Handlungen mehr widerspruchslos akzeptieren, die unsere Prinzipien tangieren oder den Schutz sowie eine Weiterentwicklung von Gesellschaft, Organisationen oder Individuen behindern.
Die Abkehr von einer vorwiegend fast zwanghaft auf Konsens ausgerichteten, dadurch oftmals inkonsequenten, lähmenden Gesellschafts,- bzw. Betriebspolitik und andererseits die Aktivierung eines konsequent zukunftsgerichteten professionellen Konfliktmanagements ist logisch, nachvollziehbar und verantwortlich. Diese wird aus der Außenbetrachtung manchmal paradoxerweise nicht mit Erkenntnisgewinn, sondern mit einem möglicherweise abrupten willkürlichen Paradigmenwechsel übersetzt.
Führt man tatsächlich einen Konflikt konsequent durch, ist die Engstirnigkeit und Borniertheit, mit der dies dann betrachtet und beurteilt wird, auch schon wieder erschreckend. Es herrscht fast überall ein eklatanter Mangel an Stressresistenz um solche Unterschiede auszuhalten, es fehlt an Streitfähigkeit.
An viel zu vielen Stellen werden offensichtliche Fehler, Probleme oder Fehlentwicklungen um des „lieben Friedens willen“ nicht benannt. Manchmal weil sie ideologisch oder aufgrund von Hierarchie nicht erwünscht sind, kritische Einwände werden überhört oder gleich verunglimpft. Es dominiert oft eine Schweigespirale und die Lüge wird als Mittel zu einem Ergebnis salonfähig. Der Eindruck von Barrikaden hinter denen man seine liebgewordenen Meinungen in Sicherheit bringt, drängt sich auf. Diese Engstirnigkeit verhindert das ein unvoreingenommener Blick zu guten Lösungen führen könnte. Die Fähigkeit einer differenzierten Beurteilung und eines an der Sache orientierten Streites geht mit einem „Lagerdenken“ recht schnell verloren.
Differenzierung heißt Unterscheiden. Unterscheiden zu können, zwischen dem was man wahrzunehmen glaubt, was man sich wünscht und dem, was tatsächlich ist. Die Fähigkeit zur Differenzierung lässt uns erkennen, dass einfache Denkschablonen unpassend sind. Einige Beispiele gefällig? Politiker sind glücklicherweise viel öfter Idealisten und nur manchmal Egoisten, nur eine Minderheit und nicht die Mehrheit der Muslime sympathisieren mit Terroristen. Nicht jeder über die große Flüchtlingszahl besorgte Bürger ist ein Rechtsradikaler. Nicht jeder demokratisch gewählte Mensch ist um seine Wähler, seine Kolleginnen und Kollegen, sein Land oder seinen Betrieb besorgt. Und nicht jede in einem autoritären Staatswesen an herausgehobener Stellung agierende Person ist immer ein schlechter Mensch. Dieser aus einem differenzierten Denken resultierende Erkenntnis wird wahrscheinlich noch jeder zustimmen. Doch wenn es um die praktischen Folgen solcher Erkenntnisse geht verlässt uns zu oft die Fähigkeit zur Differenzierung wie ein flüchtiges Gas.
Die einfachen Modelle und Vorurteile sind eben verlockend einfach und simpel!

Die immer komplexer werdende Welt löst viele bestehende Strukturen und liebgewordenen Denkschablonen auf. Die entstehenden Widersprüchlichkeiten und Kontroversen aus den Unterschiedlichkeiten könnten wir auch als Chance begreifen.
Doch Lagerdenken ohne die Bereitschaft zu differenziertem Abwägen und der Bereitschaft zum fairen ausfechten von Unterschieden auf der Suche nach den besten Lösungen, kann Betriebe und Gesellschaften blockieren.
Sie machen diese handlungsunfähig und in letzter Konsequenz konkurrenzunfähig. Eine Weiterentwicklung von Individuen und Organisationen wird durch eine auf zwanghafte Harmonie ausgelegte „Konsensneurose“ oder aber andererseits ideologisch betonierter Schützengräben behindert.

Möglicherweise müssen wir neu lernen zu streiten und dies auch auszuhalten.
Wir müssen lernen, wie wir heute und zukünftig um Lösungen und die besten Wege streiten wollen. Auf diesem Weg machen wir alle Fehler aber ich persönlich betrachte die dabei gewonnenen Erfahrungen zwar als oftmals schmerzhaft aber auch als lehrreich.
Als ganz schlimm empfinde ich die Argumente, die manchmal als Grund zur Vermeidung oder Beendigung einer von Gegensätzen geprägten Debatte herangezogen werden.
Der Klügere gibt nach? Was für ein blöder Satz. Soll die Dummheit obsiegen? Millionenfach wiederholt wird diese vermeintliche Weisheit einfach nicht logischer.
Der Hang zu Konformismus, übersteigertem Sicherheitsdenken oder vermeintlicher political correctness lassen Konflikte unterschwellig weiterbrennen wie ein Feuer im Moor.
Die Wertschätzung, die ich einem Gegenüber entgegenbringe, zeigt sich auch daran, das ich offen Farbe bekenne, Konflikte aushalte, sie konsequent zuende führe und keine faulen Ausreden benutze um einem Konflikt unter allen Umständen aus dem Weg zu gehen.

Konflikte machen Sinn